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Der Ritter und die Dame im Mond [Non-FF]

HeatherMcGoldenheart
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Der Ritter und die Dame im Mond [Non-FF]

Beitragvon HeatherMcGoldenheart » Sa 23 Aug, 2014 23:10

Spoiler
Hallo zusammen!
Das hier ist sie nun, die erste Geschichte die ich hier veröffentlchen möchte, eine meiner eigenen, Non-Fanfiction-Storys.
Angefangen hat sie als Fangeschichte, wurde dann aber von mir zu einer ganz eigenen Story umgeschrieben.
Ich hoffe sie gefällt, aber auch, das ich hier ein wenig Feedback darüber kriege, was ich eventuell besser machen kann. ^^

Kleine Anmerkung am Rande:
Die Titelbilder der einzelnen Kapitel sind alle von mir gezeichnet und gehören auch mir! Die Verlinkung erfolgt von meinem eigenen Deviantart-Account.
Falls eine solche Bildverlinkung hier nicht erwünscht ist, bitte ich um Benachrichtigung. Danke! :-)

Und nun: Viel Spaß beim lesen!


Klappentext:
Zwei Ritter auf der Suche nach Heilung von einem Fluch, in einer Welt voller Magie, mystischer Wesen und ungeahnten Geheimnissen, bedroht durch den Hass vergangener Tage. Kann Sir Uilleam sein Schicksal erfüllen, den Fluch brechen und die Welt vor dem Untergang bewahren? Oder ist alles verloren und er selbst dazu verdammt, auf ewig einsam zu bleiben? Lest, und erfahrt selbst was geschieht.

Der Ritter und die Dame im Mond

Kapitel 1 - Der Wanderer erzählt



Einst, in einer fernen Zeit, die heute nur noch in den Träumen der Menschen existiert, trug es sich zu, dass Licht über Dunkelheit siegte, Liebe den Hass vertrieb und einige wenige Worte stärker waren als die schärfste Schwertesklinge…

„Sieh an, sieh an! Reisende zu solch später Stunde? Kommt nur her, setzt euch zu mir ans Feuer und ruht euch aus. Ich weiß so manch eine Geschichte, die euch erheitern und zum Staunen bringen wird! Was sagt Ihr, wovon ich soeben gesprochen habe? Oh, das ist eine gute Frage, aber es ist eine noch bessere Geschichte! Kommt her, kommt her, dann will ich sie Euch erzählen. Ihr fragt nach meinem Namen? Nun, man nennt mich Conan, den Wanderer.“

Begonnen hat diese Geschichte bereits, als ich selbst noch ein unbescholtener Knabe war und alles, was ich davon weiß, wurde mir nur mündlich zugetragen. So verzeiht Ihr sicherlich, wenn ich das Geschehene nur wage beschreiben kann.

Man sagt, es geschah in einer hellen Vollmondnacht, als ein Knabe geboren wurde, dessen Schicksal sich einst auf magische Art und Weise erfüllen würde. Doch daran dachte niemand in dieser Nacht, in welcher das Kind das Licht der Welt erblickte, wie es vor und nach ihm tausende Kinder taten. Und doch war es keine gewöhnliche Nacht, denn als der Junge seinen ersten Schrei tat, geschah etwas Merkwürdiges.
Silberner Nebel wog zum Fenster herein und umgab das Kind und seine Mutter. Eine Gestalt hob sich darin ab, und ängstlich versuchte die Frau ihr Neugeborenes in ihren Armen zu verbergen, als eine Stimme erklang. Diese war so sanft und glockenhell, dass die Frau alle Angst verlor und gebannt zusah, wie die Gestalt aus dem Nebel trat. Erstaunen weitete ihre Augen, als sie erkannte, dass kein menschliches Wesen vor ihr stand, sondern etwas, das sie nur aus ihren Träumen kannte. Der Körper glich dem einer Frau, doch prangte das Haupt eines Einhornes darauf. Hände und Füße endeten in gespaltenen Hufen und ein Löwenschweif ragte aus dem Silberglänzenden Kleid hervor, welches das Wesen trug. Der ganze Körper war von Fell bedeckt, welches so weiß war, wie frisch gefallener Schnee. Das Haupt krönten lange, lockige Haare von silberner Farbe, welche bis weit hinab auf den Rücken reichten. Doch weder all diese Pracht, noch das magisch leuchtende Horn, vermochten die Frau so in ihren Bann zu ziehen, wie es die Augen des Wesens taten. Diese waren so blau wie der Himmel beim Hereinbrechen der Nacht und so klar wie es auch das reinste Wasser nicht sein konnte.

„Fürchte dich nicht, gute Frau, denn weder dir noch deinem Kind soll von meiner Hand ein Leid widerfahren.“ Die Gestalt trat auf das Bett zu und dieses Mal wich die Frau nicht zurück. „Ich habe dir etwas Wichtiges zu verkünden, denn dem Knaben, dem du in dieser Nacht das Leben schenktest, ist ein großes Schicksal vorausgesagt. Denn wenn bereits viele Jahre verstrichen sind, wird die Dunkelheit ihre Finger nach diesem Land und allen, die darin leben ausstrecken. Und dein Sohn allein wird es sein, der das drohenden Unheil abzuwenden vermag!“ „Mein Sohn… aber… Warum gerade mein Sohn? Er ist mein einziges Kind!“ Panisch richtete sich die Frau auf, und wieder schlug sie schützend die Arme um den schreienden Säugling, so als könnte sie ihn allein dadurch vor seinem Schicksal bewahren.
Das Wesen schwieg, doch fast war es, als würde es lächeln. „Ich kann dir nicht sagen, warum gerade dieses Kind auserwählt wurde, doch sei unbesorgt. In der Stunde der Not werden ihm treue Freunde und tapfere Weggefährten zur Seite stehen, die ihm helfen werden, sein Schicksal zu erfüllen.“ Plötzlich wurde das Zauberwesen in ein seltsames Licht gehüllt und erschrocken wandte es sich zum Fenster. Draußen kündigte sich bereits das Morgengrauen an und die Gestalt sah mit angsterfülltem Blick zum Mond, der bereits tief über den nahen Bergen hing. „Mir bleibt nur noch wenig Zeit, also höre gut zu!“

Einst war ich eine Zauberin, die das Licht auf dieser Welt beschützte und allen Wesen Segen brachte. Doch dort, wo helles Licht erstrahlt, da werden immer auch dunkle Schatten sein. Einer dieser Schatten war ein alter Magier, der seine Kräfte stets nur zu seiner eigenen Freude und zum Leid aller einsetzte. Als er sein Spiel zu weit zu treiben drohte, stellte ich mich ihm, doch alle meine Bemühungen, ihn zu bekehren, seine Kräfte für das Gute einzusetzen scheiterten…“

„Es kam zu einem grausamen Kampf, bei dem der böse Magier sein Ende fand. Doch es gelang ihm einen Fluch auf mich zu legen: So muss ich fortan als Einhorn mein Dasein auf dem Monde fristen, fast all meiner Kräfte beraubt und nur in einer hellen Vollmondnacht wie dieser ist es mir gestattet, auf Erden zu wandeln. Doch dies ist nicht alles, was in jener Nacht geschah…“

„Der Magier schwor noch in seinem letzten Atemzug, dass er einst zurückkehren und die Welt in Dunkelheit stürzen würde. Sein Körper ergab sich daraufhin dem Tode, doch ich konnte spüren, dass seine Seele längst entschwunden war. Ich war voller Trauer und Sorge um diese Welt, doch ein Licht der Hoffnung erschien mir, als ich in einer Vision euren Sohn sah. Er ist es, der die Wiedergeburt des Magiers besiegen und diese Welt vor ihrem Untergang bewahren wird!“
Das Wesen schwieg für einen Augenblick, so als müsse es erst neue Kräfte sammeln. Draußen bahnten sich die ersten zaghaften Sonnenstrahlen ihren Weg über die hügelige Landschaft und der Frau war es, als würde das Wesen mit jeder Minute blasser werden. Auch schien seine Stimme aus weiter Ferne zu kommen, als es weiter sprach.

„Dein Sohn wird zu einem stattlichen Mann heranwachsen und alsbald den Stand eines edlen Ritters erlangen. Viele Frauen werden ihn umwerben und auch er wird dem schönen Geschlecht nicht abgeneigt sein. Doch um sein Schicksal erfüllen zu können… muss ich eine große Bürde auf ihn legen…“ „Nein! Ich bitte euch! Verschonet meinen Sohn, was immer diese Bürde auch sein mag!“ Aber das Wesen schüttelte den Kopf, doch seine Augen waren voller Trauer, als es sprach: „Es gibt keinen anderen Weg… Denn nur ein einsames Herz kann Einsamkeit verstehen. Und nur wem verziehen wurde, der kann auch verzeihen.“
Das Horn des Wesens erstrahlte und die Frau musste die Augen schließen, um nicht geblendet zu werden. So vernahm sie nur noch die Stimme der Zauberin.

„Kein Herz einer Frau wird je das seine sein und keiner Frau wird er sein Eigenes je schenken können, bis sein Schicksal erfüllt ist. In Einsamkeit wird er auf dieser Erde wandeln und bald wird Grimm sein Herz versteinern. Auch wird Blut fließen und seine Hand wird einem Freund den Tod bringen….“ Die Stimme klang nun aus weiter Ferne, fast war sie nicht mehr zu verstehen. „Und erst wenn sich sein Schicksal erfüllt hat, und nur dann… Wird er sein Glück finden…“

Die Stimme erstarb und die Frau blickte sich im Raume um. Doch von dem Wesen fehlte jede Spur. Schon wollte sie an ihrem Verstande zweifeln, als ihr Blick zum Fenster schweifte. Dort, unter dem steinernen Bogen stand ein silberner Schild von unglaublicher Schönheit, in dessen Mitte das Bildnis eines steigenden Einhorns prangte. Auch lagen ein silberner Helm und ein reichlich verziertes Schwert daneben und unter dem Fenster stand eine Reichverzierte Truhe, die sicher noch weitere Schätze barg.
Die Frau begann zu zittern und drückte ihr Kind ganz eng an sich, welches nun friedlich in ihren Armen lag und schlief. „Niemals werde ich zulassen, dass dich dieses Schicksal trifft und deshalb darfst du nie davon erfahren.“ Sie lächelte und drückte dem Knaben einen Kuss auf die Stirn, doch zugleich rannen ihr Tränen die Wange hinab. „Ein Ritter sollst du meinetwegen werden und auch die Welt sollst du bereisen. Doch vor dem Kummer deines Schicksals werde ich dich bewahren… Uilleam.“

Guten Morgen! Ich hoffe, Ihr habt gut geruht, auch wenn das Lager nur bescheiden war. Nun ja, das Vagabundenleben ist eben nicht bequem. Dafür aber äußerst aufregend, findet Ihr nicht auch? Doch nun ist es an der Zeit aufzubrechen, denn heute ist ein besonderer Tag.“

„Was so Besonderes los ist, fragt Ihr? Ja wisst Ihr denn nicht, heute ist ein großer Jahrmarkt unten im Dorf! Verschiedenste Köstlichkeiten aus aller Herren Länder, Händler von Nah und Fern, welche die unterschiedlichsten Waren feilbieten, allerlei Gaukler und Fahrendes Volk… Aber seht doch, wer dem Fest noch beiwohnen möchte!“

Der Wanderer erhob sich von seinem Platz am Feuer und deutete auf den nahen Weg, auf dem sich zwei Reiter näherten. An ihren Rüstungen und den Schwertern an ihren Gürteln erkannte man sofort, dass es sich um zwei Ritter handeln musste.
Der eine ward von schlanker Gestalt und lächelte freundlich als er näher kam, während seine Augen voller Freude strahlten. Er brachte sein Pferd zum Stehen und deutete mit einem Kopfnicken eine Begrüßung an. Mit ruhiger Hand nahm er seinen Helm vom Kopfe und fuhr sich mit den Fingern durch die langen, dunkelbraunen Haare, welche in leichten Locken über seine Schultern fielen. Mit einem vergnügten Lachen blickte er den Weg entlang in Richtung des nahen Dorfes, ehe er mit klarer Stimme sprach: „Nur noch wenige Meter, dann kannst du dir auf dem Fest den Bauch voll schlagen. Ich denke doch, dass dies deine Laune bessern wird, oder etwa nicht, Sir Uilleam?“

Er wendete sich seinem Begleiter zu, welcher nun ebenfalls sein Pferd zügelte. Doch diesem schien diese Rast nur wenig zu gefallen, er grüßte nicht einmal, während sein Blick über die kleine Lichtung und das spärliche Lager des Wanderers glitt. Und doch erschien er beinahe wie die Statue eines Helden, wie er so hoch erhobenen Hauptes auf seinem Pferd saß, in einer Hand die Zügel haltend, die andere auf dem Griff seines Schwertes ruhend. Seine imposante Gestalt ließ keinen Zweifel daran, dass seine Rüstung von enormen Muskeln getragen wurde und sein grimmiger Blick ließ wohl ein jeden erschaudern. Und doch… Trotz seiner abweisenden Art lag etwas in seinem Blick, was nur schwer zu deuten und wohl noch schwerer zu verstehen war. Eine seltsame Melancholie schien von dem Manne auszugehen, welcher inzwischen sein Pferd Richtung Dorf gelenkt hatte und so unmissverständlich klar machte, dass er nicht länger an diesem Ort zu verweilen wünschte.

Conan kramte derweil äußerst geschäftig seine wenigen Habseligkeiten zusammen und wendete sich an den ersten Reiter. „Erlaubt mir eine Frage, edle Herren! Gestattet ihr es mir, euch ins Dorf zu begleiten? Ich wollte eh dorthin, aber es reist sich in Gesellschaft doch um Längen angenehmer.“
Der Angesprochenen lächelte und meinte wohlwollend: „Gewiss habt ihr Recht, guter Mann. So verratet mir euren Namen, dann steht eurer Anwesenheit an unserer Seite nichts im Wege.“ „Oh, verzeiht mein Herr. Ich bin Conan, der Wanderer. Reisender auf tausend Wegen und Niederschreiber allerlei Geschichten und Verse, welche mir auf meinen Reisen zugetragen werden.“ „Nun denn Wanderer, mein Name ist Sir Lyall und dieser brummige Geselle dort,“ er deutete mit einem breiten Grinsen zu seinem Gefährten, „ist Sir Uilleam, auch ’der Großherzige’ genannt.“ Uilleam brummte etwas Unverständliches vor sich hin, und meinte dann lautstark: „Wollt ihr hier nun Wurzeln schlagen, oder schaffen wir es noch bis Sonnenuntergang ins Dorf?“ Er trieb sein Pferd an, drehte sich aber im Sattel noch einmal herum und meinte, an Conan gewandt: „Es reicht ja schon, dass ich noch so eine Quasselstrippe bis dorthin ertragen muss…“ Schon ließ er sein Pferd wieder antraben und kümmerte sich nicht mehr weiter darum, was hinter ihm geschah. Conan schien von diesem Verhalten ein wenig irritiert. „Sagt mir, Sir Lyall… Ist Euer Begleiter immer so… liebenswert?“ Lyall schüttelte den Kopf. „Aber nein.“ Dann lachte er, während er sich zu Conan herunterbeugte und ihm freundschaftlich auf die Schulter klopfte. „Nur wenn er gute Laune hat.“ Der Wanderer stutzte, dann stimmte er in das Lachen des Ritters mit ein.

Aber schließlich schien Conan noch etwas einzufallen und er wendet sich um. „Wie sieht es mit Euch aus, wollt Ihr uns nicht auch begleiten? Es scheint noch ein spannender Tag zu werden. Denn habt Ihr bemerkt, wer uns dort gerade begegnet ist? Ihr habt vollkommen Recht! Es ist genau jener Uilleam, von dem ich Euch gestern Abend berichtet habe! Doch ich sehe, Sir Lyall möchte aufbrechen. Also, gesellt Euch doch zu uns, wer weiß, was noch alles geschieht.“

Der Weg zum Dorf war nicht lang und schließlich betrat die kleine Gruppe den Dorfplatz, auf dem ein buntes Treiben herrschte. Der Duft von Gebraten- und Gebackenem lag in der Luft, Musik erklang, das Geschrei der Marktleute erfüllte die Luft und alle waren ausgelassen und guter Dinge. Die Gruppe wendete sich einem Gasthof am Rande des Platzes zu und die beiden Ritter stiegen von ihren Rössern. Uilleam schien es recht eilig zu haben, denn ohne viele Worte drückte er einem Stallburschen die Zügel in die Hand und entschwand daraufhin auch schon in der Menschenmenge. Lyall, der noch etwas in seiner Satteltasche zu suchen schien, wendete sich derweil an Conan. „Sagt mir Wanderer, wird hier heute etwas Besonderes gefeiert?“ „Nun, soweit mir bekannt ist, findet in diesem Dorf jedes Jahr um diese Zeit ein Fest statt um einfach einmal die Sorgen des Alltags hinter sich zu lassen und noch einmal die Freuden eines Festes zu genießen, bevor der graue Winter Einzug hält. Sie nennen es schlicht, ’Herbstmarkt’. Doch sagt mir, was führt zwei edle Herren wie Euch in diese einfache Gegend?“ Sir Lyall, der seinerseits sein Pferd an einen Burschen übergab und sich daraufhin nach seinem Begleiter umsah, schwieg einen kurzen Moment, ehe er antwortete. „Ich finde, wir sollten uns unsere Reiseberichte für den heutigen Abend aufheben und uns diese in gemütlicher Runde erzählen. Lasst uns nun erst einmal dem Fest beiwohnen.“ Er lächelte und schließlich bahnten sich die beiden einen Weg durch die Menschenmenge ohne jedoch zu bemerken, dass ihnen jemand dicht auf den Fersen war…
Der Abend graute bereits und doch war das Fest noch in vollem Gange. Eine Gruppe junger Spielmänner spielte zum Tanze auf und viele der Anwesenden kamen ihrem Aufruf nur zu gerne nach. Lyall und Conan schauten der Menge zu, während Uilleam ein wenig Abseits saß und einen Krug Bier genoss, dabei einer Gruppe junger Damen überschwänglich von seinen Abenteuern berichtend.

Die Frauen hingen förmlich an seinen Lippen und bedrängten ihn mit Fragen, wenn er nur kurz innehielt. Conan beobachtete dies interessiert und meinte dann lachend: „Euer Freund Uilleam weiß die Frauen für sich zu begeistern, habe ich Recht?“ Lyall nickte, doch etwas in seinem Blick ließ den Wanderer stutzen. Lyall bemerkte dies und meinte leise: „Er bemüht sich jeden Tag aufs Neue um die Frauen, doch es ist zwecklos…“ „Was meint ihr damit?“ Conan war verwirrt, doch sein Gegenüber hüllte sich in Schweigen, den Blick zu seinem Kameraden gewandt, der gerade zu einer weiteren Geschichte ansetzte. Conan grübelte derweil noch über die Worte des Ritters nach, als dieser ihm zuflüsterte: „Wartet, bis die Sonne untergegangen ist…“ Nun war der Wanderer vollends verwirrt, doch sein Gegenüber gebot ihm nur mit einer Handbewegung zu schweigen. So saßen die beiden still inmitten des Getümmels, während die Sonne langsam hinter den Bergen verschwand. Schließlich wurden überall auf dem Markt Fackeln entzündet, und auf dem Platz brannte bald ein gewaltiges Feuer, welches die anbrechende Nacht erhellte. Es wurde immer noch getanzt und gelacht, Bier floss in Strömen und die Stimmung war ausgelassen und fröhlich. Bald schon standen die ersten Sterne am Himmel und Uilleam berichtete soeben lautstark vom Kampfe mit einem Drachen, noch immer von schwärmenden Damen umringt. Conan beschlich das Gefühl, dass der Ritter ihn verulken wollte, als plötzlich etwas Merkwürdiges geschah.

Mit einem Mal war es, als ob die Frauen jegliches Interesse an Sir Uilleams Geschichten verloren hätten, denn wie auf ein geheimes Zeichen hin wandten sie sich von ihm ab und gingen ihrer Wege. Nicht eine von ihnen wand sich auch nur noch einmal nach dem Ritter um, welcher nur schweigend da saß, das Haupt gesenkt, kopfschüttelnd. Dann strich er mit einer Hand seine langen Haare zurück und schaute sich um. Sein Blick war eindeutig, Trauer und Verzweiflung sind in den dunklen Augen zu lesen. Doch plötzlich schlug seine Stimmung um, sein Bierkrug landete mit einem solch lauten Knall auf dem Tisch, dass die Umstehenden vor Schreck zusammenfahren. Uilleam sprang auf und ging ein paar Schritte, ehe er zurück an den Tisch trat, diesen mit einem Aufschrei packte und Richtung Feuer schleuderte. Alle Umstehenden sahen dem Ritter voller Angst nach, als dieser mit eiligen Schritten an ihnen vorbei in Richtung der Stallungen ging.

Conan saß wie vom Donner gerührt auf seinem Platze, brachte nicht mehr als ein gestottertes „Was… Was war denn das?“ über seine Lippen. Sir Lyall schwieg nur und starrte in seinen Krug, ehe er sich an seinen Begleiter wendete. „Das, mein lieber Freund, ist der Fluch des Sir Uilleam…“ „Ich… Ich verstehe nicht…“ „Das tut niemand… Dennoch passiert es, jeden Tag aufs Neue. Sir Uilleam bemüht sich redlich um die Damen und viele zeigen Interesse an ihm. Doch kaum das die Nacht herein bricht… Nun, ihr habt ja gesehen was passiert ist.“ Conan nickte, doch so recht begreifen konnte er das Ganze wohl noch nicht. „Es schien mir als… Als würden sie alle auf einmal das Interesse verlieren. Ich möchte sogar behaupten, es sah so aus als… Währe Sir Uilleam auf einmal gar nicht mehr anwesend…“ Sir Lyall nickte, ehe er einen Schluck aus seinem Krug nahm. „Ich weiß nicht wie viele Jahre ich nun schon mit Sir Uilleam reise und wie viele Male ich dies beobachtet habe. Doch ganz egal was er auch versucht, oder wohin wir reisen. Es ist jedes Mal dasselbe. Und das hat ihn verändert im Laufe der Jahre…“ „Wie… Wie meint ihr das?“ Gerade will Lyall antworten, als ein Aufschrei und das Geklapper von Hufen ihn und seinen Begleiter herumwirbeln ließ. Aus dem nahen Stall preschte mit großen Sprüngen ein Pferd hervor und jagte durch die auseinander getriebene Menge Richtung Wald davon. Auf seinem Rücken niemand anderes als Sir Uilleam.
Zuletzt geändert von HeatherMcGoldenheart am Sa 15 Aug, 2015 17:56, insgesamt 7-mal geändert.
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Beitragvon Flocke » Mo 25 Aug, 2014 12:53

Mir gefällt dein schreibstiel :D aus zeitmangel hab leider nicht bis zum ende gelesen aber es ist jetzt schon wirklich spannend. Was ich toll finde das du auch am anfang doch sehr zeitlich auf den punkt kommst :D und nicht lange beschreibungen, sondern man weiß ziemlich schnell woraus es ankommt. Klasse kapitel bild :D
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danke Zoe <3

HeatherMcGoldenheart
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Der Ritter und die Dame im Mond [Non-FF]

Beitragvon HeatherMcGoldenheart » Mo 29 Sep, 2014 22:15

Spoiler
@ Flocke:
Danke für das Lob und es freut mich, dass es dir gefällt! ^^

Habe das erste Kapitel überarbeitet, einige Sätze und Absätze sind der EDIT zum Opfer gefallen *grins*
und ich habe mich nun dazu entschlossen, die Geschichte in der Vergangenheitsform zu verfassen.
Hoffe sie gefällt auch weiterhin. ^^


Kapitel 2 - Im Gasthof



Die Nacht war bereits weit vorangeschritten und das Fest lange vorbei, doch Lyall und Conan saßen noch immer in einem Gasthof am Tisch und unterhielten sich. Es waren nur wenige andere Gäste anwesend, die meisten lagen wohl schon in den Betten. Der alte Wirt stand an seinem Tresen und putzte schon seit schier endloser Zeit an ein und demselben Krug herum, während er den Ritter und den Wanderer beobachtete und sichtlich bemüht war, etwas von ihrem Gespräch zu erhaschen. Doch die beiden flüsterten mehr als dass sie sprachen, so dass ihm der Inhalt ihrer Unterhaltung verborgen blieb.

„Und ihr sagt, ihr habt keinen Schimmer, was der Grund für diesen… Fluch ist?“ Lyall schüttelte den Kopf und grinste dabei den Wirt an, welcher immer noch versuchte zu lauschen. Erst als sich dieser sichtlich beschämt wegdreht, antwortete der Ritter. „Nein und wir konnten auch in all den Jahren unserer Reise keine Antwort finden. Ich kenne Uilleam schon seit wir Knaben waren, wir sind zusammen bei einem Edelmann in die Lehre gegangen. Er war ein lustiger Bursche, immer zu Späßen und Albernheiten aufgelegt und stets auf der Suche nach dem nächsten Abenteuer. Sehr zum Leidwesen unseres Mentors.“ Der Ritter lachte ob dieser Erinnerung, während sein Gegenüber mit fragendem Gesichtsausdruck der Erzählung lauschte. „Ich weiß schon, was ihr denkt.“, meinte Lyall nun lachend, „Ihr fragt euch, ob ich von jenem Uilleam rede, den ihr doch als so unglaublich liebenswert kennen gelernt habt. Doch ich kann euch diese Frage mit einem klaren ‚Ja’ beantworten. Denn wie ich vorhin bereits erwähnte: Er hat sich verändert…“

Plötzlich wurde die Tür zur Gaststube aufgestoßen und ein kalter Windhauch durchstreifte den Raum. Die Person in der Tür blieb einen Moment unbeweglich stehen, ehe sie eintrat und die Tür mit einem Poltern ins Schloss fallen ließ. „Ah, willkommen edler Herr, willkommen in meinem Bescheidenen…“ Der Wirt, welcher sofort hinter der Theke hervorgesprungen war um den neuen Gast zu begrüßen, wurde von diesem in seinem Redeschwall unterbrochen. „Was zu Essen und ’nen Bier.“, knurrte der Neuankömmling nur barsch, ehe er den verdutzten Wirt im Raume stehen ließ und auf den Tisch zuging, an dem Conan und Lyall saßen. Der Wanderer sah den Ritter erneut fragend an, doch Lyall sagte nichts, rückte nur auf der Bank ein Stück zur Seite, um Platz zu machen. Sir Uilleam, welcher sich ohne ein Wort zu sagen am Tisch niederließ, sah nicht gerade aus, als hätte er große Lust auf ein ausladendes Gespräch. Er wirkte müde, die Haare waren zerzaust, sein Umhang zerrissen und seine Stiefel und Hosenbeine trieften vor Dreck. Die übrigen Gäste beobachteten den Ritter, welcher so gar nicht dem Bild eines Edelmannes entsprechen wollte, mit einer Mischung aus Neugierde und Unverstand und so bemerkte niemand, dass eine weitere Person den Raum betrat.
Diese schloss die Tür fast lautlos hinter sich und schaute sich kurz um, ehe sie auf einen Tisch in der Ecke zusteuerte, welcher fast völlig im Dunkeln lag. Die Schritte klangen seltsam hart auf dem hölzernen Boden, doch dies war nicht das einzig Seltsame an der recht kleinen Gestalt. Sie war in einen dunkelgrünen Umhang gehüllt, welcher knapp bis zum Boden reichte und die große Kapuze war weit ins Gesicht gezogen, sodass nicht zu erkennen war, wer sich darunter verbarg. Den großen Lederrucksack, welcher mit seltsamen Mustern geschmückt war, legte der fremde Gast neben sich auf einen Stuhl, ehe er sich setzte und schweigend die anderen Gäste beobachtete.

Der Wirt hatte den Neuankömmling noch gar nicht bemerkt, als er die Bestellung von Sir Uilleam brachte. „Mit bester Empfehlung des Hauses!“, säuselte er geradezu, als er den voll beladenen Teller und einen Krug Bier vor dem Ritter auf den Tisch stellte. Doch dieser deutete dem Wirt nur mit einer Handbewegung an zu gehen, ehe er sich stillschweigend seiner Mahlzeit zuwand. Auch Lyall und Conan schwiegen, wobei Letzterer den Eindruck erweckte, als würden ihm tausend Fragen auf der Zunge liegen. Lyall lächelte und wendete sich schließlich an den Wanderer. „Sagt mein Freund, werdet ihr heute Nacht auch im Dorfe bleiben? Es scheint dort draußen doch recht stürmisch zu sein.“ Er deutete auf Uilleams zerzauste Haare, welche hie und da sogar von Blättern und Gestrüpp geziert wurden. Conan lächelte, erwiderte dann aber mit leichtem bedauern in der Stimme: „Gerne würde ich die Nacht in einer warmen Stube verbringen, nur fürchte ich, dass mein Erspartes schon für mein Mittagsmahl reichen musste. Aber sorgt euch nicht, ich habe bis jetzt noch immer einen trockenen Platz zum Schlafen gefunden und sei es in einem hohlen Baum.“ „Ihr wollt im Wald nächtigen? Bei meiner Ehre, das kommt nicht in Frage! Herr Wirt!“
Sofort ließ der grobschlächtige Kerl von seiner Arbeit ab und trat erneut an den Tisch. „Ihr habt gerufen, edler Herr?“ „Wir werden heute Nacht hier bleiben, seit so gut und richtet einen Raum für uns her.“ Er deutete dabei in die Runde, woraufhin der Wirt nur ergeben nickte. „Und dann seid so gut und bringt uns auch noch etwas zu trinken.“ Der Wirt grinste daraufhin breit, ehe er mit einem gesäuseltem: „Jawohl der Herr, ich werde dies mit Freuden erledigen.“ und einer angedeutet Verbeugung verschwand. „Aber Sir Lyall, ich kann doch unmöglich auf eure Kosten…“ „Macht euch darüber mal keine Gedanken, ich lade euch gerne ein. Und Sir Uilleam hat sicher kein Problem damit heute Abend das Quartier mit euch zu teilen, nicht war mein alter Freund?“ Er klopfte dem angesprochenen auf die Schulter, welcher dies nur mit einem tiefen Brummen erwiderte. „Ich… Ich danke euch vielmals, edle Herren. Ich hoffe, ich kann mich eines Tages erkenntlich zeigen.“ „Dafür wird sich sicher eine Möglichkeit ergeben!“ Lyall ergriff den Krug, den der Schankwirt soeben gebracht hatte und hob diesen den anderen entgegen. „Zum Wohl meine Freunde!“ „Zum Wohl!“ Es wurde angestoßen und während Uilleam schweigend aß und die übrigen zwei bald in ein Gespräch vertieft waren, beobachtete sie die seltsame Person in der Ecke mit Argusaugen.

Schließlich entschied man sich zu Bett zu gehen und während sich die beiden Ritter schon auf den Weg in ihr Zimmer machten, blieb der Wanderer noch einen Augenblick sitzen, seinen leeren Bierkrug grübelnd in den Händen drehend. Die Ritter mussten erfahren was er wusste, ganz besonders Sir Uilleam. Aber Conan hatte das unbestimmte Gefühl, dass nicht er die Wahrheit überbringen sollte… Einen Moment blieb er noch sitzen, ehe er sich schließlich erhob und seinen Begleitern in die obere Etage des Hauses folgte, wo sich die Zimmer der Gäste befanden.

Es war still geworden in dem kleinen Gasthaus, alles lag friedlich in den Betten und schlief, nur Uilleam konnte keinen Schlaf finden. Unruhig wälzte er sich hin und her, doch kaum dachte er endlich schlafen zu können, schreckte er auf. Er hatte das ungute Gefühl, dass irgendetwas nicht in Ordnung war. Brummend drehte er sich auf den Rücken, legte die Arme unter seinen Kopf und schaute zum Fenster hinaus, wo sich der Mond soeben durch die Wolkendecke schob.

Halb war er nur zu sehen, der Rest seiner silbernen Pracht lag im dunklen verborgen. Und doch war er voller Schönheit und fast umgab ihn etwas Magisches. Der Ritter betrachtete die dunklen Schatten, die dem Mond fast ein Gesicht zu geben schienen. Verwundert richtete Uilleam sich auf und betrachtete den Mond genauer. Und auf einen Schlag wurde ihm bewusst, dass dort oben tatsächlich der Umriss einer Frau zu sehen war. Oder täuschten ihn seine Sinne? Doch gerade als er einen weiteren Blick auf diese Erscheinung erhaschen wollte, schob sich eine dunkle Wolke vor den Mond und ließ das Land in Finsternis versinken.
Uilleam sank auf sein Kissen zurück und schloss die Augen, doch er fand keine Ruhe. Schon oft hatte er des Nachts den Mond betrachtet, doch nie war ihm die Dame im Mond aufgefallen. Oder… Hatte er es nur vergessen? Grübelnd drehte sich der Ritter herum und nach einer gefühlten Ewigkeit fiel er endlich in tiefen Schlaf.

Kalt wehte der Wind über die Ebene, auf der er stand. Seltsames Dämmerlicht herrschte an diesem Ort, wo kein Laut an sein Ohr drang. Er schaute sich um, doch niemand war zu sehen, weder Mensch, noch Tier. Dichter Nebel lag über dem Land, sodass nicht zu erkennen war, was sich in der Ferne befand. Noch einmal sah er sich um, dann ging er vorsichtig ein paar Schritte nach vorn. Der Untergrund schien fest und eben zu sein, obwohl er nicht zu sehen war. Langsam ging Sir Uilleam weiter, doch an seiner Umgebung schien sich nicht das Geringste zu ändern. Plötzlich wurde der Wind eisig und ihn fröstelte es, als er gegen etwas stieß. Erstaunt schaute er auf die steinerne Platte, welche vor ihm aus dem Boden ragte. „Ein Grabstein?“ Der Stein war alt und verwittert, die Buchstaben darauf waren nur schwerlich zu erkennen. Da kam der Wind erneut auf, zerzauste die Haare des Ritters und blies ihm diese ins Gesicht, so dass ihm für einen Augenblick die Sicht genommen war. Als die Böe nachließ und Uilleam seine Haarpracht wieder gebändigt hatte, sah er mit Erstaunen, wie sich die unleserliche Schrift auf dem Stein langsam veränderte und auch der Stein selbst verwandelte sich. Die Risse verschwanden, die von Wind und Regen gerundeten Kanten traten wieder hervor und schließlich schien es, als hätte der Stein erst vor Kurzem seinen Platz an dieser Stelle gefunden.
Doch Sir Uilleam hatte keine Zeit, sich über dieses Ereignis zu wundern, wie gebannt ruhte sein Blick auf dem Namen, der jetzt deutlich zu lesen war. Nur am Rande nahm er war, dass helles Mondlicht auf ihn hernieder fiel, nur vage bemerkte er, dass er vor dem Stein auf die Knie gesunken war. Er zitterte am ganzen Körper, konnte den Blick nicht von der einen Zeile nehmen, so gern er sich auch abwenden und davonrennen wollte. „Nein… Das kann nicht sein….“
Panik überkam ihn, doch er konnte nicht fort, wie gebannt starrte er auf die Buchstaben die einen Satz bildeten, den er niemals auf einem solchen Stein lesen wollte: ‚Hier ruht Sir Lyall.‘ „Nein… Nein! NEIN!“ Voller Panik schrie er in die Dunkelheit, mit zum Himmel erhobenen Haupt, an dem immer noch der helle Mond strahlt.

„NEEIIN!“ Mit einem lauten Aufschrei schrak Uilleam aus dem Schlaf und sah sich panisch um, begriff jedoch noch nicht, dass er das eben Geschehene nur geträumt hatte. Auch Lyall und Conan waren vom Aufschrei des Ritters aus dem Schlaf gerissen worden und wussten zunächst nicht, was passiert war. Doch dann sah Lyall zum Fenster, sprang sofort aus dem Bett und war mit wenigen Schritten an der Seite seines alten Freundes. Dieser saß totenbleich und am ganzen Leibe zitternd in seinem Bett und starrte ins Leere. „Uilleam! Ist alles in Ordnung? Uilleam!“ Nur langsam erwachte der Angesprochene aus seiner Starre, schaute mit schreckensgeweiteten Augen Sir Lyall an, jedoch ohne dass ein Wort über seine Lippen kam. Conan hatte derweilen den Aufgebrachten Herbergswirt beruhigt, welcher vom plötzlichen Schrei alarmiert herangestürmt war und schloss soeben die Tür des Zimmers. Dann trat er an den Tisch, entzündete eine Kerze und begab sich zu Sir Lyall, welcher vor dem Bett seines Freundes hockte und diesem beruhigend eine Hand auf die Schulter gelegt hatte. „Uilleam, ist alles in Ordnung? Bei meiner Ehre, so sprich doch mit mir!“ Doch Uilleam schüttelte nur den Kopf, ließ sich rücklings wieder auf sein Kissen fallen und deutete den anderen mit der Hand, wieder ins Bett zu gehen. Lyall erhob sich und sah Conan vollkommen verwirrt an, doch dieser zuckte nur mit den Schultern und wendete sich wieder seinem Bett zu. Lyall beobachtete noch einen Augenblick seinen Kampf- und Weggefährten, welcher ihm den Rücken zugewandt und sich die Decke bis ans Kinn gezogen hatte. Daraufhin beschloss Sir Lyall sich ebenfalls wieder hinzulegen und kurze Zeit später herrschte wieder Dunkelheit und tiefe Stille in dem kleinen Raum.

Doch Uilleam lag noch lange wach, der Alptraum hatte ihn so aufgewühlt, dass an Schlaf nicht zu denken war. Immer wieder sah er die Szene vor sich, die ihn bis ins Mark erschüttert hatte, so dass er aus dem Zittern gar nicht mehr heraus kam. Der stolze Ritter war froh, dass dies in der Dunkelheit niemand bemerken konnte, ebenso wenig wie die Tränen, die ihm über das Gesicht liefen. Nur der Mond, welcher sich durch die Wolken schob sah diese und er hielt sein leuchtendes Antlitz auf den Ritter gerichtet, bis dieser in den frühen Morgenstunden schließlich doch in einen tiefen, traumlosen Schlaf fiel.

Der nächste Morgen begann trüb und regnerisch, graue Wolken hingen am Himmel und ebenso grau schien auch die Laune von Sir Uilleam zu sein. Mürrisch saß er mit den anderen Zweien beim Frühstück, aber er bekam keinen Bissen herunter. Lyall kannte seinen Freund seit den letzten Jahren als still und wortkarg, doch er merkte genau, dass dieses Schweigen kein gewöhnliches war. Schon will er sein Gegenüber darauf ansprechen, als dieser ihn ansah und mit unterdrückter Stimme knurrte: „Ich will nicht darüber sprechen!“
Lyall hob nur beschwichtigend die Hände und meinte kurz: „Schon gut, schon gut. Dann will ich dich auch zu nichts drängen.“, ehe er sich an Conan wandte, welcher der ganzen Sache nur schweigend zugeschaut hatte. „Sagt mir, Wanderer, wohin führt Euch euer Weg?“ „Oh, das kann ich nie mit Gewissheit sagen. Ich lande dort, wohin der Wind mich treibt und wohin meine Füße mich tragen.“ „Nun, ich hoffe doch, dass Euch Eure Füße noch eine Weile in dieselbe Richtung tragen wie uns, denn Eure Gesellschaft scheint mir eine sehr angenehme zu sein. Und da mein werter Freund hier von jeher nicht so gesprächig ist, wäre ich froh jemanden an meiner Seite zu wissen, mit dem man sich gefahrlos unterhalten kann.“ Bei seinen letzten Worten rückte Lyall ein wenig von dem neben ihm sitzenden Uilleam weg, denn dieser sah ihn gerade mit einem Blick an, der nichts Gutes verhieß. Lyall lächelte jedoch nur beschwichtigend und Sir Uilleam schien zum Glück keine wirkliche Lust auf eine Reiberei zu haben. „Werter Sir Lyall, es wäre mir eine Ehre, wenn ich die edlen Herren noch eine Weile begleiten dürfte. Doch sagt mir, habt Ihr ein Ziel für Eure Reise?“ „Das haben wir in der Tat. Unsere Heimat liegt nur noch wenige Tagesreisen von diesem Ort entfernt und wir wollen unseren Familien einen Besuch abstatten, ehe wir weiter reisen. Ihr dürft uns gerne dorthin begleiten, wenn es Euch beliebt.“ „Sehr gern, habt Dank, Sir Lyall. Und auch Euch danke ich, Sir Uilleam.“ Uilleam brummte nur etwas Unverständliches, während er lustlos an seinem Brot herumkaute, und so vertieften sich die beiden anderen Weggefährten bald in belanglose Gespräche.

In der Ecke der Gaststube jedoch saß erneut die geheimnisvolle Person, ein bescheidenes Mahl vor sich, wieder die Kapuze des Mantels tief ins Gesicht gezogen. Sie schien ganz in ihr Essen vertieft, nur hin und wieder hob sie den Kopf und schaute zu den drei Reisenden hinüber, anscheinend doch sehr an deren Gesprächen interessiert. Ob sie von diesen auch nur ein Wort verstand war ungewiss, doch es hatte fasst den Anschein, denn es alsbald umspielte ein wissendes Grinsen den Mund des fremden Gastes. Als sich die Freunde schließlich erhoben, blieb der Blick des Unbekannten fest auf diese gerichtet, als ob er fürchtete etwas Wichtiges zu verpassen.

Der Tag war schon weit vorangeschritten, als man sich zum Aufbruch bereit machte und während Lyall die Zeche bezahlte, kümmerte sich Uilleam um ihre Pferde. Kurz darauf trafen sich die drei Gefährten vor dem Gasthof, wo Uilleam seinem Kameraden dessen Pferd übergab und sich dann seinerseits in den Sattel schwang. Conan hatte sein Bündel geschultert und war augenscheinlich auch bereit zum Aufbruch, doch Lyall zögerte noch. „Ich fürchte, ihr werdet den Weg zu Fuß zurücklegen müssen, mein Pferd ist nicht mehr das jüngste, und ich fürchte, dass zwei Reiter zu viel für das alte Mädchen wären.“ Conan lächelte ob dieser Besorgnis und meinte abwinkend: „Macht Euch um mich keine Sorgen, ich bin schon so viele Meilen gereist, da werden mich die folgenden schon nicht ins Grab bringen.“ „Trotzdem fände ich es unfair Euch gegenüber, wenn wir zwei reiten und ihr lauft. Daher werde auch ich zumindest eine Teil des Weges zu Fuß zurücklegen.“ „Tut was Ihr wollt, ich reite!“, ertönte nun Sir Uilleams kräftige Stimme, welcher sein Pferd ohne ein weiteres Wort Richtung Dorftor lenkte. Lyall schüttelte nur mit saurer Miene den Kopf ehe er, sein Pferd führend, dem anderen folgte.

Doch bereits im nächsten Wald hatte Sir Uilleam ein Einsehen und folgte den anderen ebenfalls auf Schusters Rappen. Und so begann die Reise der drei ungleichen Gefährten und keiner von ihnen wusste wohin sie der Weg wirklich führen würde, noch, dass ihnen jemand wie ein Schatten folgte.
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Beitragvon HeatherMcGoldenheart » So 19 Okt, 2014 15:48

Kapitel 3 - Eine unerwartete Begegnung


Der Tag neigte sich langsam seinem Ende zu und immer noch fiel der Regen und dichte Wolken tauchten das Land in graues Zwielicht. In dem Wald den die Gefährten durchschritten war es noch düsterer, doch das dichte Blattwerk hielt wenigstens das meiste Regennass von den Wanderern fern. Trotzdem waren die Gefährten bald durchnässt und dies steigerte nicht unbedingt die Laune Sir Uilleams. Vor allem, da sich Lyall und Conan von dem schlechten Wetter nicht davon abhalten ließen, freudige und mitunter lautstarke Gespräche zu führen. Uilleam, der sich inzwischen wieder in den Sattel seines Pferdes geschwungen hatte sah aus, als würde er jeden Augenblick aus der Haut fahren. Schon drehte er sich im Sattel herum und wollte seinem Unmut freien Lauf lassen, als er inne hielt und verwundert an den beiden anderen vorbei starrte. Dann ergriff er die Zügel, riss sein Pferd herum und preschte den Weg entlang. Völlig verwundert schauten Conan und Lyall ihm nach, als Uilleam sein Pferd in vollem Lauf erneut herumriss und es unter kräftigem Schenkeldruck in das Gestrüpp trieb.
Eine Weile war nichts zu hören, außer dem Schnauben des Pferdes, dem Rascheln von Blättern und dem Knacken zahlreicher Äste. Dann trat für einen Moment Stille ein, doch diese wurde alsbald von einem Schreckensschrei zerrissen, gefolgt von etlichen geflügelten Worten, die ein Rittersmann eigentlich nicht in den Mund nehmen sollte. Erschrocken drückte Lyall die Zügel seiner Stute dem nicht minder überraschten Conan in die Hand und lief los, als Uilleam aus dem Unterholz schritt. Er sah ziemlich zerknirscht aus, während er auf den Weg trat, in einer Hand die Zügel seines Pferdes haltend, in der anderen… Lyall blieb vor Staunen der Mund offen stehen, als er erkannte, das Uilleam eine Gestalt am ausgestreckten Arm einige Handbreit über dem Boden hielt.

Der Verfolger trug einen langen Mantel, dessen große Kapuze er tief ins Gesicht gezogen hatte und versuchte mit aller Kraft, sich zu befreien. Doch Uilleam hatte den Fremden an Mantel und Hemdkragen gepackt und ließ nicht locker, dabei versuchte er jedoch stetig, den wild durch die Luft schlagenden Beinen der Gestalt nicht zu nahe zu kommen. Lyall stand noch immer wie angewurzelt da, denn ihm wurde soeben gewahr, dass die Beine des Fremden wie die eines Tieres geformt waren, mit Fell bewachsen und in gespaltenen Hufen endeten. Auch Conan war an das Geschehen herangetreten und stand neben Lyall, während Uilleam die strampelnde Gestalt auf dem Boden abgesetzt hatte, nicht aber, ohne vorher die Handgelenke des Verfolgers zu ergreifen und festzuhalten. Diese waren so schmal, dass der Ritter nur eine Hand dazu benötigte. Mit der anderen klopfte er sich sichtlich genervt seine Hosenbeine ab, wobei seinen Begleitern auffiel, dass das Rechte einen breiten Riss am Knie aufwies und aus der Wunde darunter Blut sickerte. Lyall musste grinsen und meinte, während er Conan mit dem Ellenbogen anstieß: „Seht euch das an, der Kampf mit unserem Verfolger muss ein gar schwerer gewesen sein. Sir Uilleam ist schwer verwundet.“ Conan kicherte, verstummte aber sofort, als er Uilleams bösen Blick bemerkte.
Dieser knurrte nur, dann meinte er, wobei er die Gestalt an sich heranzog und mit einem Arm umschlingend festhielt: „Wie wäre es, wenn Ihr Euren Spott wieder in Eurer Satteltasche verstaut und mir hier zur Hand gehen würdet, Sir Lyall?“ Lyall folgte der Aufforderung und trat auf den Gefangenen zu, wobei er sich ein Grinsen nicht verkneifen konnte. „Nun gut, dann wollen wir doch einmal sehen, wer sich unter der Kapuze verbirgt ...“ „Oder was ...“, knurrte Uilleam, wobei er den Druck seines Armes verstärkte. Die Gestalt reichte ihm gerade mal bis zur Brust, doch dass sie sich zu wehren wusste, hatte er ja schon schmerzlich erfahren. Conan ergriff derweil die Zügel von Uilleams Pferd und betrachtet sichtlich neugierig den Fremden. Dieser wand sich wie ein Aal und versuchte nach Sir Lyall zu treten, doch dieser packte blitzschnell zu und hielt die Hufe dicht über den Knöchel fest. „Na, na, na, wir wollen doch nicht unhöflich werden. Ein Verletzter reicht doch wohl!“ Nun erhob der Fremde die Stimme, welche eindeutig weiblich war, doch keiner der Anwesenden konnte auch nur ein Wort verstehen, denn die Sprache war ihnen vollkommen unbekannt. Allerdings war sofort klar, dass die Worte keinesfalls freundlich gemeint waren. „Jetzt langt es aber!“ Sir Uilleam ließ die Handgelenke des Fremden für einen kurzen Augenblick los und riss ihm mit einer schnellen Bewegung die Kapuze vom Kopf. Er wollte danach erneut zupacken, doch blieb er wie versteinert stehen, genau wie die zwei übrigen Männer. Denn was sie dort vor sich sahen war ihnen nur aus Märchen und Sagen bekannt. Es war eine Frau, den Zügen ihres Gesichtes nach nicht älter als 20 Sommer, ihr feuerrotes Haar fiel ihr bis auf die Schultern. Die Ohren, welche aus der wirren Haarpracht hervorstanden, waren lang und wie ihre Beine von dichtem, haselnussbraunem Fell bewachsen. Und als wenn all dies nicht schon merkwürdig genug erschienen währe, prangten auf ihrem Kopf zwei gebogene Hörner, welche ihr bis fast zum Hinterkopf reichten.

Keiner der Männer wusste was er sagen oder tun sollte, am wenigsten Sir Uilleam der diese Unachtsamkeit aber bereits im nächsten Augenblick bitter bereute. Denn schon drehte sich die Fremde zu ihm herum und trat ihm mit voller Wucht erneut gegen sein bereits lädiertes Knie. Uilleam konnte einen Schmerzensschrei nicht unterdrücken und während er wie von Sinnen auf und nieder sprang, verschwand das Wesen wieder im dichten Unterholz.
„Dieses verfluchte, kleine …“ Lautstark vor sich hin fluchend humpelte Uilleam zu seinem Pferd und stützte sich an ihm ab, während er mit schmerzverzerrter Miene sein Knie betrachtete. Eine Platzwunde war zu erkennen, aus der beständig Blut rann und bereits den Stoff um den Riss dunkel färbte. Und auch das Knie selbst bekam bereits eine bläuliche Färbung, was der Ritter mit einen weiteren Fluch zur Kenntnis nahm.

Was, bei allem was mir Heilig ist, war das überhaupt?“, schrie Uilleam aufgebracht, den Blick seinen Begleitern zugewandt. Lyall zuckte nur mit den Schultern, er war ob dieser seltsamen Begegnung ebenso verwirrt wie sein Freund. „Ich kann es dir beim besten Willen nicht sagen, denn ich habe noch nie …“ „Es war ein Faun.“ Fast schon erschrocken durch Conans plötzliche Rede, der doch bis zu jenem Zeitpunkt geschwiegen hatte, sahen die beiden Ritter zuerst sich, und dann den Wanderer verdattert an. „Woher …“ „Oh, ich weiß nichts genaues und bin dem gehörnten Volk auch bisher noch nie leibhaftig begegnet“, ergriff Conan das Wort, bevor Lyall seine Frage auch nur gänzlich aussprechen konnte. „Aber ich habe auf meinen bisherigen Wanderungen Unmengen an Geschichten gehört, auch zahlreiche von Völkern und Wesen, die wir uns wohl nur in unseren Träumen vorstellen können.“ „So. Und auch von diesen … diesen … Faunen?“ Uilleams Stimme war mehr ein wütendes Brummen, als er nun, sein Pferd erneut am Zügel führend, ein paar Schritte nach vorne humpelte. „Ja, ja, auch von diesen. Auch wenn die meisten Geschichten nicht unterschiedlicher sein könnten und sich in vielem widersprechen. Aber vielleicht …“ Conan kratzte sich nachdenklich am Kopf, ehe er eine Strähne seines silbergrauen Haares zurück strich, welche ihm ins Gesicht gefallen war.
„Nun, vielleicht wäre es besser, unseren Weg fortzusetzen, während ich euch mein Wissen verkünde. Es wird doch merklich ungemütlich hier und wir sollten Euch zu einem Heilkundigen bringen, werter Sir Uilleam.“ „So ein Blödsinn!“, wehrte dieser donnernd ab, „Doch nicht wegen so einer lächerlichen Fleischwunde! Ich versichere Euch, das mir bei meinen bisherigen Kämpfen weitaus schlimmere Blessuren zugefügt wurden!“ Mit diesen Worten nahm er eine geradezu stolze Haltung an und schritt an den zwei Männer vorbei, sichtlich darum bemüht nicht zu humpeln. Lyall verdrehte nur die Augen, dann schloss er zu Uilleam auf, Conan direkt neben ihm. Doch schon nach wenigen Schritten blieb Uilleam stehen, drehte sich herum und musterte die Stelle, an der die Gehörnte im Wald verschwunden war. „Ich würde allerdings zu gerne wissen, was dieses … Faun von uns wollte. Denn es hat uns verfolgt, daran besteht kein Zweifel …“ „Seid Ihr Euch sicher? Vielleicht war es auch reiner Zufall, dass es … dass sie …“ „Nein.“ Dieses eine Wort sprach Sir Uilleam mit solcher Bestimmtheit aus, das Conan nichts mehr zu erwidern wagte. „Wir werden es wohl nicht mehr herausfinden, denn sie wird sich nach deinem gar so höfflichen Betragen sicher aus dem Staub gemacht haben.“ Lyall versuchte sein Gegenüber ernst anzusehen, doch um seine Mundwinkel zuckte es verräterisch. „Bei meinem …" Uilleam zog hörbar Luft in seine Lungen und baute sich vor Lyall auf, was diesen aber nur wenig zu beeindrucken schien. „Dieses …. Diese … Dieser … Faun hat uns verfolgt und ist, als ich ihn …sie bemerkte, sofort geflohen! Außerdem hat sie mich angegriffen, als ich sie …“ „Was? Sie freundlich nach Ihrem Begehr gefragt hast?“ Nun konnte sich Sir Lyall ein breites Grinsen nicht mehr verkneifen, was seinen alten Freund nur noch mehr in Rage brachte. „Zum Kuckuck, dann glaubt doch was Ihr wollt!" Wutschnaubend und sichtbar humpelnd stürmte Uilleam, sein Pferd führend, voran und ließ so einige Fuß Entfernung zwischen sich und den anderen.

Lyall seufzte nur und sah seinen Begleiter lächelnd an, der aussah, als wüsste er mit der ganzen Situation nichts anzufangen. „Wundert euch nicht, mein Freund. Ich ziehe Uilleam des Öfteren mit seinem unwirschen Betragen auf, woraufhin er nur umso unfreundlicher reagiert. Was mich wiederum umso mehr erheitert.“ Er lachte leise, woraufhin Conan den Kopf schüttelte und mit leiser Stimme fragte: „Ja aber … Verzeiht mir, wenn es anmaßend klingt, aber … Habt Ihr keine Angst, dass er einmal … Ich meine … Bei seiner Statur …“ Lyall ahnte worauf der Wanderer hinaus wollte und lachte nun laut auf, woraufhin sich Uilleam kurz zu ihm umdrehte. Sein Blick sprach Bände über das, was er seinem Kameraden gerne gesagt hätte, doch bald schon wendete er sich wieder der Straße vor sich zu und Lyall setzte zu einer Erklärung an. „Ich versichere Euch, so sehr ich Sir Uilleam auch necke und so sehr er auch toben mag … Er würde niemals seine Hand wegen solcher Belanglosigkeiten gegen mich erheben, mag es auch manches Mal anders erscheinen.
Wir kennen uns bereits seit Kindesbeinen, waren stets wie Brüder. Nachdem meine Mutter an einer Krankheit verstarb und unserer Väter gemeinsam in die Schlacht zogen, wuchs ich quasi in seiner Familie auf. Ich weiß noch wie Heute, wie wir dem Kindermädchen Streiche spielten und auf den Ländereien seines Vaters umherzogen, bis der Abend hereinbrach. Oft stritten wir, jedoch …“ Lyall hielt kurz in seiner Erzählung inne und sah mit einem freundlichen Lächeln zu Uilleam. „War ich einmal in Not, oder hatten wir es einmal zu bunt getrieben, konnte ich mich jedes Mal blind auf ihn verlassen. Einmal hatten wir uns bis aufs Blut zerstritten, auch wenn ich nicht mehr zu sagen vermag, worum es damals ging. Wir schworen nie wieder ein Wort miteinander zu wechseln und gingen unserer Wege, doch begegneten wir uns im Hof, oder in der Burg, starrten wir uns Minuten lang voller Hass an. Die Hand gegen mich erhoben hat er aber nicht ein einziges Mal.“
Er schwieg und schaute den Mann neben sich an, welcher den Worten des Ritters schweigend lauschte. „Ihr seht also Conan, ich habe keinen Grund Uilleam zu fürchten.“ Conan nickte, dann huschte ein Lächeln über sein Gesicht. „Und wie habt ihr euren Streit beigelegt?“ „Oh, seine Mutter hat uns dazu gebracht. Eine liebenswerte und fürsorgliche Frau, die aber mitunter auch sehr streng sein kann, wenn es nötig ist. Nachdem Uilleam und ich drei Tage nicht miteinander gesprochen hatten, zitierte sie uns zu sich, packte uns bei den Ohren und drohte uns selbige abzureißen, wenn wir nicht Frieden schließen würden.“

Der Grauhaarige grinste und selbst Uilleam lächelte bei dieser Erinnerung, auch wenn keiner der anderen dies mitbekam. Lyall fuhr indes fort: „Nachdem sie uns entlassen hatte, stürzten wir nach draußen und kamen schnell überein, dass wir uns nie wieder zerstreiten wollten. Unserer Ohren zuliebe.“ Die Männer lachten und der Wanderer wischte sich die Lachtränen aus den Augenwinkeln. „Und das ist wirklich wahr?“ „So wahr wie ich hier stehe! Und wenn ihr mir nicht glaubt, könnt ihr gerne Sir Uilleam fragen.“ „Lieber nicht. Wobei mir einfällt ... Wolltet ihr nicht hören, was ich über das Faunenvolk zu berichten weiß?“
Lyall nickte. „Allerdings! Jedoch fürchte ich, dass dieses Vorhaben bis zu unserer nächsten Rast warten muss. Mein brummiger Freund scheint gerade nicht in der Stimmung für Geschichten zu sein.“ Die beiden Männer grinsten sich an, ehe sie schweigend dem Weg weiter folgten.

Ueber den Baumwipfeln war die Abenddämmerung bereits dabei, ihr dunkles Kleid über das Land zu legen, was auch den Reisenden nicht verborgen blieb. Der Regen hatte aufgehört und so entschied man sich schließlich, bei der nächsten sich bietenden Gelegenheit das Nachtlager aufzuschlagen, da das nächste Dorf noch eine ganze Tagesreise entfernt war. Zu ihrem Glück fanden sie am Rande einer kleinen Lichtung einen großen Weidenbaum, dessen dichte und tief hängende Äste ihnen Schutz vor weiterem Regen boten. Auch war der Platz unter den Ästen groß genug, dass sie es sogar wagen konnten ein kleines Feuer zu machen, auch wenn das Beschaffen von trockenem Feuerholz mehr als schwierig schien. Und so entschieden sich die drei, die Umgebung nach geeignetem Holz abzusuchen. Die Pferde wurden in der Nähe festgebunden, und ihre Taschen bargen nichts, was es ich zu klauen gelohnt hätte. So gingen sie vom Pfade ab in den Wald hinein und waren eine ganze Weile unterwegs, so dass keiner bemerkte, wie sich jemand ihrem Lager näherte.

„Eine magere Ausbeute….“ „Besser als nichts!“ „Singt ihr jetzt Lobeshymnen auf das Feuerholz, oder was habt ihr vor?“ Lyall und Conan lachten ob Uilleams Äußerung, was dieser nur kopfschüttelnd quittierte. Viel hatten sie wirklich nicht gefunden, das meiste Holz war völlig durchnässt und es hatte bereits wieder zu regnen begonnen. „Für ein kleines Feuer wird es schon reichen.“, meinte Conan nun beschwichtigend, während er auf die Lichtung schritt. Im selben Augenblick blieb er wie angewurzelt stehen, so dass Uilleam, der direkt hinter ihm ging, fast in ihn hinein gelaufen wäre. „Was zum… Zum Kuckuck, hat euch ein Regenwurm erschreckt oder warum…“ Sein Blick ging an Conan vorbei zum Weidenbaum und er verstummte augenblicklich. Denn dort glomm der Schein eines Feuers durch die Zweige und jemand schien sich an selbigem aufzuhalten. Uilleam deutete Lyall an ihm zu folgen, während er sein Schwert aus der Scheide zog und langsam auf den Baum zu schritt. Lyall tat es ihm gleich, Conan blieb den Rittern dicht auf den Fersen, wenn auch mit einigen Schritten Abstand.

Schon hatten sie das Lager erreicht und Uilleam und Lyall traten nebeneinander. Ein kurzer Blick, ein Nicken, dann stürmten die zwei nach vorn, die Schwerter erhoben. Uilleam ergriff einen Arm des Fremden und drehte diesen zu sich herum. Doch weiter kamen sie nicht, denn die Person die dort vollkommen verschreckt stand, war niemand anderes als die Fauna, welche ihnen zuvor begegnet war. „Bitte, ich…“ sprach sie stotternd, während sie ein paar Schritte nach hinten stolperte. „Was habt ihr hier zu suchen!“ Uilleams donnernde Stimme zerschnitt die Stille, welche für einen Moment geherrscht hatte, doch die Fauna schwieg, schaute den Ritter nur verängstigt an. „Sprecht!“ Er schüttelte sie unsanft, wollte sie wohl zu einer Antwort zwingen, wurde jedoch von Lyall aufgehalten. „Halt, halt, mein Freund! Ich glaube, so kommen wir nicht weiter!“

Er zog Uilleam ein Stück zurück und sah dann die Fauna mit einem Lächeln an. „Verzeiht meinem aufbrausenden Freund, er hatte einen schlechten Tag. Würdet ihr uns verraten was euch zu uns führt?“ Die Fremde sah zögernd von Lyall zu Uilleam, dann zu Conan, der sie ebenfalls anlächelte. „Ich… Ich wollte Euch helfen…“ Damit deutet sie auf das Feuer und erst jetzt bemerkten die Männer, dass über diesem ein Topf hing, dessen Inhalt leise vor sich hin blubberte. „Ich dachte mir… Ihr könntet eine Mahlzeit vertragen, ebenso wie ein wärmendes Feuer.“ Sie drehte den Männer den Rücken zu, ergriff einen Holzlöffel, der auf einem Tuch am Boden lag und rührte in dem Topf herum, ehe sie einen scheuen Blick über ihre Schulter zu Uilleam warf. „Und das mit Eurem Knie, das… Tut mir Leid… Ich wollte euch nicht so arg verletzten, Sir Uilleam…“ „Pah! Und deshalb habt ihr auch mit voller Absicht noch einmal nach mir getreten? Ist das ihn Eurem Volk eine Form von…“ Plötzlich hielt der Ritter in seinem wütenden Wortschwall inne und sah sein Gegenüber verwirrt an. „Woher… Woher kennt ihr meinen Namen?“

Sie seufzte, blieb einen Moment unbeweglich stehen, ehe sie sich zu Uilleam umwandte und ihn mit einem seltsam traurigen Blick ansah. „Ihr erinnert euch nicht mehr an mich, nicht war?“ Der Ritter wusste nicht was er erwidern sollte und schüttelte nur den Kopf, woraufhin sich die Fauna erneut dem Topf auf dem Feuer zuwandte. Stille trat ein und Lyall merkte, wie eine unbehagliche Stimmung aufkam. Er schritt an Uilleam vorbei zum Stamm des Baumes wo ihre Taschen lagen und kramte eine Weile eifrig darin herum, wobei er lachend meinte: „Wie wär’s, wenn wir erst einmal probieren, was die wehrte Fauna dort gekocht hat? Mein Magen knurrt wie ein Bär und für Geschichten vergangener Tage haben wir auch beim essen Zeit.“ Er ging zu den Decken, welche die Fauna auf dem Boden ausgebreitet hatte und ließ sich darauf nieder. Er stellte eine hölzerne Schale neben sich ab und reichte eine weitere zu Uilleam, der aussah, als würde er verzweifelt versuchen, sich an die Fremde zu erinnern. Schließlich nahm er seinem Freund das Gefäß ab und ließ sich resigniert neben Lyall nieder. Auch Conan hatte sein Essgeschirr hervorgeholt und nahm gegenüber der beiden Ritter auf einer weiteren Decke platz.

Schweigend füllte die Fauna die ihr gereichten Schalen und nachdem auch sie ihre Portion genommen hatte, setzte sie sich neben Conan. Es war ein einfaches Mahl, doch nicht von schlechter Art, eine dicke Suppe von Feldfrüchten, Samen und Kräutern, dazu ein wenig Brot. Eine Weile aßen sie schweigend, ehe Uilleam das Wort ergriff: „Habt Dank für das Mahl, wehrte… Fauna.“ „Ilisa.“ Sie lächelte den Ritter und auch die anderen an. „Mein Name ist Ilisa.“ Lyall nickte und erwiderte erfreut: „Nun denn Ilisa, mein Name ist Sir Lyall, der wehrte Herr dort neben Euch ist Conan der Wanderer und er…“ Lyall hielt inne und schien ein wenig ratlos. „Nun... Sir Uilleam scheint ihr ja schon zu kennen…“ Er sah zu seinem Kameraden, der wiederum Ilisa ansah. Er bemerkte wie ihr Blick erneut traurig wurde und so sagte er zögernd: „Verzeiht mir, aber… Ich kann mich nicht an Euch erinnern…“ Sie schüttelte den Kopf und sah den Ritter an, nun aber umspielte ein Lächeln ihre Lippen. „Wie könntet Ihr auch. Ihr wart damals nicht älter als zehn Sommer. Doch ich erinnere mich noch genau…“

Einen Moment starrte sie gedankenverloren in ihre leere Schale, ehe sie zu erzählen begann: „Ihr wart tief im Walde unterwegs, wohl auf der Suche nach Beeren oder ähnlichen, denn es war ein warmer Tag des Spätsommers. Ich hatte euch schon eine ganze Weile beobachtet, ließ Euch aber gewähren, da ein Knabe keine Gefahr für den Wald und seine Bewohner darzustellen vermag. Doch die Nacht brach schneller herein als ihr ahntet und als ihr der nahenden Dunkelheit gewahr wurdet, nahmt ihr Eure Beine in die Hand und lieft davon. Ich hatte Eure Angst gespürt und folgte Euch und es war gut, dass ich so handelte. Denn bald schon hörte ich ein Platschen, gefolgt von Euren verzweifelten Hilfeschreien. Den Wald durchzog ein Flusslauf, welcher der Regen der vorherigen Tage in einen reißenden Strom verwandelt hatte. Ihr hatten wohl beim überqueren des Steges den Halt verloren und drohtet nun davon gespült zu werden und in den Fluten zu ertrinken. Eine Wurzel gab Euch halt, doch Ihr hatte nicht die Kraft Euch dran hochzuziehen.

Ich begab mich schnellstens an das Ufer und ergriff Eure Arme, doch ich schaffte es nicht Euch aus dem Strom zu befreien. So hielt ich Euch einfach nur fest und sprach beruhigende Worte, in der Hoffnung dass sich jemand aufgemacht hatte Euch zu suchen. Dem war auch so, denn bald schon hörte ich Stimmen, die Euren Namen riefen. Als ich den Schein von Fackeln näher kommen sah, zog ich Euch mit aller Kraft ein Stück weiter auf die Wurzel hinauf, ehe ich mich davon machte. Doch ich blieb in der Nähe, um sicherzugehen, dass man Euch rettete. Und als die Gefahr vorüber war, zogt ihr mit Euresgleichen davon, ohne Euch noch einmal umzusehen. Der Zauber des Vergessens legte sich bald über Euren jungen Geist, doch ich blieb in Eurer Nähe und beobachtete Euch, sah Euch vom Knaben zum Jüngling heranwachsen und schließlich zum stolzen Ritter werden, der Ihr heute seid.“

Sie beendete ihre Erzählung und alles schwieg. „Dann… habt Ihr mir das Leben gerettet.“ Uilleams Stimme war leise und ruhig, er sprach die Worte fast schon ehrfürchtig aus. Sie nickte und lächelte den Ritter an, doch sein Gesicht blieb eine Maske, hart und unlesbar. „Danke.“ Seine Stimme war tonlos, so dass nur schwer zu deuten war, ob er es ehrlich meinte. Doch sie lächelte nur erneut. „Gern geschehen.“ „Und weswegen seid Ihr uns nun gefolgt, wenn ihr die Frage erlaubt?“ „Nun, Sir Lyall, wie ich bereits sagte, ich beobachte Sir Uilleam von jenem Tage an, denn ich wollte mehr über ihn… Über das Menschenvolk wissen. Doch er begab sich mit Euch auf Wanderschaft und ich verlor ihn aus den Augen. Den ein Faun verlässt nur selten seinen Heimatwald…“ Sie hielt kurz inne, ehe sie weiter sprach. „Doch schließlich erreichte mich die Nachricht, dass ihr auf dem Weg zurück in eure Heimat wart und ich machte mich auf, euch entgegen zu gehen.“
Während sie sprach hatte sie sich von ihrem Platz erhoben und den Topf vom Feuer genommen. Im Schein der Flammen war deutlich zu erkennen, dass ihre Wangen von einem Rot-Ton geziert waren. Lyall ahnte, dass dieser nicht von der Wärme des Feuers herrührte, sondern eher von der Tatsache, dass sie nicht ganz die Wahrheit sprach, was den Grund für ihr Erscheinen betraf. Er entschloss sich jedoch, nicht näher darauf einzugehen, sondern lieber das Thema zu wechseln. Aber Uilleam kam ihm zuvor.

„Und deshalb seid Ihr uns hinterher geschlichen und habt mich auch noch angegriffen?“ „Nun, ich… Ich getraute mich nicht Euch anzusprechen. Und das mit dem Angriff... Ihr habt mich geängstigt…“ Das Rot auf ihren Wangen wurde deutlich stärker und irgendwie tat sie Lyall schon fast leid. „Na ja, er kann ja auch wirklich äußerst beängstigend sein, unser guter Uilleam, nicht war?“ Er klopfte seinem Freund lachend auf den Rücken, woraufhin dieser Lyall einfach mit einer Handbewegung umschubste. „Lass die Albernheiten…“, brummte er dabei, dann besah er sich sein lädiertes Knie. „Es wäre trotzdem nicht nötig gewesen, ein weiteres Mal zuzutreten…“ „Da habt Ihr wohl recht und es tut mir auch leid…“ Sie ließ die Ohren hängen und sah den Ritter scheu an. Conan, der dem ganzen nur schweigend zugesehen hatte, lächelte wissend, ehe er auch einmal das Wort ergriff. „Es war ein langer und äußerst ereignisreicher Tag. Was haltet ihr davon, wenn wir uns zur Ruhe begeben?“ „Ein guter Gedanke, mein Freund.“, antwortet Lyall, Ilisa nickte und Uilleam antwortete mit seinem bekannten Brummen.

Nur wenig später kehrte Stille in das kleine Lager ein, nur das Rauschen der Blätter und das Prasseln des Regens waren zu hören, je unterbrochen vom rauen Schrei eines Raben. Dieser saß am Rande der Lichtung auf einem Baum und beäugte das Geschehen, dann breitete er die Schwingen aus und erhob sich in die Lüfte. Der Vogel kreiste noch einen Augenblick über dem Weidenbaum, ehe er gen Norden davon zog, der Gestallt eines dunklen Gebirges entgegen. Das helle Mondlicht, welches hie und da durch die Wolkendecke brach, lies sein schneeweißes Gefieder erstrahlen. Doch spiegelte es sich auch in den tiefroten Augen des Tieres, welche bedrohlich glühten.
Zuletzt geändert von HeatherMcGoldenheart am Sa 15 Aug, 2015 18:18, insgesamt 5-mal geändert.
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Beitragvon Veny » So 19 Okt, 2014 20:48

Ich bin absolut begeistert von den Titelbildern! Wunderschön gezeichnet!
Reingelesen habe ich hie und da schon ein wenig, allerdings fehlte mir bis jetzt die Zeit, alles sorgfältig durchzulesen.
Aber ich möchte das irgendwann mal nachholen und bin dann vielleicht auch fit genug, um einen gescheiteren Kommentar weder diesen hier abzugeben. :D
Auf jeden Fall schon mal ein grosses Kompliment. Auch für den Titel, der mich sofort in Bann gezogen hat! :)
Toujour Pur

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Beitragvon HeatherMcGoldenheart » Do 13 Nov, 2014 17:42

Vielen Dank schonmal für dein Kommi, Veny. ^^ Und auch ein Danke an dich, Flocke!
Ich hoffe, ihr findet irgendwann die Zeit zum lesen, ich versuche derweil mich endlich mit dem 4ten Kapitel zu befassen...
Bis dahin sei erwähnt, das ich dem 3ten Kapi ein neues Ende verpasst habe, um ein wneig Spannung aufzubauen.
Hoffe das ist mir gelungen. Also dann: Man liest sich!
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Beitragvon HeatherMcGoldenheart » Sa 23 Mai, 2015 00:20

Spoiler
Hallo ihr Lieben!
Ja, es gibt mich noch udn ich bringe ein paar Neuigkeiten mit!
Erstens, habe ich die ersten drei Kapis Stellenweise verändert udn angepasst,
aber ich denke nicht Weltbewegend, daher werde ich jetzet keine Änderung
extra posten. ^^

Zweitens, gibt es meine Geschichte jetzet nicht nur zum lesen, sonder auch zum anhören!
Der Ritter udn die Dame im Mond - Das Hörbuch

Und Drittens, gibt es hier jetzet Kapitel 4!

Viel Spaß!

EDIT:
Jetzt sind ausnahmslos alle Kapis auf dem Neuesten stand! An Kapi 5 wird ausch schon gearbeitet. ^^


Kapitel 4 - Gefahren und Gefährten


Dunkelheit umgab ihn, was in Anbetracht seines Aufenthaltsortes nur wenig verwunderlich war. Es war eine Ansammlung von Höhlen, tief im Innersten eines Berges verborgen, deren zahlreiche Gänge diesen durchzogen wie Eingeweide. Er selbst stand in einer der kleineren Höhlen dieses geheimen Reiches, still und bewegungslos. Die Hände hatte er gefaltet und das Haupt gesenkt, als würde er beten. Doch nichts Freundliches ging von ihm aus, seine Anwesenheit schien die Kälte, welche im Bauch des Berges herrschte noch zu verstärken. Hin und wieder erklang das Geräusch tropfenden Wassers, welches unnatürlich Laut in der Stille klang, doch er blieb unbeweglich, fast als wäre er selbst wie der Fels der ihn umgab.

Plötzlich drang ein dumpfer Rabenschrei an sein Ohr, vielfach verstärkt durch den Hall der Höhlengänge. Flügelschlag und Federrascheln gesellte sich dazu, stetig näher kommend. Wie von selbst fand der Vogel seinen Weg durch das Dunkel, erst als er sich der Haupthöhle näherte, erhellten Fackeln seinen Weg, welche ohne jedes fremde zutun aufflammten. Doch kaum war der Vogel vorüber geflogen erloschen sie wieder, nur die Erinnerung des Lichtes zurücklassend. Als er schließlich in der Höhle ankam, ließ er sich mit einem erneuten Krächzen auf der ihm dargebotenen Hand nieder. Nur zwei Fackeln am Eingang brachten ein wenig Licht in die Kammer, doch das schien dessen Bewohner nicht zu stören. Dieser strich mit geradezu saften Bewegungen über das schneeweiße Gefieder des Vogels. Eine Weile tat er dies schweigende, wie in Gedanken und mit geschlossenen Augen, ehe er seine Stimme erhob. Diese hätte wohl jedem einen kalten Schauer über den Rücken gejagt dem sie zu Ohren gekommen währe, doch sein einziger Zuhörer war der Rabe, welcher ihn mit schiefgelegtem Kopf ansah.

„Hast du ihn gefunden?“ Wie zur Antwort begann der Rabe aufgeregt mit den Flügeln zu schlagen und laut zu Krächzen, was sein Herr mit einem fragenden Gesichtausdruck quittierte. „Du bist dir nicht sicher?“ Der Vogel schüttelte sich, schrie jedoch im nächsten Moment entsetzt auf, als er gepackt und unsanft festgehalten wurde. Er wand sich und versuchte panisch sich zu befreien, doch die langen, knochigen Finger des Mannes hielten ihn eisern fest. „Geh und beobachte ihn! Ich muss mir sicher sein das ER es ist! Also bringe mir einen Eindeutigen Beweis, sonst…“ Er sprach nicht weiter, verstärkte nur den Druck seiner Hand, so dass sich seine langen, krallenartigen Fingernägel in das Fleisch des Tieres bohrten. Dann lies er plötzlich los und das Tier verschwand flatternd und krächzend in der Richtung, aus der es gekommen war. Der Mann verharrte erneut in seiner betenden Haltung, seine roten Augen glühten jedoch bedrohlich. „Ich finde dich, Auserwählter. Und dieser Augenblick wird dein Letzter sein!“ Damit schloss er die Augen erneut und die Fackeln am Eingang flackerten auf, ehe sie erloschen.

Müde und langsam trottete ein Pferd den schmalen Weg entlang, den Kopf gesenkt, gleichgültig einen Huf vor den anderen setzend. Die zottelige Mähne hing fast bis auf den morastigen Boden herab, das Fell war ebenso schmutzig und grau wie der Wagen den es zog. Ein alter, schiefer Holzkarren, dessen morsche Wände es nicht erlaubten in das Innere zu sehen. Nur in der Tür auf der Rückseite war ein kleines, vergittertes Fensterchen, doch durch dieses schien nur so wenig Licht, das es fast unmöglich war zu erkennen, was sich im Wagen befand. Und so wie dieser aussah war es unwahrscheinlich, dass überhaupt etwas darin war. Oder jemand. Auf dem Kutschbock des windschiefen Gefährtes saß ein grobschlächtiger Kerl, dessen Augen so dunkel waren, das sie fast schwarz erschienen. Schwarz war auch das kurz geschorene Haar auf seinem Haupt und der lange, ungepflegte Bart der sein Gesicht zierte. Er war von kräftiger Statur und schien nicht zu zögern seine mächtigen Muskeln einzusetzen um seinen Willen zu bekommen. Wütend knurrend, ob der Langsamkeit seines Zugtieres ergriff er eine Peitsche welche neben ihm auf der Bank lag und lies diese erbarmungslos auf das Tier hernieder sausen. „Beweg dich, du nutzloses Vieh! Los, beweg dich!“ Immer wieder schlug er auf das Pferd ein, doch es schien keine Kraft mehr zu haben und die Räder des Karrens hatten sich inzwischen tief in den regennassen Boden gegraben. Wutschnaubend schlug der Mann noch einmal mit aller Kraft zu, ehe er mühsam vom Wagen stieg. Während er lauthals Fluchend um diesen herum ging, schlug er mit der Faust gegen dessen Wände und schrie: „Heyda, Lumpenpack! Aufwachen! Es gibt Arbeit für euch!“ Grimmig lachend fingerte er einen Ring mit Schlüsseln von seinem Gürtel und es brauchte eine ganze Weile bis es ihm gelungen war den passenden Schlüssel für das dicke Schloss an der Tür zu finden. Während er dieses öffnete, waren im Inneren des Wagens Geräusche zu hören. Das Rasseln von Ketten, ein leises Schaben, wie das Geräusch von Hufen auf Holz. Und eine tiefe Männerstimme, die etwas flüsterte: „Bleibt ruhig, Herr. Was immer er will, ich werde es tun.“ „Ihr… Ihr könnt nicht…“ Die zweite Stimme klang hell, deutlich jünger als die erste, doch gebrochen, wie nach einer langen Zeit des Elends. „Sorgt euch nicht um mich Herr, ich werde…“ Plötzlich wurde die Tür aufgerissen und der Mann stürmte hinein. Mit wutverzerrtem Gesicht baute er sich vor den beiden Gestalten auf, die auf dem Boden kauerten. Dicke Eisenringe lagen um ihre Hand- und Fußgelenke, an denen schwere Ketten befestigt waren. Mit diesen waren sie an die Wände des Karrens gefesselt, unfähig sich viel zu bewegen, oder gar hinzulegen. „Wer hat euch niederen Kreaturen erlaubt zu sprechen, hä? Los, hoch mit euch!“ Damit griff der Unhold nach dem Arm des jüngeren, doch noch ehe er diesen auf die Beine ziehen konnte, drängte sich der andere Gefangene dazwischen. „Lasst ihn! Wenn ihr etwas verlangt, dann verlangt es von mir!“ Der schwarzbärtige stutze für einen Moment, dann lachte er polternd los. „Nein wie edelmütig! Der Diener opfert sich für seinen Herrn!“ Er nahm einen weiteren, Kettenbehangenen Eisenring von einem Haken an der Wand und legte dem Mann diesen um den Hals. Er löste die Kette von der Wand, dann packte er die, welche am Halsring befestigt war, schritt auf die Tür zu und zog den Mann mit einem plötzlichen Ruck zu sich, so dass dieser ins stolpern geriet und bäuchlings auf dem Boden landete. Im Licht, welches zur Tür hereinkam war zu erkennen, dass der Gefangene kein Mensch war, zumindest nicht gänzlich. Ein rotes Büschel Haare lugte unter einer einfachen, festen Lederkappe hervor, aus der zwei gewundene Hörner ragten. Die mit langem, kupferfarbenem Fell bewachsenen Ohren hingen herab und verstärken noch das Bild einer gebrochenen Kreatur. Der Gefangene erhob sich mühsam, brauchte einen Moment, ehe er sich wieder gefangen hatte. Seine Arme und Beine waren stark und zeugten deutlich davon, dass sein dickliches Äußeres nicht nur von Fett, sondern auch von Muskeln herrührte. Doch diesen Umstand schien er vergessen zu haben, als er nun an der Kette geführt, wie ein braver Hund hinter dem Grobian die zwei Stufen des Wagens herunter trat. Er hielt den Kopf gesenkt, wohl um seine Augen vor dem Tageslicht zu schützen, welches ihn nach der langen Zeit in Dunkelheit blendete. Vor dem Wagen angekommen, gab der Unhold dem Gefangenen einen Schubs, so dass dieser grob gegen das Pferd stieß. „Los, du jämmerliches Etwas! Sie zu das du den Wagen aus dem Dreck bekommst!“ Wieder lachte der Mann hämisch, angelte die Peitsche vom Kuschbock und baute sich breitbeinig am Wegesrand auf. „Na los, worauf wartest du?“ Ohne ein Wort zu sagen, nahm der Gefangene dem Pferd das Zuggeschirr ab und hängte sich das Kummet selbst über. Dann legte er sich mit aller Kraft die er aufbringen konnte in das Geschirr, doch all seine Mühen blieben erfolglos. Bald war das dichte Fell, welches seine Beine bedeckte von Dreck durchdrungen und er stand bis zu denn Knöcheln im Schlamm, so dass seine Hufe nicht mehr zu sehen waren. „Du bist ebenso nutzlos, wie die alte Mähre! Los, strengt dich an, sonst wird dein Gefährte mein neues Zugtier sein!“ Wie vom Donner gerührt erstarrte der Faun, den ein solcher war er ohne Zweifel, mitten in der Bewegung und blickte den Mann finster an. „Das würdet ihr nicht wagen…“

Ein Peitschenknall, auf den ein unterdrückter Schmerzensschrei folgte. „Du wagst es mir zu drohen? Du wiederwertige Missgeburt! Ich werde dir zeigen, was der große Regardi alles wagt!“ Damit riss er dem Faun das Kummet von den Schultern, zerrte ihn an der Kette zu einem Baum am Wegesrand und befestigte diese dort. „Nun soll dein kleiner Freund meine Liebenswürdigkeit zu spüren bekommen…“ „Nein… Nein! Wagt es nicht den Prinzen anzurühren!“ Wie von Sinnen begann der Faun an seinen Ketten zu zerren, doch sosehr er sich auch bemühte, er kam nicht frei. So musste er hilflos mit ansehen, wie der andere Gefangene vor den Wagen gespannt wurde. Dieser war deutlich jünger als sein Gefährte, doch seine Hörner waren groß und glichen dem Gehörn eines Widders. Seine Haare fielen in dichten Locken bis weit über seine Schultern und waren von rotblonder Farbe. Das Fell an Ohren und Beinen schien von heller Farbe zu sein, doch war dies unter all dem Schmutz der daran klebte nur zu erahnen. Er sah zu dem anderen und eine tiefe Angst war in den hellblauen Augen zu sehen. Schon erhob der Besitzer des Gespanns die Peitsche um sein Opfer anzutreiben, als sich der ältere Faun erneut mit aller Kraft gegen seine Fesseln stemmte. Ein Krachen war zu hören, Holz splitterte und im nächsten Augenblick stürzte sich der Rothaarige auf seinen Peiniger. Mit vollem Körpereinsatz riss er diesen zu Boden und schaffte es ihn dort zu halten. „Lauft mein Prinz, rettet euch!“ Nur zögerlich, fast als hätte er das Geschehene noch nicht begriffen, befreite sich der Angesprochene und stolperte ein paar Schritte Richtung Wald, blieb aber schließlich stehen und wandte sich um.
„Lauft!“ „Du elender…“ Die Unachtsamkeit seines Gegners ausnutzend, griff der Mensch an seinen Gürtel, zog ein Messer daraus hervor und rammte es dem Faun in die Seite. Dieser schrie auf und rollte sich zur Seite, so dass der Schwarzhaarige wieder auf die Beine springen konnte. Schon wollte er sich auf den Prinzen stürzen, als er an den Knöcheln gepackt und unsanft zu Fall gebracht wurde. Mühsam hielt der Faun den anderen Mann fest, welcher sich mit Tritten zu befreien suchte, doch der Griff um seine Beine war eisern „Lauft! So lauft doch!“ Als hätte er die Peitsche doch zu spüren bekommen, drehte sich der Prinz plötzlich um und rannte in den Wald, so schnell es die Ketten an seinen Beinen zuließen. Der andere hatte den Menschen inzwischen losgelassen und lag keuchend am Boden, während sein Peiniger erneut auf die Beine kam und sich drohend vor dem Verletzten Aufbaute. „Das wirst du mir büßen…“ Ohne jegliche Gnade trat er auf den Faun ein, der nurnoch schützend die Arme vor sein Gesicht hielt. Kein Laut drang über seine Lippen, kein Schmerzensschrei, kein Flehen um Gnade. Und genau dies machte sein Gegenüber umso rasender. „Wenn ich dich nicht noch brauchen würde, dann wärst du jetzt tot!“ Mit einem letzten, gnadenlosen Tritt in die Rippen wandte sich Regardi dem Wald zu. „Hörst du mich, Faunenprinz? Du magst mir entkommen sein, doch dein Freund wird für deine Freiheit mit dem Leben bezahlen, früher oder später!“ Er ging wutschnaubend zurück zum Wagen, griff das Halsband des Verletzten und schleifte diesen zur Tür des Wagens, wo er ihn unter Schlägen die Stufen hinauf buxierte und schließlich in das Dunkel stieß. Die Ketten klirrten als der Faun auf dem Boden aufschlug, wo er liegen blieb. Ein letztes Mal noch wand er sein Gesicht dem Tageslicht zu, ehe sich die Tür schloss und die Dunkelheit ihn verschluckte.

Die Geräusche des erwachenden Waldes umgaben sie, während sie seelenruhig durch das Unterholz schritt. Doch obwohl das Laub dicht unter ihren Hufen lag war keiner ihrer Schritte zu hören. Auch knackte kein Ast, kein Zweig, ja fast war es, als wollte der Wald daselbst ihre Anwesenheit geheim halten. Am Rande des Waldes blieb sie stehen und betrachtete einen Augenblick den Weidenbaum, unter dem die anderen immer noch friedlich schliefen. Sie lächelte, ehe sie das Bündel, welches sie bei sich trug zusammenraffte und ihren Weg Richtung Baum fortsetzte. Nur wenig später saß sie am Feuer, und rührte in einer Schale einen einfachen Teig zusammen. Hin und wieder griff sie in ihr Bündel, in dem sich verschiedene Beeren und Kräuter befanden, welche sie unter den Teig mischte. Als sie mit ihrem Werk zufrieden schien, formte sie mehrere, kleine Leibe und legte diese am Rand des Feuers auf einige Flache Steine. Während das Brot buk, sah sie sich um. Conan hatte sich ganz in seine Decke eingerollt und schnarchte leise. Ilisa lächelte still, dann glitt ihr Blick auf die andere Seite des Feuers, wo Lyall und Uilleam schliefen. Uilleam lag auf dem Rücken und schien friedlich zu schlafen, doch als die Fauna genau hinsah entdeckte sie, dass sein Schwert direkt neben ihm lag und eine Hand auf dessen Griff ruhte. Ilisa legte den Kopf schief, als sie sich fragte, was den Ritter dazu veranlasste. War seine Reise bis hierher so gefährlich gewesen, dass er befürchten musste, im Schlaf angegriffen zu werden? Ihr Blick ging zu Lyall, der augenscheinlich nichts der gleichen dachte, denn seine Waffe lehnte am Fuße des Baumes, außerhalb seiner Reichweite. „Was fürchtest du, Sir Uilleam?“ „Das Unbekannte.“

Erschrocken fuhr die Fauna herum, als sie die Stimme hinter sich vernahm, doch Conan lächelte beschwichtigend, ehe er leise weiter sprach. „Verzeiht, ich wollte euch nicht erschrecken.“ „Was… Was meint ihr mit… Er fürchtet das Unbekannte?“ Auch sie sprach flüsternd, aus Angst die anderen zu wecken. „Nun… Er ist auf der Suche nach der Wahrheit, nach seiner Bestimmung. Doch er weiß nicht, was ihn erwartet. Und diese Ungewissheit… Das Unbekannte… Das ist es, was ihn ängstigt.“ „Mich ängstigt gar nichts!“ Ilisa und Conan fuhren erschrocken zusammen, als Uilleams tiefe Stimme erklang. Er hatte sich nicht gerührt, auch jetzt bewegte er keinen Muskel. Nach einem kurzen Moment der Stille sprach er weiter, seine Stimme fest und bestimmt. „Aber man sollte Vorsicht walten lassen, wenn man reist. Besonders…“ Er wandte den Kopf und öffnete die Augen, sah Conan und Ilisa eindringlich an. „…wenn man unter Fremden ist.“ Ilisa schluckte und wand sich ab, doch Conan erwiderte den Blick des Ritters schweigend. Er wusste, das dieser Satz zu allererst ihm galt. „Ihr traut mir nicht, nichtwahr?“ „Uilleam traut niemanden.“ Lyall streckte sich, während er sich aus seiner Decke wand. „Ich traue dir, das reicht doch wohl!“ Lyall grinste, dann schnüffelte er und sah zum Feuer, wo Ilisa gerade die Brote auseinanderbrach und in den Schüsseln verteilte. „Das duftet gar köstlich! Habt Ihr die etwa frisch gebacken?“ Ilisa nickte und schenkte dem Ritter ein Lächeln. „Ich habe extra frische Beeren und Kräuter aus dem Wald geholt. Ich hoffe es mundet Euch, auch wenn es nicht viel ist.“

Nur wenig später saßen alle beim Essen und es schmeckte ihnen ausgezeichnet. Selbst Sir Uilleam schien ein wenig von seiner schlechten Laune verloren zu haben und langte ordentlich zu, was Ilisa sichtlich freute. Nach dem Mahl beschloss man weiter zu ziehen um das nächste Dorf bald zu erreichen, denn dieses sollte ja das vorläufige Ziel ihrer Reise sein. Bald schon waren die wenigen Habseligkeiten gepackt, die Pferde übernahmen das Tragen des Gepäckes und unter dem strahlenden Angesicht der Sonne zog die kleine Gruppe erneut durch den Wald, welcher sich nun in seiner ganzen Schönheit zeigte.
Lyall schwatze fröhlich mit Ilisa, während Uilleam einfach zuhörte. Nur Conan hielt sich im Hintergrund, er ging schweigend hinter den anderen her und beobachtete die Gruppe, besonders Sir Uilleam. Von Anfang an hatte dieser ihm nicht getraut, dass wusste Conan. Doch was würde er wohl sagen wenn er erfuhr, das der Wanderer genau über den Fluch des Ritters bescheid wusste? Der alte Mann fürchtete das schlimmste, auch wenn Lyall ihn von der Gutmütigkeit des Sir Uilleam zu überzeugen gesucht hatte. Conan seufzte leise und beobachtete weiterhin den Ritter vor sich. Dabei grübelte er angestrengt über einen Weg nach, dem möglichen Zorn Uilleams zu entgehen. „Vielleicht“, so dachte er „ist es besser es ihm zu sagen, bevor er es von ihr erfährt…“ Er seufzte erneut, straffte dann aber die Schultern und holte zu den anderen auf. Doch kaum neben Uilleam angekommen, zögerte er erneut. Sollte er es wagen? Conans Blick ging zu Lyall und insgeheim hoffe der Wanderer, dass der Ritter ihm zur Seite stehen würde, wenn es zum Äußersten käme. Doch es half nichts, er musste es wagen. Gerade wollte Conan Uilleam ansprechen, als ein Aufschrei erklang. Ilisa war gut gelaunt vor den anderen ein Stück den Weg entlang gelaufen und hatte auf ihrem Weg hie und da einen Abstecher in das Waldesdickicht gemacht. Genau von dort erklang nun ihr Schrei, welcher die beiden Ritter sofort zu ihren Waffen greifen lies. Conan ergriff nur die Zügel der Pferde und blieb auf dem Weg zurück, während Uilleam und Lyall in den Wald stürmten. Nicht weit vom Weg entfernt sahen sie Ilisa, die mit schreckensgeweiteten Augen dastand und auf etwas starte, das sich wohl vor ihr auf dem Boden befand. Die Ritter stürmten heran, blieben aber alsbald stehen, als sie erkannten was sich dort befand.

Vor der Fauna auf dem Boden lag eine Gestalt, die eindeutig schon bessere Tage gesehen hatte. Der Körper war von Dreck und Augenscheinlich auch Blut bedeckt, der magere Körper lag ausgestreckt im Laub und die Person Atmete schwer. Nun hob sie denn Kopf, versuchte Ilisa anzusehen, doch schien alle Kraft durch die Flucht aufgebraucht. Denn das diese Gestallt geflohen war, war eindeutig, nichts zuletzt zeugten die Fessel und Ketten an Armen und Beinen von einer Gefangenschaft. „Bitte…“ hauchte der Fremde, eindeutig ein junger Mann, „Bitte… Helft mir…“ Der Fremde streckte die Hand nach Ilisa aus, die immer noch wie zu Stein erstarrt da stand und nicht zu wissen schien, was sie tun sollte. Die Ritter waren immer noch vollkommen perplex, denn sie hätten nicht damit gerechnet, so bald auf einen weiteren Vertreter von Ilisas Art zu treffen. „Noch ein Faun?“, brummte Uilleam verdutzt und kratzte sich am Kopfe, während er sein Schwert sinken lies. Der Fremde zuckte erschrocken zusammen, als er die tiefe Stimme vernahm. Entsetzten zeichnete das fein geschnittene Gesicht und für einen Augenblick schien er wie Gelähmt. Dann jedoch stemmte er sich mit aller ihm verbliebenen Kraft auf, stolperte ein paar Schritte auf Ilisa zu und baute sich dann zwischen ihr und den Rittern auf, fast so, als wolle er sie beschützten. „Bleibt weg ihr… Ihr Monster…“ Seine Stimme war brüchig, doch klang deutlich daraus, dass er alles daran setzen würde, Ilisa vor der vermeintlichen Gefahr zu wahren. „Ich werde nicht… Nicht zulassen das ihr… Erneut jemanden meines Volkes… Ins verderben…“ Seine Worte verstummten und wie von einer unsichtbaren Macht getroffen, sank der Fremde zu Boden.
Ilisa stürzte auf ihn zu und wollte ihn Auffangen, doch als sie nach seinem Handgelenk griff und den eisernen Ring der Fessel berührte, prang sie mit einem spitzen Schrei zurück und hielt sich ihre Hand, als hätte sie sich an glühenden Kohlen verbrannt. „Ilisa, is alles in Ordnung?“ Sofort war Lyall an ihrer Seite und ergriff vorsichtig ihre Hand, betrachtete diese von allen Seiten. Doch er konnte keinerlei Verletzung erkennen. „Die Fesseln…“ Sie schaute den Ritter an, entsetzten war ihn ihren Augen zu sehen. „Was ist damit?“, fragte Lyall, dessen Blick zu dem am Boden liegenden Faun wanderte. Dieser lag still da, anscheinend hatten ihn all seine Kräfte verlassen. Uilleam stand direkt neben ihm, den Fremden im Blick behaltend. Erst nach einer Weile schaffte die Fauna es, Stimme und Körper wieder unter Kontrolle zu bringen und langsam schritt sie auf den Fremden Faun zu. Sie kniete sich neben ihm ins Laub und betrachtete ihn, ehe sie sich wieder den beiden Rittern zuwand. „Die Fesseln, sie… als ich sie berührte war es, als würde sie all meine Kraft aus meinem Körper ziehen. Sie sind magisch, doch es liegt nichts Gutes in ihnen…“ Wieder ging ihr Blick zu dem Fremden und nach einem kurzen Augenblick stand sie auf und sah die beiden Männer vor sich mit flehendem Blick an. „Wir müssen ihm helfen!“ „Helfen? Pfff… Als hätte ich nicht schon genug dahergelaufenes Gesindel um mich herum…“ „Uilleam!“ Lyalls Aufruf klang tadelnd, doch Uilleam schien dies nicht zu interessieren. Er wandte sich um und stapfte durch das Unterholz in Richtung des Weges. „Und ich dachte, es währe die Pflicht eines edlen Ritters, denen zu helfen, die Schutz und Hilfe nötig haben…“ Die Stimme der Fauna war nicht mehr als ein flüstern, doch erreichten ihre Worte den Ritter sehr wohl. Dieser hielt in seiner Bewegung inne und seufzte deutlich hörbar. „Bei allem was mir Heilig ist…“ Er strich sich durch die langen Haare, ehe er sich brummend umdrehte und zu den anderen zurückstapfte. Er warf Lyall einen bösen Blick zu, der ihn nur Schulter zuckend anlächelte, dann beugte er sich zu der Gestalt am Boden herab. „Womit habe ich das bloß verdient…“ knurrte er, ehe er den Bewusstlosen packte und ihn wie einen Sack Kartoffeln über seine Schulter warf. „Vorsichtig!“, rief Ilisa erschrocken, doch Uilleam reagierte gar nicht, sondern stapfte nur grummelnd und brummend in Richtung Weg davon. Ilisa blieb vollkommen verdutzt stehen, dann legte sie den Kopf schief und fragte: „Sagt mir, Sir Lyall… Ist Sir Uilleam eigentlich immer so… Liebenswert?“ Lyall lachte laut auf, irgendwie kam ihm diese Frage bekannt vor. Noch während er sich mit einer Hand die Lachtränen fortwischte, legte er die andere der Frau auf die Schulter und deutet ihr zu gehen. „Kommt, last uns zu den anderen zurückkehren.“

Damit verließen sie das Waldesdickicht, beobachtet nur von ein paar Eichhörnchen und einem weißen Raben.
Bad weeds grow tall!
(Unkraut vergeht nicht!)

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Beitragvon HeatherMcGoldenheart » Fr 27 Nov, 2015 19:49

ACHTUNG, ACHTUNG! EINE WICHTIGE DURCHSAGE DER AUTORIN!
*hust, hust* Ähm... Ja...

Nach langer Überlegung, einigen Tipps eines befreundeten Autoren und noch mehr schreibarbeit habe ich die Story
neu strukturiert und das erste Kapitel zum Prolog umgeändert.
Ausserdem die ersten Kapitel zusammengefasst. Das aktuelle (noch nicht fertige) Kapitel ist jetzt Nummer 3!
Ich habe auch noch einige kleine Textstellen geändert, sowie einige Land- und Ortschaftsbeschreibungen eingefügt.
Dessweiteren wurden alle gesprochenen Texte den "Roman-Regeln" nach jeweils in eine eigene Zeile gepackt, so liest
sich auch ein größerer Abschnitt um einiges angenehmer.
...
Ganz schön viele Änderungen, was?
Aber besser jetzt, als ganz zum Schluss. ^^

Die "neuen" Kapitel werde ich auch gleich hier drunter einfügen.
Und ja, es wird auch eine Neue Hörbuchversion geben, allerdings wird sich das noch ein wenig hinziehen, mein Rechner
hat grad seine Tage und will pertu nicht so wie ich das will...

In diesem Sinne:
Man liest sich!
Bad weeds grow tall!
(Unkraut vergeht nicht!)

HeatherMcGoldenheart
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Beitragvon HeatherMcGoldenheart » Fr 27 Nov, 2015 19:51

Der Ritter und die Dame im Mond

Prolog
Der Wanderer erzählt


Einst, in einer fernen Zeit, die heute nur noch in den Träumen der Menschen existiert, trug es sich zu, dass Licht über Dunkelheit siegte, Liebe den Hass vertrieb und einige wenige Worte stärker waren als die schärfste Schwertesklinge…

„Sieh an, sieh an! Reisende zu solch später Stunde? Kommt nur her, setzt euch zu mir ans Feuer und ruht euch aus. Ich weiß so manch eine Geschichte, die euch erheitern und zum Staunen bringen wird! Was sagt Ihr, wovon ich soeben gesprochen habe? Oh, das ist eine gute Frage, aber es ist eine noch bessere Geschichte! Kommt her, kommt her, dann will ich sie Euch erzählen. Ihr fragt nach meinem Namen? Nun, man nennt mich Conan, den Wanderer.“

„Begonnen hat diese Geschichte bereits, als ich selbst noch ein unbescholtener Knabe war und alles, was ich davon weiß, wurde mir nur mündlich zugetragen. So verzeiht Ihr sicherlich, wenn ich das Geschehene nur wage beschreiben kann.“

Man sagt, es geschah in einer hellen Vollmondnacht, als ein Knabe geboren wurde, dessen Schicksal sich einst auf magische Art und Weise erfüllen würde. Doch daran dachte niemand in dieser Nacht, in welcher das Kind das Licht der Welt erblickte, wie es vor und nach ihm tausende Kinder taten. Und doch war es keine gewöhnliche Nacht, denn als der Junge seinen ersten Schrei tat, geschah etwas Merkwürdiges.

Silberner Nebel wog zum Fenster herein und umgab das Kind und seine Mutter. Eine Gestalt hob sich darin ab, und ängstlich versuchte die Frau ihr Neugeborenes in ihren Armen zu verbergen, als eine Stimme erklang. Diese war so sanft und glockenhell, dass die Frau alle Angst verlor und gebannt zusah, wie die Gestalt aus dem Nebel trat. Erstaunen weitete ihre Augen, als sie erkannte, dass kein menschliches Wesen vor ihr stand, sondern etwas, das sie nur aus ihren Träumen kannte. Der Körper glich dem einer Frau, doch prangte das Haupt eines Einhornes darauf. Hände und Füße endeten in gespaltenen Hufen und ein Löwenschweif ragte aus dem Silberglänzenden Kleid hervor, welches das Wesen trug. Der ganze Körper war von Fell bedeckt, welches so weiß war, wie frisch gefallener Schnee. Das Haupt krönten lange, lockige Haare von silberner Farbe, welche bis weit hinab auf den Rücken reichten. Doch weder all diese Pracht, noch das magisch leuchtende Horn, vermochten die Frau so in ihren Bann zu ziehen, wie es die Augen des Wesens taten. Diese waren so blau wie der Himmel beim Hereinbrechen der Nacht und so klar wie es auch das reinste Wasser nicht sein konnte.

„Fürchte dich nicht, gute Frau, denn weder dir noch deinem Kind soll von meiner Hand ein Leid widerfahren.“
Die Gestalt trat auf das Bett zu und dieses Mal wich die Frau nicht zurück.
„Ich habe dir etwas Wichtiges zu verkünden, denn dem Knaben, dem du in dieser Nacht das Leben schenktest, ist ein großes Schicksal vorausgesagt. Denn wenn bereits viele Jahre verstrichen sind, wird die Dunkelheit ihre Finger nach diesem Land und allen, die darin leben ausstrecken. Und dein Sohn allein wird es sein, der das drohenden Unheil abzuwenden vermag!“
„Mein Sohn? Aber… Warum gerade mein Sohn? Er ist mein einziges Kind!“
Panisch richtete sich die Frau auf, und wieder schlug sie schützend die Arme um den schreienden Säugling, so als könnte sie ihn allein dadurch vor seinem Schicksal bewahren.
Das Wesen schwieg, doch fast war es, als würde es lächeln.
„Ich kann dir nicht sagen, warum gerade dieses Kind auserwählt wurde, doch sei unbesorgt. In der Stunde der Not werden ihm treue Freunde und tapfere Weggefährten zur Seite stehen, die ihm helfen werden, sein Schicksal zu erfüllen.“
Plötzlich wurde das Zauberwesen in ein seltsames Licht gehüllt und erschrocken wandte es sich zum Fenster. Draußen kündigte sich bereits das Morgengrauen an und die Gestalt sah mit angsterfülltem Blick zum Mond, der bereits tief über den nahen Bergen hing.
„Mir bleibt nur noch wenig Zeit, also höre gut zu!“

„Einst war ich eine Zauberin, die das Licht auf dieser Welt beschützte und allen Wesen Segen brachte. Doch dort, wo helles Licht erstrahlt, da werden immer auch dunkle Schatten sein. Einer dieser Schatten war ein alter Magier, der seine Kräfte stets nur zu seiner eigenen Freude und zum Leid aller einsetzte. Als er sein Spiel zu weit zu treiben drohte, stellte ich mich ihm, doch alle meine Bemühungen, ihn zum Guten zu bekehren scheiterten…
Es kam zu einem grausamen Kampf, bei dem der böse Magier sein Ende fand. Doch es gelang ihm einen Fluch auf mich zu legen: So muss ich fortan als Einhorn mein Dasein auf dem Monde fristen, fast all meiner Kräfte beraubt und nur in einer hellen Vollmondnacht wie dieser ist es mir gestattet, auf Erden zu wandeln. Doch dies ist nicht alles, was in jener Nacht geschah…
Der Magier schwor noch in seinem letzten Atemzug, dass er einst zurückkehren und die Welt in Dunkelheit stürzen würde. Sein Körper ergab sich daraufhin dem Tode, doch ich konnte spüren, dass seine Seele längst entschwunden war. Ich war voller Trauer und Sorge um diese Welt, doch ein Licht der Hoffnung erschien mir, als ich in einer Vision euren Sohn sah. Er ist es, der die Wiedergeburt des Magiers besiegen und diese Welt vor ihrem Untergang bewahren wird!“
Das Wesen schwieg für einen Augenblick, so als müsse es erst neue Kräfte sammeln. Draußen bahnten sich die ersten zaghaften Sonnenstrahlen ihren Weg über die hügelige Landschaft und der Frau war es, als würde das Wesen mit jeder Minute blasser werden. Auch schien seine Stimme aus weiter Ferne zu kommen, als es weiter sprach.

„Dein Sohn wird zu einem stattlichen Manne heranwachsen und alsbald den Stand eines edlen Ritters erlangen. Viele Frauen werden ihn umwerben und auch er wird dem schönen Geschlecht nicht abgeneigt sein. Doch um sein Schicksal erfüllen zu können… Muss ich eine große Bürde auf ihn legen…“
„Nein! Ich bitte euch! Verschonet meinen Sohn, was immer diese Bürde auch sein mag!“ Aber das Wesen schüttelte den Kopf, doch seine Augen waren voller Trauer, als es sprach: „Es gibt keinen anderen Weg… Denn nur ein einsames Herz kann Einsamkeit verstehen.
Und nur wem verziehen wurde, der kann auch verzeihen.“
Das Horn des Wesens erstrahlte und die Frau musste die Augen schließen, um nicht geblendet zu werden. So vernahm sie nur noch die Stimme der Zauberin.

„Kein Herz einer Frau wird je das seine sein und keiner Frau wird er sein Eigenes je schenken können, bis sein Schicksal erfüllt ist. In Einsamkeit wird er auf dieser Erde wandeln und bald wird Grimm sein Herz versteinern. Auch wird Blut fließen und seine Hand wird einem Freund den Tod bringen….“
Die Stimme klang nun aus weiter Ferne, fast war sie nicht mehr zu verstehen.
„Und erst wenn sich sein Schicksal erfüllt hat und nur dann… Wird er sein Glück finden…“

Die Stimme erstarb und die Frau blickte sich im Raume um. Doch von dem Wesen fehlte jede Spur. Schon wollte sie an ihrem Verstande zweifeln, als ihr Blick zum Fenster schweifte. Dort, unter dem steinernen Bogen stand ein silberner Schild von unglaublicher Schönheit, in dessen Mitte das Bildnis eines steigenden Einhorns prangte. Auch lagen ein silberner Helm und ein prachtvolles Schwert daneben und unter dem Fenster stand eine Reichverzierte Truhe, die sicher noch weitere Schätze barg.
Die Frau begann zu zittern und drückte ihr Kind ganz eng an sich, welches nun friedlich in ihren Armen lag und schlief.
„Niemals werde ich zulassen, dass dich dieses Schicksal trifft und deshalb darfst du nie davon erfahren.“
Sie lächelte und drückte dem Knaben einen Kuss auf die Stirn, doch zugleich rannen ihr Tränen die Wange hinab.
„Ein Ritter sollst du meinetwegen werden und auch die Welt sollst du bereisen. Doch vor dem Kummer deines Schicksals werde ich dich bewahren… Uilleam.“
Bad weeds grow tall!
(Unkraut vergeht nicht!)

HeatherMcGoldenheart
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Beitragvon HeatherMcGoldenheart » Fr 27 Nov, 2015 19:52

Kapitel 1
Wanderer und Reisende


Guten Morgen! Ich hoffe, Ihr habt gut geruht, auch wenn das Lager nur bescheiden war. Nun ja, das Vagabundenleben ist eben nicht bequem. Dafür aber äußerst aufregend, findet Ihr nicht auch? Doch nun ist es an der Zeit aufzubrechen, denn heute ist ein besonderer Tag!

„Was so Besonderes los ist, fragt Ihr? Ja wisst Ihr denn nicht, heute gibt es ein großes Fest im nächsten Dorf! Verschiedenste Köstlichkeiten aus aller Herren Länder, Händler von Nah und Fern, welche die unterschiedlichsten Waren feilbieten, allerlei Gaukler und Fahrendes Volk… Aber seht doch, wer dem Fest noch beiwohnen möchte!“

Der Wanderer erhob sich von seinem Platz am Feuer und deutete auf den nahen Weg, auf dem sich zwei Reiter näherten. An ihren Rüstungen und den Schwertern an ihren Gürteln erkannte man sofort, dass es sich um zwei Ritter handeln musste.
Der eine ward von schlanker Gestalt und lächelte freundlich als er näher kam, während seine Augen voller Freude strahlten. Er brachte sein Pferd zum Stehen und deutete mit einem Kopfnicken eine Begrüßung an. Mit ruhiger Hand nahm er seinen Helm vom Kopfe und fuhr sich mit den Fingern durch die langen, dunkelbraunen Haare, welche in leichten Locken über seine Schultern fielen. Mit einem vergnügten Lachen blickte er den Weg entlang in Richtung des nahen Dorfes, ehe er mit klarer Stimme sprach: „Nicht mehr lange, dann kannst du dir auf dem Fest den Bauch voll schlagen. Ich denke doch, dass dies deine Laune bessern wird, oder etwa nicht, Sir Uilleam?“
Er wendete sich seinem Begleiter zu, welcher nun ebenfalls sein Pferd zügelte. Doch diesem schien die Rast nur wenig zu gefallen, er grüßte nicht einmal, während sein Blick über die kleine Waldeslichtung und das spärliche Lager des Wanderers glitt. Und doch erschien er beinahe wie die Statue eines Helden, wie er so hoch erhobenen Hauptes auf seinem Pferd saß, in einer Hand die Zügel haltend, die andere auf dem Griff seines Schwertes ruhend. Seine imposante Gestalt ließ keinen Zweifel daran, dass seine Rüstung von enormen Muskeln getragen wurde und sein grimmiger Blick ließ wohl ein jeden erschaudern.
Und doch… Trotz seiner abweisenden Art lag etwas in seinem Blick, was nur schwer zu deuten und wohl noch schwerer zu verstehen war. Eine seltsame Melancholie schien von dem Manne auszugehen, welcher inzwischen sein Pferd Richtung Dorf gelenkt hatte und so unmissverständlich klar machte, dass er nicht länger an diesem Ort zu verweilen wünschte.

Conan kramte derweil äußerst geschäftig seine wenigen Habseligkeiten zusammen und wendete sich an den ersten Reiter.
„Erlaubt mir eine Frage, edle Herren! Gestattet ihr es mir, euch ins Dorf zu begleiten? Ich wollte eh dorthin, aber es reist sich in Gesellschaft doch um Längen angenehmer.“
Der Angesprochenen lächelte und meinte wohlwollend: „Gewiss habt ihr Recht, guter Mann. So verratet mir euren Namen, dann steht eurer Anwesenheit an unserer Seite nichts im Wege.“
„Oh, verzeiht mein Herr. Ich bin Conan, der Wanderer. Reisender auf tausend Wegen und Niederschreiber allerlei Geschichten und Verse, welche mir auf meinen Reisen zugetragen werden.“
„Nun denn Wanderer, mein Name ist Sir Lyall und dieser brummige Geselle dort, “ er deutete mit einem breiten Grinsen zu seinem Gefährten, „ist Sir Uilleam, auch ’der Großherzige’ genannt.“
Uilleam brummte etwas Unverständliches vor sich hin, und meinte dann lautstark: „Wollt ihr hier nun Wurzeln schlagen, oder schaffen wir es noch bis Sonnenuntergang ins Dorf?“
Er trieb sein Pferd an, drehte sich aber im Sattel noch einmal herum und meinte, an Conan gewandt: „Es reicht ja schon, dass ich noch so eine Quasselstrippe bis dorthin ertragen muss…“
Schon ließ er sein Pferd wieder antraben und kümmerte sich nicht mehr weiter darum, was hinter ihm geschah. Conan schien von diesem Verhalten ein wenig irritiert.
„Sagt mir, Sir Lyall… Ist Euer Begleiter immer so… Liebenswürdig?“
Lyall schüttelte den Kopf.
„Aber nein.“
Dann lachte er, während er sich zu Conan herunterbeugte und ihm freundschaftlich auf die Schulter klopfte.
„Nur wenn er gute Laune hat.“
Der Wanderer stutzte, dann stimmte er in das Lachen des Ritters mit ein.


Aber schließlich schien Conan noch etwas einzufallen und er wand sich um.
„Wie sieht es mit Euch aus, wollt Ihr uns nicht auch begleiten? Es scheint noch ein spannender Tag zu werden. Denn habt Ihr bemerkt, wer uns dort gerade begegnet ist? Ihr habt vollkommen Recht! Es ist genau jener Uilleam, von dem ich Euch gestern Abend berichtet habe! Doch ich sehe, Sir Lyall möchte aufbrechen. Also, gesellt Euch doch zu uns, wer weiß, was noch alles geschieht.“

Das kleine, beschauliche Dorf, zu welchem man sich nun Aufmachte, hieß Bel. Es lag in einer Bucht am Ufer eines großen Sees, welcher das Dorf schützte und Ernährte. Zu den übrigen Seiten war es von einem dichtem Laubwald umgeben, denn man den’Wald von Belaminon’ nannte. Das Dorf selbst war klein und friedlich, keine Mauer oder Palisade schützen es, denn es drohte von keiner Seite eine wirkliche Gefahr. Die Bauernhäuser bildeten zwei Reihen, welche fast Kreisförmig um einen großen Platz in der Mitte verliefen. Es gab ein kleines Gasthaus, das Haus des Dorfältesten, welches auch als eine Art Rathaus diente, sowie eine Schmiede. Um das Dorf herum lagen ein paar kleine Felder, mehr gab es nicht.
Und mehr brauchte es auch nicht um die Bewohner von Bel zufrieden zu stellen und das zeigten sie nicht zuletzt durch ihre Dorffeste, zu denen jeder Willkommen war, der sich in ihrer Mitte einfand. Oft kamen Händler und Fahrendes Volk dazu und so wurden die Feste ein abwechslungsreicherHöhepunkt im sonst so beschaulichen Dorfalltag.

Der Weg zum Dorf war nicht lang und schließlich betrat die kleine Gruppe den Dorfplatz, auf dem ein buntes Treiben herrschte. Der Duft von Gebraten- und Gebackenem lag in der Luft, Musik erklang, das Geschrei der Marktleute erfüllte die Luft und alle waren ausgelassen und guter Dinge. Die Gruppe wendete sich den Gasthof am Rande des Platzes zu und die beiden Ritter stiegen von ihren Rössern. Uilleam schien es recht eilig zu haben, denn ohne viele Worte drückte er einem Stallburschen die Zügel in die Hand und entschwand daraufhin auch schon in der Menschenmenge. Lyall, der noch etwas in seiner Satteltasche zu suchen schien, wendete sich derweil an Conan.
„Sagt mir Wanderer, wird hier heute etwas Besonderes gefeiert?“
„Nun, soweit mir bekannt ist, findet in diesem Dorf jedes Jahr um diese Zeit ein Fest statt um einfach einmal die Sorgen des Alltags hinter sich zu lassen und noch einmal die Freuden eines Festes zu genießen, bevor der graue Winter Einzug hält. Sie nennen es schlicht, ’Herbstmarkt’. Doch sagt mir, was führt zwei edle Herren wie Euch in diese einfache Gegend?“
Sir Lyall, der seinerseits sein Pferd an einen Burschen übergab und sich daraufhin nach seinem Begleiter umsah, schwieg einen kurzen Moment, ehe er antwortete.
„Ich finde, wir sollten uns unsere Reiseberichte für den heutigen Abend aufheben und uns diese in gemütlicher Runde erzählen. Lasst uns nun erst einmal dem Fest beiwohnen.“
Er lächelte und schließlich bahnten sich die beiden einen Weg durch die Menschenmenge ohne jedoch zu bemerken, dass ihnen jemand dicht auf den Fersen war…

***


Der Abend graute bereits und doch war das Fest noch in vollem Gange. Eine Gruppe junger Spielmänner spielte zum Tanze auf und viele der Anwesenden kamen ihrem Aufruf nur zu gerne nach. Lyall und Conan schauten der Menge zu, während Uilleam ein wenig Abseits saß und einen Krug Bier genoss, dabei einer Gruppe junger Damen überschwänglich von seinen Abenteuern berichtend.

Die Frauen hingen förmlich an seinen Lippen und bedrängten ihn mit Fragen, wenn er nur kurz innehielt. Conan beobachtete dies interessiert und meinte dann lachend: „Euer Freund Uilleam weiß die Frauen für sich zu begeistern, habe ich Recht?“
Lyall nickte, doch etwas in seinem Blick ließ den Wanderer stutzen. Lyall bemerkte dies und meinte leise: „Er bemüht sich jeden Tag aufs Neue um die Frauen, doch es ist zwecklos…“ „Was meint ihr damit?“
Conan war verwirrt, doch sein Gegenüber hüllte sich in Schweigen, den Blick zu seinem Kameraden gewandt, der gerade zu einer weiteren Geschichte ansetzte. Conan grübelte derweil noch über die Worte des Ritters nach, als dieser ihm zuflüsterte: „Wartet, bis die Sonne untergegangen ist…“
Nun war der Wanderer vollends verwirrt, doch sein Gegenüber gebot ihm nur mit einer Handbewegung zu schweigen. So saßen die beiden still inmitten des Getümmels, während die Sonne langsam hinter den Bergen verschwand. Schließlich wurden überall auf dem Markt Fackeln entzündet, und auf dem Platz brannte bald ein gewaltiges Feuer, welches die anbrechende Nacht erhellte. Es wurde immer noch getanzt und gelacht, Bier floss in Strömen und die Stimmung war ausgelassen und fröhlich. Bald schon standen die ersten Sterne am Himmel und Uilleam berichtete soeben lautstark vom Kampfe mit einem Drachen, noch immer von schwärmenden Damen umringt. Conan beschlich das Gefühl, dass der Ritter ihn verulken wollte, als plötzlich etwas Merkwürdiges geschah.

Mit einem Mal war es, als ob die Frauen jegliches Interesse an Sir Uilleams Geschichten verloren hätten, denn wie auf ein geheimes Zeichen hin wandten sie sich von ihm ab und gingen ihrer Wege. Nicht eine von ihnen wand sich auch nur noch einmal nach dem Ritter um, welcher nur schweigend da saß, das Haupt gesenkt, kopfschüttelnd. Dann strich er mit einer Hand seine langen Haare zurück und schaute sich um. Sein Blick war eindeutig, Trauer und Verzweiflung war in den dunklen Augen zu lesen. Doch plötzlich schlug seine Stimmung um, sein Bierkrug landete mit einem solch lauten Knall auf dem Tisch, dass die Umstehenden vor Schreck zusammenfahren. Uilleam sprang auf und ging ein paar Schritte, ehe er zurück an den Tisch trat, diesen mit einem Aufschrei packte und Richtung Feuer schleuderte. Alle Umstehenden sahen dem Ritter voller Angst nach, als dieser mit eiligen Schritten an ihnen vorbei in Richtung der Stallungen ging.

Conan saß wie vom Donner gerührt auf seinem Platze, brachte nicht mehr als ein gestottertes „Was… Was war denn das?“ über seine Lippen. Sir Lyall schwieg nur und starrte in seinen Krug, ehe er sich an seinen Begleiter wendete.
„Das, mein lieber Freund, ist der Fluch des Sir Uilleam…“
„Ich… Ich verstehe nicht…“
„Das tut niemand… Dennoch passiert es, jeden Tag aufs Neue. Sir Uilleam bemüht sich redlich um die Damen und viele zeigen Interesse an ihm. Doch kaum das die Nacht herein bricht… Nun, ihr habt ja gesehen was passiert ist.“
Conan nickte,doch so recht begreifen konnte er das Ganze wohl noch nicht.
„Es schien mir als… Als würden sie alle auf einmal das Interesse verlieren. Ich möchte sogar behaupten, es sah so aus als… Währe Sir Uilleam auf einmal gar nicht mehr anwesend…“
Sir Lyall nickte, ehe er einen Schluck aus seinem Krug nahm.
„Ich weiß nicht wie viele Jahre ich nun schon mit Sir Uilleam reise und wie viele Male ich dies beobachtet habe. Doch ganz egal was er auch versucht, oder wohin wir reisen. Es ist jedes Mal dasselbe. Und das hat ihn verändert im Laufe der Jahre…“
„Wie… Wie meint ihr das?“
Gerade will Lyall antworten, als ein Aufschrei und das Geklapper von Hufen ihn und seinen Begleiter herumwirbeln ließ. Aus dem nahen Stall preschte mit großen Sprüngen ein Pferd hervor und jagte durch die auseinander getriebene Menge Richtung Wald davon. Auf seinem Rücken niemand anderes als Sir Uilleam.

***


Die Nacht war bereits weit vorangeschritten und das Fest lange vorbei, doch Lyall und Conan saßen noch immer in einem Gasthof am Tisch und unterhielten sich. Es waren nur wenige andere Gäste anwesend, die meisten lagen wohl schon in den Betten. Der alte Wirt stand an seinem Tresen und putzte schon seit schier endloser Zeit an ein und demselben Krug herum, während er den Ritter und den Wanderer beobachtete und sichtlich bemüht war, etwas von ihrem Gespräch zu erhaschen. Doch die beiden flüsterten mehr als dass sie sprachen, so dass ihm der Inhalt ihrer Unterhaltung verborgen blieb.

„Und ihr sagt, ihr habt keinen Schimmer, was der Grund für diesen… Fluch ist?“
Lyall schüttelte den Kopf und grinste dabei den Wirt an, welcher immer noch versuchte zu lauschen. Erst als sich dieser sichtlich beschämt wegdreht, antwortete der Ritter.
„Nein und wir konnten auch in all den Jahren unserer Reise keine Antwort finden. Ich kenne Uilleam schon seit wir Knaben waren, wir sind zusammen bei einem Edelmann in die Lehre gegangen. Er war ein lustiger Bursche, immer zu Späßen und Albernheiten aufgelegt und stets auf der Suche nach dem nächsten Abenteuer. Sehr zum Leidwesen unseres Mentors.“
Der Ritter lachte ob dieser Erinnerung, während sein Gegenüber mit fragendem Gesichtsausdruck der Erzählung lauschte.
„Ich weiß schon, was ihr denkt.“, meinte Lyall nun lachend, „Ihr fragt euch, ob ich von jenem Uilleam rede, den ihr doch als so unglaublich liebenswert kennen gelernt habt. Doch ich kann euch diese Frage mit einem klaren ‚Ja’ beantworten. Denn wie ich vorhin bereits erwähnte: Er hat sich verändert…“


Plötzlich wurde die Tür zur Gaststube aufgestoßen und ein kalter Windhauch durchstreifte den Raum. Die Person in der Tür blieb einen Moment unbeweglich stehen, ehe sie eintrat und die Tür mit einem Poltern ins Schloss fallen ließ.
„Ah, willkommen edler Herr, willkommen in meinem Bescheidenen…“
Der Wirt, welcher sofort hinter der Theke hervorgesprungen war um den neuen Gast zu begrüßen, wurde von diesem in seinem Redeschwall unterbrochen.
„Was zu Essen und ’nen Bier.“, knurrte der Neuankömmling nur barsch, ehe er den verdutzten Wirt im Raume stehen ließ und auf den Tisch zuging, an dem Conan und Lyall saßen. Der Wanderer sah den Ritter erneut fragend an, doch Lyall sagte nichts, rückte nur auf der Bank ein Stück zur Seite, um Platz zu machen. Sir Uilleam, welcher sich ohne ein Wort zu sagen am Tisch niederließ, sah nicht gerade aus, als hätte er große Lust auf ein ausladendes Gespräch. Er wirkte müde, die Haare waren zerzaust, sein Umhang zerrissen und seine Stiefel und Hosenbeine trieften vor Dreck. Die übrigen Gäste beobachteten den Ritter, welcher so gar nicht dem Bild eines Edelmannes entsprechen wollte, mit einer Mischung aus Neugierde und Unverstand und so bemerkte niemand, dass eine weitere Person den Raum betrat.
Diese schloss die Tür fast lautlos hinter sich und schaute sich kurz um, ehe sie auf einen Tisch in der Ecke zusteuerte, welcher fast völlig im Dunkeln lag. Die Schritte klangen seltsam hart auf dem hölzernen Boden, doch dies war nicht das einzig Seltsame an der recht kleinen Gestalt. Sie war in einen dunkelgrünen Umhang gehüllt, welcher knapp bis zum Boden reichte und die große Kapuze war weit ins Gesicht gezogen, sodass nicht zu erkennen war, wer sich darunter verbarg. Den großen Lederrucksack, welcher mit seltsamen Mustern geschmückt war, legte der fremde Gast neben sich auf einen Stuhl, ehe er sich setzte und schweigend die anderen Gäste beobachtete.

Der Wirt hatte den Neuankömmling noch gar nicht bemerkt, als er die Bestellung von Sir Uilleam brachte.
„Mit bester Empfehlung des Hauses!“, säuselte er geradezu, als er den voll beladenen Teller und einen Krug Bier vor dem Ritter auf den Tisch stellte. Doch dieser deutete dem Wirt nur mit einer Handbewegung an zu gehen, ehe er sich stillschweigend seiner Mahlzeit zuwand. Auch Lyall und Conan schwiegen, wobei Letzterer den Eindruck erweckte, als würden ihm tausend Fragen auf der Zunge liegen. Lyall lächelte und wendete sich schließlich an den Wanderer.
„Sagt mein Freund, werdet ihr heute Nacht auch im Dorfe bleiben? Es scheint dort draußen doch recht stürmisch zu sein.“
Er deutete auf Uilleams zerzauste Haare, welche hie und da sogar von Blättern und Gestrüpp geziert wurden. Conan lächelte, erwiderte dann aber mit leichtem bedauern in der Stimme: „Gerne würde ich die Nacht in einer warmen Stube verbringen, nur fürchte ich, dass mein Erspartes schon für mein Mittagsmahl reichen musste. Aber sorgt euch nicht, ich habe bis jetzt noch immer einen trockenen Platz zum Schlafen gefunden und sei es in einem hohlen Baum.“
„Ihr wollt im Wald nächtigen? Bei meiner Ehre, das kommt nicht in Frage! Herr Wirt!“
Sofort ließ der grobschlächtige Kerl von seiner Arbeit ab und trat erneut an den Tisch.
„Ihr habt gerufen, edler Herr?“
„Wir werden heute Nacht hier bleiben, seit so gut und richtet einen Raum für uns her.“
Er deutete dabei in die Runde, woraufhin der Wirt nur ergeben nickte.
„Und dann seid so gut und bringt uns auch noch etwas zu trinken.“
Der Wirt grinste daraufhin breit, ehe er mit einem gesäuseltem: „Jawohl der Herr, ich werde dies mit Freuden erledigen.“ und einer angedeutet Verbeugung verschwand.
„Aber Sir Lyall, ich kann doch unmöglich auf eure Kosten…“
„Macht euch darüber mal keine Gedanken, ich lade euch gerne ein. Und Sir Uilleam hat sicher kein Problem damit heute Abend das Quartier mit euch zu teilen, nicht war mein alter Freund?“
Er klopfte dem angesprochenen auf die Schulter, welcher dies nur mit einem tiefen Brummen erwiderte.
„Ich… Ich danke euch vielmals, edle Herren. Ich hoffe, ich kann mich eines Tages erkenntlich zeigen.“
„Dafür wird sich sicher eine Möglichkeit ergeben!“
Lyall ergriff den Krug, den der Schankwirt soeben gebracht hatte und hob diesen den anderen entgegen.
„Zum Wohl meine Freunde!“
„Zum Wohl!“
Es wurde angestoßen und während Uilleam schweigend aß und die übrigen zwei bald in ein Gespräch vertieft waren, beobachtete sie die seltsame Person in der Ecke mit Argusaugen.

Schließlich entschied man sich zu Bett zu gehen und während sich die beiden Ritter schon auf den Weg in ihr Zimmer machten, blieb der Wanderer noch einen Augenblick sitzen, seinen leeren Bierkrug grübelnd in den Händen drehend. Die Ritter mussten erfahren was er wusste, ganz besonders Sir Uilleam. Aber Conan hatte das unbestimmte Gefühl, dass nicht er die Wahrheit überbringen sollte… Einen Moment blieb er noch sitzen, ehe er sich schließlich erhob und seinen Begleitern in die obere Etage des Hauses folgte, wo sich die Zimmer der Gäste befanden.

***


Es war still geworden in dem kleinen Gasthaus, alles lag friedlich in den Betten und schlief, nur Uilleam konnte keinen Schlaf finden. Unruhig wälzte er sich hin und her, doch kaum dachte er endlich schlafen zu können, schreckte er auf. Er hatte das ungute Gefühl, dass irgendetwas nicht in Ordnung war. Brummend drehte er sich auf den Rücken, legte die Arme unter seinen Kopf und schaute zum Fenster hinaus, wo sich der Mond soeben durch die Wolkendecke schob.

Halb war er nur zu sehen, der Rest seiner silbernen Pracht lag im dunklen verborgen. Und doch war er voller Schönheit und fast umgab ihn etwas Magisches. Der Ritter betrachtete die dunklen Schatten, die dem Mond fast ein Gesicht zu geben schienen. Verwundert richtete Uilleam sich auf und betrachtete den Mond genauer. Und auf einen Schlag wurde ihm bewusst, dass dort oben tatsächlich der Umriss einer Frau zu sehen war. Oder täuschten ihn seine Sinne? Doch gerade als er einen weiteren Blick auf diese Erscheinung erhaschen wollte, schob sich eine dunkle Wolke vor den Mond und ließ das Land in Finsternis versinken.
Uilleam sank auf sein Kissen zurück und schloss die Augen, doch er fand keine Ruhe. Schon oft hatte er des Nachts den Mond betrachtet, doch nie war ihm die Dame im Mond aufgefallen. Oder… Hatte er es nur vergessen? Grübelnd drehte sich der Ritter herum und nach einer gefühlten Ewigkeit fiel er endlich in tiefen Schlaf.

***


Kalt wehte der Wind über die Ebene, auf der er stand. Seltsames Dämmerlicht herrschte an diesem Ort, wo kein Laut an sein Ohr drang. Er schaute sich um, doch niemand war zu sehen, weder Mensch, noch Tier. Dichter Nebel lag über dem Land, sodass nicht zu erkennen war, was sich in der Ferne befand. Noch einmal sah er sich um, dann ging er vorsichtig ein paar Schritte nach vorn. Der Untergrund schien fest und eben zu sein, obwohl er nicht zu sehen war. Langsam ging Sir Uilleam weiter, doch an seiner Umgebung schien sich nicht das Geringste zu ändern. Plötzlich wurde der Wind eisig und ihn fröstelte es, als er gegen etwas stieß. Erstaunt schaute er auf die steinerne Platte, welche vor ihm aus dem Boden ragte.
„Ein Grabstein?“
Der Stein war alt und verwittert, die Buchstaben darauf waren nur schwerlich zu erkennen. Da kam der Wind erneut auf, zerzauste die Haare des Ritters und blies ihm diese ins Gesicht, so dass ihm für einen Augenblick die Sicht genommen war. Als die Böe nachließ und Uilleam seine Haarpracht wieder gebändigt hatte, sah er mit Erstaunen, wie sich die unleserliche Schrift auf dem Stein langsam veränderte und auch der Stein selbst verwandelte sich. Die Risse verschwanden, die von Wind und Regen gerundeten Kanten traten wieder hervor und schließlich schien es, als hätte der Stein erst vor Kurzem seinen Platz an dieser Stelle gefunden. Doch Sir Uilleam hatte keine Zeit, sich über dieses Ereignis zu wundern, wie gebannt ruhte sein Blick auf dem Namen, der jetzt deutlich zu lesen war. Nur am Rande nahm er war, dass helles Mondlicht auf ihn hernieder fiel, nur vage bemerkte er, dass er vor dem Stein auf die Knie gesunken war. Er zitterte am ganzen Körper, konnte den Blick nicht von der einen Zeile nehmen, so gern er sich auch abwenden und davonrennen wollte.
„Nein… Das kann nicht sein….“
Panik überkam ihn, doch er konnte nicht fort, wie gebannt starrte er auf die Buchstaben die einen Satz bildeten, den er niemals auf einem solchen Stein lesen wollte: Hier ruht Sir Lyall. „Nein… Nein! NEIN!“
Voller Panik schrie er in die Dunkelheit, mit zum Himmel erhobenem Haupt, an dem immer noch der helle Mond strahlt.

***


„NEEIIN!“
Mit einem lauten Aufschrei schrak Uilleam aus dem Schlaf und sah sich panisch um, begriff jedoch noch nicht, dass er das eben Geschehene nur geträumt hatte. Auch Lyall und Conan waren vom Aufschrei des Ritters aus dem Schlaf gerissen worden und wussten zunächst nicht, was passiert war. Doch dann sah Lyall zum Fenster, sprang sofort aus dem Bett und war mit wenigen Schritten an der Seite seines alten Freundes. Dieser saß totenbleich und am ganzen Leibe zitternd in seinem Bett und starrte ins Leere.
„Uilleam! Ist alles in Ordnung? Uilleam!“
Nur langsam erwachte der Angesprochene aus seiner Starre, schaute mit schreckensgeweiteten Augen Sir Lyall an, jedoch ohne dass ein Wort über seine Lippen kam. Conan hatte derweilen den Aufgebrachten Herbergswirt beruhigt, welcher vom plötzlichen Schrei alarmiert herangestürmt war und schloss soeben die Tür des Zimmers. Dann trat er an den Tisch, entzündete eine Kerze und begab sich zu Sir Lyall, welcher vor dem Bett seines Freundes hockte und diesem beruhigend eine Hand auf die Schulter gelegt hatte.
„Uilleam, ist alles in Ordnung? Bei meiner Ehre, so sprich doch mit mir!“
Doch Uilleam schüttelte nur den Kopf, ließ sich rücklings wieder auf sein Kissen fallen und deutete den anderen mit der Hand, wieder ins Bett zu gehen. Lyall erhob sich und sah Conan vollkommen verwirrt an, doch dieser zuckte nur mit den Schultern und wendete sich wieder seinem Bett zu. Lyall beobachtete noch einen Augenblick seinen Kampf- und Weggefährten, welcher ihm den Rücken zugewandt und sich die Decke bis ans Kinn gezogen hatte. Daraufhin beschloss Sir Lyall sich ebenfalls wieder hinzulegen und kurze Zeit später herrschte wieder Dunkelheit und tiefe Stille in dem kleinen Raum.

Doch Uilleam lag noch lange wach, der Alptraum hatte ihn so aufgewühlt, dass an Schlaf nicht zu denken war. Immer wieder sah er die Szene vor sich, die ihn bis ins Mark erschüttert hatte, so dass er aus dem Zittern gar nicht mehr heraus kam. Der stolze Ritter war froh, dass dies in der Dunkelheit niemand bemerken konnte, ebenso wenig wie die Tränen, die ihm über das Gesicht liefen. Nur der Mond, welcher sich durch die Wolken schob sah diese und er hielt sein leuchtendes Antlitz auf den Ritter gerichtet, bis dieser in den frühen Morgenstunden schließlich doch in einen tiefen, traumlosen Schlaf fiel.

***


Der nächste Morgen begann trüb und regnerisch, graue Wolken hingen am Himmel und ebenso grau schien auch die Laune von Sir Uilleam zu sein. Mürrisch saß er mit den anderen Zweien beim Frühstück, aber er bekam keinen Bissen herunter. Lyall kannte seinen Freund seit den letzten Jahren als still und wortkarg, doch er merkte genau, dass dieses Schweigen kein gewöhnliches war. Schon will er sein Gegenüber darauf ansprechen, als dieser ihn ansah und mit unterdrückter Stimme knurrte: „Ich will nicht darüber sprechen!“
Lyall hob nur beschwichtigend die Hände und meinte kurz: „Schon gut, schon gut. Dann will ich dich auch zu nichts drängen.“, ehe er sich an Conan wandte, welcher der ganzen Sache nur schweigend zugeschaut hatte.
„Sagt mir, Wanderer, wohin führt Euch euer Weg?“
„Oh, das kann ich nie mit Gewissheit sagen. Ich lande dort, wohin der Wind mich treibt und wohin meine Füße mich tragen.“
„Nun, ich hoffe doch, dass Euch Eure Füße noch eine Weile in dieselbe Richtung tragen wie uns, denn Eure Gesellschaft scheint mir eine sehr angenehme zu sein. Und da mein werter Freund hier von jeher nicht so gesprächig ist, wäre ich froh jemanden an meiner Seite zu wissen, mit dem man sich gefahrlos unterhalten kann.“
Bei seinen letzten Worten rückte Lyall ein wenig von dem neben ihm sitzenden Uilleam weg, denn dieser sah ihn gerade mit einem Blick an, der nichts Gutes verhieß. Lyall lächelte jedoch nur beschwichtigend und Sir Uilleam schien zum Glück keine wirkliche Lust auf eine Reiberei zu haben.
„Werter Sir Lyall, es wäre mir eine Ehre, wenn ich die edlen Herren noch eine Weile begleiten dürfte. Doch sagt mir, habt Ihr ein Ziel für Eure Reise?“
„Das haben wir in der Tat. Unsere Heimat liegt nur noch wenige Tagesreisen von diesem Ort entfernt und wir wollen unseren Familien einen Besuch abstatten, ehe wir weiter reisen. Ihr dürft uns gerne dorthin begleiten, wenn es Euch beliebt.“
„Sehr gern, habt Dank, Sir Lyall. Und auch Euch danke ich, Sir Uilleam.“
Uilleam brummte nur etwas Unverständliches, während er lustlos an seinem Brot herumkaute, und so vertieften sich die beiden anderen Weggefährten bald in belanglose Gespräche.

In der Ecke der Gaststube jedoch saß erneut die geheimnisvolle Person, ein bescheidenes Mahl vor sich, wieder die Kapuze des Mantels tief ins Gesicht gezogen. Sie schien ganz in ihr Essen vertieft, nur hin und wieder hob sie den Kopf und schaute zu den drei Reisenden hinüber, anscheinend doch sehr an deren Gesprächen interessiert. Ob sie von diesen auch nur ein Wort verstand war ungewiss, doch es hatte fasst den Anschein, denn es alsbald umspielte ein wissendes Grinsen den Mund des fremden Gastes. Als sich die Freunde schließlich erhoben, blieb der Blick des Unbekannten fest auf diese gerichtet, als ob er fürchtete etwas Wichtiges zu verpassen.

***


Der Tag war schon weit vorangeschritten, als man sich zum Aufbruch bereit machte und während Lyall die Zeche bezahlte, kümmerte sich Uilleam um ihre Pferde. Kurz darauf trafen sich die drei Gefährten vor dem Gasthof, wo Uilleam seinem Kameraden dessen Pferd übergab und sich dann seinerseits in den Sattel schwang. Conan hatte sein Bündel geschultert und war augenscheinlich auch bereit zum Aufbruch, doch Lyall zögerte noch.
„Ich fürchte, ihr werdet den Weg zu Fuß zurücklegen müssen, mein Pferd ist nicht mehr das jüngste, und ich fürchte, dass zwei Reiter zu viel für das alte Mädchen wären.“
Conan lächelte ob dieser Besorgnis und meinte abwinkend: „Macht Euch um mich keine Sorgen, ich bin schon so viele Meilen gereist, da werden mich die folgenden schon nicht ins Grab bringen.“
„Trotzdem fände ich es unfair Euch gegenüber, wenn wir zwei reiten und ihr lauft. Daher werde auch ich zumindest eine Teil des Weges zu Fuß zurücklegen.“
„Tut was Ihr wollt, ich reite!“, ertönte nun Sir Uilleams kräftige Stimme, welcher sein Pferd ohne ein weiteres Wort Richtung Dorftor lenkte. Lyall schüttelte nur mit saurer Miene den Kopf ehe er, sein Pferd führend, dem anderen folgte.
Doch bereits im nächsten Wald hatte Sir Uilleam ein Einsehen und folgte den anderen ebenfalls auf Schusters Rappen. Und so begann die Reise der drei ungleichen Gefährten und keiner von ihnen wusste wohin sie der Weg wirklich führen würde, noch, dass ihnen jemand wie ein Schatten folgte.
Bad weeds grow tall!
(Unkraut vergeht nicht!)

HeatherMcGoldenheart
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Beitragvon HeatherMcGoldenheart » Fr 27 Nov, 2015 19:54

Kapitel 2
Eine unerwartete Begegnung


Der Tag neigte sich langsam seinem Ende zu und immer noch fiel der Regen und dichte Wolken tauchten das Land in graues Zwielicht. In dem Wald den die Gefährten durchschritten war es noch düsterer, doch das dichte Blattwerk hielt wenigstens das meiste Regennass von den Wanderern fern. Trotzdem waren die Gefährten bald durchnässt und dies steigerte nicht unbedingt die Laune Sir Uilleams. Vor allem, da sich Lyall und Conan von dem schlechten Wetter nicht davon abhalten ließen, freudige und mitunter lautstarke Gespräche zu führen. Uilleam, der sich inzwischen wieder in den Sattel seines Pferdes geschwungen hatte sah aus, als würde er jeden Augenblick aus der Haut fahren. Schon drehte er sich im Sattel herum und wollte seinem Unmut freien Lauf lassen, als er inne hielt und verwundert an den beiden anderen vorbei starrte. Dann ergriff er die Zügel, riss sein Pferd herum und preschte den Weg entlang. Völlig verwundert schauten Conan und Lyall ihm nach, als Uilleam sein Pferd in vollem Lauf erneut herumriss und es unter kräftigem Schenkeldruck in das Gestrüpp trieb.

Eine Weile war nichts zu hören, außer dem Schnauben des Pferdes, dem Rascheln von Blättern und dem Knacken zahlreicher Äste. Dann trat für einen Moment Stille ein, doch diese wurde alsbald von einem Schreckensschrei zerrissen, gefolgt von etlichen geflügelten Worten, die ein Rittersmann eigentlich nicht in den Mund nehmen sollte. Erschrocken drückte Lyall die Zügel seiner Stute dem nicht minder überraschten Conan in die Hand und lief los, als Uilleam aus dem Unterholz schritt. Er sah ziemlich zerknirscht aus, während er auf den Weg trat, in einer Hand die Zügel seines Pferdes haltend, in der anderen… Lyall blieb vor Staunen der Mund offen stehen, als er erkannte, das Uilleam eine Gestalt am ausgestreckten Arm einige Handbreit über dem Boden hielt.

Der Verfolger trug einen langen Mantel, dessen große Kapuze er tief ins Gesicht gezogen hatte und versuchte mit aller Kraft, sich zu befreien. Doch Uilleam hatte den Fremden an Mantel und Hemdkragen gepackt und ließ nicht locker, dabei versuchte er jedoch stetig, den wild durch die Luft schlagenden Beinen der Gestalt nicht zu nahe zu kommen. Lyall stand noch immer wie angewurzelt da, denn ihm wurde soeben gewahr, dass die Beine des Fremden wie die eines Tieres geformt waren, mit Fell bewachsen und in gespaltenen Hufen endeten. Auch Conan war an das Geschehen herangetreten und stand neben Lyall, während Uilleam die strampelnde Gestalt auf dem Boden abgesetzt hatte, nicht aber, ohne vorher die Handgelenke des Verfolgers zu ergreifen und festzuhalten. Diese waren so schmal, dass der Ritter nur eine Hand dazu benötigte. Mit der anderen klopfte er sich sichtlich genervt seine Hosenbeine ab, wobei seinen Begleitern auffiel, dass das Rechte einen breiten Riss am Knie aufwies und aus der Wunde darunter Blut sickerte. Lyall musste grinsen und meinte, während er Conan mit dem Ellenbogen anstieß: „Seht euch das an, der Kampf mit unserem Verfolger muss ein gar schwerer gewesen sein. Sir Uilleam ist schwer verwundet.“
Conan kicherte, verstummte aber sofort, als er Uilleams bösen Blick bemerkte.
Dieser knurrte nur, dann meinte er, wobei er die Gestalt an sich heranzog und mit einem Arm umschlingend festhielt: „Wie wäre es, wenn Ihr Euren Spott wieder in Eurer Satteltasche verstaut und mir hier zur Hand gehen würdet, Sir Lyall?“
Lyall folgte der Aufforderung und trat auf den Gefangenen zu, wobei er sich ein Grinsen nicht verkneifen konnte.
„Nun gut, dann wollen wir doch einmal sehen, wer sich unter der Kapuze verbirgt...“
„Oder was...“, knurrte Uilleam, wobei er den Druck seines Armes verstärkte.
Die Gestalt reichte ihm gerade mal bis zur Brust, doch dass sie sich zu wehren wusste, hatte er ja schon schmerzlich erfahren. Conan ergriff derweil die Zügel von Uilleams Pferd und betrachtet sichtlich neugierig den Fremden. Dieser wand sich wie ein Aal und versuchte nach Sir Lyall zu treten, doch dieser packte blitzschnell zu und hielt die Hufe dicht über den Knöchel fest.
„Na, na, na, wir wollen doch nicht unhöflich werden. Ein Verletzter reicht doch wohl!“
Nun erhob der Fremde die Stimme, welche eindeutig weiblich war, doch keiner der Anwesenden konnte auch nur ein Wort verstehen, denn die Sprache war ihnen vollkommen unbekannt. Allerdings war sofort klar, dass die Worte keinesfalls freundlich gemeint waren. „Jetzt langt es aber!“
Sir Uilleam ließ die Handgelenke des Fremden für einen kurzen Augenblick los und riss ihm mit einer schnellen Bewegung die Kapuze vom Kopf. Er wollte danach erneut zupacken, doch blieb er wie versteinert stehen, genau wie die zwei übrigen Männer. Denn was sie dort vor sich sahen war ihnen nur aus Märchen und Sagen bekannt. Es war eine Frau, den Zügen ihres Gesichtes nach nicht älter als 20 Sommer, ihr feuerrotes Haar fiel ihr bis auf die Schultern. Die Ohren, welche aus der wirren Haarpracht hervorstanden, waren lang und wie ihre Beine von dichtem, haselnussbraunem Fell bewachsen. Und als wenn all dies nicht schon merkwürdig genug erschienen währe, prangten auf ihrem Kopf zwei gebogene Hörner, welche ihr bis fast zum Hinterkopf reichten.

Keiner der Männer wusste was er sagen oder tun sollte, am wenigsten Sir Uilleam der diese Unachtsamkeit aber bereits im nächsten Augenblick bitter bereute. Denn schon drehte sich die Fremde zu ihm herum und trat ihm mit voller Wucht erneut gegen sein bereits lädiertes Knie. Uilleam konnte einen Schmerzensschrei nicht unterdrücken und während er wie von Sinnen auf und nieder sprang, verschwand das Wesen wieder im dichten Unterholz.
„Dieses verfluchte, kleine…“
Lautstark vor sich hin fluchend humpelte Uilleam zu seinem Pferd und stützte sich an ihm ab, während er mit schmerzverzerrter Miene sein Knie betrachtete. Eine Platzwunde war zu erkennen, aus der beständig Blut rann und bereits den Stoff um den Riss dunkel färbte. Und auch das Knie selbst bekam bereits eine bläuliche Färbung, was der Ritter mit einen weiteren Fluch zur Kenntnis nahm.

Was, bei allem was mir Heilig ist, war das überhaupt?“, schrie Uilleam aufgebracht, den Blick seinen Begleitern zugewandt. Lyall zuckte nur mit den Schultern, er war ob dieser seltsamen Begegnung ebenso verwirrt wie sein Freund.
„Ich kann es dir beim besten Willen nicht sagen, denn ich habe noch nie …“
„Es war ein Faun.“
Fast schon erschrocken durch Conans plötzliche Rede, der doch bis zu jenem Zeitpunkt geschwiegen hatte, sahen die beiden Ritter zuerst sich, und dann den Wanderer verdattert an. „Woher…“
„Oh, ich weiß nichts genaues und bin dem gehörnten Volk auch bisher noch nie leibhaftig begegnet“, ergriff Conan das Wort, bevor Lyall seine Frage auch nur gänzlich aussprechen konnte.
„Aber ich habe auf meinen bisherigen Wanderungen Unmengen an Geschichten gehört, auch zahlreiche von Völkern und Wesen, die wir uns wohl nur in unseren Träumen vorstellen können.“
„So. Und auch von diesen… Diesen… Faunen?“
Uilleams Stimme war mehr ein wütendes Brummen, als er nun, sein Pferd erneut am Zügel führend, ein paar Schritte nach vorne humpelte.
„Ja, ja, auch von diesen. Auch wenn die meisten Geschichten nicht unterschiedlicher sein könnten und sich in vielem widersprechen. Aber vielleicht…“
Conan kratzte sich nachdenklich am Kopf, ehe er eine Strähne seines silbergrauen Haares zurück strich, welche ihm ins Gesicht gefallen war.
„Nun, vielleicht wäre es besser, unseren Weg fortzusetzen, während ich euch mein Wissen verkünde. Es wird doch merklich ungemütlich hier und wir sollten Euch zu einem Heilkundigen bringen, werter Sir Uilleam.“
„So ein Blödsinn!“, wehrte dieser donnernd ab, „Doch nicht wegen so einer lächerlichen Fleischwunde! Ich versichere Euch, das mir bei meinen bisherigen Kämpfen weitaus schlimmere Blessuren zugefügt wurden!“
Mit diesen Worten nahm er eine geradezu stolze Haltung an und schritt an den zwei Männer vorbei, sichtlich darum bemüht nicht zu humpeln. Lyall verdrehte nur die Augen, dann schloss er zu Uilleam auf, Conan direkt neben ihm. Doch schon nach wenigen Schritten blieb Uilleam stehen, drehte sich herum und musterte die Stelle, an der die Gehörnte im Wald verschwunden war.
„Ich würde allerdings zu gerne wissen, was dieses… Faun von uns wollte. Denn es hat uns verfolgt, daran besteht kein Zweifel…“
„Seid Ihr Euch sicher? Vielleicht war es auch reiner Zufall, dass es… Dass sie…“
„Nein.“
Dieses eine Wort sprach Sir Uilleam mit solcher Bestimmtheit aus, das Conan nichts mehr zu erwidern wagte.
„Wir werden es wohl nicht mehr herausfinden, denn sie wird sich nach deinem gar so höfflichen Betragen sicher aus dem Staub gemacht haben.“
Lyall versuchte sein Gegenüber ernst anzusehen, doch um seine Mundwinkel zuckte es verräterisch.
„Bei meinem…"
Uilleam zog hörbar Luft in seine Lungen und baute sich vor Lyall auf, was diesen aber nur wenig zu beeindrucken schien.
„Dieses… Diese… Dieser… Faun hat uns verfolgt und ist, als ich ihn… Sie bemerkte, sofort geflohen! Außerdem hat sie mich angegriffen, als ich sie…“
„Was? Sie freundlich nach Ihrem Begehr gefragt hast?“
Nun konnte sich Sir Lyall ein breites Grinsen nicht mehr verkneifen, was seinen alten Freund nur noch mehr in Rage brachte.
„Zum Kuckuck, dann glaubt doch was Ihr wollt!"
Wutschnaubend und sichtbar humpelnd stürmte Uilleam, sein Pferd führend, voran und ließ so einige Fuß Entfernung zwischen sich und den anderen.

Lyall seufzte nur und sah seinen Begleiter lächelnd an, der aussah, als wüsste er mit der ganzen Situation nichts anzufangen.
„Wundert euch nicht, mein Freund. Ich ziehe Uilleam des Öfteren mit seinem unwirschen Betragen auf, woraufhin er nur umso unfreundlicher reagiert. Was mich wiederum umso mehr erheitert.“
Er lachte leise, woraufhin Conan den Kopf schüttelte und mit leiser Stimme fragte: „Ja aber… Verzeiht mir, wenn es anmaßend klingt, aber… Habt Ihr keine Angst, dass er einmal…
Ich meine… Bei seiner Statur…“
Lyall ahnte worauf der Wanderer hinaus wollte und lachte laut auf, ehe er zu einer Erklärung ansetzte.
„Ich versichere Euch, so sehr ich Sir Uilleam auch necke und so sehr er auch toben mag… Er würde niemals seine Hand wegen solcher Belanglosigkeiten gegen mich erheben, mag es auch manches Mal anders erscheinen. Wir kennen uns bereits seit Kindesbeinen, waren stets wie Brüder. Nachdem meine Mutter an einer Krankheit verstarb und unserer Väter gemeinsam in die Schlacht zogen, wuchs ich quasi in seiner Familie auf. Ich weiß noch wie Heute, wie wir dem Kindermädchen Streiche spielten und auf den Ländereien seines Vaters umherzogen, bis der Abend hereinbrach. Oft stritten wir, jedoch…“
Lyall hielt kurz in seiner Erzählung inne und sah mit einem freundlichen Lächeln zu Uilleam. „War ich einmal in Not, oder hatten wir es einmal zu bunt getrieben, konnte ich mich jedes Mal blind auf ihn verlassen. Einmal hatten wir uns bis aufs Blut zerstritten, auch wenn ich nicht mehr zu sagen vermag, worum es damals ging. Wir schworen nie wieder ein Wort miteinander zu wechseln und gingen unserer Wege, doch begegneten wir uns im Hof, oder in der Burg, starrten wir uns Minuten lang voller Hass an. Die Hand gegen mich erhoben hat er aber nicht ein einziges Mal.“
Er schwieg und schaute den Mann neben sich an, welcher den Worten des Ritters schweigend lauschte.
„Ihr seht also Conan, ich habe keinen Grund Uilleam zu fürchten.“
Conan nickte, dann huschte ein Lächeln über sein Gesicht.
„Und wie habt ihr euren Streit beigelegt?“
„Oh, seine Mutter hat uns dazu gebracht. Eine liebenswerte und fürsorgliche Frau, die aber mitunter auch sehr streng sein kann, wenn es nötig ist. Nachdem Uilleam und ich drei Tage nicht miteinander gesprochen hatten, zitierte sie uns zu sich, packte uns bei den Ohren und drohte uns selbige abzureißen, wenn wir nicht Frieden schließen würden.“
Der Grauhaarige grinste und selbst Uilleam lächelte bei dieser Erinnerung, auch wenn keiner der anderen dies mitbekam. Lyall fuhr indes fort: „Nachdem sie uns entlassen hatte, stürzten wir nach draußen und kamen schnell überein, dass wir uns nie wieder zerstreiten wollten. Unserer Ohren zuliebe.“
Die Männer lachten und der Wanderer wischte sich die Lachtränen aus den Augenwinkeln. „Und das ist wirklich wahr?“
„So wahr wie ich hier stehe! Und wenn ihr mir nicht glaubt, könnt ihr gerne Sir Uilleam fragen.“
„Lieber nicht. Wobei mir einfällt ... Wolltet ihr nicht hören, was ich über das Faunenvolk zu berichten weiß?“
Lyall nickte.
„Allerdings! Jedoch fürchte ich, dass dieses Vorhaben bis zu unserer nächsten Rast warten muss. Mein brummiger Freund scheint gerade nicht in der Stimmung für Geschichten zu sein.“
Die beiden Männer grinsten sich an, ehe sie schweigend dem Weg weiter folgten.

***


Über den Baumwipfeln war die Abenddämmerung bereits dabei, ihr dunkles Kleid über das Land zu legen, was auch den Reisenden nicht verborgen blieb. Der Regen hatte aufgehört und so entschied man sich schließlich, bei der nächsten sich bietenden Gelegenheit das Nachtlager aufzuschlagen, da das nächste Dorf noch eine ganze Tagesreise entfernt war. Zu ihrem Glück fanden sie am Rande einer kleinen Lichtung einen großen Weidenbaum, dessen dichte und tief hängende Äste ihnen Schutz vor weiterem Regen boten. Auch war der Platz unter den Ästen groß genug, dass sie es sogar wagen konnten ein kleines Feuer zu machen, auch wenn das Beschaffen von trockenem Feuerholz mehr als schwierig schien. Und so entschieden sich die drei, die Umgebung nach geeignetem Holz abzusuchen. Die Pferde wurden in der Nähe festgebunden, und ihre Taschen bargen nichts, was es ich zu klauen gelohnt hätte. So gingen sie vom Pfade ab in den Wald hinein und waren eine ganze Weile unterwegs, so dass keiner bemerkte, wie sich jemand ihrem Lager näherte.

„Eine magere Ausbeute…“
„Besser als nichts!“
„Singt ihr jetzt Lobeshymnen auf das Feuerholz, oder was habt ihr vor?“
Lyall und Conan lachten ob Uilleams Äußerung, was dieser nur kopfschüttelnd quittierte. Viel hatten sie wirklich nicht gefunden, das meiste Holz war völlig durchnässt und es hatte bereits wieder zu regnen begonnen.
„Für ein kleines Feuer wird es schon reichen.“, meinte Conan nun beschwichtigend, während er auf die Lichtung schritt. Im selben Augenblick blieb er wie angewurzelt stehen, so dass Uilleam, der direkt hinter ihm ging, fast in ihn hinein gelaufen wäre.
„Was zum… Zum Kuckuck, hat euch ein Regenwurm erschreckt oder warum…“
Sein Blick ging an Conan vorbei zum Weidenbaum und er verstummte augenblicklich. Denn dort glomm der Schein eines Feuers durch die Zweige und jemand schien sich an selbigem aufzuhalten. Uilleam deutete Lyall an ihm zu folgen, während er sein Schwert aus der Scheide zog und langsam auf den Baum zu schritt. Lyall tat es ihm gleich, Conan blieb den Rittern dicht auf den Fersen, wenn auch mit einigen Schritten Abstand.

Schon hatten sie das Lager erreicht und Uilleam und Lyall traten nebeneinander. Ein kurzer Blick, ein Nicken, dann stürmten die zwei nach vorn, die Schwerter erhoben. Uilleam ergriff einen Arm des Fremden und drehte diesen zu sich herum. Doch weiter kamen sie nicht, denn die Person die dort vollkommen verschreckt stand, war niemand anderes als die Fauna, welche ihnen zuvor begegnet war.
„Bitte, ich…“ sprach sie stotternd, während sie ein paar Schritte nach hinten stolperte.
„Was habt ihr hier zu suchen!“
Uilleams donnernde Stimme zerschnitt die Stille, welche für einen Moment geherrscht hatte, doch die Fauna schwieg, schaute den Ritter nur verängstigt an.
„Sprecht!“
Er schüttelte sie unsanft, wollte sie wohl zu einer Antwort zwingen, wurde jedoch von Lyall aufgehalten.
„Halt, halt, mein Freund! Ich glaube, so kommen wir nicht weiter!“
Er zog Uilleam ein Stück zurück und sah dann die Fauna mit einem Lächeln an.
„Verzeiht meinem aufbrausenden Freund, er hatte einen schlechten Tag. Würdet ihr uns verraten was euch zu uns führt?“
Die Fremde sah zögernd von Lyall zu Uilleam, dann zu Conan, der sie ebenfalls anlächelte. „Ich… Ich wollte Euch helfen…“
Damit deutet sie auf das Feuer und erst jetzt bemerkten die Männer, dass über diesem ein Topf hing, dessen Inhalt leise vor sich hin blubberte.
„Ich dachte mir… Ihr könntet eine Mahlzeit vertragen, ebenso wie ein wärmendes Feuer.“
Sie drehte den Männer den Rücken zu, ergriff einen Holzlöffel, der auf einem Tuch am Boden lag und rührte in dem Topf herum, ehe sie einen scheuen Blick über ihre Schulter zu Uilleam warf.
„Und das mit Eurem Knie, das… Tut mir Leid… Ich wollte euch nicht so arg verletzten, Sir Uilleam…“
„Pah! Und deshalb habt ihr auch mit voller Absicht noch einmal nach mir getreten? Ist das ihn Eurem Volk eine Form von…“
Plötzlich hielt der Ritter in seinem wütenden Wortschwall inne und sah sein Gegenüber verwirrt an.
„Woher… Woher kennt ihr meinen Namen?“
Sie seufzte, blieb einen Moment unbeweglich stehen, ehe sie sich zu Uilleam umwandte und ihn mit einem seltsam traurigen Blick ans
„Ihr erinnert euch nicht mehr an mich, nicht war?“
Der Ritter wusste nicht was er erwidern sollte und schüttelte nur den Kopf, woraufhin sich die Fauna erneut dem Topf auf dem Feuer zuwandte. Stille trat ein und Lyall merkte, wie eine unbehagliche Stimmung aufkam. Er schritt an Uilleam vorbei zum Stamm des Baumes wo ihre Taschen lagen und kramte eine Weile eifrig darin herum, wobei er lachend meinte: „Wie wär’s, wenn wir erst einmal probieren, was die wehrte Fauna dort gekocht hat? Mein Magen knurrt wie ein Bär und für Geschichten vergangener Tage haben wir auch beim essen Zeit.“ Er ging zu den Decken, welche die Fauna auf dem Boden ausgebreitet hatte und ließ sich darauf nieder. Er stellte eine hölzerne Schale neben sich ab und reichte eine weitere zu Uilleam, der aussah, als würde er verzweifelt versuchen, sich an die Fremde zu erinnern. Schließlich nahm er seinem Freund das Gefäß ab und ließ sich resigniert neben Lyall nieder. Auch Conan hatte sein Essgeschirr hervorgeholt und nahm gegenüber der beiden Ritter auf einer weiteren Decke platz.

Schweigend füllte die Fauna die ihr gereichten Schalen und nachdem auch sie ihre Portion genommen hatte, setzte sie sich neben Conan. Es war ein einfaches Mahl, doch nicht von schlechter Art, eine dicke Suppe von Feldfrüchten, Samen und Kräutern, dazu ein wenig Brot. Eine Weile aßen sie schweigend, ehe Uilleam das Wort ergriff: „Habt Dank für das Mahl, wehrte… Fauna.“
„Ilisa.“
Sie lächelte den Ritter und auch die anderen an.
„Mein Name ist Ilisa.“
Lyall nickte und erwiderte erfreut: „Nun denn Ilisa, mein Name ist Sir Lyall, der wehrte Herr dort neben Euch ist Conan der Wanderer und er…“
Lyall hielt inne und schien ein wenig ratlos.
„Nun... Sir Uilleam scheint ihr ja schon zu kennen…“
Er sah zu seinem Kameraden, der wiederum Ilisa ansah. Er bemerkte wie ihr Blick erneut traurig wurde und so sagte er zögernd: „Verzeiht mir, aber… Ich kann mich nicht an Euch erinnern…“
Sie schüttelte den Kopf und sah den Ritter an, nun aber umspielte ein Lächeln ihre Lippen. „Wie könntet Ihr auch. Ihr wart damals nicht älter als zehn Sommer. Doch ich erinnere mich noch genau…“
Einen Moment starrte sie gedankenverloren in ihre leere Schale, ehe sie zu erzählen begann.


„Ihr wart tief im Walde unterwegs, wohl auf der Suche nach Beeren oder ähnlichen, denn es war ein warmer Tag des Spätsommers. Ich hatte euch schon eine ganze Weile beobachtet, ließ Euch aber gewähren, da ein Knabe keine Gefahr für den Wald und seine Bewohner darzustellen vermag. Doch die Nacht brach schneller herein als ihr ahntet und als ihr der nahenden Dunkelheit gewahr wurdet, nahmt ihr Eure Beine in die Hand und lieft davon. Ich hatte Eure Angst gespürt und folgte Euch und es war gut, dass ich so handelte. Denn bald schon hörte ich ein Platschen, gefolgt von Euren verzweifelten Hilfeschreien. Den Wald durchzog ein Flusslauf, welcher der Regen der vorherigen Tage in einen reißenden Strom verwandelt hatte. Ihr hatten wohl beim überqueren des Steges den Halt verloren und drohtet nun davon gespült zu werden und in den Fluten zu ertrinken. Eine Wurzel gab Euch halt, doch Ihr hatte nicht die Kraft Euch dran hochzuziehen.
Ich begab mich schnellstens an das Ufer und ergriff Eure Arme, doch ich schaffte es nicht Euch aus dem Strom zu befreien. So hielt ich Euch einfach nur fest und sprach beruhigende Worte, in der Hoffnung dass sich jemand aufgemacht hatte Euch zu suchen. Dem war auch so, denn bald schon hörte ich Stimmen, die Euren Namen riefen. Als ich den Schein von Fackeln näher kommen sah, zog ich Euch mit aller Kraft ein Stück weiter auf die Wurzel hinauf, ehe ich mich davon machte. Doch ich blieb in der Nähe, um sicherzugehen, dass man Euch rettete. Und als die Gefahr vorüber war, zogt ihr mit Euresgleichen davon, ohne Euch noch einmal umzusehen. Der Zauber des Vergessens legte sich bald über Euren jungen Geist, doch ich blieb in Eurer Nähe und beobachtete Euch, sah Euch vom Knaben zum Jüngling heranwachsen und schließlich zum stolzen Ritter werden, der Ihr heute seid.“

Sie beendete ihre Erzählung und alles schwieg.
„Dann… Habt Ihr mir das Leben gerettet.“
Uilleams Stimme war leise und ruhig, er sprach die Worte fast schon ehrfürchtig aus. Sie nickte und lächelte den Ritter an, doch sein Gesicht blieb eine Maske, hart und unlesbar. „Danke.“
Nun war seine Stimme tonlos, so dass nur schwer zu deuten war, ob er es ehrlich meinte. Doch sie lächelte nur erneut.
„Gern geschehen.“
„Und weswegen seid Ihr uns nun gefolgt, wenn ihr die Frage erlaubt?“
„Nun, Sir Lyall, wie ich bereits sagte, ich beobachte Sir Uilleam von jenem Tage an, denn ich wollte mehr über ihn… Über das Menschenvolk wissen. Doch er begab sich mit Euch auf Wanderschaft und ich verlor ihn aus den Augen. Den ein Faun verlässt nur selten seinen Heimatwald…“
Sie hielt kurz inne, ehe sie weiter sprach.
„Doch schließlich erreichte mich die Nachricht, dass ihr auf dem Weg zurück in eure Heimat wart und ich machte mich auf, euch entgegen zu gehen.“
Während sie sprach hatte sie sich von ihrem Platz erhoben und den Topf vom Feuer genommen. Im Schein der Flammen war deutlich zu erkennen, dass ihre Wangen von einem Rot-Ton geziert waren. Lyall ahnte, dass dieser nicht von der Wärme des Feuers herrührte, sondern eher von der Tatsache, dass sie nicht ganz die Wahrheit sprach, was den Grund für ihr Erscheinen betraf. Er entschloss sich jedoch, nicht näher darauf einzugehen, sondern lieber das Thema zu wechseln. Aber Uilleam kam ihm zuvor.
„Und deshalb seid Ihr uns hinterher geschlichen und habt mich auch noch angegriffen?“ „Nun, ich… Ich getraute mich nicht Euch anzusprechen. Und das mit dem Angriff... Ihr habt mich geängstigt…“
Das Rot auf ihren Wangen wurde deutlich stärker und irgendwie tat sie Lyall schon fast leid. „Na ja, er kann ja auch wirklich äußerst beängstigend sein, unser guter Uilleam, nicht war?“ Er klopfte seinem Freund lachend auf den Rücken, woraufhin dieser Lyall einfach mit einer Handbewegung umschubste.
„Lass die Albernheiten…“, brummte er dabei, dann besah er sich sein lädiertes Knie.
„Es wäre trotzdem nicht nötig gewesen, ein weiteres Mal zuzutreten…“
„Da habt Ihr wohl Recht und es tut mir auch Leid…“
Sie ließ die Ohren hängen und sah den Ritter scheu an. Conan, der dem ganzen nur schweigend zugesehen hatte, lächelte wissend, ehe er auch einmal das Wort ergriff.
„Es war ein langer und äußerst ereignisreicher Tag. Was haltet ihr davon, wenn wir uns zur Ruhe begeben?“
„Ein guter Gedanke, mein Freund.“, antwortet Lyall, Ilisa nickte und Uilleam antwortete mit seinem bekannten Brummen.

Nur wenig später kehrte Stille in das kleine Lager ein, nur das Rauschen der Blätter und das Prasseln des Regens waren zu hören, je unterbrochen vom rauen Schrei eines Raben. Dieser saß am Rande der Lichtung auf einem Baum und beäugte das Geschehen, dann breitete er die Schwingen aus und erhob sich in die Lüfte. Der Vogel kreiste noch einen Augenblick über dem Weidenbaum, ehe er gen Norden davon zog, der Gestallt eines dunklen Gebirges entgegen. Das helle Mondlicht, welches hie und da durch die Wolkendecke brach, lies sein schneeweißes Gefieder erstrahlen. Doch spiegelte es sich auch in den tiefroten Augen des Tieres, welche bedrohlich glühten.

***


Dunkelheit umgab ihn, was in Anbetracht seines Aufenthaltsortes nur wenig verwunderlich war. Es war eine Ansammlung von Höhlen, tief im Innersten eines Berges verborgen, deren zahlreiche Gänge diesen durchzogen wie Eingeweide. Er selbst stand in einer der kleineren Höhlen dieses geheimen Reiches, still und bewegungslos. Die Hände hatte er gefaltet und das Haupt gesenkt, als würde er beten. Doch nichts Freundliches ging von ihm aus, seine Anwesenheit schien die Kälte, welche im Bauch des Berges herrschte noch zu verstärken. Hin und wieder erklang das Geräusch tropfenden Wassers, welches unnatürlich Laut in der Stille klang, doch er blieb unbeweglich, fast als wäre er selbst wie der Fels der ihn umgab.

Plötzlich drang ein dumpfer Rabenschrei an sein Ohr, vielfach verstärkt durch den Hall der Höhlengänge. Flügelschlag und Federrascheln gesellte sich dazu, stetig näher kommend. Wie von selbst fand der Vogel seinen Weg durch das Dunkel, erst als er sich der Haupthöhle näherte, erhellten Fackeln seinen Weg, welche ohne jedes fremde zutun aufflammten. Doch kaum war der Vogel vorüber geflogen erloschen sie wieder, nur die Erinnerung des Lichtes zurücklassend. Als er schließlich in der Höhle ankam, ließ er sich mit einem erneuten Krächzen auf der ihm dargebotenen Hand nieder. Nur zwei Fackeln am Eingang brachten ein wenig Licht in die Kammer, doch das schien dessen Bewohner nicht zu stören. Dieser strich mit geradezu sanften Bewegungen über das schneeweiße Gefieder des Vogels. Eine Weile tat er dies schweigende, wie in Gedanken und mit geschlossenen Augen, ehe er seine Stimme erhob. Diese hätte wohl jedem einen kalten Schauer über den Rücken gejagt dem sie zu Ohren gekommen währe, doch sein einziger Zuhörer war der Rabe, welcher ihn mit schiefgelegtem Kopf ansah.
„Hast du ihn gefunden?“
Wie zur Antwort begann der Rabe aufgeregt mit den Flügeln zu schlagen und laut zu Krächzen, was sein Herr mit einem fragenden Gesichtausdruck quittierte.
„Du bist dir nicht sicher?“
Der Vogel schüttelte sich, schrie jedoch im nächsten Moment entsetzt auf, als er gepackt und unsanft festgehalten wurde. Er wand sich und versuchte panisch sich zu befreien, doch die langen, knochigen Finger des Mannes hielten ihn eisern fest.
„Geh und beobachte ihn! Ich muss mir sicher sein das ER es ist! Also bringe mir einen Eindeutigen Beweis, sonst…“
Er sprach nicht weiter, verstärkte nur den Druck seiner Hand, so dass sich seine langen, krallenartigen Fingernägel in das Fleisch des Tieres bohrten. Dann lies er plötzlich los und das Tier verschwand flatternd und krächzend in der Richtung, aus der es gekommen war. Der Mann verharrte erneut in seiner betenden Haltung, seine roten Augen glühten jedoch bedrohlich.
„Ich finde dich, Auserwählter. Und dieser Augenblick wird dein Letzter sein!“
Damit schloss er die Augen erneut und die Fackeln am Eingang flackerten auf, ehe sie erloschen.

***


Müde und langsam trottete ein Pferd den schmalen Weg entlang, den Kopf gesenkt, gleichgültig einen Huf vor den anderen setzend. Die zottelige Mähne hing fast bis auf den morastigen Boden herab, das Fell war ebenso schmutzig und grau wie der Wagen den es zog. Ein alter, schiefer Holzkarren, dessen morsche Wände es nicht erlaubten in das Innere zu sehen. Nur in der Tür auf der Rückseite war ein kleines, vergittertes Fensterchen, doch durch dieses schien nur so wenig Licht, das es fast unmöglich war zu erkennen, was sich im Wagen befand. Und so wie dieser aussah war es unwahrscheinlich, dass überhaupt etwas darin war. Oder jemand. Auf dem Kutschbock des windschiefen Gefährtes saß ein grobschlächtiger Kerl, dessen Augen so dunkel waren, das sie fast schwarz erschienen. Schwarz war auch das kurz geschorene Haar auf seinem Haupt und der lange, ungepflegte Bart der sein Gesicht zierte. Er war von kräftiger Statur und schien nicht zu zögern seine mächtigen Muskeln einzusetzen um seinen Willen zu bekommen. Wütend knurrend, ob der Langsamkeit seines Zugtieres ergriff er eine Peitsche welche neben ihm auf der Bank lag und lies diese erbarmungslos auf das Tier hernieder sausen.
„Beweg dich, du nutzloses Vieh! Los, beweg dich!“
Immer wieder schlug er auf das Pferd ein, doch es schien keine Kraft mehr zu haben und die Räder des Karrens hatten sich inzwischen tief in den regennassen Boden gegraben. Wutschnaubend schlug der Mann noch einmal mit aller Kraft zu, ehe er mühsam vom Wagen stieg. Während er lauthals Fluchend um diesen herum ging, schlug er mit der Faust gegen dessen Wände und schrie: „Heyda, Lumpenpack! Aufwachen! Es gibt Arbeit für euch!“ Grimmig lachend fingerte er einen Ring mit Schlüsseln von seinem Gürtel und es brauchte eine ganze Weile bis es ihm gelungen war den passenden Schlüssel für das dicke Schloss an der Tür zu finden.Während er dieses öffnete, waren im Inneren des Wagens Geräusche zu hören. Das Rasseln von Ketten, ein leises Schaben, wie das Geräusch von Hufen auf Holz. Und eine tiefe Männerstimme, die etwas flüsterte: „Bleibt ruhig, Herr. Was immer er will, ich werde es tun.“
„Du… Du kannst nicht…"
Die zweite Stimme klang hell, deutlich jünger als die erste, doch gebrochen, wie nach einer langen Zeit des Elends.
„Sorgt euch nicht um mich Herr, ich werde…“
Plötzlich wurde die Tür aufgerissen und der Mann stürmte hinein. Mit wutverzerrtem Gesicht baute er sich vor den beiden Gestalten auf, die auf dem Boden kauerten. Dicke Eisenringe lagen um ihre Hand- und Fußgelenke, an denen schwere Ketten befestigt waren. Mit diesen waren sie an die Wände des Karrens gefesselt, unfähig sich viel zu bewegen, oder gar hinzulegen.
„Wer hat euch niederen Kreaturen erlaubt zu sprechen, hä? Los, hoch mit euch!“
Damit griff der Unhold nach dem Arm des jüngeren, doch noch ehe er diesen auf die Beine ziehen konnte, drängte sich der andere Gefangene dazwischen.
„Lasst ihn! Wenn ihr etwas verlangt, dann verlangt es von mir!“
Der schwarzbärtige stutze für einen Moment, dann lachte er polternd los.
„Nein wie edelmütig! Der Diener opfert sich für seinen Herrn!“
Er nahm einen weiteren, Kettenbehangenen Eisenring von einem Haken an der Wand und legte dem Mann diesen um den Hals. Er löste die Kette von der Wand, dann packte er die, welche am Halsring befestigt war, schritt auf die Tür zu und zog den Mann mit einem plötzlichen Ruck zu sich, so dass dieser ins stolpern geriet und bäuchlings auf dem Boden landete. Im Licht, welches zur Tür hereinkam war zu erkennen, dass der Gefangene kein Mensch war, zumindest nicht gänzlich.

Ein Büschel roter Haare lugte unter einer einfachen, festen Lederkappe hervor, aus der zwei gewundene Hörner ragten. Die mit langem, kupferfarbenem Fell bewachsenen Ohren hingen herab und verstärken noch das Bild einer gebrochenen Kreatur. Der Gefangene erhob sich mühsam, brauchte einen Moment, ehe er sich wieder gefangen hatte. Seine Arme und Beine waren stark und zeugten deutlich davon, dass sein dickliches Äußeres nicht nur von Fett, sondern auch von Muskeln herrührte. Doch diesen Umstand schien er vergessen zu haben, als er nun an der Kette geführt, wie ein braver Hund hinter dem Grobian die zwei Stufen des Wagens herunter trat. Er hielt den Kopf gesenkt, wohl um seine Augen vor dem Tageslicht zu schützen, welches ihn nach der langen Zeit in Dunkelheit blendete. Vor dem Wagen angekommen, gab der Unhold dem Gefangenen einen Schubs, so dass dieser grob gegen das Pferd stieß.
„Los, du jämmerliches Etwas! Sie zu das du den Wagen aus dem Dreck bekommst!“
Wieder lachte der Mann hämisch, angelte die Peitsche vom Kuschbock und baute sich breitbeinig am Wegesrand auf.
„Na los, worauf wartest du?“
Ohne ein Wort zu sagen, nahm der Gefangene dem Pferd das Zuggeschirr ab und hängte sich das Kummet selbst über. Dann legte er sich mit aller Kraft die er aufbringen konnte in das Geschirr, doch all seine Mühen blieben erfolglos. Bald war das dichte Fell, welches seine Beine bedeckte von Dreck durchdrungen und er stand bis zu denn Knöcheln im Schlamm, so dass seine Hufe nicht mehr zu sehen waren.
„Du bist ebenso nutzlos, wie die alte Mähre! Los, strengt dich an, sonst wird dein Gefährte mein neues Zugtier sein!“
Wie vom Donner gerührt erstarrte der Faun, den ein solcher war er ohne Zweifel, mitten in der Bewegung und blickte den Mann finster an.
„Das würdet ihr nicht wagen…“
Ein Peitschenknall, auf den ein unterdrückter Schmerzensschrei folgte.
„Du wagst es mir zu drohen? Du wiederwertige Missgeburt! Ich werde dir zeigen, was der große Regardi alles wagt!“
Damit riss er dem Faun das Kummet von den Schultern, zerrte ihn an der Kette zu einem Baum am Wegesrand und befestigte diese dort.
„Nun soll dein kleiner Freund meine Liebenswürdigkeit zu spüren bekommen…“
„Nein… Nein! Wagt es nicht den Prinzen anzurühren!“
Wie von Sinnen begann der Faun an seinen Ketten zu zerren, doch sosehr er sich auch bemühte, er kam nicht frei. So musste er hilflos mit ansehen, wie der andere Gefangene vor den Wagen gespannt wurde. Dieser war deutlich jünger als sein Gefährte, doch seine Hörner waren groß und glichen dem Gehörn eines Widders. Seine Haare fielen in dichten Locken bis weit über seine Schultern und waren von rotblonder Farbe. Das Fell an Ohren und Beinen schien von heller Farbe zu sein, doch war dies unter all dem Schmutz der daran klebte nur zu erahnen. Er sah zu dem anderen und eine tiefe Angst war in den hellblauen Augen zu sehen. Schon erhob der Besitzer des Gespanns die Peitsche um sein Opfer anzutreiben, als sich der ältere Faun erneut mit aller Kraft gegen seine Fesseln stemmte. Ein Krachen war zu hören, Holz splitterte und im nächsten Augenblick stürzte sich der Rothaarige auf seinen Peiniger. Mit vollem Körpereinsatz riss er diesen zu Boden und schaffte es ihn dort zu halten.
„Lauft mein Prinz, rettet euch!“
Nur zögerlich, fast als hätte er das Geschehene noch nicht begriffen, befreite sich der Angesprochene und stolperte ein paar Schritte Richtung Wald, blieb aber schließlich stehen und wandte sich um.
„Lauft!“
„Du elender…“
Die Unachtsamkeit seines Gegners ausnutzend, griff der Mensch an seinen Gürtel, zog ein Messer daraus hervor und rammte es dem Faun in die Seite. Dieser schrie auf und rollte sich zur Seite, so dass der Schwarzhaarige wieder auf die Beine springen konnte. Schon wollte er sich auf den Prinzen stürzen, als er an den Knöcheln gepackt und unsanft zu Fall gebracht wurde. Mühsam hielt der Faun den anderen Mann fest, welcher sich mit Tritten zu befreien suchte, doch der Griff um seine Beine war eisern.
„Lauft! So lauft doch!“
Als hätte er die Peitsche zu spüren bekommen drehte sich der Prinz plötzlich um und rannte in den Wald, so schnell es die Ketten an seinen Beinen zuließen. Der andere hatte den Menschen inzwischen losgelassen und lag keuchend am Boden, während sein Peiniger erneut auf die Beine kam und sich drohend vor dem Verletzten Aufbaute.
„Das wirst du mir büßen…“
Ohne jegliche Gnade trat er auf den Faun ein, der nurnoch schützend die Arme vor sein Gesicht hielt. Kein Laut drang über seine Lippen, kein Schmerzensschrei, kein Flehen um Gnade. Und genau dies machte sein Gegenüber umso rasender.
„Wenn ich dich nicht noch brauchen würde, dann wärst du jetzt tot!“
Mit einem letzten, gnadenlosen Tritt in die Rippen wandte sich Regardi dem Wald zu.
„Hörst du mich, Faunenprinz? Du magst mir entkommen sein, doch dein Freund wird für deine Freiheit mit dem Leben bezahlen, früher oder später!“
Er ging wutschnaubend zurück zum Wagen, griff das Halsband des Verletzten und schleifte diesen zur Tür des Wagens, wo er ihn unter Schlägen die Stufen hinauf buxierte und schließlich in das Dunkel stieß. Die Ketten klirrten als der Faun auf dem Boden aufschlug, wo er liegen blieb. Ein letztes Mal noch wand er sein Gesicht dem Tageslicht zu, ehe sich die Tür schloss und die Dunkelheit ihn verschluckte.

***


Die Geräusche des erwachenden Waldes umgaben sie, während sie seelenruhig durch das Unterholz schritt. Doch obwohl das Laub dicht unter ihren Hufen lag war keiner ihrer Schritte zu hören. Auch knackte kein Ast, kein Zweig,ja fast war es, als wollte der Wald daselbst ihre Anwesenheit geheim halten. Am Rande des Waldes blieb sie stehen und betrachtete einen Augenblick den Weidenbaum, unter dem die anderen immer noch friedlich schliefen. Sie lächelte, ehe sie das Bündel, welches sie bei sich trug zusammenraffte und ihren Weg Richtung Baum fortsetzte. Nur wenig später saß sie am Feuer, und rührte in einer Schale einen einfachen Teig zusammen. Hin und wieder griff sie in ihr Bündel, in dem sich verschiedene Beeren und Kräuter befanden, welche sie unter den Teig mischte. Als sie mit ihrem Werk zufrieden schien, formte sie mehrere, kleine Leibe und legte diese am Rand des Feuers auf einige Flache Steine. Während das Brot buk, sah sie sich um.
Conan hatte sich ganz in seine Decke eingerollt und schnarchte leise. Ilisa lächelte still, dann glitt ihr Blick auf die andere Seite des Feuers, wo Lyall und Uilleam schliefen. Uilleam lag auf dem Rücken und schien friedlich zu schlafen, doch als die Fauna genau hinsah entdeckte sie, dass sein Schwert direkt neben ihm lag und eine Hand auf dessen Griff ruhte. Ilisa legte den Kopf schief, als sie sich fragte, was den Ritter dazu veranlasste. War seine Reise bis hierher so gefährlich gewesen, dass er befürchten musste, im Schlaf angegriffen zu werden? Ihr Blick ging zu Lyall, der augenscheinlich nichts der gleichen dachte, denn seine Waffe lehnte am Fuße des Baumes, außerhalb seiner Reichweite.
„Was fürchtest du, Sir Uilleam?“
„Das Unbekannte.“
Erschrocken fuhr die Fauna herum, als sie die Stimme hinter sich vernahm, doch Conan lächelte beschwichtigend, ehe er leise weiter sprach.
„Verzeiht, ich wollte euch nicht erschrecken.“
„Was… Was meint ihr mit… Er fürchtet das Unbekannte?“
Auch sie sprach flüsternd, aus Angst die anderen zu wecken.
„Nun… Er ist auf der Suche nach der Wahrheit, nach seiner Bestimmung. Doch er weiß nicht, was ihn erwartet. Und diese Ungewissheit… Das Unbekannte… Das ist es, was ihn ängstigt.“ „Mich ängstigt gar nichts!“
Ilisa und Conan fuhren erschrocken zusammen, als Uilleams tiefe Stimme erklang. Er hatte sich nicht gerührt, auch jetzt bewegte er keinen Muskel. Nach einem kurzen Moment der Stille sprach er weiter, seine Stimme fest und bestimmt.
„Aber man sollte Vorsicht walten lassen, wenn man reist. Besonders…“
Er wandte den Kopf und öffnete die Augen, sah Conan und Ilisa eindringlich an.
„…wenn man unter Fremden ist.“
Ilisa schluckte und wand sich ab, doch Conan erwiderte den Blick des Ritters schweigend.
Er wusste, das dieser Satz zu allererst ihm galt.
„Ihr traut mir nicht, nichtwahr?“
„Uilleam traut niemanden.“
Lyall streckte sich, während er sich aus seiner Decke wand.
„Ich traue dir, das reicht doch wohl!“
Lyall grinste, dann schnüffelte er und sah zum Feuer, wo Ilisa gerade die Brote auseinanderbrach und in den Schüsseln verteilte.
„Das duftet gar köstlich! Habt Ihr die etwa frisch gebacken?“
Ilisa nickte und schenkte dem Ritter ein Lächeln.
„Ich habe extra frische Beeren und Kräuter aus dem Wald geholt. Ich hoffe es mundet Euch, auch wenn es nicht viel ist.“

Nur wenig später saßen alle beim Essen und es schmeckte ihnen ausgezeichnet. Selbst Sir Uilleam schien ein wenig von seiner schlechten Laune verloren zu haben und langte ordentlich zu, was Ilisa sichtlich freute. Nach dem Mahl beschloss man weiter zu ziehen um das nächste Dorf bald zu erreichen, denn dieses sollte ja das vorläufige Ziel ihrer Reise sein. Bald schon waren die wenigen Habseligkeiten gepackt, die Pferde übernahmen das Tragen des Gepäckes und unter dem strahlenden Angesicht der Sonne zog die kleine Gruppe erneut durch den Wald, welcher sich nun in seiner ganzen Schönheit zeigte.

Lyall schwatze fröhlich mit Ilisa, während Uilleam einfach zuhörte. Nur Conan hielt sich im Hintergrund, er ging schweigend hinter den anderen her und beobachtete die Gruppe, besonders Sir Uilleam. Von Anfang an hatte dieser ihm nicht getraut, dass wusste Conan. Doch was würde er wohl sagen wenn er erfuhr, das der Wanderer genau über den Fluch des Ritters bescheid wusste? Der alte Mann fürchtete das schlimmste, auch wenn Lyall ihn von der Gutmütigkeit des Sir Uilleam zu überzeugen gesucht hatte. Conan seufzte leise und beobachtete weiterhin den Ritter vor sich. Dabei grübelte er angestrengt über einen Weg nach, dem möglichen Zorn Uilleams zu entgehen.
‚Vielleicht…’, so dachte er ‚Ist es besser es ihm zu sagen, bevor er es von ihr erfährt…’
Er seufzte erneut, straffte dann aber die Schultern und holte zu den anderen auf. Doch kaum neben Uilleam angekommen, zögerte er erneut. Sollte er es wagen? Conans Blick ging zu Lyall und insgeheim hoffe der Wanderer, dass der Ritter ihm zur Seite stehen würde, wenn es zum Äußersten käme. Doch es half nichts, er musste es wagen. Gerade wollte Conan Uilleam ansprechen, als ein Aufschrei erklang. Ilisa war gut gelaunt vor den anderen ein Stück den Weg entlang gelaufen und hatte auf ihrem Weg hie und da einen Abstecher in das Waldesdickicht gemacht. Genau von dort erklang nun ihr Schrei, welcher die beiden Ritter sofort zu ihren Waffen greifen lies. Conan ergriff nur die Zügel der Pferde und blieb auf dem Weg zurück, während Uilleam und Lyall in den Wald stürmten. Nicht weit vom Weg entfernt sahen sie Ilisa, die mit schreckensgeweiteten Augen dastand und auf etwas starte, das sich wohl vor ihr auf dem Boden befand. Die Ritter stürmten heran, blieben aber alsbald stehen, als sie erkannten was sich dort befand.

Vor der Fauna auf dem Boden lag eine Gestalt, die eindeutig schon bessere Tage gesehen hatte. Der Körper war von Dreck und Augenscheinlich auch Blut bedeckt, der magere Körper lag ausgestreckt im Laub und die Person Atmete schwer. Nun hob sie denn Kopf, versuchte Ilisa anzusehen, doch schien alle Kraft durch die Flucht aufgebraucht. Denn das diese Gestallt geflohen war, war eindeutig, nichts zuletzt zeugten die Fessel und Ketten an Armen und Beinen von einer Gefangenschaft.
„Bitte…“, hauchte der Fremde, eindeutig ein junger Mann.
„Bitte… Helft mir…“
Der Fremde streckte die Hand nach Ilisa aus, die immer noch wie zu Stein erstarrt da stand und nicht zu wissen schien, was sie tun sollte. Die Ritter waren immer noch vollkommen perplex, denn sie hätten nicht damit gerechnet, so bald auf einen weiteren Vertreter von Ilisas Art zu treffen.
„Noch ein Faun?“, brummte Uilleam verdutzt und kratzte sich am Kopfe, während er sein Schwert sinken lies. Der Fremde zuckte erschrocken zusammen, als er die tiefe Stimme vernahm. Entsetzten zeichnete das fein geschnittene Gesicht und für einen Augenblick schien er wie Gelähmt. Dann jedoch stemmte er sich mit aller ihm verbliebenen Kraft auf, stolperte ein paar Schritte auf Ilisa zu und baute sich dann zwischen ihr und den Rittern auf, fast so, als wolle er sie beschützten.
„Bleibt weg ihr… Ihr Monster…“
Seine Stimme war brüchig, doch klang deutlich daraus, dass er alles daran setzen würde, Ilisa vor der vermeintlichen Gefahr zu wahren.
„Ich werde nicht… Nicht zulassen das ihr… Erneut jemanden meines Volkes… Ins verderben…“
Seine Worte verstummten und wie von einer unsichtbaren Macht getroffen, sank der Fremde zu Boden.
Ilisa stürzte auf ihn zu und wollte ihn Auffangen, doch als sie nach seinem Handgelenk griff und den eisernen Ring der Fessel berührte, prang sie mit einem spitzen Schrei zurück und hielt sich ihre Hand, als hätte sie sich an glühenden Kohlen verbrannt.
„Ilisa, ist alles in Ordnung?“
Sofort war Lyall an ihrer Seite und ergriff vorsichtig ihre Hand, betrachtete diese von allen Seiten. Doch er konnte keinerlei Verletzung erkennen.
„Die Fesseln…“
Sie schaute den Ritter an, entsetzten war ihn ihren Augen zu sehen.
„Was ist damit?“, fragte Lyall, dessen Blick zu dem am Boden liegenden Faun wanderte. Dieser lag still da, anscheinend hatten ihn all seine Kräfte verlassen. Uilleam stand direkt neben ihm, den Fremden im Blick behaltend. Erst nach einer Weile schaffte die Fauna es, Stimme und Körper wieder unter Kontrolle zu bringen und langsam schritt sie auf den Fremden Faun zu. Sie kniete sich neben ihm ins Laub und betrachtete ihn, ehe sie sich wieder den beiden Rittern zuwand.
„Die Fesseln, sie… Als ich sie berührte war es, als würde sie all meine Kraft aus meinem Körper ziehen. Sie sind magisch, doch es liegt nichts Gutes in ihnen…“
Wieder ging ihr Blick zu dem Fremden und nach einem kurzen Augenblick stand sie auf und sah die beiden Männer vor sich mit flehendem Blick an.
„Wir müssen ihm helfen!“
„Helfen? Pfff… Als hätte ich nicht schon genug dahergelaufenes Gesindel um mich herum…“
„Uilleam!“
Lyalls Aufruf klang tadelnd, doch Uilleam schien dies nicht zu interessieren. Er wandte sich um und stapfte durch das Unterholz in Richtung des Weges.
„Und ich dachte, es währe die Pflicht eines edlen Ritters, denen zu helfen, die Schutz und Hilfe nötig haben…“
Die Stimme der Fauna war nicht mehr als ein flüstern, doch erreichten ihre Worte den Ritter sehr wohl. Dieser hielt in seiner Bewegung inne und schnaufte deutlich hörbar.
„Bei allem was mir Heilig ist…“
Er strich sich durch die langen Haare, ehe er sich brummend umdrehte und zu den anderen zurückstapfte. Er warf Lyall einen bösen Blick zu, der ihn nur Schulter zuckend anlächelte, dann beugte er sich zu der Gestalt am Boden herab.
„Womit habe ich das bloß verdient…“ knurrte er, ehe er den Bewusstlosen packte und ihn wie einen Sack Kartoffeln über seine Schulter warf.
„Vorsichtig!“, rief Ilisa erschrocken, doch Uilleam reagierte gar nicht, sondern stapfte nur grummelnd und brummend in Richtung Weg davon. Ilisa blieb vollkommen verdutzt stehen, dann legte sie den Kopf schief und fragte: „Sagt mir, Sir Lyall… Ist Sir Uilleam eigentlich immer so… Liebenswürdig?“
Lyall lachte laut auf, denn irgendwie kam ihm diese Frage bekannt vor. Noch während er sich mit einer Hand die Lachtränen fortwischte, legte er die andere der Frau auf die Schulter und deutet ihr zu gehen.
„Kommt, last uns zu den anderen zurückkehren.“

Damit verließen sie das Waldesdickicht, beobachtet nur von ein paar Eichhörnchen und einem weißen Raben.
Bad weeds grow tall!
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Beitragvon Wehwalt » So 29 Nov, 2015 03:01

Mir hat es immer leidgetan, wennich alle paar Monate ein Update hier unerwidert und vermutlich ungelesen auftauchen sah. Deswegen habe ich mich nun einmal dieser Geschichte erbarmt, liebe Heather. Aber sie gehört einem Genre an, das mich eigentlich gar nicht interessiert - ein bißchen Mittelalter-Idealisierung nebst Zauberei.

Ich habe den Anfang gelesen und dann irgendwann festgestellt, daß es unten gerade noch einmal losgeht. Also mag sein, daß die überarbeitete Fassung etwas erklärt, was mir in der ersten fehlte.

Aber nun einmal Geschmacksfragen zum Genre überhaupt außer Acht gelassen: Es ist eine nette Geschichte. Es gibt zwar hie und da Holprigkeiten und grammatikalische Ungenauigkeiten, die einer Überarbeitung bzw. eines sorgfältigen Lektorats bedürfen, aber insgesamt triffst Du einen angenehm zu lesenden Ton.

Ein paar Beispiele will ich trotzdem nennen:
Schon im Klappentext steht "in einer Welt voller Magie, mystischer Wesen und ungeahnten Geheimnissen ...". Kasusinkongruenz!
"... ihm wurde gewahr ..." Entweder "er wurde einer Sache gewahr" oder "ihm wurde bewußt".

Anfangs finde ich auch die Darstellung von Rahmenhandlung und Erzählung etwas undeutlich dargestellt; mehrere Abschnitte tragen immer neue Anführungszeichen, und so kennzeichnet man im allgemeinen einen DIalog mit verschiedenen Sprechern. (Englische Texte setzten bei längeren wörtlichen Reden am Anfang eines Abschnitts bisweilen erneut ein Anführungszeichen, aber keines am Ende des Vorgängerabschnitts. Also:
Üblich in deutschen Texten bei wörtlicher Rede in mehreren Absätzen:
"blabla
blabla

blabla
blabla."

Bei wechselnden Sprechern:
"blabla
blabla"

"blabla
blabla"

Englisch bei einem Sprecher:

"blabla
blabla

"blabla
blabla")
Das nur als Hinweis, wie Du Deinen Lesern die Lektüre erleichtern kannst. Wenn man immer wieder in die Irre geführt wird, den vorigen Absatz noch einmal nach einem Schlüsselwort durchforstet, um dann schließlich aus dem Zusammenhang zu erkennen, daß nun doch der Redner nicht gewechselt hat, dann ist das unnötig ermüdend.

Sprachlich finde ich den Stil insgesamt angenehm eingängig; hin und wieder versuchst Du Dich in einer bewußt leicht antiquierten Ausdrucksweise; dann mischen sich wieder ganz moderne Begriffe darunter (wie die "gefühlte Ewigkeit") - das finde ich persönlich stilistisch etwas störend.

Und ich frage mich, was aus der Person eigentlich wurde, zu der Conan am Anfang am Lagerfeuer spricht und der er den Mythos von der Frau im Mond mitteilt. Sie wird aufgefordert, die anderen zu begleiten - aber ohne ablehnendes oder zustimmendes Wort ist nie mehr die Rede von ihr? Oder habe ich da was überlesen? Kann durchaus sein!

Spannend ist diese Geschichte durchaus; sie kommt sehr rasch zum Punkt! In einem Buch würde ich mir wünschen, nach und nach in die Welt eingeführt zu werden - die Erscheinung des Verkündigungsengels am Anfang ließ bei mir die Frage offen: Sind solche Erscheinungen üblich in diesem Erzähluniversum? Oder ist das ein ganz einzigartiger Vorgang (wie bei der Jungfrau Maria sozusagen)? Die Einführung der Faunswesen hingegen hast Du sehr gut hinbekommen.

Also, viel Erfolg weiterhin. Weißt Du schon den Gesamtumfang?
Zuletzt geändert von Wehwalt am So 29 Nov, 2015 19:47, insgesamt 1-mal geändert.
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HeatherMcGoldenheart
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Beitragvon HeatherMcGoldenheart » So 29 Nov, 2015 16:57

Hallo Wehwalt!

Erstmal Danke für dein Kommi, schön das die Story anscheinend doch noch gelesen wird. ^^
Gleich zu Anfang: Ja, ich aheb die Geschichte sozusagen doppelt gepostet, eibnfach weil ich
die Kapitel umgestellt und auch einiges an Be- und Umschreibungen eingefügt habe.
Danke für den "Wortwechsel"-Hinweis, da muss ich nochmal drüber schaun.
Und ja, gramatikalisch auch. ^^

Der Prolog ist wohl deshalb etwas knapp geraten, weil es eigentlich der Anfang des 1ten Kapis
wa, den ich dann einzeln gesetzt habe. Es war also nicht wirklich als Prolog verfasst, aber da es
doch zum Rest der Geschichte etwas aus dem Rahmen fällt. Es wird ja erzählt, wärend der Rest ja
(trotz der vergagenheitsform) gerdae zu passieren scheint, daher dahcte ich, es würde sich als
Prolog besser machen.

Was die Ausdrucksweise angeht: Pseudo-Mittelalterliche Sprache lässt Güßen, mann könnte auch
sagen, ich aheb zu viel "Marktsprech" abbekommen. ^-^

Die Person zu der Conan spricht, ist niemand anderes als der Leser selbst!
Er spricht also DICH an und läd DICH dazu ein, die Figuren und damit die Geschichte weiter
zu verfolgen. Vieleicht bekomme ich das ja noch etwas eindeutiger vormuliert...

Ok, mit der Erscheining und ob das üblich ist.. ich dneke ich sehe das problem, mal schauen
ob ich da auch eine Lösung zu finde. ^^

Auf jedenfall vielen Dank für deine Vorschläge udn Anmerkungen. ^^

Zum Umfang kann ich nicht viel sagen, zwar aheb ich einen roten Faden was die Hauptgeschehnisse
angeht, aber auch viele "Nebenideen" Und leider, leider... Schreiben sich meien Geschichten meist
von selbst, so das ich nie sagen kan wie lang sie werden. ^^

...

Ähm... Aber eine Frage hätte ich dann noch...
Was zum Kukuck bedeutet Kasusinkongruenz???
Bad weeds grow tall!
(Unkraut vergeht nicht!)