Der sprechende Hut und die Häuserfrage

Antike Runen
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Der sprechende Hut und die Häuserfrage

Beitragvon Antike Runen » Do 08 Feb, 2007 20:08

So, habe jetzt mehrere Unterforen durchgesehen und keine wirklich passendes Thema gefunden, deshalb mache ich mal einen neuen Thread auf. Sollte ich etwas übersehen haben, dann führt die Threads bitte zusammen, liebe Lehrer.

Was ich euch hier vorstellen möchte, ist meine Theorie zur Einteilung in die verschiedenen Häuser in Hogwarts sowie die Rolle, die der sprechende Hut dabei spielt.

Oft schon wurde in verschiedenen Threads gefragt, warum Neville in Gryffindor ist (obwohl er vielleicht besser nach Hufflepuff passen würde), warum Peter Pettigrew in Gryffindor ist, etc. Viele Personen scheinen nicht so recht zu den Eigenschaften zu passen, die man einem bestimmten Haus zuschreibt, und noch mehr Personen würden in verschiedene Häuser passen. (Hermine beispielsweise könnte man sich blendend auch in Ravenclaw denken). Warum also sind sie da, wo sie sind?


Ich denke, man wird nicht so sehr dem Haus zugeteilt, zu dem man den eigenen Anlagen nach passt, sondern stattdessen wird man in das Haus gesteckt, in das man möchte.
Der sprechende Hut fungiert demnach in etwa wie der Spiegel Nerhegeb - er entscheidet nicht nach dem, was da ist, sondern nach dem, was man sich wünscht bzw. wozu man sich entscheidet.


Habt ihr irgendwo schon einmal von einem Schüler gehört, der mit der Wahl des Hauses nicht zufrieden wäre?
Die Zufriedenheit spielt auch eine große Rolle - schließlich soll das Haus ja während der Schulzeit eine Art Familienersatz sein. Man soll als Schüler die Ehre des Hauses vertreten, dafür Punkte sammeln usw., sich also mit dem Haus identifizieren können. Das geht nur, wenn man auch wirklich in dieses Haus wollte, unabhängig davon, ob man nun nach den angeblichen Charaktereigenschaften in ein Haus passt oder nicht.

Es ist also letztendlich eine Sache der freien Entscheidung, und Entscheidungen spielen generell eine große Rolle bei HP, das sagt uns auch Dumbledore - die eigenen Entscheidungen bestimmen, was man wird und wozu man sich eignet.

Beispiel: Hermine
Klar hat sie das Zeug zu einer ausgewachsenen Ravenclaw, keine Frage. Aber sie will nach Gryffindor, das sagt sie auch schon vor der Einteilung in die Häuser - und sie kommt nach Gryffindor. Ihre Intelligenz ist sicher ihre herausragendste Eigenschaft, sie ist ihr aber nicht die Wichtigste, sie selbst schätzt andere Tugenden mehr. Ich denke hierbei an HP1, wo sie sich nach dem Zaubertrankrätsel von Harry verabschiedet, da sagt sie wörtlich: "Bücher! Schlauheit! Es gibt wichtigere Dinge - Freundschaft und Mut und - o Harry..." Es geht also nicht um ihre Veranlagung, sondern darum, was sie selbst für wichtig hält, und wozu sie sich selbst entscheidet.

Beispiel: Neville
Auf den ersten Blick nun wirklich nicht der geeignete Gryffindor. Aber könnte Neville nach Gryffindor gewollt haben? Ich denke schon, denn was wir von Neville wissen: Er steht unter Erfolgsdruck. Er bekommt immer wieder zu hören, wie gut und wie mutig seine Eltern waren, und wie wenig er im Vergleich wert ist, und wenn es eins gibt, das für Neville wichtig ist, dann: Ein Erfolgserlebnis in dieser Richtung zu haben. Deshalb will er nach Gryffindor, deshalb muß er nach Gryffindor - die einzige Chance für ihn, seiner Großmutter zu beweisen, daß 'er es drauf hat'. Und es gelingt.

Beispiel: Slytherins
Die meisten Todesser kommen aus dem Hause Slytherin. Warum ist das so? Rowling wird schwerlich intentioniert haben, daß Ehrgeiz generell zum Bösen verführt, während Mut oder Intelligenz dies nicht tut, und das ist auch blanker Unsinn. Warum aber landen die Söhne und Töchter von Todessern dann tatsächlich in Slytherin, und andere nicht? Warum landen in Slytherin tatsächlich viele reinblütige Zaubererkinder, und Muggelkinder eher nicht?
Tja, stell dir vor, du wächst als Zaubererkind auf, und du weißt, daß aus dem Haus Slytherin die meisten Todesser kommen. Würdest du dorthin wollen? Vermutlich nicht - es sei denn, es ist dir egal, oder du bist selbst der Meinung, daß die Seite Voldemorts die bessere ist. => Du triffst deine Entscheidung, Dinge wie Ehrgeiz oder so spielen keine Rolle.
Ähnlich mit der Frage der Reinblütigkeit - wenn du selbst glaubst, daß es wichtig ist, dann denkst du wohl auch, daß du dich in Slytherin wohl fühlen wirst, also Gleichgesinnte findest (auch wenn du selbst vielleicht ein Halbblut bist). Wenn du aber von vornherein weißt, daß du dort als Muggel-Geborener keine Chance hast, oder es generell für Unsinn hältst, nun, dann willst du auch nicht nach Slytherin.

Naja, und von Harry wissen wir ja sowieso alle, daß er nach Gryffindor kommt, weil er explizit nicht nach Slytherin wollte.


Wenn nun die Häuserzuteilung nach dem 'Wunschprinzip' funktioniert, sind dann die ihnen zugeschriebenen Charaktereigenschaften nicht überflüssig?

Nicht unbedingt, denn ich denke, es geht auch hier weniger darum, was man selbst hat, oder wie man veranlagt ist, sondern was man selbst als wichtig ansieht.
Peter Pettigrew hat Mut und Stärke bewundert, er suchte immer nach Schülern, die besser waren als er, um sich ihnen anschließen zu können. Also wird er sich für Gryffindor entschieden haben, denn Mut ist das, was er am meisten bewundert, was für ihn am wichtigsten ist.
Hagrid war ein Gryffindor, und für den 11-jährigen Hagrid wird Mut auch ein entscheidendes Thema gewesen sein - der Mut, zu sich selber zu stehen, auch wenn man 'anders' ist. Ein Problem mit dem er bis heute kämpft, wie wir aus den Büchern wissen, aber genau deshalb wird er in Gryffindor gelandet sein.

Tja, und so ließe sich die Reihe endlos fortsetzen...
Damit ist auch geklärt, warum viele Familienangehörige im selben Haus landen - man möchte einfach genau dahin, wo schon die Eltern oder älteren Geschwister waren (siehe Ron).
Oder man möchte sich vielleicht auch bewußt absetzen, mal eben nicht das gleiche machen - was ein Grund sein könnte, warum die Patil-Schwestern in unterschiedlichen Häusern sind. Gerade bei den Zwillingen kann ich mir gut vorstellen, daß sie auch mal etwas 'eigenes' haben möchten.

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Re: Der sprechende Hut und die Häuserfrage

Beitragvon Antike Runen » Do 08 Feb, 2007 20:30

Luna hat geschrieben:Allerdings denke ich nicht, dass der Hut ausschließlich nach dem eigenen Wunsch eines Menschen entscheidet. Damit würde der Gedanke der Hausbegründer, nach bestimmten Kriterien eine elitäre Auswahl unter den Schülern zu treffen, schließlich vollkommen ad absurdum geführt...


Würde es das? Beziehungsweise ist es das nicht längst?
Am einfachsten festzumachen wiederum an Slytherin: Zu seinen Auswahlkriterien gehörte das 'reine Zaubererblut'. Nun, dies hat der Sprechende Hut sicherlich mehrfach unterlaufen - indem auch Halbblüter Slytherin zugeteilt werden.

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Beitragvon Wehwalt » Do 08 Feb, 2007 20:45

Eine gescheite Theorie ist das, was Du da aufgestellt hast, Runen. Es könnte natürlich die Frage kommen: Wenn es auf den Wunsch der Schüler ankommt, warum befragt man sie dann nicht einfach, in welches Haus sie wollen? Ich schreibe das nur der Vollständigkeit halber, um eventuellen Einwänden im Voraus zu erwidern. Denn im Prinzip ist es schon gesagt: Vielleicht hat der sprechende Hut ein bißchen die Fähigkeit, auch die unbewußten Wünsche der Köpfe, auf denen er sitzt, zu ermitteln. Auf Befragung würde unter Umständen mancher anders antworten: Um beim Beispiel Neville zu bleiben - der könnte vielleicht durch seine Tollpatschigkeit schon so eingeschüchtert sein, daß er der Meinung ist, zu mehr als einem Hufflepuff wird's bei mir ja eh nie reichen.
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Beitragvon Antike Runen » Do 08 Feb, 2007 21:08

Danke, Wehwalt, ein Punkt, an den ich noch nicht gedacht hatte, dem ich aber durchaus so zustimme.

Und, Luna, um noch einmal auf die Auswahlkriterien der Gründer zurückzukommen:
Letztlich werden diese ja doch genau so verwirklicht. Es kommt auf die Werte an, die ihnen wichtig sind, und dieselben Werte sollen auch durch die Schüler in ihren Häusern vertreten werden, quasi als Minikopie der Gründer selbst.
Ravenclaw schätzt Intelligenz, also sollen auch die Schüler, die nach Ravenclaw kommen, die Intelligenz für wichtig halten - das Ideal bleibt also erhalten. Nicht durch eine Auswahl dessen, wie intelligent die Schüler nun sind (was ist schon Intelligenz und wer kann sie wirklich messen?), sondern durch die Auswahl dessen, wie wichtig ihnen das ist.

Meine Theorie widerspricht dem Ansatz der Gründer also nicht.

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Beitragvon Wehwalt » Do 08 Feb, 2007 22:09

Glauben oder nicht - etwas fraglich bei einer Fiktion. Jedenfalls kann man sich mit Runens Theorie so manche scheinbar unstimmige Hauszuteilung erklären.
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Beitragvon Antike Runen » Do 08 Feb, 2007 22:09

*lacht* Irgendwie konnte ich mir ausgerechnet bei dir, Luna, nicht vorstellen, daß du eine gefühlsmäßige Verfechterin der elitären Selektion bist.


Ich zitiere noch einmal, diesmal aus Band 2:
(Dumbledore:) "... Doch der Sprechende Hut hat dich nach Gryffindor gesteckt. Du weißt, warum. Denk nach."
"Er hat mich nur nach Gryffindor gesteckt", sagte Harry mit gedrückter Stimme, "weil ich nicht nach Slytherin wollte...."
"Genau", sagte Dumbledore und strahlte abermals. "[...] Viel mehr als unsere Fähigkeiten sind es unsere Entscheidungen, Harry, die zeigen, wer wir wirklich sind."

Tja, soviel zum Thema: Wofür entscheide ich mich.
Die Entscheidung (bzw. der Wunsch) macht die Eigenschaft, und damit das Haus, nicht umgekehrt.

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Beitragvon Chuck » Mi 21 Feb, 2007 19:07

Eine sehr interessante Theorie, wirklich. Deine Argumente sind schon sehr überzeugend und einleuchtend. Ich denke, ähnlich wie Luna, dass es eine Mischung ist, aus dem was man gerne wäre und aus dem, was einem liegt. Ich habe auch die Idee, das der sprechende Hut eventuell auch in die Zukunft sehen kann. Zumindest soweit, dass er sieht, was aus den Menschen einmal wird. Wie sie sind, wenn sie erwachsen sind. Wer weiß, vielleicht ist Neville als Erwachsener ein mutiger und selbstbewußter Mann? Und das Haus wird dann ausgewählt, um diese Entwicklung noch zu unterstützen. Wobei dies bei z.B. den Slytherins nicht unbedingt positiv wäre.
Ist aber ein schönes Thema. :)
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Beitragvon Serena » Mo 14 Mai, 2007 10:37

Oh! Schönes Thema!

Ich weiß gerade nicht so recht, was ich dazu schreiben sollte, ausser, das ich Runen und Wehwalt, zumindest zum Teil Recht geben kann.

Was mir einfällt:
Der Hut entscheidet nach beidem: Er sieht, was in dem Schüler/ In steckt.
Weiß, was ihm / ihr wichtig ist. Und warum sollte man sich etwas wünschen, was man für unwichtig hält?
Somit würde es passen. Oder etwa nicht?
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Beitragvon Furion » Di 15 Mai, 2007 14:02

Mir kommt da ganz spontan noch der Punkt "Fehlentscheidungen".

Gesetzt dem Fall es wird wirklich nach "Wunschdenken" des Schülers entschieden (zumindest zum großen Teil), dann lässt das doch n riesen Spielraum für Fehlentscheidungen...

Ich mein, wenn ich mir etwas wünsche, dann trifft der Hut eine menschliche Entscheidung.

Menschliche Entscheidungen können aber auch falsch sein...

Müsste man dann annehmen, dass der sprechende Hit wissentlich eine Fehlentscheidung trifft? Der Hut "weiß", hey der Schüler will zwar in das Haus aber er schafft das da einfach nicht, ist er dann so "stark" und setzt seine Gabe der Vorraussicht ein, oder lässt er doch den menschlichen Willen übererwiegen?

Vielleichts wirds am Beispiel eines Schülers deutlicher, der unbedingt nach Ravenclaw will.
Ein Freund wurde vom sprechenden Hut gerade in dieses Haus gesteckt, weil er wirklich begabt und talentiert ist, den typischen Merkmalen entspricht (besser: den typischen Merkmalen auch entsprechen will).

Nun ist der zweite Freund an der Reihe...
Will natürlich unbedingt auch ins Haus seines Freundes (am Beispiel hier Ravenclaw). Der Hut müsste ihn ja eigentlich dahin zuteilen, wenn denn der menschliche Entscheidungswille wirklich so stark bewertet wird.

Mal angenommen dieser Schüler, der unbedingt zu seinem Freund will, würde dem Druck nach Leistung (wie er im typischen Buch-Ravenclaw durchaus besteht) aber einfach nicht standhalten?
Würde einfach untergehen?

Wäre es da vom sprechenden Hut zu verantworten, eine offensichtliche Fehlentscheidung zu treffen?
Weil eine menschliche Entscheidung des Schülers wäre es... Die eben auch auf Grund ihrer Menschlichkeit langfristig einfach falsch sein kann.

Einzuwerfen ist natürlich, dass man immer das wird, was man aus einer Situation macht. Und wenn dann noch ein starker Wille da ist, stehen die Zeichen ja schonmal nicht ganz so schlecht.

Aber gesetzt dem Fall es hätte einfach keinen Wert...

Ja was dann?

Im Übrigen aber sehr detaillierte Theorie, die vor allem absolut nachzuvollziehen ist :)
Den "Einwand" bzw Denkanstoß wollt ich aber mal noch bringen
*wink*
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Mimmi

Beitragvon Mimmi » Mi 16 Mai, 2007 12:44

Ich denke das der Hut sowohl die Eigenschaften des Schülers als auch den Wunsch der Schüler berücksichtigt. Denn manche haben sicherlich Potenzial welches wir bis jetzt noch nicht gesehen haben. Neville zum Beispiel ist ein Schussel ja, aber hat er im 5. Buch nicht auch seinen Mut bewiesen. Ich glaube, ob jeder im richtigen Haus ist, wird sich für uns erst zeigen, wenn es für die jeweiligen Personen drauf ankommt. Wenn ich falsch liege, korrigiert mich bitte