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[HP] A Bittersweet Symphony-Harry Potter und der Orden Der Macht

ProfessorDumbledore
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Beitragvon ProfessorDumbledore » Mo 10 Dez, 2007 12:00

Schöne FF
Aber du bist ins ehr Vielen Foren hab ich gesehen und Postes überall die FF willst du bErühmt werden ?*lächel*
Ne schon Klasse FF^^
Die Erinnerung an einen Menschen, der liebgewonnen wurde bleibt für immer...

John Xisor
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Beitragvon John Xisor » Do 13 Dez, 2007 13:57

Hallo ProfessorDumbledore, ich möchte das was jeder Autor gerne möchte: Von so vielen Leuten wie möglich gelesen werden. 8)


18. Es werde Licht!


Während Harry zusammen mit seinen Schwiegereltern am Tisch saß und die anderen Gäste ausgelassen bis in die Nacht tanzten kamen die Zwillinge mit Ihren Frauen. Sie beugten sich zwischen ihn und verpassten Ihm einen kleinen Stoss in die Seite. „Wir wollen langsam los. Es ist Zeit für die Hochzeitsreise. Wir werden ein paar schöne Wochen in Kalifornien verbringen. Danach wartet ein Haufen Arbeit auf uns. Ihr seht wieder vorbei, ja? Auch wenn ihr eure Kids mal wieder bei uns abladen wollt, klar?“ „Klar“, gab Harry zurück“, war eine irre Feier Jungs. Danke.“ „Nein, nicht doch wir haben zu danken Harry, du hast es mal wieder hinbekommen. Echt. So und jetzt feiert noch schön. Die Nacht ist noch jung“, klopften Sie Ihm auf die Schulter und verabschiedeten sich jetzt auch von den Anderen die noch am Tisch saßen. „Wo hast du unser Schwesterchen gelassen“, fragte Fred jetzt und Harry antwortete“, die wollte noch kurz Molly helfen.“ Sein Blick glitt über den Tisch an dem er Molly neben Arthur entdecken konnte. Das war vor drei Stunden. „Vielleicht hat sie einen süßen blonden Jungen getroffen oder feiert mit Dean ein kleines Wiedersehen“, lachte George. „Die wird schon wieder auftauchen, hier kann man sich ja nicht verlaufen“, setzte der Andere Zwilling hinzu während sich Harry bereits leicht nervös umsah doch in dem ganzen Trubel niemanden entdecken konnte. Dean! So ein Quatsch! Dachte Harry, die Beiden haben manchmal nur Pudding im Schädel. Sie schlugen sich noch kurz auf die Schultern, danach apparierten die Beiden Paare davon.

Wo war Ginny? Harry sprach Molly an doch die meinte dass sie Sie nicht gesehen hatte. Vielleicht tanzte Sie mit den anderen oder spielt mit den Kindern. Er beschoss nachzusehen und fragte Ron ob er mitkommt. Dieser beugte sich zu seiner Frau und sprach kurz mit Ihr, dann stand er auf und folgte Harry. Sie schoben sich durch die Gästemassen, wurden aber immer wieder von Bekannten angesprochen und aufgehalten. Dean stellte Harry und Ron Frau und Kinder vor. Er verwickelte sie in eine kurze Unterhaltung bevor sie sich von Ihm in aller Höflichkeit verabschieden konnten. Man sähe sich ja später noch. Luna und Neville fragten nach Hermine und Ron wies Ihnen den Weg zum Tisch an dem diese saß. Sie trafen noch einige andere von früher aus Hogwarts und als Mad Eye Ihnen über den Weg lief sagte dieser nichts, sondern schüttelte nur den Kopf. Doch Er schien seltsam unruhig zusein. Da dies bei Ihm nichts Ungewöhnliches war und Er immer den Eindruck machte als seien alle dunklen Magier dieser Welt auf seinen Fersen, maßen sie seinem Verhalten keine größere Bedeutung bei.

Bill tanzte fast den ganzen Abend über mit Fleur während sich Charlie zum Leidwesen Jessicas auf seine selbstgewählte beobachtende Position zurückzog. Er studierte die Anwesenden und ganz besonders Harry und Ron, die nach dem gestrigen Abend allerdings keine weiteren seltsamen Anwandlungen mehr erkennen ließen. Schließlich gelang es Jessica doch noch Ihn ein paar Mal auf die Tanzfläche zu bewegen, als Fleur schließlich eine Freundin aus Beaubatonx entdeckte und sie Bill Marieann vorstellte. Er gab Ihr die Hand und versuchte ein lächeln. „Sie hat schon viel von euch erzählt. Zeit das ich dich einmal kennen lerne“, sagte er und hielt nach Charlie Ausschau, der gerade als die Musik geendet hatte mit Jessica von der Tanzfläche kam. „Ihr habt euch bestimmt eine Menge zu erzählen, nach so langer Zeit. Ich werd’ mal nach Charlie sehen. Der macht ein Gesicht wie sieben Tage Regenwetter“, sagte er, küsste Fleur und lächelte Marieann zu als er sich auf den Weg zu Charlie machte.

„Wasch ischt? Bin doch immer noch hübsch genug für unsch beide“, sagte Sie mit Ihrem unverwechselbaren französischen Akzent als Ihr auffiel, dass Marieann Ihn einwenig anzustarren schien.
Die beiden Frauen stellten schnell fest, dass es sehr viel zu erzählen gab seit damals in Beaubatonx. Marieann hatte irgendwann Seamus Finnegan kennen und lieben gelernt. Mit Ihm hatte Sie schon drei Kinder aber er wollte noch mehr und Sie hatte alle Mühe Ihn von diesem Wunsch abzuhalten. Erst jetzt gab Sie seinem drängen nach und war wieder schwanger. Fleur lachte und nahm Ihre Freundin in dem Arm als sie hinter der aufspielenden Kapelle den Berg hinunterschlenderten und mit Ihren Zauberstäben ein wenig Licht ins Dunkel brachten. Fleur erzählte von Bill und wie sie sich kennen gelernt hatten, von den Anfangsschwierigkeiten mit Molly. Marieann nickte nur belustigt, dass war wohl bei allen Schwiegermüttern das Gleiche. Sie hatte selbst mit Seamus Mutter auch ein wenig zu kämpfen, doch am Ende wurde schließlich alles gut. Erst als es zu dem schrecklichen Unfall mit Bill kam sah Molly ein, dass Fleur es nicht nur auf den jungen gutaussehenden Bannbrecher von Gringots abgesehen hatte, sondern das Sie Ihn wirklich von ganzem Herzen liebte. Egal was kam. Marieann schlug sich mit den Händen vor den Mund als Fleur Ihr berichtete, dass Fenrir Greyback persönlich Bill in sein Gesicht gebissen hätte. Er aber nicht zum Werwolf wurde, weil Dieser nicht verwandelt war und William auf einer Art Zwischenebene vom Wolf zum Menschen blieb. Madam Pomfrey, jene begnadete Hexe aus dem Hogwarts Krankenflügel hatte Ihn soweit kurieren können, dass er sich nicht bei jedem Vollmond in ein Tier verwandeln musste. Sie meinte, dass Er sehr großes Glück gehabt habe und es nicht zu den sonst üblichen Veränderungen komme. Bill würde Äußerlich ein paar Spuren des Angriffs zurückbehalten, ansonsten mehr Appetit auf Frischfleisch haben als ein normaler Mensch und vielleicht hier und da noch ein paar eigenartige Verhaltensmuster an den Tag legen aber dass war es dann auch. Und als Sie alle Ihr Glück kaum fassen konnten, sah auch Molly ein das die Beiden zusammengehörten. Marieann erzählte Fleur, dass Seamus früher in der Schule immer alles um die Ohren flog und die Beiden lachten. Doch später entwickelte er ein ausgesprochenes Talent, gerade Diese Fähigkeiten beruflich einzusetzen. Sie sagte dass man einige Jahre in der Welt der Muggel gelebt hat und wurde von Ihrer Freundin mit einem Erstaunen beachtet. Seamus Finnegan galt als einer der führenden Experten auf dem Gebiet der Sprengtechnik. Das er ein Zauberer war davon hatten die Muggel keine Ahnung und was er in der Zukunft anmixte ging auch nicht mehr vorher in die Luft. Später kamen Sie natürlich auch auf Harry und den Rest, Ihrer Familie zu sprechen.

„Ihr lebt in Frankreich erzählt man sich“, meinte Marieann und Fleur stimmte zu. Sie sagte Bill sei gern dort, ganz besonders weil dort angenehm warme Temperaturen herrschten wo Ihr Haus stand. Außerdem hatte Fleur den Eindruck als zöge es Bill weit weg von England. Zu Besuch kam er immer gern, schon allein um die Ganze Familie zu sehen, aber er wollte nicht dauerhaft bleiben, was Ihr auch ganz Recht war.

Sie zog Ihre hohen Schuhe aus, verzog ein wenig das Gesicht und rieb sich die Füße. Das hätte sie schon vor Stunden machen sollen und nicht erst jetzt als sie hier lang liefen. Die Frauen gingen noch ein Stück weiter des Weges entlang an Fleur plötzlich in etwas Feuchtes, Klebriges trat und beinahe ausrutschte. Marieann hielt sie am Arm fest, sonst wäre sie gestürzt. Fleur fing sich und sah nach unten, Ihre Fußsohlen waren rot und jeder weitere Schritt rief ein beinahe schmatzendes Geräusch hervor.

Marieann nahm all Ihren Mut zusammen, zog Ihren Zauberstab, richtete Ihn an des Wegesrand und sprach den Erhellungs-Zauber.

„LUMOS!“

John Xisor
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Beitragvon John Xisor » Do 20 Dez, 2007 01:03

19. Der Löwe im Winter


Die Spitze des Zauberstabes begann zu leuchten und die Umgebung in sein silbernes Licht zu tauchen. Jetzt konnten sie sehen, was Fleur schon spürte. Direkt vor ihnen lag an einem Baumstumpf gelehnt Ginny. Der Kopf hing schlaff von ihren Schultern, das rote Haar war von Blut verklebt und hing im Gesicht. Ihr seidenblaues Kleid war zerrissen und von Blut befleckt. Der kleine Körper war unnatürlich verdreht. Die beiden fielen auf die Knie und sie schrieen und schrieen, während sie sich mit ihren Händen versuchten abzustützen, doch in der Blutlache, die sich um die Unglückliche gebildet hatte, rutschten sie weg und schlugen der Länge nach auf den Boden auf. Jetzt wurden sie von blinder Panik ergriffen. Sie standen auf, rannten beide aus vollem Halse schreiend und wild gestikulierend mit völlig beschmierten Kleidern in die Menge der noch Feiernden zurück. Der Erste, auf den sie trafen war Mad-Eye. Sie brachten kein Wort heraus. Beide standen unter Schock. Sie zeigten immer wieder auf die Stelle dort unten bei dem kleinen Weg. Alastor winkte Kingsley, Tonks und Dawlish heran. Tonks sollte sich um die beiden Frauen kümmern, während er selbst zusammen mit den anderen beiden Männern zu der von Marieann und Fleur beschriebenen Stelle apparierten.

Und da erblickten sie das schrecklich zugerichtete Opfer. Kingsley und Dawlish waren hartgesottene Auroren, die bestimmt schon einiges gesehen hatten, aber das war auch für ihre Mägen zu viel. Beide stützten sich ab, verzogen angewidert das Gesicht und hatten Mühe, den aufkommenden, heftigen Würgereiz zu unterdrücken, der von ihren Körpern Besitz ergreifen wollte.

Durch das Licht der Zauberstäbe, die nun die Umgebung erhellte, wurden auch die Gäste aufmerksam und die Situation drohte, außer Kontrolle zu geraten.
„Licht aus! Sofort!“, schnauzte Moody. „Für die Kleine können wir nichts mehr tun, aber für die anderen! Dawlish! Die Kinder ins Haus, schnell! Sie dürfen das nicht sehen!“, rief er und der Auror apparierte sofort zu den Gästen zurück, doch Moody wusste, dass sie zu wenige Auroren waren, um die Situation zu retten. Er und Kingsley stellten sich vor den leblosen Körper, um ihn nicht auch noch den gierigen Blicken auszusetzen. Nein. Keine Wahl.

Als Harry, Hermine, Ron und die anderen die Schreie hörten, spürte er einen Stich in der Herzgegend. Sie sprangen mehr oder weniger gemeinsam auf.

„GINNY!“, rief Harry panisch.

Die Menge an Leuten, die nun zu dem Platz hinströmten, an dem sie das Licht sahen, hielt sie davon ab, schneller voranzukommen. Harry kämpfte sich durch die Ansammlung. Sein Herz raste vor Angst, vor Zorn, vor Hass. Die anderen Weasleys folgten, so schnell sie konnten. Er nahm nun keine Rücksicht mehr; er stieß und rempelte in wilder Raserei jeden um, der ihm Weg stand, um dorthin zu gelangen, wo sich für ihn das unvorstellbare Grauen erfüllen sollte, als Kingsley ihm in den Weg trat und den Blick ein wenig auf sie freigab. Kingsley packte den Aufgebrachten und versuchte, ihn zurückzuhalten: “Sieh dir das nicht an! Erinnere dich an sie, wie sie war, Harry!“ Doch Harry musste zu ihr – er musste bei ihr sein. Er hatte geschworen, sie zu beschützen, in guten und in schlechten Tagen. Seine Hände ballten sich zu Fäusten und er schleuderte King mit einem einzigen Stoß drei Meter weg, während er aufgebracht schrie: „LASS MICH DURCH!“

Ron und Mine folgten ihm, während einige Männer beherzt zugriffen, um die anderen Weasleys davon abzuhalten, ebenfalls den Tatort zu stürmen. Molly bekam augenblicklich einen Weinkrampf und Arthur ließ ebenfalls seinen Tränen freien Lauf, als er sie halten musste. Keine Mutter und kein Vater sollte jemals sein Kind sterben sehen müssen.

Und schließlich sah Harry sie daliegen. Es hatte den Anschein, als suchte seine Hand etwas, woran er sich festhalten konnte. Doch dann zuckte die Hand schnell zu einem Zauberstab und als hätte Mine seine Reaktion vorausgesehen, packte sie seine Hand und drückte zu. Sie konnte Harrys Rachedurst spüren und fühlte, dass seine Kontrolle verschwunden war. >> Nein, Harry, nein! Nicht einmal jetzt. Es darf niemand wissen. Niemand Harry! Bitte lass los! Bitte Harry! << Sie hielt seine Hand so fest, dass bereits ihre Knöchel weiß aus ihrer Hand hervortraten. Jeder andere wäre schon längst in eine Ecke geflogen. >> Hör auf. Lass los! << Nach einem Moment, der eine Ewigkeit zu dauern schien, spürte sie, wie sein Widerstand langsam brach und er von seinem Vorhaben abließ. Als er sich zu ihr umdrehte und sie anblickte, war nur noch wenig Menschliches in ihm. Hermine wurde klar, dass auch das zum Schattenpfad gehörte, doch er würde ihn jetzt übertreten, wenn es ihr nicht gelingen würde, ihn abzuhalten. Sie würde für ihn wählen. Jetzt! Ron war schon lange vorher still zu Boden gesunken und hatte den Blick nicht mehr aufrichten können, weil er bittere Tränen der Verzweiflung weinte.

Malfoy beobachtete ihn aus seinem Versteck und grinste. >> Hast wohl angenommen, du bist uns in Askaban für immer los, was? Dass wir da verfaulen würden, während du dir mit der rothaarigen Blutsverräterin ein schönes Leben machst – fernab von allem. Jetzt machen wir dich fertig! Das war erst der Anfang! Wenn ich mit dir fertig bin, wirst du mich auf Knien um deinen Tod anflehen und gnädig, wie ich bin, werde ich ihn dir natürlich gern gewähren. Aber zunächst will ich, dass du Schmerzen empfindest. Und dies wirst du! <<

Er hob bereits seinen Zauberstab und flüsterte: “ Cru...“. Doch er wurde unterbrochen. „Halt ja die Klappe!“, zischte eine weitere Stimme hinter ihm. „Du hast es schon mit der kleinen Schlampe versaut, weil du dich nicht beherrschen konntest. Warum hast du es so eilig gehabt, sie umzubringen? War es nicht dein Plan, sie zu uns zu bringen und dort langsam zu zerbrechen?“, tadelte ihn die Stimme und Draco protestierte leise. „Das war der erste Plan, ja! Hier hat Potter aber gleich etwas davon, ohne lange Wartezeiten. Sie hat sehr unter dem Cruciatus Fluch gelitten und das Muggelchen wird bei ihrem Anblick noch mehr leiden.“, frohlockte der blonde Todesser. „Genau, der Genuss wird sich nur einstellen, wenn du ihn jetzt nicht umbringst, sondern abwartest, wie sich sein Leid bis zur Vollendung entwickelt!“, redete die Stimme auf ihn ein, woraufhin er den Zauberstab sinken ließ. Ja, er musste sich wirklich in Beherrschung üben. Besonders, was seine Rachegefühle gegenüber Potter betrafen. Es würden sich noch mehr Gelegenheiten ergeben, ihn zu verletzten.

Hermine war in der ganzen Situation seltsam ruhig und gefasst gewesen, während es in ihrem Inneren kochte, brodelte und nur darauf wartete auszubrechen. Zum jetzigen Zeitpunkt jedoch hatte sie sich voll unter Kontrolle. Als sie fühlte, dass Harry wieder zurückkam, bedeutete sie Mad-Eye er, möge beiseite treten und ihn gewähren lassen.

Harry stand nun ganz allein vor ihr. Er sank auf die Knie und strich ihr liebevoll das blutverklebte Haar aus dem Gesicht. >> Dafür werden sie bezahlen! << Jetzt nahm er den erschlafften Körper seiner Ginny in den Arm, vergrub seinen Kopf an ihrem Hals und ließ seinen Gefühlen freien Lauf.

„WARUUUUMMM?!!“, schrie er herzzerreißend in die Nacht hinaus.

Nach fast einer Ewigkeit umfasste er ihre Taille, nahm sie auf den Arm und trug sie auf Händen durch die schweigende Menge. Seine Züge gefroren zu Eis. >> Dafür werden sie bezahlen. <<



20. Frame of mind


Als er seine Augen aufschlug, erkannte er nichts richtig, denn alles war verschwommen und in ein seltsames, milchig weißes Licht getaucht. Ein paar unkenntliche Gestalten wuselten um ihn herum. Er fühlte kaum noch seine Beine und bewegen konnte er sie schon gar nicht. Harry versuchte, seinen Kopf zu drehen und nach einigen Momenten der Anstrengung gelang ihm das auch. „Brille“ war das einzige Wort, was er über seine Lippen bekam. „Ahh, Mr. Potter!“, vernahm er eine freundlich klingende Stimme. “Sie sind erwacht!“, sagte die Stimme und er konnte einen zweiten Mann erkennen. „Das ist gut, denn Dr. Riddle macht gleich Visite und er ist sehr angetan von ihren Fortschritten. Sie wissen doch noch, wer Dr. Riddle ist oder Mr. Potter?“, sagte der freundliche Mann.

Dr. Riddle? Harry wollte jetzt nach hinten rutschen, doch er konnte es nicht. Gerade in diesem Augenblick stellte er fest, dass er an das Bett, auf dem lag, gefesselt war und sich nicht weiter bewegen konnte. „Ruhig, Mr. Potter, ganz ruhig. Sie haben doch gute Fortschritte gezeigt. Seien sie ein guter Junge und benehmen sie sich bei der Visite von Dr. Riddle anständig. “, meinte der Mann in weiß. Einen Augenblick später schritt ein anderer durch die Tür und warf selbige zu. Harry zuckte zusammen und riss an seinen Fesseln, aber er wurde schnell von weiteren Helfern gepackt und auf die Liege gedrückt. „Na wie geht’s uns denn heute? Waren wir wieder im Zauberland?“, fragte Dr. Riddle langsam und setzte Harry seine Brille auf die Nase. „Waren wir nicht beide übereingekommen, dass es sich nur um einen bösen Traum gehandelt hatte?“, fragte er nun nach und Harry nickte. „Aber meine Frau… Sie ist tot! Sie haben umgebracht!“, schrie er nun aus vollem Halse, aber Riddle lächelte ihn mild an. „Aber, aber… Mr. Potter, sie müssen sich beruhigen, sonst können wir ihnen nicht weiter helfen. Sie müssen doch wieder gesund werden. Sie haben keine Frau und auch keine Kinder. Sie hatten einen schlimmen Autounfall damals, vor zwölf Jahren.“, führte der Arzt nun aus und sah, dass auch noch einige andere in den kleinen Raum getreten waren.

Er stand auf und wandte sich diesen zu. „Ich darf ihnen Mr. Potter vorstellen. Mr. Potter hatte vor einiger Zeit einen Unfall, der sein komplettes Wahrnehmungsbild verschoben hat. Er glaubt, dass er ein berühmter Zauberer ist, der im zarten Jugendalter von nicht einmal siebzehn Jahren die Welt vom Bösen errettet hat.“, führte Riddle weiter aus und eine der etwas weiter hinten stehenden hob die Hand. „Ja, Ms. Granger? Kommen sie doch bitte etwas nach vorn. Sie möchten uns etwas mitteilen?“ Die junge Frau kam einige Schritte ans Bett heran, um nun auf Harry einen besseren Blick werfen zu können. „Hermine!“, schrie er und zerrte noch weiter an den Stricken, die sich nun immer tiefer in sein Fleisch gruben, doch sie reagierte nicht. „Ein traumatischer Schock, gepaart mit einem Messias Syndrom!“, stellte die junge Frau fest, die er als Hermine bezeichnete. „Wer ist Hermine?“, stellte sie nun dem Arzt selbst die Frage. „Er behauptet, sie sei seine Kinderfreundin, mit der er, und jetzt halten sie sich bitte fest, auf einer Schule für Zauberer war!“, teilte er den anderen Anwesenden mit, die in schallendes Gelächter ausbrachen. Harry hörte das Lachen nicht, denn für seine Ohren klang es wie ein Kreischen, wie Hilferufe. „Schlimme Sache, ganz schlimme Sache. Wir glauben nicht, dass er jemals wieder aus diesem Zustand erwachen wird. Er ist ganz und gar gefangen in dieser Welt aus Hexen und Zauberern. Wenn man bedenkt, dass er im Rausch seine ganze Familie totgefahren hat, ist es ein fast noch zu gnädiges Ende, aber wir sind nicht hier, um Recht zu sprechen oder gar zu richten – wir sind hier, um zu heilen!“, setzte Riddle seine Anmerkungen über Harry fort, während sich die Frau, die Harry als Hermine bezeichnete, seinem Bett näherte. Sie beugte sich über den gefesselten und kam ihm so nahe, so dass sie ihm direkt in die Augen sehen konnte. Jetzt nahm sie ihre Hand und zog seine Augenlider hoch, um in das Weiße sehen zu können, bevor sie sich wieder von ihm abwandte und weiter mit Riddle und den anderen Menschen in den weißen Kitteln sprach.

Jetzt stellten sich die Menschen im Halbkreis um ihn auf und starrten auf sein Bett, als andere Weißkittel mit einem Wasserschlauch den Raum betraten und den Hilflosen mit einem scharfen Strahl kalten Wassers abspritzten. Auf die Frage hin, warum denn hier so verfahren wurde, erklärte man ihnen, dass dies leider erforderlich war, da er in der Vergangenheit schon des Öfteren versucht hatte zu entkommen. Man konnte es nicht riskieren, dass ein derartiges Sicherheitsrisiko frei herumläuft. Er versuchte sich abzuwenden, so gut es ging, doch gegen den Wasserstrahl hatte er keine andere Chance, als ab und zu die Luft anzuhalten, um nicht zu ersaufen. „Hermine, bitte, hilf mir. Ich bin nicht verrückt. Ginny, Ginny das… das ist… ist… nein… war meine Frau… sie ist… war… deine beste Freundin… aber… “, er stockte. Sie war auch in seiner Welt tot und er hatte sie umgebracht. Er hatte sie mit seiner Liebe umgebracht, weil er sie nicht hatte gehen lassen können. Er musste sie haben und warum auch nicht, denn er liebte sie doch so sehr. Evra Gin wandte sich ihm zu und warf ihm einen mitleidigen Blick zu und danach der Frau, die er als Hermine bezeichnete. „Er kann einem richtig leid tun, der Arme!“, sagte diese und Harry glaubte, nein er wusste… So konnte er sich nicht irren, aber das war niemals möglich. „Ginny!“, rief er aufgebracht. „Ginny, so hör doch! Ich konnte nichts dafür, es ist einfach so passiert. Ich wollte es nicht! Ich habe dich doch geliebt! Ich habe dich geliebt! Ich liebe dich noch immer! Komm doch zurück und hilf mir! Ich kann hier nicht bleiben! Ich muss deine Mörder finden und einsperren! Ginny! Ginny!“ Doch die Frau hörte nicht auf den Rasenden. Sie blickte aus ihren kalten Augen auf ihn herab und musterte ihn abschätzend. Sie alle standen nur da und musterten ihn, wie er sich abmühte, ihnen zu erklären, was vor sich ging. Alle waren sie in Gefahr und nur er konnte sie retten. Er musste sie alle retten! Es war doch seine Bestimmung.

„Jetzt ist es aber genug, Mr. Potter. Kommen sie Evra. Ms Granger? Ich darf sie auch bitten, mir zu assistieren?!“, sprach er, während die Frauen nun an seine Seite traten, sich über ihn beugten und Harry in sein Bett drückten während Dr. Riddel eine Spritze aufzog.

<Dafür werden sie bezahlen>
Mehr Lesestoff von Muggelchen: Perseiden, Prince, Verflixter Julklapp, Mehr Farbe ins Leben, Die Schneekugel, Kobold, Krieg und Ferien, Three Characters in Search of an Exit, Den Nargel auf den Kopf getroffen, Mein Freund, die Sonne, Viva la Diva!

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Beitragvon John Xisor » Mi 26 Dez, 2007 19:15

21. Zaubererhimmel


Harry fühlte ihn und er wusste, er würde sie ihm wieder entreißen, doch diesmal ging es nicht mit
Diplomatie – diesmal war der einzige Weg das Schwert.

Er klopfte sich den Sand aus den Stiefeln und überlegte nicht lange, wie er gedachte, in die
entsprechenden Einrichtungen einzudringen, in der sie Ginny gefangen hielten... die Magie war mit ihm und er würde sie gnadenlos einsetzen. Ginny ich komme, dachte er und hoffte, sie würde ihn verstehen. Er lief los und seine Fähigkeiten trugen ihn schneller über den Wüstensand als jedes andere Lebewesen. Er war nur noch ein Schatten, den das Auge nicht als solches wahrnehmen konnte. Er erreichte eine Art Bunker. Wachen waren dort mehr als genug vorhanden und er konnte sie immer deutlicher fühlen, je näher er dieser Einrichtung kam.

Aber es waren sehr viele Wachen... Es schien, als hätte man sich auf sein oder das Kommen eines anderen vorbereitet. In Harry breiteten sich Zweifel aus, ob er es alleine schaffen konnte. Waren es womöglich zu viele für einen? Er fand keine Antwort, die er sich auf diese Frage hatte geben können. Jetzt war es zu spät – er war hier und wo war Ginny? Er wusste es nicht – er konnte sie auch nicht spüren. War Ginny tot? Er hoffte es nicht und doch.... Nein! Er fühlte, wie sie sich in Schmerzen wand. Er würde gleich bei ihr sein... und er würde ihm gegenüberstehen und im Staub um sein Leben winseln oder zu Harrys Bedauern weit weg sein, aber er würde seiner gerechten Strafe nicht entgehen, auch dafür würde er noch sorgen wenn... nur wenn sie, seine Ginny, erst einmal in Sicherheit war.

Er hatte die Bunkeranlage erreicht und versteckte sich hinter einem kleinen Vorsprung, hinter dem man ihn nicht sehen konnte, doch er hatte einen guten Überblick – sogar einen sehr guten Überblick. Er bemerkte, wie sich die Tür öffnete und ein Mann sich schnell entfernte. Ja, lauf nur in deinen Untergang, dachte Harry.

Harry rannte auf die sich schließende Tür zu und schob sich durch den Zwischenraum in die Nische dahinter. Die Wachen, die ihn erblickten, sahen nicht mehr als das, was er sie hatte sehen lassen, bevor die Luft aus ihren Lungen entwich und sie leblos zu Boden glitten. Er nahm seinen Zauberstab in rechte Hand und metzelte alles nieder, was sich ihm in den Weg stellte. Die, denen es gelang, noch einige Schüsse auf den Rasenden abzufeuern, hatten keine Zeit mehr nachzusehen, ob sie getroffen hatten. Die meisten starben durch Querschläger ihres eigenen Feuers. Potter kämpfte sich mit den Flüchen durch den Bunker bis hin zum Zellentrakt, in dem Ginny gefangengehalten wurde. Er wusste, er hatte ihn nur um Sekunden verfehlt, doch es hatte auch sein Gutes, dass er ihn nicht traf. Noch nicht! Er würde ihn mehr damit verletzen, wenn er seine Untergebenen niedermetzelte, als wenn er ihn töten würde. Er genoss es, ihn zu verletzten. Er würde es weiter tun.

Harry brach den Wachen mit seinem Willen das Genick. Sie hatten keine Möglichkeit, sich zu wehren oder gar Alarm auszulösen. Wer es wagte, sich ihm in den Weg zu stellen, war bereits tot, noch bevor er versucht hatte, ihn zu attackieren. Die Diener im Gang schleuderte er gegen die Wände der Zellen. Die meisten von ihnen waren nicht mehr in der Lage, sich aus ihrer Situation zu befreien. Die, die es dennoch waren, wurden von Harrys Flüchen innerlich zerrissen. Endlich, am Ende des Ganges, erreichte er Ginnys Zelle.

Sie lag zusammengekrümmt auf dem Boden. Harry spürte, wie sehr man ihr wehgetan hatte und er schwor sich, ihn dafür zur Rechenschaft zu ziehen. Er würde zusehen, bis auch der letzte Funken Leben aus ihm gewichen war. Harry schlug das Schloss entzwei und drang in ihre Zelle ein. Er steckte den Stab weg, beugte sich über sie, begann ihre Wunden zu heilen und ihre Schmerzen zu lindern.

“Ginny... Ginny... Ich bin es Harry! Komm...wir gehen!“, flüsterte er besorgt.

Der Regen peitschte um die Türme und durchnässten sein Haar. Harry saß auf den Zinnen und starrte völlig unbeteiligt in die Tiefe. Er fühlte, dass sich ihm jemand näherte, weswegen er über seine Schulter blickte. Es war Hermine, die die Treppen nach oben gestiegen war, nachdem sie ihn nicht in seinem Büro angetroffen hatte. Eine undefinierbare Ahnung hatte sie hier herauf getrieben. Sie hatte schon lange befürchtet, dass er irgendwann versuchen könnte, eine Dummheit zu begehen.
„Harry!“, rief Mine und streckte ihm ihre Hand entgegen. „Komm zu uns zurück! Was soll den aus deinem kleinen Jungen werden? Willst du ihn wirklich verlassen? Hat er es verdient, dass du ihn jetzt allein lassen willst?“, sagte sie, während sie sich ihm immer weiter näherte. Er blickte sie an. Seine Haare klebten nasse an seinem Gesicht. Er sagte kein Wort, sondern ließ nur weiter den Kopf hängen.
„Vorbei!“, sagte er als Abschied, als er vom Vorsprung rutschte. Hermine packte zu und umfasste fest sein Handgelenk. Harry erschrak, als er fühlte, dass er nicht von den Zinnen abstürzte, weswegen er nach oben sah. Der Wind peitschte noch ungezähmter um sie herum. Ihre buschigen Haare flogen wild umher, doch ihr Griff verstärkte sich nur noch mehr.
„Ich sah Dinge, die du niemals glauben würdest. Brennende Steine, im Innern der Berge. Ich sah Einhörner – schimmernd im Sternlicht, nah dem verbotenen Wald. Sind all diese Momente verloren in der Zeit, so wie Tränen im Regen?“

Harry fühlte nichts mehr. Er wusste nicht mehr, wie er in das Haus gekommen war oder wo er Ginny abgelegt hatte. Er hatte keine Ahnung, was in den Minuten passiert war, als er mit ihr auf dem Arm den kleinen Hang hinaufging und alle Anwesenden ihm schweigend folgten. Er saß in der Ecke im Fuchsbau und starrte leer in die Gegend.

Ganz weit weg glaubte er, eine leise, liebliche Stimme zu hören und er fühlte eine kleine, warme, weiche Hand in der seinen. „Papa, wach auf. Wach doch wieder auf!“, sagte der kleine Junge, der seinen Vater liebevoll mit seinen kurzen Ärmchen umarmte. Der Junge kniete auf seinem Schoß und fuhr mit der Hand über Harrys Wange, an der ungehemmt die Tränen herabflossen. Hermine näherte sich und kniete sich neben den kleinen James-Sirius. „Ich denke, dass ihr jetzt erstmal mit zu uns kommen solltet. Möchtest du das?“, fragte sie, woraufhin der Kleine nickte. „Nehmt ihr Papa auch mit?“, wollte er wissen. Hermine bestätigte es dem Jungen mit den Worten: „Ja, natürlich! Es ist besser, wenn wir jetzt alle zusammenbleiben.“ Hermine streichelte dem Kleinen über die schwarzen, wuscheligen Haare. „Kann ich dich was fragen, Tante Mine?“, fragte James-Sirius. Sie wischte sich die Tränen aus den Augen und bejahte still. Ernst fragte Harrys Sohn: „Wo ist Mama jetzt?“ Und wie James-Sirius so unschuldig fragte, sank sie wieder nieder und umarmte den Jungen. „Deine Mama…“, sie stockte und ging ganz nah an sein Ohr heran, „deine Mama ist jetzt im Zaubererhimmel. Dort wacht sie jetzt über dich. Jeden Tag und jede Nacht.“
„Und über Papa auch?“, fragte der Bub neugierig.

Sie drückte den Jungen ganz fest an sich und antwortete zu seiner Zufriedenheit: „Ja natürlich, über deinen Papa auch.“



22. In weiter Ferne so nah



Mit einer Handbewegung räumte Harry den Festtagstisch ab und legte Ginny auf ihn. Danach griff er nach einem Glas Wasser und säuberte ihr Gesicht von dem ganzen Blut. Als sie davon befreit war, küsste er sie auf die Stirn und schloss ihre halboffenen Augen. Danach wandte er sich ab und ging fort.

Das ganze Drumherum kümmerte ihn jetzt nicht mehr. Alles war aus. Die Liebe seines Lebens lag kalt und tot auf dem Tisch, an dem sie noch vor wenigen Stunden gelacht, getanzt und geliebt hatte. Ginny war an ihm vorbeigelaufen und hatte ihm einen flüchtigen Kuss auf die Wange gehaucht. Er hatte ihr so voller Sehnsucht nachgesehen. Hatte er tief in seinem Inneren geahnt, dass er sie nicht mehr wiedersehen würde? Warum sonst der so sehnsuchtsvolle Blick? Seine Gedanken drifteten ab in die Vergangenheit. Sollte er sich vielleicht in sie zurückziehen? Sollte er seinen Posten in Hogwarts aufgeben und sich gleich mit dazu? Etwas hielt ihn davon ab! Es gab noch etwas, wofür es sich zu leben lohnte. Sein, nein, ihr Sohn! James-Sirus sollte nun sein ganzer Lebensinhalt werden. Ihm würde er sich nun ganz und gar widmen. Ihm und den Mördern seiner Frau. Sie würde er zusammen mit den restlichen Mitgliedern des Ordens des Phönixes jagen, um sie ihrer gerechten Strafe zuzuführen. Doch in Gedanken handelte er anderes. In Gedanken lebte er seine dunkelsten Rachegelüste aus. Er sah sich als ihr Racheengel, der ihre Mörder unter großen Qualen ins Jenseits beförderte. Er blickte in den Spiegel und bemerkte, dass seine Augen eine rote Farbe angenommen hatten. Sie hatten sich zu schmalen, dünnen Schlitzen verengt, während er seine Opfer mit all seinem Hass und seiner Verachtung vom Leben zum Tode beförderte. Und er war nicht allein. Doch wer noch an seiner Seite stand, konnte Harry nicht erkennen. Eine Stimme hinter ihm stachelte ihn fordernd, flüsternd und verlangend immer weiter an, keine Gnade walten zu lassen und den erlösenden Tod seiner Opfer noch weiter hinauszuzögern. Rache musste gelebt werden, hörte er die leise Stimme hinter sich sagen, während sich die Todesser in Qualen wanden – während ihre Augen aus den Höhlen traten und wie blutige Seifenblasen zerplatzten.

„HARRY!!“, schrie Hermine ihn an, doch er rührte sich nicht. Sie brüllte noch ein paar Mal kräftig, bis ihr endgültig der Geduldsfaden riss und sie ihm links und rechts zwei schallende Ohrfeigen verpasste.

„Was ist?“, fragte er gleichgültig.

„Wir müssen gehen, Harry. Komm! Es ist gleich soweit.“, sagte sie sanft und wischte ihm mit einem Taschentuch die Tränen aus den Augen.

Ja. Gleich war es soweit. Gleich würde der schrecklichste aller Momente kommen. Der Augenblick, in dem man die Liebe seines Lebens in dunkle, kalte Erde legte und sie mit Sand zuschüttete. Wo war seine ganze Stärke hin? Wie verletzlich er sich doch auf einmal fühlte. Mine redete noch eine Weile auf ihn ein, bis er sich endlich erhob, seinen dunklen Anzug glatt strich und sich von ihr an den Arm nehmen ließ. Auf der anderen Seite hatte sie Ron untergehakt, der ebenfalls in Tränen aufgelöst den anderen folgte. Der kleine Junge hatte die Hand von seinem Papa genommen und lief schweigend neben ihm her. Als der Zug zum stehen kam, standen die vier zusammen mit den anderen Weasleys ganz vorn. Nachdem ein Zauberer einige tröstende Worte gesprochen hatte, sahen sie zu, wie sich der kleine Sarg, der nun Ginny barg, sich in das ausgehobene, dunkle Loch senkte.

Harry sank niedergeschmettert auf die Knie.

„Schlaf wohl, mein Herz, meine Liebe, mein Leben.“, sagte er aus tiefstem Herzen, bevor er eine einzelne, dunkelrote Rose in ihr Grab warf.

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In den folgenden Wochen zogen er und sein Sohn erst einmal bei Ron und Hermine ein. Man versuchte, so normal, wie das in der Situation nur möglich war, zur Tagesordnung überzugehen. Hermine arbeitete wieder im Ministerium, Ron absolvierte die anstehenden Trainingseinheiten im Team und Harry kehrte zusammen mit dem Jungen nach Hogwarts zurück. Doch eine echte Rückzugsmöglichkeit hatte er nicht. An allen Orten, auf jeder Etage, in seinem Haus oder im Fuchsbau – überall folgte ihm das Andenken seiner Ginny. Er konnte nicht glauben, was er noch vor ein paar Monaten mit Hermine in Padua getan hatte. Und doch war sie es. Hermine hatte ihn aus dem bodenlosen Schlund zurückgeholt. Mit sanften Worten, Erklärungen und notwendigen Streicheleinheiten hatte sie ihn wieder langsam aufgebaut. Nach und nach fand er wieder die Kraft zum Weitermachen. Professor McGonagall bot sich an, ihn auch weiterhin noch zu unterstützen und selbst sein geglaubter Erzfeind Professor Snape ließ Momente der Rührung erkennen, nachdem er erfuhr, was Harry wiederfahren war, auch wenn seine Augen so undurchdringlich und schwarz wie immer waren.

Harry konnte Ron überreden, an einigen freien Tagen in Hogwarts das Training der Quidditch Mannschaften zu übernehmen und immer, wenn er dies tat, sah Harry von der Tribüne aus zu. Er hoffte und betete inständig, dass Ron sein Angebot annehmen würde und ganz in Hogwarts bliebe, um den Kleinen das Fliegen auf einem Besen beizubringen. Dieser Wunsch führte dann auch zu der letzten Auseinandersetzung der beiden einst besten Freunde, die, als es sich um das anstehende Halbfinalspiel drehte, in ein Muggelduell ausartete. Madam Pomfrey musste im Anschluss die Wunden zusammenflicken.

Sie konnten eben beide nicht aus ihrer Haut.

Keiner von ihnen konnte auch nur ansatzweise ahnen, dass ihre Verhaltensmuster eine Reaktion auf die Macht der Gefühle waren, die sich nun immer unkontrollierter ihre Bahnen brachen. Weder Harry noch Ron verschwendeten auch nur einen Gedanken an Jonathan oder an das, was er ihnen in der letzten Zeit beigebracht hatte.

Hin und wieder zog es ihn in den verbotenen Wald, um nachzusehen, ob er ihn eventuell entdecken konnte, doch Jonathan zeigte sich nicht. Harry versuchte es mit dem, was dieser über die Magie gesagt hatte – dass sie in allem und jedem war, doch dass, was Mine als Wachtraumzauber bezeichnete, wollte sich nicht recht bei ihm einstellen. Stattdessen zog es ihn immer wieder in die Vergangenheit zu Ginny und zu dem Leben, das er einst mit ihr und seinem Jungen führte. Und hier erkannte er, einmal mehr zu spät, dass Ron damals bei Fortescue recht hatte. Er sagte damals, dass sie glücklich sein sollten, so lange ihre Ruhe gehabt zu haben – so lange, wie es ging, in Frieden gelebt zu haben. Das kleine bisschen Glück, welches man ihnen gelassen hatte, hatte Harry mit Füßen getreten, indem er sich mit Ron geprügelt hatte. Verdammt, warum konnte er das nicht schon früher bemerken? Warum musste er es auf ein Muggelduell ankommen lassen? Harry verstand sich selbst nicht mehr. Ron hatte doch so recht. Sein Dämon war ein anderer – das wusste Harry nun. Er konnte sich bei ihm entschuldigen, doch er musste warten, bis das Spiel vorbei war. In der augenblicklichen Situation würde Ron ihm nicht zuhören. Er vermutlich an seiner statt auch nicht. Vielleicht, so überlegte Harry, sollte er zum Spiel gehen. Ron würde es nicht direkt wissen, aber vielleicht würde er es doch irgendwie bemerken. Das könnte ja schon reichen, um den Riss in der Freundschaft wieder zu kitten.

Ja, dass könnte schon reichen.


23. Halbfinale



Als Hermine an diesem Abend erneut spät nach Hause kam, wartete Ron wieder vor dem Kamin auf sie. Er hatte drei Pergamente vor sich ausgebreitet und führte nacheinander seinen Zauberstab über sie. Nachdem er damit fertig war, beauftragte er Pig, sie zu Gringots zu bringen.

„Wieder spät geworden im Ministerium?“, fragte er matt und sah in die strahlenden Augen seiner wunderschönen Frau. „Bist du morgen dabei, wenn wir das Halbfinale haben?“, fügte er noch hinzu, als sie ihn in den Arm nahm und zustimmend nickte. Sie wollte ihn unbedingt wieder spielen sehen und hatte sich extra den Terminkalender so freigehalten, dass sie das Spiel eröffnen konnte.

„Ich werde euer Spiel morgen sogar eröffnen!“, sagte sie und ließ sich in seine Arme fallen. Da bemerkte sie, wie sich seine Augen weiteten. Mit allem hatte er gerechnet, aber nicht damit, dass sie in dieser Hinsicht wirklich zusagen würde.

„Dann spiele ich nur für dich! Kommen Harry und Jonathan auch?“, fragte er neugierig.

„Keine Ahnung. Jonathan wollte noch zu Ollivander und Harry sagte, er hätte noch in der Schule zu tun. In Wahrheit glaube ich allerdings nicht, dass er vor hat zu kommen. Nicht nach eurer letzten Unterhaltung von Mann zu Mann.“, erklärte sie und kuschelte sich an ihn. Er schwang die Decke um sie herum, bevor sie flüsternd bat: „Halt mich...“

Er fragte sich kurz, woher sie von Jonathan wusste. Niemand hatte ihn gesehen. War er ihr wieder in einem Zaubertraum erschienen? Ron war nicht dumm, doch verstand er nicht ganz, was es war, das Mine und den geheimnisvollen Magier verband.

Sie wusste, jetzt war nicht der richtige Zeitpunkt, um mit Ron zu reden – das hatte Zeit bis nach dem Spiel! Ihre Gedanken gingen wieder mit ihr durch. Musste sie mit Ron überhaupt darüber reden? Es war doch alles so gekommen, wie sie es sich gewünscht hatten. Nach der Schule hatte Ron seine Traumkarriere bei Pfützensee starten können und sie hatte Karriere im Ministerium gemacht. Die Freundschaft zu Harry war nie ein Thema und doch hatte Jonathan recht, als er an ihr vorbeiging und sich ihre Blicke für einen Moment lang trafen. Du weißt es! Seine Stimme klang noch in ihrem Kopf, selbst nachdem er seinen Blick von ihr abgewandt hatte und weitergegangen war. Irgendwie war er ihr unheimlich zumute. Trug Hermine es so offen vor sich her oder hatte Jonathan direkt in ihr Herz gesehen?

Ja, sie wusste es all die Jahre! Sie hatte es sich jedoch nie eingestanden und wenn sie an ihre beiden Kinder dachte, die sich im Augenblick bei Molly aufhielten, würde sie es auch niemals tun. Niemals! Hermines Finger wanderten über seinen Nacken und spielten mit seinem Haaransatz. Sie sah nach oben und ihre Blicke trafen sich. „Küss mich!“, hauchte sie und als sich ihre Lippen zu einem langen, leidenschaftlichen Kuss trafen, hatte sie ihre zweifelnden Gedanken auch schon wieder fortgejagt.

Ron strich ihr eine Strähne aus dem Gesicht und lächelte. „Ich glaube ich weiß, warum Harry nicht so gern zu den Spielen kommt. Er hat Quidditch geliebt! Im 5. hatte es die Umbridge und im 6. Snape das zunichte gemacht. Danach konnte er ja nicht mehr spielen. Ich glaube einfach, dass es zu viel für ihn ist. Auch ein Harry Potter ist nur bis zu einer gewissen Grenze belastbar und nach allem, was wir durchgemacht haben, wollte er sich damit nun nicht auch noch selber quälen. Ich kann ihn schon verstehen… Würde mir an seiner Stelle nicht anders gehen.“

Langsam brannte das Kaminfeuer runter und die beiden Liebenden gaben sich auf dem Sofa ihrer Leidenschaft hin. Als sie später in der Nacht erwachten, nahm Ron seine Frau auf den Arm und brachte sie nach oben ins Schlafzimmer. Seine Gedanken kreisten um das morgige Spiel und darum, wie es dazu gekommen war, dass nun doch er und nicht sein Ersatzmann daran teilnahm. Er hatte mit seinem besten Freund einen fürchterlichen Streit deshalb, der damit endete, dass er Harry einfach hatte stehen lassen. Er konnte ihn ja auch verstehen. So eine Möglichkeit würde sich ihnen nicht noch einmal bieten und sie mussten die Chance ergreifen, die sich ihnen bot. Doch auf Quidditch zu verzichten? Dies konnte nicht sein Ernst sein. Harry hatte da leicht reden. Es tat ihm leid. Sein bester Freund fehlte ihm. Wenn das Spiel vorbei war, würde er nach Hogwarts gehen. Doch nicht heute Nacht.

------------------

Sie hatten erfahren, dass die Iren zwei neue Treiber mit im Mannschaftsaufgebot hatten. Zwei vierschrötige Kerle mit Hirn und richtig Dampf in den Armen. Dies wäre eine sehr seltene Kombination und leider spielten sie nicht auf unserer Seite, hatte der Kapitän gewarnt.

„Wir müssen höllisch aufpassen, denn McLaggen und Marin sind kreuzgefährlich! Wir haben es in den letzten Spielen gesehen. Sie haben Übersicht und sind taktisch voll auf der Höhe. Das sind keine stumpfen Schläger… Die beiden sind gut, also lasst euch von ihnen nicht vom Besen werfen und nun los!“, sagte der Kapitän anfeuernd.

Ragga klatschte in die Hände, was das Zeichen zum Aufbruch darstellte. Es ging los! Ron schwang sich gerade als letzter auf seinen Besen, da gingen auch schon die riesen Tore auf. Man konnte den ohrenbetäubenden Jubel der Massen wahrnehmen, was Musik in seinen Ohren war – ach, wie er das doch liebte! Zu ihrer Hymne flogen sie hinaus und drehten ein paar Runden im Stadion. Ron reckte ein paar Mal seine Faust nach oben, bevor Hermine das Spiel eröffnete und der Schiedsrichter kurze Zeit später die Bälle freigab. Jetzt übernahm der Kommentator.

>> Irland wieder in Quaffelbesitz. Der Spielstand ist nach zehn Minuten immer noch null zu null. Die beiden neuen Treiber der Iren konnten bislang nichts gegen Bell und Cren ausrichten, doch jetzt scheinen sie eine Lücke gefunden zu haben und… Wurf! Aber kein Tor. Weasley, nach seiner Rückkehr aus Hogwarts“, das Stadion grölte, “in Bestform, hält den Ball. <<

Hermine hatte es nicht mehr auf dem Sitz gehalten. Sie stand an der Brüstung und feuerte Ron lauthals an, so wie sie es früher schon getan hatte, als Harry noch Sucher war und Ron gerade den Hüterposten für Gryffindor übernommen hatte.

„Die beiden sind gut! Wer ist das?“, fragte plötzlich eine ach so vertraute Stimme neben ihr. „Harry!“, sagte sie erstaunt, als sie sich umdrehte. „Er ist mein bester Freund! Ich kann das nicht so stehen lassen. Nach dem Spiel geh ich runter und werde mich bei ihm entschuldigen! Ich war im Unrecht.“, bekannte er. Nach einer kleinen Pause fügte er hinzu: “Wie schon so oft.“

Hermine versuchte sich an einem Lächeln, war aber viel zu sehr im Spiel versunken, als dass sie Harrys Worte vernehmen konnte.

„McLaggen und Marin. Ron sagt, das seien die besten Treiber der Welt! Sie sollen in Vorrunden schon den einen oder anderen Sucher oder Jäger ausgeknockt haben.“, erklärte sie ihm zugewandt, während sie nach dem letzten Irlandangriff die Hände vor den Mund presste und erst wieder Erleichterung erlangte, nachdem das englische Team wieder in Ballbesitz war.

>> England führt vierzig zu dreißig und noch immer keine Spur vom Schnatz. Die Sucher der beiden Teams versuchen sich gegenseitig abzulenken, um im entscheiden Moment einen Vorteil für sich erhaschen zu können. Was für ein Spiel! Jetzt sind McLaggen und Marin wieder am Zug. Sie werfen sich die Keule immer wieder gegenseitig zu und schlagen die Klatscher dem Gegner entgegen. Bell ist getroffen, aber nicht schlimm. Er hat seinen Besen abgefangen und greift wieder ins Spielgeschehen ein. Tor! Was war das? Während sich McLaggen und Marin auf Bell gestürzt haben, hat der Hintermann den Quaffel gefangen und ihn durch die Ringe des Gegners befördert. Unglaublich! <<

Das Stadion kochte und das Spiel wurde mittlerweile härter.

McLaggen und Marin gaben sich gegenseitig Zeichen – wahrscheinlich, um eine Taktik für den nächsten Spielzug einzuläuten.

Ron flog um die Ringe herum und strahlte. Jetzt müssen sie nur noch den verdammten Schnatz fangen und das Ding wäre im Sack.

Und da war er. Direkt neben Rons Kopf! Er musste sich nur umdrehen und ihn greifen. Die Anspannung stieg. Ron schien ihn nicht einmal zu bemerken. McLaggen schoss mit seinem Besen vor und nahm eine sitzende Haltung ein, was Harry bekannt vorkam, denn so hatte er damals in seinem ersten Spiel den Schnatz gefangen, doch hier schien es etwas völlig anderes zu sein.

„Her mit dem Ding!“, brüllte McLaggen und Marin warf ihm den Schläger zu. Der Klatscher kam seitlich angeflogen. McLaggen richtete sich für einen kurzen Moment auf, zog durch und traf den Klatscher voll.

„Wie du damals!“, rief Hermine und hüpfte derweil wie ein kleines Mädchen hin und her, doch Harry achtete nicht auf sie, denn er verfolgte nur den Ball.

„RON, PASS AUF!“, schrie er plötzlich verzweifelt, doch Ron konnte ihn nicht hören. Die beiden Sucher rasten auf ihn zu und erst jetzt nahm er das leise Flirren des Schnatzes an seinem Ohr wahr. Er ließ seine Hand von hinten hervorschnellen und packte ihn. Im selben Moment fand der Klatscher von McLaggen sein Ziel.

>> AUS, AUS, DASS SPIEL IST AUS! <<

John Xisor
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Beitragvon John Xisor » Sa 05 Jan, 2008 23:05

24. Das blaue Licht


Es war eine Mischung aus Jubel- und Entsetzensschreien. Wie beim Trimagischen Turnier im 4. Schuljahr zuckte Harry zusammen. Hermine stieß einen spitzen Schrei aus und presste entsetzt die Hand vor den Mund. Eben vernahm sie noch Rons Jubelschrei, aber im gleichen Augenblick kippte er vornüber und sein Besen raste der Erde entgegen. Harry reagierte prompt, streckte seinen Arm aus und konzentrierte sich voll auf Ron. Es gelang ihm, den Absturz zu bremsen und ihn sanft zu Boden gleiten zu lassen. Jetzt eilten einige Medimagier auf das Spielfeld, die sofort eine Trage herbeizauberten und mit dem Leblosen zum St. Mungos apparierten.

Hermine wollte ihnen sofort folgen, doch Harry hielt sie zurück.

„Sie werden sich um ihn kümmern. Ich werde mich um ihn kümmern! Du bist die Zaubereiministerin. Du hast hier erst deine Pflicht zu tun.“, sagte er und hielt sie zurück, während er sich ins Krankenhaus aufmachte. Sie drehte sich noch kurz zu ihm um und vernahm Harrys leise flüsternde Stimme. „Es ist anders…“, sagte sie und im nächsten Augenblick war er auch schon verschwunden.

Als Harry im Krankenhaus ankam, waren bereits die Medimagier mit Ron beschäftigt. Auch Jonathan hatte sich bereits eingefunden. Er sagte, dass er von dem Vorfall bei Ollivander erfahren hatte, gerade als er sich auf ins Stadion machen wollte, um den Rest des Spieles zu sehen, von dem Ron so geschwärmt hatte. Harry versuchte, sich bei den Medimagiern nach Rons Zustand zu erkundigen, bekam jedoch keine wirklich zufriedenstellende Antwort. Es war zum verzweifeln.

„Wo ist Hermine?“, fragte Jonathan ernst und sah gleich darauf, wie sie angestürmt kam.

Auch sie versuchte, mit den Medimagiern und Heilern zu reden, doch niemand achtete scheinbar auf sie. Alle zuständigen Heiler winkten ab oder baten noch um etwas Geduld. Und so vergingen Stunden. Für Harry und Hermine hatten sie ein paar Stühle herbeigezaubert, doch nur Jonathan hatte Platz genommen und wirkte seltsam abwesend.

Molly, Arthur und die Zwillinge waren ebenfalls kurze Zeit später im Hospiz eingetroffen. Sie alle versuchten, sich gegenseitig zu trösten, als ein älterer Heiler zur Tür hinaustrat und nach Hermine fragte.

Er sah sie an und wandte den Blick ab. Harry war bereits hinter sie getreten und legte seinen Arm um ihre Schulter.

„Sie müssen jetzt sehr stark sein!“, sagte er mit fester Stimme. Er gab die Tür frei, um sie eintreten zu lassen.

Harry und Hermine traten ein und sahen Ron mit bandagiertem Kopf und Oberkörper im Bett liegen. Er rührte sich nicht mehr. Hermine schrie verzweifelt und vergrub ihren Kopf unter Harrys Kinn, der nur wie angewurzelt dastehen konnte, als er Ron so liegen sah.

Jonathan war bereits neben sie getreten und suchte nach Rons Hand.

„Meine Macht hat Grenzen... Eure Hände, schnell! Ich kann versuchen, seinen Lebensfunken zu schüren. Alles andere liegt bei ihm.“

Er nahm die Hände der beiden und legte sie sanft auf Rons, bevor er die Hände der drei Freunde mit seinen eigenen umschloss und sie auf den Punkt legte, an dem sich das Herz befand. Einen Augenblick später erhellte ein blaues Licht den Raum und hüllte sie alle ein. Als es verblasste, begannen Rons Augenlider zu flattern, was Hermine zum schluchzen brachte.

„Lass uns nicht allein! Bitte, du kannst uns nicht allein lassen! Wir lieben dich so sehr.“, sagte sie weinend.

Er öffnete die Augen einen winzigen Spalt. Als er versuchte zu sprechen, kamen nur ganz leise Worte über seine Lippen, mit denen er sagte: „Ich hab es immer gewusst, Mine… Meine Sonne, mein Mondlicht, mein Sternenglanz!“

„Harry, es tut mir leid – ich konnte nicht anders.“, flüsterte Ron seinen besten Freund gewandt.

„Ich weiß, mir tut es auch leid. Schön, dass du wieder bei uns bist!“, sagte er mit einem gequälten Lächeln, aber es wollte nicht gelingen.

Es sah so aus, als schüttelte Ron leicht den Kopf, bevor er sagte: „Alles wird gut, Harry. Harry?“

Er tastete nach Hermines Hand und legte sie in Harrys.

„Ja, Ron?“, fragte Harry leise nach.

„Halte diese kleine Hand bis in alle Ewigkeit. Versprich es!“, forderte der Verletzte.

„Ich verspreche es, Ron!“, flüsterte Harry, bevor beide auf die Kissen neben ihm sanken.

Ron atmete einmal angestrengt ein und sagte wispernd: „Dann ist jetzt alles gut… Lebt wohl!“

Er schloss die Augen und es war still. Ron glitt davon. Hermine weinte leise und flüsterte Worte der Liebe in die Kissen.

Sie flehte: „Wach auf! Wach doch auf! Bitte, wach auf.... Ich liebe dich! Wach doch bitte wieder auf...“

Harry stand irgendwann auf und nahm Molly und Arthur in den Arm, während sich die Zwillinge zu ihnen stellten. Ein Blitzen in ihren Augen verriet ihm, dass sie auch jetzt noch einen Spruch auf Lager hatten, diesen jedoch für sich behielten. Jonathan nickte Harry kurz zu, bevor er das Krankenzimmer verließ. Er wollte die Familie in ihrer Trauer nicht stören. Nach einer Weile trat Harry hinter Hermine und sagte mit beruhigender Stimme: "Komm, wir müssen jetzt gehen!"

Er half ihr aufzustehen, doch sie konnte noch nicht loslassen. „Wir können ihn doch nicht so liegen lassen! Ihm wird doch kalt…", sagte sie weinend, bevor sie flehend zu Harry blickte. Der wiederum schaute zu Fred hinüber und formte tonlos das Wort Zauberstab mit seinem Mund. Fred reichte ihm wortlos seinen Stab herüber. Harry blickte sich kurz um, um sich zu vergewissern, dass sie nicht beobachtet wurden. Als er nichts Verdächtiges bemerkte, verwandelte er das Laken in eine dicke, wohlig warme Decke. Er nahm Hermines Hand und deckte seinen Freund gemeinsam mit ihr zu.
"Jetzt friert er nicht mehr. Komm, Hermine! Bitte, komm!" Wohin sollte er sie jetzt bringen? Sein Geist arbeitete fieberhaft. Die Wohnung in London kam nicht in Frage. Der Fuchsbau war auch keine gute Idee und sie nach Hogwarts mitzunehmen wäre undenkbar. Ihm kam jedoch eine Idee. Wenn die Zwillinge die kleine Wohnung über ihrem Laden noch besaßen und diese noch nicht weitervergeben war, konnte er dort erst mal mit ihr untertauchen. Er wandte sich leise an George und fragte: "Die Wohnung über eurem Laden ist die noch frei? Kommen wir da rein?" George nickte sofort, weswegen Harry ihm Hermine in den Arm drückte und erklärte: "Appariere mit ihr dorthin – jetzt gleich von hier aus! Niemand darf sie so sehen. Fred nimmt mich sicherlich mit!"
Als er sich ihm zuwandte, bemerkte er, wie der Heiler, der sie eingelassen hatte, Arthur beiseite nahm und mit ihm sprach. Harry bekam jedoch nur einige Wortfetzen mit, wie „…schon Tod… Genickbruch… nicht möglich… “. Seine und die Augen Mollys trafen sich. Er glaubte zu erkennen, wie beide mit ihnen sagten: „Geht! Wir kümmern uns um alles. Geht!“ Harry hatte den Eindruck, als antwortete er durch seine Augen: „Danke Molly und sagt den Kindern noch nichts! Sie müssen das nicht mitten in der Nacht erfahren!“
„Geht... Sofort!“ schienen Mollys Augen zu befehlen, woraufhin Harry Freds Arm ergriff und er mit ihm disapparierte.
George hatte Hermine bereits nach oben gebracht, während Fred mit Harry und einem leisen “Plopp“ folgten. Als Harry sie aus Georges Armen nahm, sackte sie zusammen, weswegen er sie in die leere Wohnung trug. Die Zwillinge ließen die beiden allein. Harry suchte nach Hermines Zauberstab und beschwor eine Einrichtung herauf, die sie an nichts erinnerte, was sie kannte. Ein paar Kissen, weiches Licht, die Wände in sanftem Terrakotta gehalten. Er bettete sie auf den vielen Kissen und griff mit seiner Hand an ihre Schläfen, bevor er ein paar unverständliche Worte murmelte. Hermine wurde ruhiger und schlief letztendlich vor Erschöpfung ein.

Harry dämpfte das Licht, ging in die Küche und zauberte sich ein paar Brote und einen Feuerwhisky her. Den brauchte er jetzt wirklich! Danach versuchte er, seinen Geist ein wenig zu beruhigen, sofern das überhaupt möglich war. Spät in der Nacht flohte Arthur noch kurz herein. Er berichtete vom Auftauchen eines Kobolds von Gringots und bat die beiden, Morgen in den Fuchsbau zu kommen. Sie würden dann mehr erfahren. Harry nickte wortlos, bevor Arthur wieder durch den Kamin verschwand.

Er nahm noch einen Schluck Kürbissaft und setzte sich auf die Kissen neben Hermine, falls sie des Nachts erwachen würde und nicht allein sein wollte – ihn brauchte. Doch sie schlief die restliche Nacht ruhig durch und so fand auch Harry ein wenig Ruhe.

Als er am nächsten Tag erwachte, lag Hermine eng an ihn gekuschelt und hielt ihn fest. Im ersten Moment dachte er daran, sich loszumachen, ließ jedoch davon ab und verhielt sich still. Hermine drückte ihn an sich.

Sie lächelte, als sie die Augen öffnete, bevor sie verschlafen sagte: „Ronnie, mein Süßer. Ich hatte einen Horrortraum!“

John Xisor
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Beitragvon John Xisor » Sa 12 Jan, 2008 12:52

25. Es ist so viel Liebe in diesem Haus


Als sie hochsah und Harry erblickte, der um Jahre älter schien, hielt er sie ganz fest.

Später am Tag flohten sie, wie Arthur es gewünscht hatte, in Fuchsbau zurück. Molly, Hermine und restliche Familienmitglieder fielen sich in die Arme und versuchten, sich gegenseitig, so gut es ging, zu trösten. Später erschien dann der von Gringotts angekündigte Kobold, den Harry wegen seiner unprätentiösen, geschäftsmäßigen Art am liebsten in ein Gnomloch gesteckt hätte. Die Anwesenden ließen das, was er sagte, über sich ergehen und leisteten die Unterschriften, die er verlangte. Danach rief er Namen auf und verteilte drei Pergamente. Als er ansetzte, ihnen noch einen schönen Tag wünschen zu wollen, brachte ihn Harry mit einem einzigen, kalten Blick zum Schweigen.

Molly, Arthur, Hermine und Harry entrollten die Pergamente und begannen zu lesen:


Liebe Mum, Dad,

wenn der Kobold von Gringotts Euch die Pergamente überreicht hat, weile ich nicht mehr unter Euch.

Irgendetwas ist dazwischengekommen – vielleicht hat mich ein übereifriger, übriggebliebener Todesser erwischt oder ich hatte einen Unfall beim Quidditch. Der Sport birgt seine Risiken und ich habe das immer gewusst. Ich habe die Pergamente zum letzten Mal am Abend vor dem Halbfinale gegen Irland aktualisiert und sie bei Gringotts deponiert.

Wenn alles so gekommen ist, sitzen Harry und Hermine jetzt auch neben Euch und lesen ihre Pergamente

Mum, ich muss dir etwas sagen und ich bitte Dich, das so zu akzeptieren und die Dinge laufen zu lassen. Harry war immer mehr für mich als nur mein bester Freund. Du weißt, was ich meine, denn Du selbst hast in ihm einen Sohn gesehen und ich einen Bruder. Doch es gibt noch etwas anderes.

Wir drei kennen uns, seit wir elf Jahre alt waren – seit wir uns im Zug nach Hogwarts über den Weg gelaufen sind. In all den Jahren haben wir uns immer alles sagen können und alles miteinander geteilt. Nur eines habe ich nicht mit Harry geteilt, jedenfalls ist es mir nicht sofort aufgefallen.

Harry und Hermine werden zusammenkommen. Bei den Muggeln nennen sie das Patchworkfamily. Ich wünsche mir, dass Du sie beide genauso lieben kannst, wie Du mich und Hermine geliebt hast. Ich mag manchmal ein unsentimentaler Klotz gewesen sein, doch ich habe schon lange gewusst, dass ihr Herz nicht nur für mich schlägt. Es war schon immer mehr als nur Freundschaft. Schon immer, Mum, vom ersten Tage an. Ich konnte mein Glück kaum fassen, als sie mir Ihr Ja-Wort gab und kurze Zeit später unsere beiden süßen Kinder zur Welt kamen. Du musst es Ihnen erklären: Papa ist jetzt im Zaubererhimmel.

Wenn ich vor meinem Tode dazu noch imstande war, habe ich Harry darum gebeten, Mines kleine Hand bis in alle Ewigkeit zu halten. Sie war mein Sternenglanz.

Wir hatten in Eurem Haus eine wunderschöne Kindheit. Du und Dad – Ihr Beide habt es uns an nichts fehlen lassen, auch wenn Ihr manchmal anderer Meinung wart.

Harry hat es einmal sehr genau auf den Punkt gebracht: Es ist so viel Liebe in diesem Haus!

Hermine und die Kinder sind versorgt. Alles andere ist für Euch. Der Kobold hat seine Anweisungen.

Meine Schwester wartet nun auf mich.

Ron



Schweigend hielten Molly und Arthur sich an den Händen, nachdem sie den Brief zu Ende gelesen hatten. Dann blicke Arthur still zu Harry, dann zu Hermine und wieder zurück zu Harry. Beide lasen noch ihren letzten Brief von Ron.


Mine, mein Sternenglanz,

wenn der Kobold von Gringotts Euch die Pergamente überreicht hat, weile ich nicht mehr unter Euch.

Irgendetwas ist dazwischengekommen, vielleicht hat mich ein übereifriger, übriggebliebener Todesser erwischt oder ich hatte einen Unfall beim Quidditch. Der Sport birgt seine Risiken – wir haben das immer gewusst. Im ungünstigsten Fall war es einer der dunklen Schergen, denen wir all die Jahre so erfolgreich die Stirn geboten haben. Im günstigsten Fall verlor ich mein Leben im Augenblick des Triumphs.

Ich habe die Pergamente zum letzten Mal am Abend vor dem Halbfinale gegen Irland aktualisiert und sie bei Gringotts deponiert, wie ich es seit Jahren vor jedem Spiel oder einem ähnlichen Ereignis getan habe. Immer wachsam sein, hat mal jemand gesagt.

Wenn alles so gekommen ist, sitzen unsere Eltern und Harry jetzt neben Dir und lesen ihre Pergamente.

Mine ich habe es gewusst.

Seit Jahren habe ich gespürt, dass Dein Herz auch für Harry schlägt. Ich nehme es Dir nicht einmal übel, denn das meine schlug auch für Dich, wenn auch anders. Aber bei Euch? Immer wenn wir zu dritt zusammen waren, konnte man das sehen. Ihr beiden wart schon immer eins, so als würde eine Person denken und handeln. Manchmal dachte ich daran, Dich darauf anzusprechen, habe mich aber dagegen entschieden. Warum sollte ich das zerstören? Wir lieben ihn doch beide. Er ist unser bester Freund, für Mum ein Sohn, für mich ein Bruder. Ich konnte nichts sagen, denn ich wollte Euch nicht verlieren – Euch beide nicht. Wir haben so vieles zusammen durchgestanden, warum nicht auch das? Meine Liebe hält alles aus.

Wenn ich vor meinem Tode dazu noch imstande war, habe ich Harry darum gebeten, Deine kleine Hand bis in alle Ewigkeit zu halten.

Du warst mein Sternenglanz.

Ich weiß, dass er Dich tief in seinem Herzen genauso liebt wie du ihn. Nach Ginnys Unfall wurde es wieder stärker. Werdet um unsertwillen glücklich. Meine Schwester hat leider keine Möglichkeit mehr gehabt, das gleiche zu sagen, aber ich kenne sie und weiß, dies wäre auch in ihrem Sinne. Mum weiß auch Bescheid.

Ich konnte mein Glück kaum fassen, als Du mir Dein Ja-Wort gabst und kurze Zeit später unsere beiden süßen Kinder zur Welt kamen. Du musst es Ihnen erklären: Papa ist jetzt im Zaubererhimmel.

Und jetzt zu etwas anderem.

Mine, unser neuer Freund wird im Augenblick nicht bei Euch sein, kann ich mir denken. Doch Ihr müsst zu Ihm zurückkehren und weitermachen. Ich habe zu wenig Zeit mit seinen Übungen verbracht, als ich sollte, doch wenn stimmt, was wir vermuten, werde auch ich vielleicht noch mal auftauchen können – genau wie Dumbledore. Lach nicht! Ich war bestimmt kein so guter Zauberer wie er. Er ist eher zufällig auf das Geheimnis gestoßen, während wir gezielt darauf vorbereitet wurden. Denke nur daran, wie Du und Ginny über die Brüstung aus dem siebten Stock gesprungen seid.

Du und Harry, Ihr müsst das Mysterium um Ihn knacken. Es ist kein Zufall, dass Jonathan aufgetaucht ist. Wir haben herausgefunden, dass sie bestimmt schon mindestens einmal hier waren und Ihre Lehren anderen Magischen Wesen überlassen haben. Er ist der Sternenmagier! Zusammen werdet Ihr beide das schaffen.

Harry kann es wieder. Er kann wieder zaubern. Jedenfalls so was in der Art.

Es ist anders bei Harry jetzt anders. Jonathan würde sagen, es ist Schattenmagie, obwohl Macht es eher trifft. Dagegen wird auch nichts anderes mehr helfen. Er hat mit diesem blitzenden, blauen Ding den Todesfluch von Snape weggeschlagen, nur um Euch zum Handeln zu bewegen. Er will entdeckt werden. Vielleicht gelingt es Euch, ihn ein bisschen aus der Reserve zu locken. Bring ihn zu Nevilles Mutter – da soll er mal zeigen, was er wirklich drauf hat. Sollte das Experiment aufgehen, ist es Zeit, dass du den Ministerialposten für immer sausen lässt. Es gibt Wichtigeres.

Wir drei hatten die wunderbarste Freundschaft, die man sich nur wünschen konnte und dafür bin ich Euch dankbar. Hermine, für Dich und die Kinder ist gesorgt. Der Kobold hat seine Anweisungen.

Ich liebe Dich, Euch, die Kinder, Mum und Dad, Fred, George, Charlie, Bill, Percy und Harry.

Und jetzt mach das, was wir immer gemacht haben: Lass Harry Deinen Brief lesen. Er wird Dir gleich den seinen geben. Es ist alles so, wie es sein soll.

Für immer

Ron




Ihre Worte waren schon lange versiegt. Das war ihr Ron: Ein liebevoller, umsichtiger, herzensguter Mann. Deswegen hat sie ihn geliebt. Er war ihr Felsen. Da konnte gegenbranden, was wollte. Ron stand unerschütterlich zu ihr. Sie reichte Harry ihr Pergament und nahm das seine.



Lieber Harry,

wenn der Kobold von Gringotts Euch die Pergamente überreicht hat, weile ich nicht mehr unter Euch.

Irgendetwas ist dazwischengekommen, vielleicht hat mich ein übereifriger, übriggebliebener Todesser erwischt oder ich hatte einen Unfall beim Quidditch. Der Sport birgt seine Risiken – wir haben das immer gewusst. Im ungünstigsten Fall war es einer der dunklen Schergen, denen wir all die Jahre so erfolgreich die Stirn geboten haben. Im günstigsten Fall verlor ich mein Leben im Augenblick des Triumphs.

Ich habe die Pergamente zum letzten Mal am Abend vor dem Halbfinale gegen Irland aktualisiert und sie bei Gringotts deponiert, wie ich es seit Jahren vor jedem Spiel oder einem ähnlichen Ereignis getan habe. Immer wachsam sein, hat mal jemand gesagt.

Wenn alles so gekommen ist, sitzen meine Eltern und Mine jetzt neben Dir und lesen ihre Pergamente.

Harry, ich habe es gewusst.

Seit Jahren habe ich gespürt, dass Dein Herz auch für Mine schlägt. Ich nehme es Dir nicht einmal übel, denn das meine schlägt auch für Dich, wenn auch anders. Aber bei Euch? Immer wenn wir zu dritt zusammen waren konnte, man das sehen. Ihr beiden wart schon immer eins, so als würde eine Person denken und handeln. Manchmal dachte ich daran, Dich darauf anzusprechen, habe mich aber dagegen entschieden. Warum sollte ich das zerstören? Wir lieben sie doch beide. Sie ist unsere beste Freundin, für meine Mum warst Du immer wie ein Sohn und für mich ein Bruder. Ich konnte nicht. Ich wollte Euch nicht verlieren. Euch Beide nicht. Wir haben so vieles zusammen durchgestanden, warum nicht auch das?

Ich konnte mein Glück kaum fassen, als sie mir Ihr Ja-Wort gab und kurze Zeit später unsere beiden süßen Kinder zur Welt kamen. Ihr müsst es Ihnen erklären: Papa ist jetzt im Zaubererhimmel.

Harry, Du bist mein bester Freund. Halte diese kleine Hand bis in alle Ewigkeit.

Ich weiß, dass Du sie tief in Deinem Herzen genauso liebst wie sie Dich. Nach Ginnys Unfall wurde es wieder stärker. Werdet um unsertwillen glücklich. Meine Schwester hat leider keine Möglichkeit mehr gehabt, das gleiche zu sagen, aber ich kenne sie und weiß, dies wäre auch in ihrem Sinne. Mum weiß auch Bescheid.

Und jetzt zu etwas anderem.

Harry, unser neuer Freund wird im Augenblick nicht bei Euch sein, kann ich mir denken. Doch Ihr müsst zu Ihm zurückkehren und weitermachen. Ich habe zu wenig Zeit mit seinen Übungen verbracht, als ich sollte, doch wenn stimmt, was wir vermuten, werde auch ich vielleicht noch mal auftauchen können – genau wie Dumbledore. Lach nicht! Ich war bestimmt kein so guter Zauberer wie er. Er ist eher zufällig auf das Geheimnis gestoßen, während wir gezielt darauf vorbereitet wurden. Denke nur daran, wie Du und Ginny über die Brüstung aus dem siebten Stock gesprungen seid.

Du und Mine, Ihr müsst das Mysterium um ihn knacken. Es ist kein Zufall das Jonathan aufgetaucht ist. Wir haben herausgefunden, dass sie bestimmt schon mindestens einmal hier waren und ihre Lehren anderen Magischen Wesen überlassen haben. Zusammen werdet Ihr Beide das schaffen.

Du kannst es wieder. Du kannst wieder zaubern. Jedenfalls so was in der Art.

Es ist anders, Jonathan würde sagen, es ist Schattenmagie, obwohl Macht es eher trifft. Dagegen wird auch nichts anderes mehr helfen. Er hat mit diesem blitzenden, blauen Ding den Todesfluch von Snape weggeschlagen, nur um Euch zum Handeln zu bewegen. Er will entdeckt werden. Vielleicht gelingt es Euch, ihn ein bisschen aus der Reserve zu locken. Bring ihn zu Nevilles Mutter – da soll er mal zeigen, was er wirklich drauf hat. Sollte das Experiment aufgehen, ist es Zeit, dass Du Dich den wirklich wichtigen Dingen zuwendest. Hol die alte DA wieder zusammen!

Wir drei hatten die wunderbarste Freundschaft, die man sich nur wünschen konnte und dafür bin ich Euch dankbar. Für Hermine, die Kinder und meine Eltern ist gesorgt. Du sollst meinen Besen haben, jetzt wo du wieder fliegen kannst. Der Kobold hat seine Anweisungen.

Mach’ das, was wir immer getan haben: Lass Mine Deinen Brief lesen. Sie wird Dir gleich den ihren geben. Alles ist so, wie es sein soll.

Es ist Zeit für den nächsten Schritt, Harry.

Ron


Die Stationen seiner Freundschaft mit Ron rasten an seinem geistigen Auge vorbei, während er las. Ihre erste Begegnung auf dem Bahnhof und dann im Hogwarts-Express. Wie er seinen Pony anhob, Ron die Blitz-Narbe bestaunte und sagte „Boah ey – voll krass!“, weswegen er selbst nur das Gesicht verzog. Wie sie zusammen das Geheimnis um den Stein der Weisen lösten, den Basilisken in der Kammer des Schreckens ausschalteten und am Ende Voldemort und seinen Todessern den Weg zur Hölle zeigten. Wie glücklich Ron für dessen Schwester war, als Harry doch noch über seinen Schatten sprang und ihre Liebe zuließ und wie Ron fast zeitgleich Hermine sein Ja-Wort gab. Wie die Kinder geboren wurden und wie sie Arthur und Molly zu Großeltern machten. Wie Fred und George ihren Laden eröffneten und sie so viele Lacher bekamen. Wie Ron sein erstes Spiel für Pfützensee machte. Wie er Ron damals mit Felix Felicis überlistet hatte und Hermine deswegen so sauer war. Wie er im Duell mit dem dunklen Lord seine Zauberkraft verlor und er sie durch einen geheimnisvollen, fremden Zauberer zurückgewann. Ja Ron, wir werden den nächsten Schritt gehen und wenn es das letzte ist. Er nahm Hermines Pergament und reichte ihr das seine.

Als sie alle geendet hatten, glitt ein stummer Blick durch die Runde und George brach das Schweigen.

„Hier!“ Er reichte jedem eine Tasse, bevor er sagte: “Wir haben euch erst mal einen Tee gemacht!“. Damit setzten sich die Zwillinge zu ihrer Mutter und versuchten, sie zu beruhigen. Harry stand auf und ging hinaus und Hermine folgte ihm wortlos.

„Molly, Jungs, ich bin gleich wieder da!“, sagte Arthur in einem für ihn günstigen Augenblick. Er ging ebenfalls nach draußen und sah sich nach den beiden um. Arthur ging durch das Gartentor hindurch und um den Fuchsbau herum. Er entdeckte Hermine und Harry, wie sie an dem großen Baum lehnten. Keiner von beiden sagte ein Wort. Sie gaben sich der Stille dieses Ortes hin und lauschten jeder für sich und doch gemeinsam dem leisen Flüstern des Waldes.

Arthur sah die beiden und zögerte letztendlich. Es hatte noch eine kleine Weile Zeit, dachte er und ließ sie allein zurück.

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Beitragvon John Xisor » So 20 Jan, 2008 00:07

26. Harrys Wachtraumzauber


Und hier, am Ende aller Dinge, geschah etwas, das Harry schon nicht mehr für möglich hielt. Er konnte den Baum, an dem lehnte, fühlen. Sein alter, seine Ruhe, seine Zuneigung. Die Blätter flüsterten ihm leise Worte des Trostes ins Ohr und sie waren Balsam für die geschundene Seele des einstigen strahlenden Sterns. Er ließ los und fiel – nein, fiel war das falsche Wort – und er schwebte auf unsichtbaren Flügeln durch ein Sternenmeer. Die Zuversicht strömte durch ihn hindurch und der Glauben, am Ende vielleicht doch noch alles zum Guten wenden zu können. Doch wie sollte er das schaffen? Seine Liebe lag kalt und tot in der Erde. Sein bester Freund hatte einen spektakulären Unfall erlitten. Am Ende waren sie wieder auf der gleichen Seite so wie früher. Jetzt erkannte er das gewaltige Spektrum, das sich ihnen bot und die Schatten, die an ihm vorbeiglitten, versuchten ihn mit sich zu nehmen in ihr Sternenmeer.

War das der nächste Schritt? In Gedanken breitete er die Arme aus – bereit, alles in sich aufzunehmen, was der Moment bot. Vielleicht hatte Ron recht mit dem, was er verlangte, nämlich dass sie zu Jonathan zurückkehren mussten, um weiterzumachen. Die Magie der Schatten. Er konnte sie fühlen. Das war die Macht der Gefühle. Der Wille allein war auch Macht. Hermine hatte es im Zauber-Gamot bewiesen. Jetzt verschwamm sein Sichtfeld. Die Sterne wurden zu Streifen, während er durch das Energiefeld raste und er glaubte, hin und wieder vertraute Gesichter aus der Vergangenheit zu erkennen. Sirius winkte ihm aus dem Dreigestirn zu, während er in seinen Geist daran vorbeizog.

„Wir werden immer um euch sein!“, glaubte er, zwei ach so vertraute Stimmen zu hören. Ron? Ginny? Konnte es wirklich sein? War der Tod nur Traum für die Schatten und jene, die ihre Macht zu kontrollieren vermochten? Voller Sterne. Es ist voller Sterne! Lily und James, Remus und der Verräter. Die Rumtreiber waren wieder vereint. Hier, am Ende aller Dinge. Oder am Anfang? Am Neubeginn! Konnte der alte Fuchs am Ende doch recht haben? Waren sie immer noch die Auserwählten? Haben sich nur die Vorzeichen verändert?

Harry sah Hermine mit einem kleinen Mädchen herumtollen. Sie schien ihn nicht zu bemerken, als er sich den verträumt Spielenden von hinten langsam näherte. Er schritt über eine grüne Wiese unter dem in Azur getauchten Himmel. Jetzt sah er, wie sie sich umdrehte, aufstand und mit der Kleinen an der Hand auf ihn zukam. Als sie ihn erreicht hatte, blieb sie vor ihm stehen und strich ihm mit der Hand liebevoll über die Wange. Er genoss jede Berührung ihrer Finger. Sie waren so zart, so fein, so rein, so unschuldig. Es war das Schönste, was er jemals gefühlt hatte. Konnte es wirklich wahr sein? Er erwiderte mit Verzückung ihre Geste. Später kniete er sich neben die Kleine und sah ihr in die Augen. Sie hatten ein strahlendes Smaragdgrün, genau wie seine, aber knallrote Haare, wie Rons. Also doch in der Magie vereint? Hatten jene uralten Magier, die sie beschworen hatten, hier ihre Finger mit im Spiel? Was wollten sie? Wer waren sie? Woher kamen sie? Wohin gehen sie? Keine Antworten... Doch er würde Antworten bekommen. Von Jonathan! Als Harry zurückkam, war die Umgebung in ein seltsames, blaues Licht getaucht, doch Hermine sah er noch immer neben sich sitzen. Jetzt wandte er sich ihr zu und strich mit seiner Hand über den bereits erkennbar, leicht gewölbten Bauch.

„Sie wird von dir den Namen Kyrainne bekommen!“, stellte er fest und merkte, wie Mine seine Hand festhielt und zustimmend nickte.

„Wir müssen zurückgehen und beenden, was wir angefangen haben. Wir sind es ihnen schuldig. Und uns auch. Es gibt jetzt kein zurück mehr. Keine Wahl.“, sagte sie.

„Nein. Keine Wahl.“, bestätigte er und stand auf. Während ihm Hermine folgte und ins Haus ging, fing ihn Arthur vorher ab und führte ihn weg von den anderen.

Er sah ihn an und bemerkte, dass Harry sich verändert hatte. Seine vormals pechschwarzen Haare hatten silberne Strähnen bekommen. Vor ein paar Tagen konnte er die noch nicht gehabt haben. Doch es war kein Wunder nach allem, was sie durchmachen mussten, dass sich dies irgendwie niederschlug. Arthur wusste nicht, wie er beginnen sollte und so gingen die Männer für längere Zeit einfach schweigend nebeneinander her. Harry war froh, dass einfach nur jemand an seiner Seite war und Arthur schien es genauso zu gehen. Und doch fühlte er, dass Arthur etwas auf dem Herzen hatte, weswegen er unbedingt mit ihm allein sein wollte. Harry dachte schon, dass es damit zusammenhing, was Ron geschrieben hatte, nämlich dass er und Mine zusammenkommen würden, doch dies war ein Trugschluss. Stattdessen ging es noch mal um Rons Unfall, beziehungsweise um die Momente danach, als im St. Mungos alles drunter und drüber ging und niemand etwas sagen konnte. Er bat Harry, Hermine gegenüber vielleicht noch nichts zu erwähnen und Harry nickte, obwohl er erst hören wollte, was Arthur zu sagen hatte. Danach wollte er entscheiden, ob er Mine es vorenthalten durfte oder nicht.

Rons Vater berichtete von dem Gespräch mit dem Heiler, als sie mit dem fremden Zauberer bei ihm waren und dieses Licht erschien. Es war bestätigt, dass Ron bereits tot war, als er eingeliefert wurde. Rein medizinisch war er unmöglich in der Lage, noch irgendetwas zu sagen, geschweige denn zu machen. Er war tot, noch bevor er auf den Boden aufgeschlagen war. Der Klatscher von McLaggen hatte ihm noch im der Luft das Genick gebrochen und dafür gab es keine Heilung. Was immer Jonathan auch mit Ron getan hatte und sei es auch nur für den Augenblick des Abschieds, war mächtiger als der Tod.

Wie hatte er sich ausgedrückt? „Versuchen, seinen Lebensfunken zu schüren?“ hallte Harry in den Ohren. Vermutlich war Ron aber zu schwer verletzt, als dass der Funke ausreichend war, wieder eine starke Flamme zu entfachen. Und Rons Idee Jonathan zu Nevilles Eltern zu bringen war brillant, er hatte zwar nichts mehr davon, aber brillant war sie dennoch. Harry musste es riskieren.

Anschließend wanderten die beiden Männer wieder zurück. Arthur meinte, dass Mine vielleicht im Fuchsbau bleiben sollte, denn sie sollte jetzt auf keinen Fall allein bleiben. Letzterem stimmte Harry zu, doch der Fuchsbau war keine gute Idee. Er schlug vor, dass sie zusammen mit den drei Jungs erst einmal in sein Haus zogen. Da hatte er zwar noch etwas mit sich und seinen Erinnerungen zu kämpfen, doch würde zumindest Hermine etwas zur Ruhe kommen. Das Ministerium und die Londoner Wohnung fielen waren jedenfalls ausgeschlossen und Hogwarts kam auch nicht in Frage. In die Muggelwelt wollten beide nicht gehen, schon der Kinder wegen, die sich dort nicht entfalten konnten.

Sie hatten es tatsächlich wahr gemacht und waren zunächst zu ihm gezogen. Er stellte fest, wie selten sie doch hier waren. Harry kämpfte viel öfter mit den Tränen als er sich das hatte eingestehen wollen. Die erste Nacht weinten sie sich in getrennten Zimmern in den Schlaf. Später zog Harry zu Hermine auf die Couch, nur um nicht ganz allein sein zu müssen.

So wurde es für beide erträglicher, wenn sie in der Dunkelheit die Erinnerung an die Verlorenen überkam.

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Beitragvon John Xisor » Sa 26 Jan, 2008 15:50

27. Was vom Tage übrig blieb



Harry ging tagsüber wieder nach Hogwarts und kümmerte sich um die täglich anfallenden Angelegenheiten. Auch die Unterrichtsstunden in seinem Fach Muggelkunde übernahm er wieder. Nur noch arbeiten – er versuchte sich mit arbeiten abzulenken. Dies wäre ihm vermutlich auch an jedem anderen Ort auf der Welt gelungen, nur nicht hier, an jenem Ort, wo er, Ginny und Ron zusammen zur Schule gegangen waren und ihre halbe Kindheit miteinander verbrachten. Der Ort, wo sie lachten, spielten, weinten und liebten. Hier war alles voller schmerzender Erinnerungen. In jedem Raum hörte er Stimmen aus der Vergangenheit widerhallen. Aus jeder Ecke, dachte er, käme plötzlich Ron hervorgesprungen, um ihn und Ginny zu erschrecken oder um ihm eine Szene zu machen, weil er mit Ginny geknutscht hatte. Sie war doch seine Schwester. Seine Schwester, dachte er und wischte wieder ein paar Tränen weg.

Doch wo sollte er hin? Wieder in die Welt der Muggel flüchten, wie schon einmal? Wenn er das in Betracht zog, würde es dieses Mal keine Rückkehr mehr geben, selbst wenn es bedeutete, dass er nie mehr zaubern durfte. Harry schlug sich den Gedanken aus dem Kopf. Nein, weglaufen kam nicht Frage! Nicht für ihn – nicht für Harry Potter. Das letzte Mal war es anders. Da wollte er nur seine Ruhe haben vor den ganzen aufdringlichen Fragen und den Menschen, die ihm zu seiner unglaublichen Tat gratulieren wollten. Und je länger er darüber nachdachte, desto mehr konnte er all die Leute verstehen, die ihn einst feierten als er nichts zu feiern hatte. Nein, nicht noch einmal! Dieses Mal würde er sich stellen. Er hatte keine Wahl. Hatte er sie jemals?

Er blickte in einen Spiegel und entdeckte jetzt zum ersten Mal bewusst die silbernen Strähnen in seinem einst pechschwarzen Schopf. Er fuhr sich mit seinen Fingern durch das Haar und lächelte. Jetzt zog es ihn wieder zurück in das Büro des Schulleiters, in dem die Portraits der anderen Ehemaligen ihn weiter interessiert beobachteten. Bei dem Gedanken daran, dass sie keine Ahnung hatten, überkam ihn ein wohliger Schauer. So ging es tagelang. Morgens verabschiedete er sich von Hermine und abends kehrte er zurück zu ihr. Meist war er bei seiner abendlichen Rückkehr immer etwas schwermütiger als am Morgen. Die Gespräche mit seiner alten Freundin schienen ihn immer etwas weiter aufzubauen und die Kinder taten ihr übriges dazu bei, dass sich die Stimmung von Tag zu Tag besserte.

Einmal zwischendurch sollte es jedoch noch ganz schlimm werden. Das war der Tag, an dem Harry zusammen mit der Familie Weasley, die vor langer Zeit auch zu seiner Familie geworden war, sehr vielen Freunden und Bekannten seinen besten Freund Ron zu Grabe tragen musste. Doch als auch dieser Tag vorüber war, ging es langsam, aber sicher wieder aufwärts. Harry fragte Hermine, ob er sie ins Ministerium begleiten solle, doch diese lehnte ein wenig verlegen ab. Das konnte und durfte sie noch nicht riskieren, mit Harry in der Öffentlichkeit gesehen zu werden. Sie hatte ein Gesicht zu wahren. Mine erklärte ihm, dass sie Luna gebeten hatte, sie am Tag danach ins Ministerium zu begleiten und war froh, als diese einwilligte.

Kingsley und Madeleine hatten sie bekniet, dass sie sich unbedingt öffentlich zeigen sollte, um Stärke und Entschlossenheit zu demonstrieren. Am Ende hat sie eingesehen, dass ihr Stellvertreter recht hatte und es keinen anderen Weg gab, doch tief in ihr quälte eine fürchterliche Wahrheit ihr Herz. Sie hatte gewusst, dass es einen Ausbruch von Todessern aus dem wiedererrichteten Askaban gegeben hatte, aber auf Anraten des Ordens hin hatte sie geschwiegen. Sie gab sich in gewisser Weise die Mitschuld am Tod ihrer besten Freundin. Wenn sie mit Harry vorher gesprochen hätte, würden Ginny und vielleicht auch Ron noch leben. Im Verlauf der aufgenommenen Ermittlungen hatte McLaggen unter Veritaserum ausgesagt, dass es ein Unfall gewesen sei und er nichts dafür konnte, dass es Ron so unglücklich getroffen hatte, aber die Wirkung des Wahrheitsserums konnte man ausschalten, wenn man vorher den richtigen Trank eingenommen hatte. McLaggens Aussage war ein schwacher Trost für die Witwe, weil sie nicht einmal jemanden hatte, der zur Verantwortung gezogen werden konnte.

Als sie an diesem Morgen die Halle des Ministeriums betrat, wartete Luna bereits auf sie. Diese hatte ihre sonst etwas eigenwilligen Klamotten gegen ein dezentes Kleid in Grautönen getauscht und Hermine fand, dass sie so sehr hübsch aussah. In Anbetracht der Situation war das eine Feststellung, die Mine gern zu einem anderen Anlass gemacht hätte.

„Ich bin froh, dass du bei mir bist!“, sagte sie, als Luna ihr die Hand entgegenstreckte. „Möchtest du einen Lutscher?“, fragte Luna und hielt ihr einen roten Lolly entgegen, den Hermine zu ihrem eigenen Erstaunen dankend annahm und ihn sich in den Mund steckte. „Das ist Zucker pur! Ist gut für die Nerven. Beruhigt!“, fügte Luna erklärend hinzu, doch Frau Minister hatte ihn schon in den Mund gesteckt, lutschte begierig an der süßen Kugel und gab Luna nickend recht. Es war irgendwie beruhigend. Kingsley und Madeleine sahen etwas verwundert drein, als Frau Minister mit dem Lolly im Mund durch die Tür trat, doch allein der Umstand tat sein übriges. Die Anwesenden lächelten sie an, statt nur betreten zu Boden zu starren.

„Da niemand mit mir tauschen will, geht es wohl nicht anders.“, sagte Hermine zu den beiden und sie setzten ihren Weg nun zu viert fort. Zu diesem Zeitpunkt ahnte sie bereits, was sich wenige Minuten später als Bestätigung ihrer Vermutung herausstellen sollte. Man hatte im ganzen Ministerium verkündet, dass Frau Minister sich zur Lage der Gemeinschaft äußern wolle, waswegen alle Angestellten in der großen Halle zusammengekommen waren. Jeder wollte sie sprechen hören. Alle hatten von ihrem letzten Auftritt im Zauber-Gamot gehört und wollten sie nun auch einmal live erleben. Das sollten sie auch! Doch was in Wirklichkeit geschah, konnte niemand beschreiben. Am wenigsten Hermine Weasley selbst. Sie setzte ihre härteste Maske auf und war nicht mehr zu stoppen.

Während sie redete und sowohl die Anwesenden, als auch deren Familien und Angehörigen beschwor, nicht vom Weg des Lichts abzuweichen, spürte sie, wie etwas unbeschreiblich Schönes ihren Worten Flügel verlieh und sie das Gefühl hatte, jeden von ihnen fühlen und verstehen zu können. Für einen flüchtigen Augenblick glaubte sie, die volle Kontrolle zu haben und tat, was ihr später jemand als magisches zustoßen erklären würde. Rein theoretisch. Es durchzuckte sie kurz und war auch schon wieder verschwunden. Nach etwas mehr als einer guten Stunde verbalem Dauerfeuer feierten sie die Anwesenden als das, was sie war: Eine Kriegerin des Lichts. Und als Frau Minister dieses Kompliment zurückgab, versprachen alle, sie nach Kräften bei ihrer Arbeit zu unterstützen. Sie alle verstanden, dass sie auch noch ein wenig Zeit für sich brauchte, um mit der völlig neuen Situation zurechtzukommen. Am Ende jedoch ließ sie sich zu etwas hinreißen, was sie später noch bedauern sollte, doch das würde sie erst feststellen, wenn es soweit war. Jetzt kehrten alle voller Zuversicht an ihre Aufgaben zurück.

Als Harry an diesem Abend nach dem Essen durch die große Halle ging, versperrte ihm Jonathan den Weg. Er hatte schon Angst, der Magier würde für das, was in der letzten Zeit passierte, versuchen, irgendwelche Erklärungen zu finden, doch nichts dergleichen geschah und Harry schien froh darüber, dass er einfach dort weiterzumachen schien, wo sie vor alledem aufgehört hatten.

„Ich habe etwas für dich!“, sagte Jonathan, als Harry ihn bereits interessiert anblickte. “Sagen wir, es ist ein verspätetes Weihnachtsgeschenk…“, sagte Jonathan lächelnd und hielt einen hellfarbenen Zauberstab in die Höhe.

„Was ist das?“, fragte Harry erstaunt, obwohl er durchaus erkannte, dass es sich um einen Stab zum Zaubern handelte. Es war einfach nur so ungewöhnlich, dass ausgerechnet Jonathan ihm einen Zauberstab vor die Nase hielt.

„Keine Kaffeemaschine!“, sagte Jonathan witzelnd und Harre musste das erste Mal sein langem herzlich Lachen, während er wegen der Antwort den Kopf schüttelte. „Willst du es nicht versuchen? Es ist ganz bestimmt der Richtige!“, versicherte Jonathan, als Harry zögerte und meinte, seiner sei aus Stechpalmenholz mit eingelassener Phönixfeder im Kern gewesen, doch der Magier beharrte darauf, dass Harry es versuchen sollte. So ließ er sich schließlich überreden – was sollte den schon passieren, als dass ihm alles um die Ohren flog? Seine Finger glitten um das feine, weiße Holz, als er ihm den feingearbeiteten Stab aus der Hand nahm. „Versuchs!“, forderte Jonathan und Harry wedelte leicht mit dem Stab. Er musste unwillkürlich an seine erste Stunde in Zauberkunst denken. Was hatte Professor Flitwick immer gesagt? Wutschen und wedeln und wutschen und wedeln. Harry spürte einen leichten Luftzug und wurde von sanftem warmem Licht eingeschlossen. Jonathan hatte recht – es war der richtige! „Gib Acht auf ihn! Einen neuen werden wir nicht besorgen können. Der hier ist einmalig!“, sagte Jonathan und als Harry ihn immer noch ungläubig anblickte, erklärte er ihm, dass die zurückliegenden Ereignisse dafür verantwortlich wären, dass er, Harry, nun einen anderen Stab als den seinen verwenden konnte. Ein Patronus konnte sich ja unter bestimmten Voraussetzungen auch ändern. Dies hatte Harry bereits lange vorher erfahren und daher war er jetzt ein wenig sprachlos, bedankte sich jedoch bei ihm und steckte den Stab ein. Noch durfte es ja niemand wirklich wissen.

Im Anschluss begann er eine anfänglich zwanglos erscheinende Unterhaltung mit dem Magier, in der er ihm erzählte, dass Arthur beunruhigt war und dieser ihn gebeten hatte, noch ein paar Dinge im St. Mungos Krankenhaus für magische Verletzungen zu klären. Harry lenkte das Gespräch dahin, dass sich Jonathan anbot, ihn doch begleiten zu können und er stimmte nach anfänglichem Zögern zu. Sie verabredeten sich für den nächsten Morgen gegen elf Uhr und er würde ihn von Zuhause abholen. Harry solle vielleicht die Kinder mitnehmen, schlug Jonathan vor, was er für eine gute Idee hielt, da er sein eigentliches Vorhaben noch weiter verschleiern konnte.

„Wie war dein Tag?“, fragte Harry am Abend, nachdem Hermine relativ zeitig in ihrem derzeitigen Zuhause ankam. „Anstrengend, aber erfolgreich und deiner?“, fragte sie zurück.
Er berichtete ihr von seinem Erlebnis mit dem Magier und von dem neuen Zauberstab, den ihm dieser geschenkt hat. Hermine hatte natürlich auch ihre Zweifel, was das betraf, aber nach einer kleinen Demonstration waren diese beseitigt.

Jetzt fasste sich Mine ein Herz. Zögerlich begann sie zu beichten: „Harry, wir waren immer ehrlich miteinander und ich muss dir etwas sagen…“ Doch was sie Harry im Anschluss offenbarte war nichts, was er nicht schon längst wusste, denn sie erzählte ihm von dem Todesser-Ausbruch und wie der Orden ihr das Versprechen abgenommen hatte, besonders ihm davon nicht zu berichten.

Auch Harry brach an dieser Stelle sein Schweigen über das, was Arthur ihm über Rons Zustand erzählt hatte und auch über den Plan, den er geschmiedet hatte, Rons Idee in die Tat umzusetzen. „Willst du wirklich die Kinder mitnehmen?“, fragte sie, woraufhin er ausdrücklich bejahte. Je mehr Drumherum, desto unverfänglicher würde es aussehen. Erst zu Fred und George, dann zu Florean zum Eisessen und zum Schluss noch ein kleiner Besuch im Krankenhaus.

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Beitragvon John Xisor » Sa 09 Feb, 2008 19:48

28. Alice im Wunderland



Als am nächsten Morgen Jonathan erschien, wurde er sogleich von den Kindern in Beschlag genommen. Bevor er zu Harry und Hermine überhaupt vorgelassen wurde, musste er den Jungs versprechen, ihnen noch ein paar Tricks beizubringen. Er lächelte und versammelte die drei im Halbkreis um sich. „Also gut, dann setzt euch! Am besten im Halbkreis um mich.“, sagte er und zeigte ihnen, was er meinte. Conner, William und James-Sirius folgten seinen Worten und als sie sich im weichen Gras niedergelassen hatten, setzte er sich dazwischen. „Ich hab erfahren, dass ihr schon zauberstablose Magie und Dinge wie den Chamäleon-Zauber beherrscht! Also werden wir uns etwas Schwereres ausdenken müssen, um euch zu beeindrucken, was?“, sagte er lächelnd.

Mine sah aus dem Fenster und winkte Harry zu sich. „Sieh dir das an! Sie haben ihn schon in Beschlag genommen… Ich werde mal rausgehen und ihn erlösen.“, sagte sie, als sie bereits zur Tür ging. Doch bevor sie sie öffnen und hinausgehen konnte, hielt Harry sie zurück und meinte, sie sollten sie ruhig machen lassen und lieber etwas dabei zusehen. Er würde sie schon beschäftigen.

„Was ich euch jetzt zeige, ist normalerweise nur etwas für erwachsene Zauberer!“, erklärte er den gebannt zuhörenden Kindern. “Ihr könnt mit der Magie noch andere Dinge tun. Schneller laufen als andere, größere Höhen überwinden, Dinge sehen, die anderen Augen verborgen bleiben, wenn ihr Ruhe bewahrt und es euch gelingen sollte, die Magie in euch zu bündeln, um Bestimmtes zu erreichen!“, sagte er und konnte die Enttäuschung in den kleinen Gesichtern sehen. „Ich werd’ das prüfen, ob ihr geübt habt!“, meinte er gespielt streng, woraufhin die Jungen ehrfürchtig nickten. „Und jetzt entschuldigt ihr mich sicher… Ich möchte noch einige Angelegenheiten mit euren Eltern besprechen. Das ist doch in Ordnung oder?“, fragte er. Wieder nickten die Kleinen und ließen ihn aufstehen.

„Sieh dir das an… Die fressen ihm aus der Hand!“, sagte Harry erstaunt zu ihr. Hermine erwiderte lediglich: „Wenn du noch mal sechs wärst und dir ein geheimnisvoller Magier Dinge zeigt, die noch nicht einmal dein Vater beherrscht, was würdest du anderes tun, als vor Neugier zu platzen?“ Hermine öffnete Jonathan die Tür und wischte sich noch schnell den Mund ab, bevor sie sagte: „Du kannst gut mit Kindern umgehen!“ Er nickte bestätigend zu und offenbarte: “Ich hab selbst welche! Ein Mädchen und einen angenommenen Jungen. Er wird bald 12 und ist unser ganzer Stolz.“ Jonathan hatte das erste Mal etwas von sich selbst preisgegeben und die beiden hatten das Gefühl, dass er noch mehr mit ihnen teilen wollte. Umso unwohler fühlte sich Harry dabei, dass er plante, Jonathan hinters Licht zu führen. „Hast du…?“, fragte Hermine innehaltend. Der Magier lachte sie an und antwortete auf ihre unvollständige Frage: “Eine Frau? Ja, ich habe eine Gefährtin. Ich liebe sie sehr und sehne den Tag herbei, an dem ich zu ihr zurückkehren kann!“ Er begriff, dass er nicht wie Ollivander bleiben konnte. Oder doch? Und noch einmal anfangen? Aber ohne seine Liebe? Unmöglich!

Mine merkte, dass er nachdenklich wurde und bot daher an, noch ein kleines Frühstück zu machen, bevor sie ging. Ehe er ablehnen konnte, hatte sie auch schon ein paar leckere Sachen herbeigezaubert. „Ich finde, ihr solltet hier vielleicht einmal etwas neues Licht reinbringen. Was meint ihr?“, empfahl Jonathan. „Was meinst du?“, fragte Harry nach, der im ersten Moment nicht verstand, was der Magier meinte. „Harry, ich meine damit, die alten Sachen zu entsorgen. Nicht wegwerfen, aber weglegen und zwar so weglegen, dass Platz für etwas Neues vorhanden ist. Das gilt auch für deine neue Quidditch Sammlung.“

Hermine sah ihn streng an. Es war ihr anzusehen, dass sie es nicht billigte, wie er in ihren Gedanken stöberte, wenn sie nicht Acht gab und frühzeitig eine Mauer errichtete. Doch richtig böse wurde sie in seiner Gegenwart nicht. „Ich weiß um deine Fürsorge, aber du musst bitte lernen, dass man DAS nicht macht! Einfach in andere Gedanken eindringen... Ja? Bitte mach das nicht mehr!“, sagte sie sehr höflich, aber bestimmt. Jonathan sah ein wenig betreten zu Boden, spielte verlegen an seinem Umhang und versprach, sich zu bessern. Da musste sie wieder lächeln.

Harry nahm sie kurz beiseite und er erklärte ihr, dass er eine Unterredung mit dem Orden wünschte. Er fragte sie, ob sie dabei sein wollte, was Mine jedoch verneinte. Doch sie sagte, wenn er die Möglichkeit hätte, soll er in dem Laden richtig aufräumen. Tabula Rasa – reinen Tisch machen! Es war schon lange an der Zeit, dass mal jemand den Mund aufmachte. Sie hatte am Ende bereits wieder Tränen in den Augen, als sie sagte, dass immer erst etwas passieren musste, bevor gehandelt wurde. „Ich hoffe, ich bin stark genug, wenn es darauf ankommt.“, sagte er, woraufhin sie ihm eine Haarsträhne aus dem Gesicht streichelte. „Zwei Kerzen Harry. Wir sind zwei.“, sagte sie und für einen Augenblick war Hermine wieder die Alte.

Bevor es dunkel wurde in ihrer Welt nach dem Unfall im Halbfinale.

Harry erkundigte sich bei Jonathan, ob er vorhatte, die ganzen Essenvorräte zum Frühstück zu verspeisen. Dieser tunkte noch ein Stück Kuchen in den Kaffee, schob sich das ganze Stück in den Mund und signalisierte Bereitschaft zum Aufbruch. Per Flohpulver gelangten sie in die Winkelgasse und suchten hier den Laden der Weasley Zwillinge auf, der wie immer brechend voll war. Man begrüßte sich wie üblich sehr herzlich, obwohl es zu merken war, dass alle von den Ereignissen der letzten Wochen immer noch geschockt waren. Die beiden und ihre Frauen waren auch der Meinung, sich in Arbeit stürzen zu müssen, um die ganze Situation einigermaßen erträglich zu gestalten und um nicht in Selbstmitleid zu versinken. Sie tadelten Harry jetzt ein wenig dafür, dass er sie nicht, nachdem das mit Ginny passiert war, sofort benachrichtigt hatte, doch er erklärte ihnen, er habe ihnen nicht die Flitterwochen versauen wollen. So erfuhren auch die beiden am eigenen Leib, was die Ron und Mine damit meinten, dass Harry immer zuerst an das Wohl der anderen dachte und danach an sein eigenes. Seine Taten waren selbstlos. Er konnte zwar ein sturer Bock sein und war des Öfteren im Unrecht, aber seine Wahrhaftigkeit machte an dieser Stelle vieles wieder wett. Nicht alles, aber einiges.

Während die Kinder schon wieder im hinteren Teil des Ladens verschwanden, schaute sich Jonathan interessiert einige der Artikel an, die im Geschäft angeboten wurden. Hier und da lächelte er belustigt. Fred und George fragten Harry verdutzt, wer das sei und dieser erklärte ihnen einen Teil des Abenteuers um den Magier herum. Natürlich nicht alles, denn sonst hätten sie ihn vermutlich nicht mehr weggelassen und wie eine Zitrone ausgequetscht. Im Übrigen erklärten sie Harry – es sollte eigentlich eine Überraschung sein – dass es gut möglich wäre, Molly bald wieder zur Oma zu machen. Doch angesichts der zurzeit etwas gespannten Situation hatte man mit der freudigen Nachricht noch etwas hinterm Berg halten wollen. Harry verstand das sehr gut. Am Ende ihres Besuches hatte Jonathan ein paar Sachen in den Korb gepackt und war zur Kasse gegangen, doch als Maria kassieren wollte und er “sein“ Geld auf die Theke legte, sahen sie ihn nur verwundert an. „Kann ich damit hier nicht bezahlen?“, fragte er verwundert, als sich die anderen zu ihm gesellten. „Wir haben hier unsere eigene Währung, aber lass mal… Wir schreiben es Harry an!“, lachten sie jetzt, während Harry einen etwas betretenen Blick aufsetzte, denn Harry wusste was das bedeutete. Er konnte es so mitnehmen – wie immer – denn die Zwillinge schrieben ihm nie eine Rechnung.

Als sie zu fünft bei Fortescues saßen, erzählte Harry die Geschichte, wie die Zwillinge zu ihrem Laden gekommen waren und was sie alles anstellen mussten, um ihre Mutter zu überzeugen. Und wie Harry ihnen schließlich den Gewinn aus dem Trimagischen Turnier überließ, damit sie ihren Traum verwirklichen konnten. Dafür, sagten sie, konnte er kommen, wann immer er wollte und soviel mitnehmen, wie er wollte. Jonathan erriet schnell, dass er gerade wegen diesem Angebot selten kam, weil es ihm immer unangenehm war. Aber so war er eben. Das war schon immer Harry Potter. Alles, was er tat, tat er in erster Linie immer für die anderen und danach für sich selbst.

Natürlich hatte Jonathan auch bei Florean Probleme mit dem Bezahlen und so konnte er Florean wenigstes davon überzeugen, ein paar Galleonen für die Eismassen zu nehmen, die der Magier in sich hineinschaufelte, bevor sie zum St. Mungos aufbrachen. Harry und Jonathan hielten die Kindern an den Händen fest, damit sie wie eine Familie wirkten.

Als sie im Krankenhaus ankamen, erkundigte sich Harry an der Information nach dem betreffenden Heiler und nach der Möglichkeit, seine Kinder für einen Moment beaufsichtigt zu wissen. Nach ein paar Minuten kam eine Schwester und holte die Jungen ab. „So, Papa muss jetzt ein paar Dinge in Erfahrung bringen. Ihr seid schön lieb und macht der Tante keinen Kummer.“, sagte er, während Jonathan hinter seinem Rücken Grimassen schnitt, feixte und die Kinder zu giggeln begannen.

„Wir finden ihn in der Station für die Unheilbaren. Dort werden alle Zauberer betreut, die irreparable Fluchschäden davongetragen haben. Ja, so was geht auch.“, erklärte Harry ihm, während sie zu den Aufzügen gingen. Als die beiden auf dem Flur entlangliefen, kamen ihnen einige Patienten entgegen und einen Moment später wurde Jonathan von einem Mann mit hellem, lockigem Haar gefragt, ob er gern ein Autogramm von ihm haben möchte. Schließlich sei er ein berühmter Zauberer, versicherte der Patient, doch bevor Jonathan reagieren konnte, wurde dieser auch schon von einem Pfleger mit den Worten „Die haben alle schon Autogramme, Professorchen!“ wieder auf sein Zimmer gebracht. Doch als Jonathan sich hilfesuchend zu Harry umwandte, winkte ihm dieser bereits vom Ende des Ganges zu, so dass er sich Harry mit schnellem Schritt näherte. Er hatte dem alten Heiler recht schnell die Informationen entlockt, die er brauchte und ihn dazu überredete, Jonathan für einen Moment in Raum nebenan zu bitten, was dieser auch tat. Doch das Zimmer war nicht leer und der Magier begann, sich für die Bewohner zu interessieren.

Es war eine Woche wie jede andere. Ein Tag wie jeder andere. Seit nunmehr fast fünfundzwanzig Jahren besuchte Neville regelmäßig einmal pro Woche seine Eltern im St. Mungos Hospital für magische Krankheiten. Früher begleitete ihn noch seine Oma, doch als diese das Haus nicht mehr verlassen konnte, kam er allein ins Hospiz. Jede Woche lief das gleiche Ritual ab und jede Woche spendete es keinen Trost. Es war so eintönig wie es nur sein konnte. Nichts war schlimmer als zusehen zu müssen, wie die beiden einstigen Auroren des Ministeriums in ihren Betten dahinvegetierten. Dabei hatten sie noch Glück gehabt, versuchte man Neville einzureden. Es hätte auch schlimmer kommen können. Sie hätten getötet werden können, wie die Eltern von Harry. Neville wusste es jedoch schon lange besser. Das hier war schlimmer als der Tod. Seine Eltern wurden von drei Todessern mit dem Cruciatus-Fluch in den Wahnsinn gefoltert, nachdem sie sich geweigert hatten, bestimmte Informationen preiszugeben. Er saß an ihren Betten und die beiden stierten entweder apathisch in die Gegend oder brabbelten wirres Zeug. Zum Ende fast jeden Besuchs schenkte ihm seine Mutter das bunte Einwickelpapier der Drops, die ihr Sohn gerade zuvor noch ausgewickelt und ihr in den sabbernden Mund geschoben hatte. Doch er beklagte sich nicht. Neville kam jede Woche, ganz egal woher, zum Besuch seiner Eltern, obwohl er wahrscheinlich wusste, dass sie ihn nie erkennen würden, solange sie lebten.

Vor ein paar Jahren stellte er ihnen bei einem dieser Besuche Luna vor und erzählte ihnen, dass er sie heiraten würde. Er schwärmte vor seinen Eltern davon, dass sie im Ministerium einen wichtigen Posten bekleidete und dass er selbst nach seinem erfolgreichen Abschluss in Hogwarts in Padua weiterstudieren würde. Er erzählte stolz, dass er jetzt zu den führenden Kräuterkundlern gehörte und in der ganzen Zaubererwelt forschen durfte. Doch egal, was er erzählte, sie reagierten einfach nicht. Sie saßen nur da und blickten ihn an. Manchmal hatte er den Eindruck, als würde seine Mutter etwas sagen wollen, es nur nicht richtig konnte. Er beugte sich dann vor zu ihren Mund und hoffte, dass etwas herauskommen würde und er etwas verstehen könnte. Irgendwas! Doch meistens fing seine Mutter dann nur an, hysterisch zu lachen, so dass sie von den Heilern beruhigt werden musste. Aber heute war es anders. Neville konnte nicht sagen, in welcher Art anders. Es war einfach anders. Er beugte sich zu ihr herab und sah, wie sich ihre Lippen bewegten. Sie versuchten, nach so unendlich langer Zeit Worte zu formen, die er vielleicht verstehen konnte. Neville achtete nicht auf seine Umgebung. Wer gewollt hätte, konnte ihn just in diesem Augeblick ganz leicht erledigen. Er sah aus den Augenwinkeln einen Schatten an sich vorbeihuschen und erschrak, als er sich umwandte und einen fremden Zauberer neben sich erblickte.

Harry verfolgte hinter einer spanischen Wand gebannt die Situation.

In jenem Moment war es, als schwebte ein bunter Vogel durch das Fenster, der sich geradewegs auf das Bettende seiner Eltern niederließ. Neville glaubte, den Schleier schwinden zu sehen, der die Augen der beiden seit Jahrzehnten vernebelte. Konnte das wirklich möglich sein? Jetzt hatte sich auch sein Vater ihm zu gewand. Normalerweise schlief Frank die meiste Zeit oder tat lag nur in seinem Bett. Sie sahen ihn jetzt an, als konnten sie ihn erkennen. Oder etwas erkennen.

Der Zauberer trat in die Mitte der Betten und griff langsam nach den Händen der beiden. Anschließend forderte er Neville auf, ihm seine ebenfalls zu reichen und dieser gehorchte wie paralysiert. Er hatte diesen Mann noch nie zuvor gesehen und doch ging etwas von ihm aus, das nicht in Worte zu fassen war. Es war ein unbeschreibliches Glücksgefühl. Nachdem auch Neville nun seine Hand in die seiner Eltern gelegt hatte, tauchten sie in ein weiches, blaues Licht ein, welches die Beteiligten minutenlang umschloss. Als es verblasste, löste der Fremde seine Hand und sah dabei zu, was als nächstes geschah.

Seine Mutter sah an ihm herab, dann zu ihrem Mann hinüber auf das andere Bett und sie erkannte kaum, was da lag. Auch seinem Vater erging es ähnlich. „Wo sind wir? Frank? Was machen wir hier? Sind sie Neville?“, fragte sie mit zarter Stimme. Heiße Freudentränen schossen in seine Augen, als er merkte, dass sie ihn erkannten. Sein sehnlichster Wunsch war in Erfüllung gegangen. Seine Eltern waren zurück! Dieser Fremde… Er sah sich um und erblickte nur noch einen schwindenden Schatten, doch er konnte noch Fragen, wer der Fremde gewesen war und er hörte eine Stimme in seinem Kopf antworten: „Ein Freund.“

Harry grinste bei der Szenerie, doch es gefror im Augenblick, als Jonathan neben ihm erschien. „Ich hab dich unterschätzt, Harry. Das passiert mir nicht noch einmal.“, sagte Jonathan, aber er erkannte, dass es keine Rolle mehr spielte. Er hatte sich von ihm um den Finger wickeln lassen und war in seine Falle getappt. Dabei hatte ihn der alte Zauberer noch gewarnt. Harry konnte ein Fuchs sein, wenn er wollte, und kam meist damit zum Ziel seiner Wünsche. Persönlich hatte er davon allerdings gar nichts. Und auch hier musste sich Jonathan wieder selbst korrigieren. Natürlich hatte Harry etwas davon! Er hatte ihn dazu gebracht, ihm seine Macht einmal richtig zu demonstrieren. Er hatte es Harry jedoch auch sehr erleichtert, als er ihn gefragt hatte, ob er ihn ins Hospiz begleiten durfte. Arthur meinte nämlich, dass er noch mal mit dem Heiler reden sollte, der Ron gleich nach dem Unfall untersucht hatte und er sagte, dass er noch einen Krankenbesuch machen wollte, wenn er schon mal da war. Was noch fehlte war, dass Harry so was von sich gab wie: Gut gemacht. An dieser Stelle musste er feststellen, dass auch Potter bereits auf dem Schattenpfad wandelte, aber immer mit dem Licht verbunden war. Noch…

Harry ging wie selbstverständlich zur Tagesordnung über und redete einfach drauf los – gab unwichtiges Zeug von sich. Jonathan hätte ihm am liebsten eine kleine Lektion erteilt, doch stellte er fest, dass er ja nur getan hatte, was er wollte, um am Ende zu erkennen, dass es nicht sein Wille war, sondern Harrys. Harry war ein Meister seines Fachs! Ja, er hatte ihn unterschätzt, wusste aber, dass er andersherum auch keine Wahl hatte, als zu so zu handeln, wie er es eben tat und in erster Linie tat er es nicht für sich selbst.

John Xisor
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Beitragvon John Xisor » Di 19 Feb, 2008 17:56

29. Eine Frage der Ehre



Am frühen Abend erreichten sie ihr Zuhause und Harry wollte sich schon von Jonathan verabschieden, als dieser ihn fragte, warum er es getan hatte. Warum hatte er ihn so benutzt? Konnte Potter nicht einfach offen fragen? War das so schwer?

Harry senkte den Blick, denn es tat ihm leid, was er getan hatte, aber tun musste. Es gab einen Unterschied zwischen dem, was er getan hätte und dem, was für jemanden erledigen musste, weil dieser nicht mehr dazu in der Lage war.

„Es war sein Wunsch. Sein letzter. Ich hatte keine Wahl.“, erklärte Harry. Er fügte hinzu, dass er Rons Wunsch zu respektieren und zu erfüllen hatte.

„Rons? Du beweist deinen Freunden wirklich wahre Treue, Harry! Ich kann ganz sicher nicht sagen, dass ich davon begeistert war, aber jetzt kann ich es wenigstens verstehen. Danke, dass du so offen warst.“, sagte Jonathan. Danach versuchte er ihn wieder zum weitermachen zu ermutigen und sagte, dass er und Hermine unbedingt zu ihm zurückkehren sollten, bevor sich die Ereignisse möglicherweise wieder überschlagen würden.

„Ja, Rons Wunsch. Und ich weiß nun endgültig, was ich zu machen habe.“, sagte Harry doch Jonathan versuchte nicht näher herauszubekommen, was Harry meinte. Vermutlich hatte sein Freund noch mehr von ihm verlangt, was Harry nun abarbeitete. Auf seine Frage hin, ob Jonathan noch zum Essen bleiben möchte, gab dieser eine verneinende Antwort, denn er wusste, dass Harry nur aus Höflichkeit fragte und eigentlich erwartete, dass er absagen würde. Und wieder war Jonathan im zu Willen, weil er genau das tat, was Harry erhoffte. Konnte Jonathan auf diesem Gebiet seinen Meister gefunden haben?

Harry sah zu, wie er den Weg hinunter ging und hinter der kleinen Anhöhe verschwand. Anschließend begab er sich ins Haus zu den Kindern und begann, mit ihnen zu spielen. Er merkte schnell, dass diese an den normalen Spielen kein Interesse mehr hatten, denn sie beschäftigten sich viel lieber mit dem, was der Magier ihnen gezeigt hatte. Zur Freude der Kinder machte Harry dabei einfach mit.

Als Hermine an diesem Abend nach Hause kam, war sie ziemlich fertig. Harry zauberte schnell etwas zu Essen auf den Tisch und bestand darauf, dass sie erst etwas zu sich nahm, bevor er sie zu Wort kommen ließ. Schließlich hatte auch er einiges vom Tage zu berichten. Sie war dankbar dafür, dass sich Harry so um sie und die Kinder kümmerte. So hatte sie das Gefühl, manchmal einfach ein wenig abschalten zu können und sie musste nicht ständig an Ron denken. Während sie den Teller leerte, den Harry ihr gereicht hatte, aß sie zwischendurch immer wieder eine Kleinigkeit, was Harry mit einem Lächeln kommentierte und ihr sinngemäß klarmachte, dass sie erst aufzuessen hatte, bevor geredet werden würde. Hier – und nur hier – gab Frau Minister nach. Als sie fertig war und ihm versicherte, satt zu sein, schaffte Harry den Abwasch mit einem Ratzeputz weg. Jetzt signalisierte er ihr seine Bereitschaft zuzuhören.

Mine berichtete von ihrem Tag. Zwischendurch fragte Harry, ob sie daran gedacht hatte, ein Treffen mit dem Orden zu arrangieren, was sie bejahte und dazu bemerkte dass King ihr einen mürrischen Blick zuwarf, als sie ihm erklärte, dass sie selbst an dem Treffen nicht teilnehmen würde. Ansonsten ging es im Augenblick nur noch darum, ob man das Finale absagte oder es, wie sie sich auszudrücken pflegten, einfach durchzog. Das Ministerium hatte damit zwar selbst nicht so viel zu tun, aber man war natürlich auf die Reaktion zu dem Thema gespannt. Hermine hatte an dieser Stelle sehr mit sich zu kämpfen, aber am Ende war sie auch der Meinung, dass es sich um eine sportliche Auseinandersetzung handelte und man sich nicht von solchen Vorfällen einschüchtern lassen durfte.

„King, ich kann nicht. Ich kann es nicht tun. Das schaff ich einfach nicht.“, sagte sie matt, als er von seinem Stuhl aufstand und umherging. „Vielleicht ist das der Preis, den wir für unseren Erfolg zahlen müssen. Wir haben das Angesicht unserer Welt verändert. Außerdem denke ich, Ron würde es wollen. Er würde nicht wollen, dass du dich beugst. Das hat er noch nie. Deshalb und nur deshalb wirst du es können müssen und du hast es vor allen Leuten versprochen.“, sagte er und sie schniefte zustimmend. Sie wusste, dass sie das Versprechen, welches sie im Überschwang der Gefühle gegeben hatte, nicht brechen konnte – nicht brechen durfte oder alles was umsonst gewesen. Wieder einmal hing alles von ihr ab und zum ersten Mal seit sehr langer Zeit hasste sie es.

Er bewunderte sie dafür, bekam aber gleich einen gehörigen Schrecken, als sie sagte, was man von ihr wollte. Sie sollte das Endspiel eröffnen.

„Harry, kannst du an diesem Abend bei mir sein? Ich kann das nicht alleine...“, flüsterte sie, während ihre Augen ihn schon förmlich anflehten. Er nickte zustimmend und ließ sich nicht weiter bitten. Natürlich würde er bei ihr sein, wenn sie es wünschte.

„Und wie war dein Tag?“, fragte sie nun zurück.

„Ich fühl mich schlecht!“, sagte er matt und Mine fragte, was ihm widerfahren war. “Alice und Frank Longbottom sind wieder erwacht. Ich hab Rons letzten Wunsch erfüllt und Jonathan mit einem Trick zu Nevilles Eltern gelockt. Er hat das getan, was Ron vermutet hat. Er hat gezeigt, was er wirklich drauf hat. Ich hab ihn benutzt, um… um…“, sagte er, aber er brachte den letzten Satz nicht zu Ende. „Du hast ihn benutzt, um zu beweisen, dass Ron recht hatte. Hättest du ihn nicht einfach fragen können?“, fragte sie. „Ja vielleicht, aber…“ Hermine beendete seinen Satz und sagte: “Du hattest Angst, er könnte ablehnen und dass seine Gründe durchaus einleuchtend wären. Da hast du beschlossen, ihn zu locken!“ Daraufhin nickte Harry matt.

„Harry, auch wenn das sicher nicht der eleganteste Weg war, hat es ihm zumindest eins gezeigt und das ist meiner Meinung nach auch wichtig! Er weiß jetzt, dass du auf deinem Parkett ein sicherer Tänzer bist. Was kommt als nächstes?“, fragte sie neugierig.

Er berichtete nun von seiner Unterhaltung mit dem Heiler, weswegen er das Krankenhaus eigentlich aufgesucht hatte. Dieser hatte ihm erzählte, dass Ron bereits tot eingeliefert worden war und er medizinisch niemals in der Lage hätte sein können, das zu tun, was er getan hatte. Nur eine alte, sehr starke Magie konnte Ron für die wenigen Momente aus dem Totenreich zurückholen. Der Heiler faselte noch etwas von dunkelmagischen Techniken und dass man den Mann beobachten lassen sollte. Harry pflichtete ihm selbstverständlich bei und versprach, sich um die Angelegenheit zu kümmern. Danach sah er zu, dass er ihn loswurde. Harry hatte erfahren, was in Erfahrung zu bringen war. Im Anschluss lieferte Jonathan selbst den durchschlagenden Beweis.

----------------

Die nächsten Tage bis zum Endspiel vergingen viel zu schnell. Im Ministerium stürzte sich Hermine tagtäglich in Berge von Arbeit und ihre engsten Mitarbeiter begannen bereits, sich wieder Sorgen um sie zu machen. Es war wie vor ein paar Monaten, als sie am Ende einfach zusammengesackt war und Ron sie wegbringen musste. Doch jetzt war niemand da, der sie da wegholte. Hermine war allein und um zu vergessen, schien sie alles zu tun.

Das Treffen mit dem Orden des Phönix nutzte Harry für seine ganz private Abrechnung.

Er sorgte dafür, dass sich die Mitglieder in seinem Büro in Hogwarts trafen und als alle, die es betraf, anwesend waren, kam als letzter Harry Potter. Er schloss die Tür geräuschvoll und redete nicht um den heißen Brei herum. Als erstes warf er den Anwesenden die Heimlichtuerei am Anfang seines fünften Schuljahres vor und hielt allen die Tatsache vor, dass er sich von seinem Mentor hatte benutzen lassen müssen. Er beklagte sich darüber, dass er nicht rechtzeitig ins Licht gesetzt wurde, als es erforderlich war. Der verhängnisvollen Entscheidung, den Ausbruch der Todesser aus Askaban vor ihm zu verheimlichen, kreidete er ihnen ebenfalls an. Er warf ihnen vor, dass Ron und Ginny vielleicht noch leben könnten, wenn sie jetzt geredet hätten. Alastors Versuch, ihn zu beruhigen, scheiterte kläglich. Harry war voll in Fahrt. Zum Abschluss seiner Rede, in der er jeden Widerspruch erbarmungslos auseinanderpflückte, warf er die Anwesenden einen nach dem anderen hinaus.

„Euer Bild hat sich verschoben. Die alten Regeln und Ideale gelten nichts mehr. Ihr macht Politik und arbeitet gegeneinander. Ihr schweigt, wo ihr sprechen solltet und redet, wenn Schweigen geboten ist. Ihr habt euch überlebt. Löst euch auf. Ihr werdet nicht mehr gebraucht!“, waren Harrys abschließenden Worte.

Als alle das Zimmer zum Teil kopfschüttelnd verlassen hatte, griff Harry sich Dumbledores magisches Bild und zertrümmerte es auf der Schreibtischkante.

An diesem Abend kam Hermine wieder spät nach Hause. Harrys Ausbruch gegenüber den Orden hatte sich wie ein Lauffeuer ausgebreitet und war auch ihr bereits zu Ohren gekommen. Doch Mine hob die Hände und fragte jeden, der sie daraufhin ansprach, was man denn nach alledem von Harry und ihr erwarten würde. Dass sie beide vielleicht über diese Art von Entscheidungen glücklich waren und womöglich noch hinter ihnen standen? Nein, das war nicht mehr möglich. Und da Mine nicht so offen gegen die Phönixe opponieren konnte, zog er das für sie ganz selbstverständlich mit durch. Wieder vereint.

----------------------

Am Tag vorher gab es noch Stress mit den an der Abschlussveranstaltung teilnehmenden Mannschaften. Diese drohten zum Teil mit ihrer Abreise, doch am Ende konnten sie sich überzeugen lassen, als Hermine ihnen erklärte, wie wichtig es war, dass sie nicht einfach gingen. Was niemand erahnte war, dass diese daraufhin ihren eigenen Plan entwickelten, wie das Finale abzulaufen hatte.

Ragga, der Kapitän der englischen Mannschaft, traf sich am Vorabend der Eröffnung mit LaBoeuf, dem Boss der Franzosen, um den gefassten Plan noch ein letztes Mal durchzusprechen. „Und ihr seid euch auch sicher, dass ihr das auch wirklich wollt, ja?“, fragte er etwas unsicher. Doch LaBoeuf und die anderen stimmten zu: “Ron war ein guter Sportler. Ein harter, aber fairer Gegner. Es gibt den richtigen und es gibt den schnellen Weg. Unsere Entscheidung steht fest! Was ist mit den Schotten, sind sie noch im Lager?“, fragte LaBoeuf. Ragga bestätigte das. „Sie wissen auch Bescheid und machen mit. Alle! Es wird das beste und vielleicht letzte, aber ganz sicher das härteste Spiel unseres Lebens werden!“, schloss er und die beiden Mannschaften stießen noch ein paar Mal auf Ron an, bevor sie sich still in ihre Quartiere zurückzogen und jeder die Gelegenheit wahrnahm, sich auf den morgigen Tag vorzubereiten, so gut es ging.

Als Hermine, gefolgt von King und einigen anderen aus dem Ministerium, im Stadion ankam, war Harry bereits in der Ministerloge anwesend. Sie umarmten sich kurz, bevor Hermine an die Brüstung trat und sich auf dem Spielfeld umsah. Alle Vorbereitung ihrerseits auf den Abend war dahin. Sie begann wieder zu zittern. Es wäre doch so leicht, dachte sie bei sich. Sie musste nur vorn überkippen. Einfach so. Es waren mindestens hundert Meter, bis sie aufschlagen würde und wenn sie vorher ohnmächtig werden würde, merkte sie es nicht einmal mehr. Da würde Ron auf sie warten. Wie sehr wollte sie doch wieder bei ihm sein. Harry war bereits neben sie getreten und hielt ihren Arm fest. „Denk nicht einmal daran! Die Kinder brauchen ihre Mutter!“, sagte er bestimmend und holte sie zurück. Jetzt sah sie, wie die Mannschaften einer nach dem anderen in das Stadion flogen. Obwohl das übliche Getöse herrschte, wollte keine rechte Stimmung in dem Oval aufkommen. Sie zogen alle eine kurze Show ab und fanden sich dann im Innenraum ein. Die Schotten und einige andere waren ebenfalls in vollem Ornat angetreten. Sie verteilten sich an den Seiten im Rund und warteten. Jetzt nahm Hermine ihren Zauberstab heraus und eröffnete die Weltmeisterschaft mit hörbar gebrochener Stimme. Die Menge johlte erneut auf. Als dann der Kommentator übernahm und der die einzelnen Spieler vorstellte, zuckte Hermine bei jedem Namen zusammen. Die Hüter-Position ließen sie mit Rücksicht auf sie weg. Danach begann das Spiel.

Der Schiedsrichter holte die Kapitäne zusammen, die sich die Hände gaben. Danach stiegen die vierzehn Spieler auf, bevor die Bälle freigegeben wurden. Sie kickten den Quaffel und die Klatscher ein paar Mal hin und her, bis LaBoeuf das Zeichen gab und alle Spieler beider Mannschaften mit den gefangenen Bällen zum Boden zurückkehrten. Alle, bis auf Ragga. Der suchte fieberhaft nach dem goldenen Schnatz. Jetzt entdeckte er ihn, jagte ohne jede Gegenwehr darauf zu und fing den kleinen flatternden Ball. In dem Augenblick, als sich seinen Finger darum schlossen, noch bevor auch ein einziger Jubelschrei ausbrechen konnte, ertönte magisch verstärkt ein einzelner, sonorer Ton – gespielt von einem Dudelsack. Als er landete, stimmten die anderen Schotten mit ihren Instrumenten darin ein. Regga ging zu LaBoeuf. Die beiden Männer sahen sich kurz an, gaben einander die Hand und gingen, gefolgt von ihren Leuten, in Richtung Ministerloge. Als sie die Treppen erreichten, konnte man schon die Melodie erkennen. Dieses Stück kannten alle, egal ob Muggel oder Zauberer. Jetzt setzten auch die Trommler ein und spielten mit, während Ragga und LaBoeuf zielstrebig Schritt für Schritt emporstiegen. Niemand hielt sie auf, so dass die Männer bis zu Hermine gelangten. Als sie vor ihr standen, weinten die beiden sonst so harten Kerle.

LaBoeuf nahm seinen Zauberstab, hielt ihn an seinen Hals und sprach mit magisch verstärkter Stimme: „Es gibt den schnellen und es gibt den richtigen Weg!“ Regga sank auf die Knie und hielt der kleinen Frau den Goldenen Schnatz entgegen, bevor er sagte: „Es war eine Frage der Ehre. Der ist für sie, Ma’am.“

Hermine streckte langsam den Arm aus und schloss währenddessen die Augen. Ron, oh Ron dachte sie, befühlte mit zitternder Hand den kleinen, goldenen, feingliedrigen Ball, bevor sie ihn aus seinen Fingern nahm und ihm ein leises, kaum hörbares „Danke“ entgegenhauchte. Die Männer senkten die Köpfe, als Harry, der ebenfalls seine Gefühle nicht mehr unter Kontrolle hatte, Hermine nach draußen begleitete und dafür sorgte, dass sie zusammen mit Arthur in den Fuchsbau apparierte.

Das ganze Oval sang jetzt das Amazing Grace, welches die Schotten bereits seit wenigen Minuten mit ihren Dudelsäcken spielten.

Das Spiel war zu Ende.

Ihr Leben auch.

John Xisor
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Beitragvon John Xisor » Sa 23 Feb, 2008 13:59

30. Gamma Orionis



Nach dem Spiel war nichts mehr wie es war. Hermine schien wieder wie ausgewechselt. Hatte sie in den Wochen davor den Eindruck hinterlassen, als befände sie sich auf einem Weg in den Normalzustand, hatte sich ihr Zustand nun ins Gegenteil verkehrt. Sie schlief nicht mehr, aß kaum noch und fuhr jeden an, der ihr helfen wollte. Selbst Harry kam nicht mehr an sie heran. Sie hatte sich in sich zurückgezogen und wollte nicht mehr. Ihr Zimmer war unaufgeräumt – alle Sachen lagen über- und untereinander; kreuz und quer. Sie kümmerte sich um nichts mehr. Das einzige, was sie nicht weglegte, war der kleine, goldene Ball, den sie aus der Hand Reggas genommen hatte. Ihn streichelte, liebkoste und beweinte sie. Er war ihr ein und alles. Hermine war an jenem Abend in eine andere Welt getreten.

Als sich Shacklebolt in den nächsten Tagen bei Harry nach ihrem Befinden erkundigte, sollte sich für ihn bestätigen, was er bereits am Abend des Finalspieltages zu erkennen glaubte. Als seine Chefin den goldenen Ball in ihre Hand nahm, zerriss etwas in ihr. Natürlich hatte sich auch Harrys Auftritt vor dem Orden ein paar Tage zuvor bis zu ihm herumgesprochen und so war er umso erstaunter, dass ihn Harry fast wie immer empfing. Freundschaftlich und zuvorkommend, wie er ihn kannte – keine Spur mehr von übermäßiger Gereizt- oder Unausgeglichenheit. King vermutete, dass es aber eher damit zusammenhing, dass er selbst zwar auch im Orden war, aber keine so elementare Rolle bei gewissen Entscheidungen hatte und von daher einfach nicht Harrys Zielgruppe war.

„Kann ich sie sehen?“, fragte er, doch Harry bestätigte nur, was er sich bereits dachte, denn Harry verneinte. „Wie sollen wir denn jetzt ohne sie weitermachen?“, fragte er etwas resignierend und Potter konnte ihm daraufhin einen Rat erteilen. „Am besten, indem ihr in ihrem Geiste weitermacht! So werdet ihr ihren Idealen am ehesten gerecht und sie würde es auch selbst so wollen. Verratet sie nicht, ja? Sie hat mit euch unsere magische Welt verändert und zahlt jetzt den Preis dafür. Lasst es nicht vergeblich gewesen sein und geht den Weg weiter.“, sagte Harry bittend. King glaubte, einen Schatten am Fenster zu erkennen, doch als er hinüber sah, bewegte sich nur die Gardine im Wind.

Die langen, weißen Finger krallten sich in den Sessel, als sich die beiden, fetten Todesser von ihr abwandten. „Ja, meine Getreuen! Geht nun und verkündet unsere Botschaft! Geht nach Hogsmeade und verbreitet das Chaos!“, sagte sie, bevor sie ihren Kopf in den Nacken warf und sich mit einem hohlen Lachen erhob. Endlich! Endlich war es soweit! Jetzt konnte sie daran denken, ihren Meister zu rächen und daran, sein würdiges Erbe anzutreten. Ihr Gesicht war eingefallen, denn die langen Jahre in Askaban hatten ihre Spuren an ihr hinterlassen. Die fahle Haut spannte sich über ihren Wangenknochen. Das Haar war noch immer dunkel und wirr, jedoch mit weißen Streifen durchzogen. Ihre Stimme war keine menschliche mehr, sondern eher ein Kreischen, wie das einer Katze, der auf den Schwanz getreten wurde. Ja, der Tag der Rache war nah! Die Frau erhob sich und stolzierte um den Sessel herum.

„Sie werden zittern, wenn wir mit ihnen fertig sind. Jetzt sind sie reif für die Ernte… und wie wir sie ernten werden! Einer nach dem anderen wird umfallen und sich uns anschließen, genauso wie es einmal war unter dem dunklen Lord.“, krächzte sie zuversichtlich.

Draco teilte zwar nicht ihren ganzen Enthusiasmus, doch er war noch nie ein besonders guter Taktiker. Er verstand eine Sache immer erst dann, wenn man ihn direkt mit der Nase darauf stieß – genau wie sein Vater. Er war arrogant und intrigant, aber am Ende doch leer im Kopf. Ein Malfoy eben… Hatte er nicht noch warten können mit der Blutsverräterin? Was wäre es ihr für ein außerordentliches Vergnügen gewesen, sie noch leiden zu lassen, damit sie sich an den Qualen von Ginny Potter weiden konnte! Nein, da kommt dieser hohle Junge und bringt sie mit den beiden fetten Idioten Crabbe und Golye einfach um. McLaggen hatte sich da schon schlauer angestellt. Die Trottel vom Ministerium hatten es doch tatsächlich mit Veritaserum versucht. Was für Narren sie doch waren! Einfältige Stümper! Glaubten sie wirklich, dass es ein Unfall war? Ein Unfall? Sie konnte sich vor Lachen kaum noch auf den Beinen halten. Natürlich war es keiner. McLaggen hatte ihnen gut gedient und er hatte seinen verdienten Lohn erhalten. „Hab ich recht, Draco?“, fragte sie belustigt klingend.

„Ja, Tante!“, antwortete er fast apathisch, ohne wirklich mitbekommen zu haben, worin er ihr gerade zugestimmt hatte.

„Erzähl es mir, mein Junge. Ich möchte es gern noch einmal hören!“, giftete sie ihn mit gelben, gebleckten Zähnen an.

„Ja, Tante. Wir hatten ihn endlich soweit bestochen, dass er glaubte, er würde in unserer Hierarchie aufsteigen, wenn er den Schlammblut-Liebhaber umbrachte. Ich hätte ja lieber das Schlammblut selbst erledigt!“, erzählte der blonde Todesser.

„Geduld, Junge, Geduld! Du wirst sie schon noch bekommen, deine kleine, schlammblütige Muggelprinzessin. Dann kannst du mir ihr machen, was du willst. Keine Sorge... Wenn es soweit ist, wird sie dich anflehen, ein Ende zu machen. Und Potter darf zusehen, wie du dich über sie hermachst.“, versprach sie ihm großzügig.

„Ja, Tante!“, sagte er, bevor er mit den Augen rollte und sich damit sogleich einen bösen Blick von ihr einfing. Unmerklich zuckte Draco vor ihr zurück, doch sie spürte es und lachte wieder, bevor sie fragte: „Hast auch Angst, was… Kleiner?“ Er schaltete jedoch diesmal schneller und meinte stattdessen „Respekt“, was sie wieder zu einem fiesen, geräuschvollen, keckernden Grinsen brachte.

„Weiter Junge… Was habt ihr dann getan?“, fragte sie geifernd und leckte sich genießerisch die fast weißen, blutleeren Lippen. Die Frau musste jetzt fast siebzig sein.

„Wir haben ihn nach dem Spiel in der Kabine aufgelauert, Tante, und ihm zu seinem großartigen Erfolg gratuliert. Er hat nach dem Trank gegen das Veritaserum gefragt und ihn nach Zahlung einer angemessenen Summe auch erhalten. Später dann, als die Befragung vorbei war, wollte er tatsächlich noch nachträglich verhandeln…“, berichtete er. Jetzt traten ihr fast die Augen aus den dunklen Höhlen, bevor Draco erläuterte: „Er wollte mehr Geld, Tante!“ „Und? Was hat er erhalten, Junge?“, fragte sie neugierig. „Er hatte einen bedauerlichen Unfall mit seinem Rennbesen. Crabbe hat ihm einen Imperius auf den Hals gejagt und er ist dann ganz wie von selbst aufgestiegen und hat in zweitausend Metern Höhe versucht, ob er auch ohne Besen fliegen kann.“, schilderte er trocken. Sie lachte und lachte daraufhin, bevor sie nochmals fragte: „Was dann?“ „Dann, Tante? Dann ist er ganz schnell nach unten geflogen, wie ein Vogel mit einer riesigen Klamotte um den Hals. Seine Reste haben in einen Eimer gepasst, Tante.“, sagte Malfoy kindisch giggelnd. „Und doch weiß ich nicht, ob wir vielleicht noch ein bisschen hätten warten sollen...“, gab er zu bedenken, doch sie klinkte völlig aus.

"Was willst du eigentlich? Es läuft doch alles nach Plan! Die beiden Blutsverräter sind Asche, das Schlammblut ein Wrack und Potter, der Schulleiter von Hogwarts, ist nur ein dreckiger Muggel.“, sagte sie abschätzig. Plötzlich schrie sie ihn an uns sagte: „Diesmal wird uns niemand aufhalten!“

Sie richtete ihren Zauberstab auf ihn und befahl: „Und lass endlich diesen verdammten Tante-Mist! Crucio!"

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Beitragvon John Xisor » Fr 29 Feb, 2008 22:45

31. Chaos



Draco wurde von Bellatrix’ Fluch frontal getroffen und fiel der Länge nach hin. Er schrie aus Leibeskräften und wand sich am Boden, während sie immer weiter lachte und lachte und lachte. Schließlich gab sie ihm den Auftrag, ein wenig in Hogsmeade “aufzuräumen“ und die “Neue Ordnung“ zu verbreiten.

Crabbe und Goyle flankierten Malfoy, während dieser zusammen mit acht anderen, neuen Todessern in dem Ort nahe der Zauberer-Schule apparierte. Sie machten sich nicht mehr die Mühe, sich zu maskieren und ihre Gesichter vor der Öffentlichkeit zu verbergen, denn das hielten sie jetzt nicht mehr für erforderlich. Malfoy riss als erster seinen Zauberstab heraus und schleuderte einen Schwebezauber gegen einen unbeteiligten Passanten, der daraufhin durch die Luft geschleudert wurde. Die anderen lachten und taten es ihm gleich. Plötzlich wurden auch andere Menschen von Flüchen und Zaubern erfasst und durch die Luft katapultiert, doch das wurde schnell langweilig. Jetzt griffen die Todesser richtig an. Die verschiedensten Flüche peitschten durch die Luft und setzten Strassen und Schaufenster in Brand. Menschen, die schreiend aus den brennenden Häusern herausgelaufen kamen, wurden zum Spaß mit dem Cruciatus belegt und die Todesser ergötzten sich daran, wie sie sich am Boden in ihren Qualen wanden. Die jungen Wilden fielen bald im Honigtopf ein und verwüsteten den ganzen Laden. Danach ging es in die drei Besen – einen heben. Tische und Fässer wurden durchgeschüttelt und die Gäste wurden mit allem bespritzt, was nicht schon vorher zu Bruch ging. Einer, der sich schützend vor eine Frau stellen wollte, an denen die Todesser gefallen gefunden hatten, wurde per Todesfluch vom Diesseits in die andere Welt befördert.

„Da, sieh nur! Sie rennen wie die Hasen!“, schrie Malfoy erfreut und jagte einigen Todesflüche auf den Hals, die getroffen über die Theke fielen oder einfach auf ihren Stühlen zusammensackten. Crabbe und Goyle vergnügten sich mit einem weiteren, weiblichen Gast und nach vollbrachter Missetat, um ihr die Schande zu ersparen, bedachten sie diese dämonisch lachend mit dem grünen Blitz. Draco dachte an seinen Vater und dessen Erzählungen aus den „guten, alten Tagen“, wo sie mit viel Geschrei im Namen des dunklen Lords durch die Strasse zogen, um Angst und Schrecken zu verbreiten. Ja, die guten Zeiten waren wieder zurück! Er nahm sich, was er wollte. Bald, sehr bald würden sie ihre Welt verlassen und Muggel jagen gehen. Ein in alter Zeit gut gepflegter Sport. Man suchte sich einen Muggel, entführte ihn in die Zauberwelt und ließ ihn irgendwo im Wald frei. Dann gab man ihm ein oder zwei Stunden Vorsprung, bevor die Jagd begann. Sie endete erst, wenn einer der Zauberer den Muggel erwischt hatte. Wie auch immer... Sein Vater machte sich einen Spaß daraus, den Muggel glauben zu lassen, er könnte entkommen, weswegen er ihm einen Handel anbot. Ging der Muggel darauf ein, führte er ihn an einen “geheimen Ort“, den nur er kannte. Dort warteten dann seine Freunde und gaben dem Schreienden den Rest. Ja, die guten Zeiten waren wieder angebrochen.

Doch es gab etwas, auf das freute sich Draco noch mehr als auf jede Muggeljagd. Er wusste, das Schlammblut auf dem Thron würde ihm gehören. In seinen Gewaltphantasien malte er sich aus, wie er sie langsam, mit ausgeklügelten Foltertechniken, zu Tode brachte, nachdem sie ihm in den kommenden, goldenen Jahren als seine private Sklavin zu Diensten sein würde, wann und wo immer er es wünschte. Allein der Gedanke daran erregte ihn derartig, dass er fast vergaß, weshalb sie hergekommen waren. Er erschrak regelrecht, als Crabbe und Goyle ihn riefen.

„Stupor! Träum nicht! Weiter. Es wartet noch viel Arbeit hier auf uns!“, sagten sie, während ihn seine beiden tumben Spießgesellen anstießen. „Ihr könntet hier mal saubermachen, Pack!“, schrieen sie lachend, bevor sie den Laden verließen, um sich mit den anderen Anhängern auf der Strasse zu vereinen.

„Hier gibt es Ärger!“, schrie einer zu ihnen herüber und wartete darauf, dass man ihm zu Hilfe kam. Die Attacke war nicht lange verborgen geblieben. Aus dem ministerialen Aurorenbüro wurden schnell ein paar Leute zur Abwehr des Schlimmsten geschickt und man lieferte sich jetzt eine offene Straßenschlacht mit dem Gegner. Am Anfang sah es so aus, als ob die Todesser von den Auroren schnell zurückgedrängt wurden, doch als noch Malfoy, Crabbe und Goyle eingriffen und mit grünen Blitzen einen nach dem anderen erledigten, wendete sich rasch das Blatt.

„Morsmorde!“, kreischte Goyle und das dunkle Mal erschien über den Drei Besen, Zonkos Scherzartikel Laden, dem Honigtopf und über der offenen Strasse. Der ganze Ort war in schwarzgrünes Glühen getaucht, als die letzten Auroren unter einem Gewitter aus Todesflüchen zusammenbrachen und ihr Leben auf ihren Knien um Gnade winselnd aushauchten. Immerhin ließ man ihnen die Wahl zwischen sterben oder sich seiner dunklen Herrin anzuschließen. Bedauerlicherweise wählten viele von denen den Tod. Einige jedoch erkannten die Zeichen und liefen zu den Reihen des Feindes über. Sie waren in der Tat die Helden der Stunde – jene Glücklichen, die noch in der Lage waren zu erkennen, dass das wahre Glück im Dienste Bellatrix’ bestand. Man würde sie reich belohnen für ihre Taten. Die Aufnahmeprüfung wurde gleich hier an Ort und Stelle vollzogen. Es liefen noch so viele Gestalten umher, denen sie nur einen Todesfluch auf den Hals jagen mussten. Jene, die es taten, wurden aufgenommen und jene, die es versuchten, sich doch noch gegen die Todesser zu wenden, mussten sterben. Alles in allem war Draco mit diesen letzten Stunden zufrieden. Überall lagen tote Zauberer am Straßenrand, Geschäfte brannten und Menschen rannten schreiend und unkontrolliert durch die Gegend. Sie hatten den Ort richtig aufgemischt – genau so, wie Bellatrix es ihnen befohlen hatte.

Am nächsten Tag waren die Zeitungen voll mit Berichten über den Angriff der Todesser auf Hogsmeade. Man sprach von über fünfzig Toten und noch mehr Verletzten. Das Ausmaß der Verwüstungen wurde als unbeschreiblich betitelt. Im Ministerium verweigerte man jeden Kommentar zu den aktuellen Ereignissen. Zu frisch war noch der frühe Tod des Quidditch-Stars im Halbfinale der Weltmeisterschaft; zu frisch das Erlebnis im Finale; zu frisch der provisorische Minister Shackleboldt im Amt. Er hatte alle Hände voll zu tun, eine Spur von Ruhe zu bewahren, während der Tagesprophet unablässig hetzte. Heute war es Hogsmeade, morgen der unfähige Minister und Übermorgen konnten andere Schuld an der Misere sein. Sie waren führungslos – hoffnungslos.

Es war beispiellos.

Erst jetzt merkten sie, wie sehr ihnen Hermine Weasley wirklich fehlte.

Andere auch.

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Beitragvon John Xisor » Mo 03 Mär, 2008 20:30

32. Rückzug




Natürlich blieb auch Harry nicht verborgen, was in der Welt geschah und wie die neuen Todesser Hogsmeade zugerichtet hatten. Er versuchte Mine anzusprechen, doch er hatte keinen Erfolg. Es war fast, als wäre er Luft. Sie ignorierte ihn komplett. Doch diese Ignoranz beschränkte sich nicht nur auf ihn. Auch ihre Kinder und jeder andere war nicht existent.

Als Harry sie auf der Kinderschaukel hin- und herschwingen sah, hatte er das Bild eines Engels vor sich. Ihr langes, braunes Haar wiegte sich im Wind, während Hermine mit dem Schnatz in den Händen vor sich hinschaukelte. Er ging zu ihr, setzte sich auf den weichen Boden und beobachtete sie eine Weile, so als wartete er auf eine Reaktion ihrerseits, doch nichts geschah. Sie blickte nur leer geradeaus. Jede Freude war aus ihrem Blick gewichen und unablässig rollten Tränen über ihre Wangen.

Den Kindern versuchte er zu erklären, dass ihre Mutter Ruhe brauchte und sie sich deshalb so komisch verhielt. Doch er glaubte durchaus zu erkennen, dass die Kleinen mehr mitbekamen, als er selbst wahrhaben wollte. Später im Fuchsbau berichtete er Molly und Arthur von Hermines immerwährend gleichbleibenden Zustand. Es trat keine Verbesserung ein, aber auch keine Verschlechterung. Molly schlug vor, sich an einen Heiler aus dem St. Mungos zu wenden, doch Harry winkte ab. Er war der Ansicht, man würde sich dort nicht genug um sie kümmern – stattdessen ließe man sie dort nur unter Aufsicht dahinvegetieren und das war nichts, was sie wirklich brauchte. Hermine bedurfte eines Impulses, um wieder aus der Agonie zu erwachen. Je länger er darüber nachdachte, desto sicherer war er sich, dass die Antwort auf die Frage im verbotenen Wald zu finden war. Nur wie sah am Ende die Frage aus? Es gab nur eine Möglichkeit, das herauszufinden.

Da er sich verantwortlich fühlte, ließ er sie fast nie allein. Die Kinder spielten im Garten und Harry beobachtete Mine entweder aus dem Haus, während der Arbeit in den Beeten oder er setzte sich einfach nur ein wenig zu ihr und sprach mit ihr, auch wenn sie scheinbar nicht zuhörte und auch keine Reaktion auf seine Worte zeigte. „Ich habe vorhin mit McGonagall gesprochen“, sagte er. Er legte eine kleine Pause ein, bevor er fortfuhr: “Ich habe sie gefragt, ob sie mich noch weiter vertreten kann und sie hat zugesagt. Irgendwie habe ich den Eindruck, als versuchte sie, etwas wiedergutzumachen. Ich denke, als eine der wenigen hat sie eingesehen, dass nicht alles, was unser Mentor ersonnen hatte, auch wirklich gut für uns war.“

Jetzt wartete Harry wieder ab, ob sich eine Regung zeigte, doch nichts dergleichen war der Fall. Mine stierte mit nassen Augen auf den Boden und streichelte ihren Schnatz. Einmal hatte Harry versucht, ihr den kleinen Ball wegzunehmen und wurde das Opfer einer völlig unkontrollierten Schreiattacke. Es waren keine zusammenhängenden Worte, nur wildes, lautes Gekreische. Danach ließ er sie gewähren und unternahm keine weiteren Versuche in diese Richtung. „Ich muss in Hogwarts noch einige Dinge erledigen, aber ich möchte euch hier nicht allein lassen. Es ist in letzter Zeit zu viel passiert, als dass ich es verantworten kann, euch hier einfach so zurückzulassen!“, log Harry jetzt eiskalt. „Und außerdem möchte ich, wenn die Kinder mich begleiten, dass auch ihre Mutter bei ihnen ist!“, fügte er hinzu und tastete sanft nach ihrer Hand. Für einen winzigen Augenblick überkam ihn der Eindruck, als könne er ein unscheinbares Nicken wahrnehmen, doch der Moment war so schnell vorüber wie er gekommen war. Sie ließ zu, dass er ihre Hand in die seine nahm. Als er langsam aufstand, erhob auch sie sich ohne Widerstand und trottete ihm mit einem leisen Singsang auf den Lippen hinterher.

Es war ein seltsames Bild, was sich da bot. Harry Potter mit einer scheinbar komplett verwirrten Hermine Weasley im Schlepptau, die ihm offensichtlich willenlos folgte. Er fragte sich allerdings unablässig, was sie in ihrem Zustand, wenn man es denn so beschreiben wollte, wirklich vernahm oder gar empfand.

„Na Leute? Alles zusammengepackt?“, fragte er jetzt laut die Kinder und diese bejahten eifrig seine Frage. „Und auch alles schon in der Hosentasche? Mamas Sachen auch?“, erinnerte er aufmerksam. Als die Kinder auch dies bestätigten, versiegelte er das Haus mit einigen Schutzzaubern und nahm die Kinder und Hermine an die Hand, damit sie via Portschlüssel in die große Halle des Schulgeländes reisen konnten. Hier wurden sie alsbald von Minerva und einigen anderen Professoren begrüßt und in die hergerichteten Zimmer geführt. Die Jungen bekamen jeder ein eigenes, während Harry und Hermine zwei direkt nebeneinander liegende bezogen. McGonagall zeigte sich sehr bestürzt über ihren Zustand und fragte Harry, ob Poppy sie sich einmal ansehen dürfte. Nach anfänglichem Zögern stimmte Harry dem schließlich zu. Immerhin hatte er jener begnadeten Hexe, die den Krankenflügel von Hogwarts leitete, auch mehr als einmal seine Gesundheit zu verdanken. „Magst du dich ein wenig hinlegen, Mine?“, fragte er sie und wollte sie schon in das bereitgestellte Zimmer führen, doch sie wollte nicht und ging wie immer wortlos an den anderen vorbei. Ihr Weg schien sie auf direktem Weg in den Schulgarten zu führen. Harry ließ sie gehen und bedeutete auch den anderen, Hermine nicht aufzuhalten oder zu behelligen. Er war schon mehr als froh, dass sie sich hierher so unkompliziert hatte “entführen“ lassen, weshalb er jetzt nicht noch anderes von ihr verlangen wollte – jedenfalls nicht im Augenblick.

In den darauf folgenden Tagen spielte sich zum Teil immer wieder das gleiche Ritual ab. Hermine kam zum Frühstück, wenn alle Schüler bereits fertig waren und in ihren Klassen verschwanden, so dass sie fast allein war. Immer weniger der jeweils Anwesenden nahmen Notiz von ihr. Sie behandelten sie so, wie sie behandelt werden wollte: Wie Luft. Harry hatte es am ersten Tag nach seiner Rückkehr anlässlich des Abendessens gesagt, dass die Zaubereiministerin auf unbestimmte Zeit als Gast im Hause weilen würde und es am besten wäre, wenn man sie nicht weiter beachtete. Einige der Slytherins glucksten bei seinen Worten, doch Professor Snape brachte jeden, der sich an ihr versuchte, mit harten Punktabzügen zur Räson. Und auch, wenn sich die beiden Männer von ganzem Herzen verabscheuten, konnte Harry eine gewisse Bewunderung nicht ganz unterdrücken. Genau wie damals, als er erkannte, auf welcher Seite der Zaubertränkemeister wirklich stand, doch zeigen konnte er es nicht. Im Grunde seines Herzens wusste Snape, dass es Harry genauso ging, wie ihm selbst. In einer stillen Minute nahm Snape ihn beiseite und sagte, dass er ihn zu verstehen glaubte, weshalb Harry jetzt nach all den Jahren gegenüber dem Orden so ausgerastet sei. Er machte ihm aber auch gleichzeitig klar, dass jene nicht anders handeln konnten, so wie auch er selbst und Potter nicht anderes handeln konnten. Harry wusste ganz genau, worauf er damit abzielte. Seine Schuldgefühle wegen Sirius im Ministerium! Die alte Wunde würde niemals heilen, aber jetzt konnte Harry zumindest erkennen, dass weder der eine noch der andere eine andere Wahl hatte. Nicht er, nicht Sirius, nicht Snape, nicht Dumbledore. Keiner!

Madame Pomfrey ging ein paar Mal zu Hermine an den See und besah sie sich einfach nur. Sie wagte es nicht, sie untersuchen zu wollen und so verließ sie sich auf ihr Gespür. Jedoch konnte sie Harry nichts sagen, was der nicht schon selbst vermutete. Hermine ließ niemanden an sich heran. Die Kinder gingen ebenfalls öfter zu ihrer Mutter, um einfach nur bei ihr zu sein und ihr das Gefühl zu geben, nicht allein zu sein. Harry hoffte, dass sie durch diese immer wiederkehrende Nähe derjenigen, die sie von ganzem Herzen liebten, einen Weg zurückfinden würde.

Diese Hoffnung wurde nicht erfüllt, denn sie blieb apathisch



33. Im Wald



Harry wusste, dass er seine Rückkehr zu Jonathan nicht mehr allzu lange hinauszögern konnte. Doch er hatte Furcht davor, ihm in die Augen zu sehen nachdem, was er getan hatte und doch war ihm klar, dass es keinen Sinn hatte wegzulaufen. Er würde dem nicht entkommen können. Irgendwann musste er sich stellen, jedoch war er noch nicht dazu bereit. Im Augenblick konnte er es einfach noch nicht. Hermine brauchte ihn vielleicht und dann war er nicht da wenn sie seiner bedurfte. So erledigte er seine täglichen Arbeiten und hing schwermütig der Vergangenheit nach.

Ginny, oh Ginny, du fehlst mir so sehr – ich kann gar nicht sagen, wie sehr. Ich ertränke mich in Arbeit, nur, um nicht immerzu an dich denken zu müssen. Jeden Tag und jede Nacht wünsche ich mir, dass du bei mir bist und mich überkommt das Verlangen, einfach Schluss zu machen und zu dir zu kommen, um wieder deinen süßen Atem und deine liebevollen Berührungen zu spüren, die ich so sehr vermisse. Warum muss ich stark sein? Warum kann mich nicht auch einfach der süße Schleier des Vergessens übermannen, wie er es mit Hermine getan hat? Vielleicht ist sie jetzt glücklicher in ihrer Welt – jener Irrerealität, die sie für die Wirklichkeit hält und in der Ron immer noch bei ihr ist. Ich sehe sie dahinschweben wie einen Engel und beneide sie. Was soll ich nur tun? Sag mir was? Wird die große Leere jemals für mich enden?

Während er seinen Gedanken nachhing, verschwanden die drei Kinder zum See – dorthin, wo sich Hermine immer zurückzuziehen pflegte. Sie hatten gemeinsam einen verwegenen Plan geschmiedet. Sie wollten in den Wald gehen und nach Jonathan suchen, um ihm ihre Erfolge zu präsentieren und dabei kamen sie auf einen verwegenen Plan.

„Was meinst du, Jim… Ob sie uns bemerkt?“, sagte er und stieß ihn an, während er ihm bedeutete, nicht so schnell aufzuschließen. Doch James-Sirius schüttelte den Kopf. „Ich glaub’ nicht!“, sagte dieser und sie liefen weiter auf sie zu. Hermine hatte sich wie jeden Morgen mit dem Schnatz in den Händen an das Ufer des Schwarzen Sees begeben, um hier den Tag zu verbringen. Sie sprach nicht und sah auch niemanden an, der das Wort an sie richtete. Sie blickte einfach nur über das Wasser zum weit entfernten Ufer hinüber. Als die Kinder sie erreichten, stellten sich die drei hinter sie und beobachteten über ihre Schulter hinweg, wie sie den kleinen goldenen Ball mit den elfenhaften Flügeln streichelte.

„Mama, können wie mit dir reden?“, versuchte es Connor, doch nicht passierte. „Mama, wir wollen in den Wald gehen! Kannst du nicht mitkommen, dann sind wir nicht so allein…“, fügte William hinzu und Jim wartete noch einen Augenblick, bis er sich einfach neben sie setzte und sich an ihre Schulter lehnte. Als Hermine die Wärme des Kindes spürte, begann sie zu schluchzen und die Tränen rollen nun wieder massiver aus den Augen. William nahm ihre Hand in die seine und zog sie sanft nach oben. Hermine folgte der Bewegung und stand tatsächlich auf. Connor nahm nun ihre andere Hand und die drei führten sie zusammen mit James-Sirius, der vorausging, in den verbotenen Wald.

Es dauerte nicht lange, da wurden die vier von Zentauren flankiert, die sie still und schweigend begleiteten, bis sie selbst nicht weitergingen. Den Kindern aber bedeuteten sie, dass diese ohne Gefahr weitergehen konnten. Hier begann das Reich des Magiers, dessen Nähe sie suchten und alsbald fanden. Er lehnte an einem Baum und es sah so aus, als ob er schliefe, doch es sah nur so aus. Jonathan öffnete die Augen und blinzelte im Licht der morgendlichen Sonnenstrahlen, die durch das Dach der Blätter mit sanfter Wärme streichelten. Er lächelte und forderte die Kinder auf, sich zu setzen, was diese auch taten. Mine ließ sich von den Kindern einfach mit herunterziehen.

„Kannst du uns nicht helfen?“, fragte Connor geradeheraus. „Wir möchten unsere Mutter wieder zurück. Sie fehlt uns so sehr!“, weinte der kleine Junge jetzt fast, als Jonathan sie ansah und die Hand vor ihrem Gesicht ein paar Mal hin und her bewegte, doch nichts geschah.

„Ich weiß! Ich weiß, dass sie euch fehlt, aber ich denke, ich kann nicht.“, antwortete er leise und merkte, dass die Jungen darüber enttäuscht waren. „Ich darf nicht…“, fügte er hinzu. „Was ist, wenn ich versage? Dann kommt eure Mutter nie mehr zurück. Das darf ich nicht riskieren. Sie wird nicht mit mir gehen und für immer verschwinden, sollte ich versagen. Wollt ihr wirklich, dass ich es immer noch versuche?“, fragte er leise und ernst. „Wo ist sie denn?“, wollte nun Connor wissen und hoffte auf eine Erklärung des Magiers.

„Sie ist auf einer anderen Bewusstseinsebene. Sie hat sich in der Magie verloren und nur jemand, dem sie blind vertraut, wird vielleicht in der Lage sein, sie zurückzuholen. Ich glaube nicht, dass ich das kann. Es ist eine Art Wachtraum. Der hat aber mit dem Zauber nichts zu tun. Versteht ihr?“, fragte er und obwohl sie nickten, war er sich sicher, dass keine Ahnung hatten, wovon er sprach. „Papa muss es tun, nicht wahr?!“, sagte James-Sirius feststellend und Jonathan stimmte ihm zu. „Ja, ich denke, er ist der einzige, der es kann, wenn er gelernt hat, wie. Sie waren in der Vergangenheit oft eins.“, antwortete der Magier und dachte weiter, dass seine Frau es auch gekonnt hätte, wenn sie denn noch am Leben gewesen wäre. Aber sie hatten alle noch lange nicht genug Zeit miteinander verbracht, um es wirklich hätten anwenden zu können. Ginny und Ron waren auf dem besten Wege sich weiterzuentwickeln, doch dann kamen die so jähen Enden. Mine war eine seiner besten Schülerinnen, die der Magier jemals hatte, doch auch Hermine konnte den Gefühlen nicht trotzen und erlag ihnen schließlich, statt diese zu nutzen. Doch es gab noch Hoffnung! Seine Hoffnung lag nun auf Harry, was Hermine betraf und für die Zukunft auf den Kindern, denn das waren sie. Die Kinder waren die Zukunft der Magie. „Und nun wollen wir doch mal sehen, wie weit ihr gekommen seid, seitdem wir uns das letzte Mal gesehen haben!“, sagte er und hielt ihnen seine Hände, die diese auch ergriffen. „Wir schließen jetzt unsere Augen und befreien den Geist. Lasst einfach los. Denkt an nichts und fühlt die Magie.“, sagte Jonathan leise.

Die Jungen reichten einander die Hände und verfielen schnell in den Zustand, den sie als den Wachtraumzauber beschrieben und erst nach mehreren Stunden kamen sie von der Reise zurück. „Es war phantastisch!“, meinte Will. „Ja? Na dann, wenn es so war, dann zeig uns doch mal, wie gut du klettern kannst“, sagte der Magier lächelnd, der sich nun neben Mine setzte und ihre Hand in die seine nahm. Hermine wehrte sich nicht. Stattdessen versiegten die Tränen und sie begann sich ein wenig zu entspannen. Es machte den Eindruck, als könne sie einen Teil von ihm fühlen und diesem Teil ergab sie sich. Vielleicht sprach er zu ihr in leisen, nur für sie verständlichen Worten, die jenes durchdrangen, was für alle anderen undurchdringlich war.

Will nahm eine starre Haltung ein und plötzlich machte er ein zwei Sätze über die Äste nach oben, drehte sich und sprang in einen andern Baum. Die beiden anderen Jungen folgten schnell ihrem Freund. Es war eine Art magisches Training von Schnelligkeit, gepaart mit gefühlsbetontem handeln. „Seid vorsichtig“, mahnte Jonathan sie, “ihr dürft euch nicht in ihr verlieren. Sie kann eine tückische Braut sein. Sie will euch, sie lockt euch – mit immer neuen Versprechen, aber ihr dürft ihr nicht zu viel geben, sonst erliegt ihr, wie…“ Doch William unterbrach ihn und beendete den Satz mit den Worten: “Wie unsere Mutter!“ Jonathan nickte.

„Muss er Mutter so zurückholen, wie du die Eltern von Mr. Longbottom zurückgeholt hast?“, wollte Connor jetzt wissen. „Ja, so ähnlich!“, antwortete der Magier. „War das schwer für dich?“, bohrte er weiter und Jonathan wurde kryptischer. „Ich wusste, was zu tun war. Eines Tages wirst du es auch wissen, wenn du jetzt schön weiterübst!“, sagte er und brachte den Jungen somit zum Schweigen. Er beobachtete jetzt nur noch, wie sich die Kinder in den Wellen des Windes schneller und schneller bewegten. Sie wurden sichtbar unsichtbar.

Schatten.



34. Merlins vergessene Kinder




Als Jonathan das St. Mungos verlassen hatte, überschlugen sich die Heiler und alle, die glaubten, etwas damit zutun haben zu müssen. Jeder wollte einen Blick auf die beiden werfen. Keiner konnte es glauben, wenn er es nicht mit den eigenen Augen gesehen hatte. Alice und Frank Longbottom saßen aufrecht in ihren Betten und schwatzten wie die Kinder. Zum letzten Male hatten sie sich vor rund 30 Jahren bei Verstand gesehen. Jonathan hatte sie vielleicht zurückgeholt, was er allerdings nicht zurückbringen konnte, waren die verlorenen Jahre, die Freunde, die Familie. Sie ließen unzählige Untersuchungen über sich ergehen, bis Neville zusammen mit Luna eine Entlassung aus dem Krankenhaus erwirkte, denn schließlich ging es beiden gut. So gut, wie es ihnen ging, bevor Bellatrix und ihre Schergen ihrem Glück ein jähes Ende bereiteten und sie in den Wahn folterten.

Neville konnte sein Glück kaum fassen und auch jetzt, nach ein paar Tagen, war er immer noch aus dem Häuschen. Luna hatte alle Hände voll zu tun, ihn am Überschnappen zu hindern. So sehr hatte ihn die Freude um die wundersame Rückkehr seiner Eltern übermannt. Luna bekam vom Ministerium Urlaub wegen der außerordentlichen, familiären Situation und Neville unterbrach seine Forschungen bis auf weiteres. Alles andere konnte jetzt warten.

Der Tagesprophet und der Klitterer waren voll mit Artikeln über die Longbottoms. Jeder kannte sie auf einmal und jeder war auch mit ihnen irgendwann einmal befreundet oder zumindest gut bekannt. Die Zeitungen trieben immer unwahrscheinlichere Theorien und Vermutungen auf, was damals wie heute passiert sein konnte, doch nur Neville selbst kannte die Wahrheit – ein unbekannter Zauberer trat neben das Bett seiner Eltern, nahm deren Hände und weckte sie auf. Der immerwährende Schleier verflog, als ob er nie da gewesen wäre. Und für ein paar Augenblicke war Neville wieder der kleine, unsichere Junge, der voller Angst den Zaubertränke-Unterricht betrat, doch nur für ein paar Augenblicke.

Nachdem er die beiden zu sich und Luna nach Hause geholt hatte, machten sie sich daran, ihnen beizubringen, was in den letzten Jahren alles passiert sei. Sie hatten es ruhig angehen wollen, den beiden Erwachten die Vergangenheit und Gegenwart zu erklären: Dass Harry Potter Voldemort besiegt hatte. Dass man kurzzeitig annahm, Neville selbst könnte der Auserwählte sein und nicht Harry, da ja auch er geboren wurde, als der siebte Monat starb. Doch das zerschlug sich schnell, da der dunkle Lord sich seinen Gegner selbst zeichnete und Harry eine Narbe trug und nicht er. Später kamen dann auch noch andere Mitglieder des Ordens vorbei. Sie fielen sich mit Mad-Eye, Molly und Arthur in die Arme, für die Franks und Alice’ Rückkehr aus dem Reich des lebenden Todes eine willkommene Abwechslung in ihrer eigenen Agonie darstellten, da sie im Laufe der letzten Wochen zwei ihrer Kinder auf so grausame Weise verloren hatten und Hermine ebenfalls auf der Schwelle zum Wahnsinn schwebte.

Frank und Alice konnten kaum glauben, wer alles nicht mehr unter ihnen weilte. Siruis und Remus, die Prewetts, James und Lily, Benjy Fenwick, Bones und schließlich Dumbledore. „Alle tot?“, fragten sie leise und kopfschüttelnd, woraufhin Neville matt bejahte. „Es tut mir Leid, aber es ist leider so.“, antwortete ihr Sohn mit trauriger Stimme. Und dann kam die Frage, vor der er sich am meisten fürchtete. „Und was ist mit ihr? Mit Bellatrix? Ist sie auch tot?“, fragten sie nun fast gemeinsam. Neville schüttelte langsam seinen Kopf, bevor er zugeben musste: „Sie haben sie in Askaban eingesperrt, aber leider ist sie ein paar Mal zwischendurch entkommen. Jetzt auch wieder. Sie ist momentan auf freiem Fuß und verbreitet wieder Unruhe.“ Luna fiel ihm ins Wort und erklärte: „Wir nehmen zumindest an, dass sie dahinter steckt. Sie und ein paar andere, neue Todesser. Und sie morden wieder.“

„Neville, Luna, hört mir zu! Es mag euch phantastisch vorkommen…“, begann sie, doch er winkte ab und meinte, seitdem er mit Luna zusammen war, wäre ihm wenig wirklich seltsam vorgekommen.

„Wir müssen nach Hogwarts gehen. Wir alle vier!“, sagte seine Mutter und Neville zeigte sich nun doch etwas erstaunt. „Nach Hogwarts?“, fragte er nach. „Ja, nach Hogwarts in den verbotenen Wald. Wir werden dort erwartet.“, meinte sie voller Zuversicht, doch im ersten Moment verstand er nicht. „Erwartet?“, fragt er ungläubig nach. „Ja, er wartet auf uns!“, sprach Alice lächelnd weiter. „Mutter, was weißt du von ihm? Du meinst doch den, der euch zurückgeholt hat oder?“, fragte ihr Sohn nun bestimmter und seine Eltern stimmten zu. „Er ist ein Sternenmagier und er ist gekommen, um zu teilen, mein Junge.“, sagte sie. „Ein Sternenmagier?“, wiederholte er verdutzt und sah hilfesuchend zu Luna hinüber, die daraufhin nur nickte. „Hermine und Harry haben ihn in vor einigen Monaten in Padua beschworen!“, sagte Luna. Sie steckte sich wieder einen von ihren roten Lollys in den Mund, um danach fortzufahren: „Er ist nicht für uns gekommen!“ Alice war mit dieser Aussage gar nicht einverstanden. Sie versuchte weiterhin, die anderen vom Gegenteil zu überzeugen, doch ohne Erfolg. Luna blieb stur und Neville folgte in diesem Punkt seiner Frau. Zum einen, weil sie in solchen Dingen das weitaus bessere Gespür hatte und zum anderen, weil er sich nicht einmischen wollte. Natürlich tat es ihm leid, dass er seinen Eltern diesen Wunsch nicht erfüllen konnte und er fragte sich schon, wann sie wieder so beisammen sein würden, es einfach allein zu tun – ohne ihre besserwisserischen Kinder zu fragen. Neville kam zu dem Schluss dass es bald sein würde. Später am Tag kam wieder MadEye vorbei, um sie zu einem Ordenstreffen mitzunehmen. Er besprach es kurz mit Luna, die dem widerwillig zustimmte. Danach gingen die drei.

„Was ist?“, wollte Neville nun wissen.

„Sie werden mit ihren Erfahrungen nicht lange hinter dem Berg halten und bald werden noch mehr als nur die beiden in den Wald aufbrechen, um nach dem Magier zu suchen, der sie zurückgebracht hat. Ich hab’ kein gutes Gefühl bei dem Gedanken daran, dass sich eine Horde selbsternannter Hüter der Ordnung auf die Suche nach ihm macht.“, antwortete Luna.

„Luna, wie kannst du so etwas sagen?“, warf er ihr kleinlaut vor.

„Ich mag vielleicht nicht dabei gewesen sein, Neville, aber Harry hat recht – ihr Bild ist verschoben! Es ist schon lange vorbei mit den wahren Zielen. Wir haben es nur nicht gesehen oder nicht sehen wollen. Wir haben Harry schon einmal vertraut, damals in Hogwarts, weißt du noch? Wir dürfen nicht zulassen, dass sich etwas dazwischen schiebt. Sie sind unsere Freunde! Freundschaft sollte kein Misstrauen kennen. Ich werde nicht dahingehen und das solltest du auch nicht. Wenn sie uns brauchen werden wir da sein. Wie früher. Aber nicht vorher.“, erwiderte seine Frau.

„Jetzt ist mit völlig klar, warum sie dich zur Leiterin der Mysterienabteilung gemacht hat!“, sagte er und strich Luna eine blonde Strähne aus dem Gesicht. Manchmal war sie eben selbst eines der Mysterien.





35. Quo vadis?


Als es Abend wurde und sowohl die Kinder als auch Hermine noch nicht zurück waren, begann Harry, sich Sorgen zu machen. Tief in seinem Innern wusste er, dass er nicht mehr weglaufen konnte. Harry hatte Jonathan eine Falle gestellt und jetzt rief er ihn zu sich. Was war, wenn er nicht kam? Wären die Jungen und Mine verloren? Harry spielte in Gedanken bereits das nächste Horrorszenario durch und kam zu dem Ergebnis: Er war der letzte. Er musste gehen. Jetzt!

Es war angenehm kühl als Harry den Wald betrat und er in einiger Entfernung die Zentauren ausmachen konnte. Doch diesmal näherten sie sich nicht. Seine Füße trugen ihn Schritt um Schritt tiefer in das Dickicht hinein, bis er zu der Lichtung kam, auf der sie zum ersten Mal, es schien fast Jahre her zu sein und doch waren es erst wenige Monate, Jonathan begegnet waren. Hier herrschte eine seltsame Ruhe, von der auch er erfasst wurde. Der Ort war der Platz, an dem der Magier beschlossen hatte, sich niederzulassen. Dies war sein Reich mitten im verbotenen Wald, der nicht mehr länger verboten war. Niemand war zu sehen, jedenfalls nicht auf den ersten Blick. Harry spürte, wie ihn ein paar Luftzüge streiften und er konnte einige Schemen zwischen den Bäumen ausmachen, die er nach einigen Augenblicken als die drei Jungen identifizieren konnte.

„Da seid ihr ja. Meint ihr nicht, dass es langsam Zeit wird, zum Essen zu gehen und danach ins Bett?“, fragte er leise, aber die Kinder schüttelten den Kopf. Sie wollten bleiben. Erst nachdem Harry ihnen sagte, dass sie doch Morgen und in den kommenden Tagen wiederkommen durften, waren sie bereit, den Wald zu verlassen und ihn allein zu lassen. Wen er nicht entdecken konnte, war Hermine. Wo war sie? Und wo war Jonathan? Er ging um die hohen Bäume herum, hob den Kopf und blickte in das dichte Blätterdach, welches sich über ihm erstreckte. Jetzt rief er ein paar Mal nach Hermine, doch niemand antwortete. War sie denn überhaupt dort? Sie konnte doch auch genauso gut immer noch am Ufer des schwarzen Sees sitzen und dem leisen branden der Wellen zusehen. Harry lehnte sich an einen der Riesen und begann, seinen Kopf von allen Gedanken zu leeren. Er hatte keine Ahnung, warum er dies gerade jetzt tat. Seine Augenlider wurden schwerer, bis sie ihm zufielen und er in der Ferne eine bekannte Stimme hören konnte. Hatte ihn der Wachtraumzauber erfasst?

„Endlich!“, glaubte er, Jonathans beruhigende Stimme zu hören.

„Warum kommst du erst jetzt? Erst so spät?“, fragte sie weiter und Harry dachte mehr als er sprach.

„Sagen wir, ich war nicht begeistert, aber ich hätte damit rechnen müssen, Harry. Mein Fehler.“, sagte die vertraute Stimme.

Als nächstes wollte er wissen, wo sich Mine verbarg und der Magier erklärte ihm, dass er sie vor allzu neugierigen Augen verschwinden lassen musste, doch er, Harry, würde sie als bald sehen können. „Bin ich bereit?“, fragte er den Magier und dieser fragte ihn zurück, warum er sich und seine wirklichen Fähigkeiten so lange verleugnet hatte. Jedes Kind wusste doch, dass Harry Potter einer, wen nicht sogar der mächtigste Zauberer aller Zeiten war. Warum hatte er es verkümmern lassen? Vielleicht, so versuchte er sich zu erklären, hatte er Angst vor dem, was er war – was er hätte werden können.
„Wie Voldemort?“, fragte Harry

„Tom Riddle, Harry, hatte Angst vor dem Tod und hat versucht, diesen mit magischen Mitteln auszutricksen. Dabei ist er, wenn man das so nennen kann, auf die schiefe Bahn geraten und abgerutscht. Ihm fehlten Dinge, von denen du mehr als genug hast.“, versicherte Jonathan ihm.

Es dauerte nicht lange, da konnte Harry Mine im weichen Laub sitzen sehen. Seine Kräfte schwollen an und er begleitete Jonathan auf der Reise durch die magische Welt – auch in jenes Land, aus dem der fremde Magier selbst kam. In den nächsten Wochen begab sich Harry jeden Abend für einige Stunden in den Wald, um von ihm aus den Pfad der Schatten zu lernen und auch der Magier selbst konnte sich einiges von Harry beibringen lassen.

An einem dieser Abende tauchten andere auf, die von Jonathan nicht eingeladen waren. Der Orden des Phönix kam mit Alice, Frank und einigen anderen zu Besuch. Ein Besuch, auf den Harry gern verzichtet hätte, doch der Magier wertete es für Harry als Test, denn die anderen Zauberer standen zwar direkt vor ihnen, doch weder sahen noch hörten sie die anderen.

Harry kam hinter einem Baum hervor. Er war nicht ärgerlich, so wie er es vorhergesehen hatte. Er blieb ganz ruhig und leise. Keine Spur von Erregung überkam in dieser Situation.

„James Potter! Es ist unglaublich! Wie hast du es geschafft, so jung zu bleiben?“, fragte Frank. Neville nahm seinen Vater ein Stück beiseite und erklärte ihm, dass dies sein Sohn war. Dies war Harry Potter! Er drückte sich die Hand in den Mund und konnte kaum glauben, was seine Augen sahen. Das war nicht James? Sondern Harry? Harry Potter? Und er war schon jetzt älter, als sie damals, bevor es passierte.

Neville näherte sich ihm und versuchte, die Anwesenheit der anderen zu erklären, doch Harry winkte ab. Er meinte stattdessen, es sei sogar gut, dass sie hergekommen waren. Jetzt ging er mit ihm zu Luna, die sich im Laub niedergelassen hatte. Er beobachtete sie und konnte erkennen, dass sich ihre Lippen bewegten. Sie schien mit jemandem zu sprechen und Harry wusste, dass sie mit Mine redete und sie sie, im Gegensatz zu den anderen, sogar sehen konnte. Er drehte sich um und erblickte nun Jonathan, der jedoch verneinend den Kopf schüttelte. Er ließ Harry wissen, dass die Zeit für diesen Schritt noch nicht reif war. Noch nicht. Aber der Moment würde bald kommen. Bald! Luna sah Harry an und wusste, dass es Zeit war, ihn wieder zu verlassen. Sie hatte es ohnehin nicht gutgeheißen herzukommen, wollte aber dann auch nicht, dass die anderen allein herkamen und schloss sich ihnen daher widerwillig an. Jetzt konnte sie seine Eltern davon überzeugen, dass es besser war, wenn sie wieder gingen und nach einigen Wortwechseln entfernten sich die ungebetenen Besucher.

„Danke Luna!“, rief er ihr noch hinterher, doch sie hörte ihn schon nicht mehr. Harry trat wieder in den Wachtraumzauber ein und folgte Jonathans Worten, die ihm den Pfad der Schatten lehrten und zum Licht führten – ganz so, wie es die Freunde von Anfang an vorhatten. Anders war, dass sie nun zu zweit waren. Nur er und Jonathan und nicht mehr zu fünft. Dies war auch etwas, dass Harry immer wieder betrübte, was er auch mehrfach zum Ausdruck brachte. Er hätte allerdings ahnen müssen, dass Jonathan auch für diesen Punkt eine Lösung zu haben schien. Über Tag die Kinder und in den Abendstunden er. Mine war immer still dabei. Der Magier erklärte Harry allerdings, dass sie ihnen auch folgen würde. Es war nur ganz anders.

„Ich hätte mir gewünscht, dass wir es zu viert schafften! Mit Mine, Ron und Ginny. Nicht ich allein. Denn das bin ich nun – allein.“, sagte Harry betrübt.

„Wirklich? Nehmen wir mal an, Harry…“, jetzt war er da, wo er ihn haben wollte.

Harry Potter hatte noch keine Ahnung, dass der Magier seinen letzten Kampf beschwor, nämlich den mit sich selbst. Mit seinem Gewissen. Konnte er das Schicksal ändern? Wollte er es überhaupt ändern? Was sollte er annehmen?

„Es wäre möglich, dein Schicksal zu ändern! Was würdest du tun? Welche Entscheidungen würdest du anders treffen? Könntest du dir selbst begegnen, ohne dem Wahnsinn zu verfallen? Wärst du in der Lage, Hermine in einem Traum zu weissagen von der Geschichte der Dinge, die da kommen werden und sie damit ändern? Könntest du töten, um sie zu retten? Aber bedenke, du würdest vielleicht auch gute Dinge ändern! Wenn Ron nicht stürbe, würde niemand mit dem Heiler reden wollen und ich wäre nicht in das Krankenhaus gegangen. Nevilles Eltern könnten noch immer dahinvegetieren, doch du hättest die Chance mich zu fragen. Es würde kein Erlebnis in Padua geben zwischen dir und ihr. Hermine würde dir vielleicht nie gehören. Kannst du das, Harry? Die andere Variante ist: Du setzt ein, was du hier gelernt hast, stößt zu, bringst sie zurück und werdet vielleicht glücklich, bis ans Ende eurer Tage.“, philosophierte der Magier.

Jonathan hielt ihm den Zeitumkehrer vor die Nase, den er einst von Ollivander erhalten hatte.

„Quo vadis, Harry Potter. Wohin gehst du?“, fragte er mit mysteriösem Unterton.



36. Das Herz des Löwen



Wenn er auch glaube, dass nichts mehr ihn schocken könne, so irrte er auch in diesem Punkt. Er hatte den Magier zum Tanz aufgefordert und dieser übernahm nun die Führung. Mit allem hatte Harry gerechnet, aber nicht damit. Er hielt ihm dieses kleine Ding mit dem kleinen, drehbaren Stundenglas in der Mitte hin und offerierte eine Möglichkeit, die Dinge zum Guten zu wenden. Zum Guten! Aber was war das Gute? Harry erkannte das Wagnis des Schattenpfades. Immer auf Messers Schneide. Konnte er das? Immer zwischen Leben und Tod. Zwischen Recht und Rache. Licht und Dunkelheit. Sein Blick glitt von Jonathan hinüber zu Hermine, die am Baum sitzend mit leisem Singsang einer Blüte die Blätter ausriss und wie in dem Kinderreim “Sie liebt mich, sie liebt mich nicht“ fallen ließ. Was konnten sie werden? Was waren sie schon? Wozu kam er? Was wollte er? Wohin ging er? Wohin muss ich gehen? Waren alle seine Entscheidungen denn am Ende falsch? Hatte er Ginnys und auch Rons Tod am Ende mitzuverantworten? Konnte es eine Möglichkeit geben, die Entscheidungen rückgängig zu machen und ihre Leben zu retten? Aber was wird dann aus Hermine? Was wird mit seiner Liebe zu ihr? Musste er sie aufgeben, um sie zu retten? Vielleicht konnte es aber auch sein, das sie in Wirklichkeit der Schlüssel war. Konnte er wirklich daran denken, ihr das aufzubürden?

Seine Hand zitterte als er den Zeitumkehrer aus seiner Hand nahm und ihn betrachtete. Harry sagte nichts mehr. Er steckte ihn ein, ging zu Hermine und fasste sie behutsam an der Hand, um mit ihr wegzugehen. Was sollte er tun? Es raste durch seinen Kopf. Jonathan hatte gewonnen.

Harry führte Hermine in ihr Zimmer und setzte sich neben sie, während sie in ihr Bettchen stieg. Was, wenn beides geht? Er hatte gesagt, ich könnte sie zurückholen und mit ihr glücklich werden. Was, wenn ich sie zurückhole und wir gemeinsam einen Plan schmieden, gleich so, wie wir es früher auch getan hatten. Immer zusammen. Ja, das schien ihm eine wahrscheinlichere Lösung des Ganzen zu sein. Harry blieb noch einen Moment bei ihr, um zu warten, bis sie eingeschlafen war, danach kehrte er in seinen Raum zurück, legte sich in sein Bett und schlief nach fast endlosem Durchspielen verschiedenster Möglichkeiten irgendwann ein.

Am nächsten Tag ging Hermine wieder mit den Kindern zum See und verbrachte fast den ganzen Tag dort am Ufer. Es war eine seltsame Sache, doch das fiel ihm erst später auf. Sie gingen zum See. Nicht in den Wald, so wie in den Wochen zuvor. Harry wusste, etwas war passiert. Jonathan schien nichts mehr sagen zu wollen. Er versuchte, keinen Kontakt mehr mit ihnen herzustellen. Warum nicht? Harry konnte sich die Frage selbst beantworten. Er war jetzt am Zug. Seine Entscheidung war gefallen.

Gegen Nachmittag, als der Unterricht beendet war und die Kinder das Schulgebäude verließen, packte Harry ein paar Sachen ein und ging in den Astronomieturm. Heute wollte er es wagen! Keinen Tag Aufschub mehr. Warum auch? Er zauberte mit seinem neuen Stab den Raum so, wie er glaubte, dass es Mine gefallen würde, wenn sie es denn bewusst sehen könnte. Die Wände hatten nun einen warmen orangefarbenen Ton und an den Seiten loderten kleine, magische Feuer, die leuchteten, doch nichts verbrannten. Ein Himmelbett für zwei erschien in der Mitte und Harry hoffte, dass sie es nicht falsch verstand und ihm vertraute. Immerhin wusste er zwar, was er tun musste, doch nicht, was ihn erwarten würde. Wie war es, eine Persönlichkeit in einem anderen finden zu müssen? Jonathan sprach davon, dass er seinen Gefühlen vertrauen musste – eine andere Wahl als das hatte er auch nicht mehr. Nach etwa zwei Stunden war Harry mit seinen Vorbereitungen fertig. Er öffnete die Tür und wollte nun Hermine zu sich holen, doch das brauchte er nicht mehr. Die Kinder standen mit ihr im Schlepptau bereits vor ihm.

„Wirst du jetzt Mama wieder wecken?“, fragten Connor und William fast aus einem Mund und Harry nickte ihnen lächelnd zu. Die Jungen schienen nicht den geringsten Zweifel daran zu haben, dass ihm gelingen würde, was er vorhatte. Aber woher wussten sie überhaupt, dass er etwas Derartiges vorhatte? Wieder kam er zu dem Schluss, dass die Kleinen schon weit mehr von dem Magier erlernt hatten, als er es hatte zugeben wollen. Sie waren reine Wesen; hatten ihr ganzes Leben noch vor sich. Mussten noch keine Entscheidungen auf Leben und Tod treffen. Mussten noch keinem dunklen Magier wie Voldemort die Stirn bieten. Sie waren frei von alledem. Er hatte sie nicht zufällig ausgewählt. Genau deshalb hatte er entschieden, auch ihnen zu geben, was für uns bestimmt war. Sie waren so arglos, die Kleinen. Nachdem wir ihm unser Vertrauen schenkten, sahen sie keinen Grund, es nicht auch zu tun. Und was er ihnen beigebracht haben muss... Sie konnten die Dinge bereits sehen, bevor sie geschahen. Sie kamen mit ihrer Mutter hierherauf, bevor ich sie holen konnte. Er nahm ihre Hand aus Wills und ging mit ihr in das Zimmer, welches dem Turm selbst vorgelagert war. Die Jungen blieben stehen und schlossen die Tür von außen, ohne dass Harry etwas sagen oder gar tun musste. Wie weit sie waren! Was Harry jedoch nicht mehr sah war, dass die Jungen sich in eine Ecke an der Tür zurückzogen, sich auf den Boden setzten und einander an den Händen nahmen. „Bereit?“, fragte James-Sirius und die anderen stimmten ihm zu. „Aber still! Erst wenn es wirklich sein muss!“, sagte nun Will. Die Jungen leerten ihren Geist und stießen zu, so wie sie es von Jonathan gelernt hatten. Sie stellten sich vor, wie sie in die Gedanken ihrer Mutter eindrangen und verhielten sich, wie verabredet, still. Sie warteten.

Hermine ließ sich von Harry an das Himmelbett führen. Sie setzte sich in den Schneidersitz und hielt ihre Hände vor sich, als wolle sie ihm sagen, er solle einfach zugreifen. Er folgte ihr in die gleiche Sitzposition und war so bereit, wie es nur ging. Als er ihre Hände nahm, die Augen schloss und das tat, was Jonathan als „zustoßen“ bezeichnete, er jedoch als fortgeschrittene Legilimentik kannte. Oder ein Mittelding aus beidem.

Fast wie von selbst konnte er jetzt mit seinen Gedanken die ihren erfühlen. Sie hatte ihn erwartet. Die Reise führte ihn in ihr Wesen. Einmal noch durchzuckte ihn die Annahme, dass es sich hierbei um einen weiteren Test handeln könnte. Doch sollte ihm hier auch Jonathan selbst begegnen, der verneinte. Es hätte nur einen Versuch gegeben und er durfte diesen nicht unternehmen. Es waren Dinge, die Hermine mit dem Magier erlebte, als die Kinder sie mit in den Wald genommen hatten. Jetzt nahm das Tempo zu. Sein Geist raste durch ihren Verstand auf der Suche nach ihr. Harry erblickte die Stationen ihres Lebens und fühlte, was sie fühlte. Es war eine Himmelsmacht. Und es war seine Macht. Sie wollte sich teilen und zerbrach daran. Als er sie schließlich fand, sah es so aus, als schliefe sie nur. Hermine lag da wie ein Engel. So rein und so unschuldig. Er näherte sich ihr, setzte sich auf die Bettkante und strich ihr eine Strähne ihres braunen Haares aus dem Gesicht. Sie zuckte und öffnete die Augen. „Was tust du hier?“, sagte sie in seinem Kopf und er antwortete mit leisen Gedanken, dass er habe kommen müssen, um sie zurückzubringen – zurück zu ihren Kindern. Zurück in die Welt die, sie braucht. Zurück zu ihm. Und Ron? Was war mit Ron? Hier war sie doch immer bei ihm und er bei ihr. Sie wollte ihn nicht aufgeben und in purer Erinnerung zurücklassen müssen. Sie wollte bei ihm bleiben – ihn nicht verlassen. Und als auch Harry fürchtete, hier nicht bestehen zu können, sollte er unerwartete Hilfe erhalten. Die drei Jungen tauchen einer nach dem anderen an ihrem Bett auf. Sie sagten nichts, sondern blieben nur dort stehen. Erst in ihrer Gegenwart erkannte Hermine, dass es ihre Bestimmung war, bei ihnen zu sein; und nicht bei den Geistern vergangner Zeiten. Dein Platz ist in unserer Welt, Mine! In unserer! Und als Harry ihr seine Hand hinhielt, zögerte sie noch einen Augenblick, doch am Ende griff sie zu und ließ sich von ihm aus dem leeren Raum hinausführen.

Als sie ihre Augen aufschlug, saß Harry immer noch vor ihr und hatte ihre Hände in den seinen. Die Augen geschlossen.

„Harry?“, fragte sie erst leise. Dann noch ein Mal, diesmal etwas lauter: “Harry?“ Sie begann sich aus seinem Griff lösen zu wollen, doch er hielt sie weiter fest. „HARRY!“, schrie sie ihn jetzt an und merkte, wie sich der eiserne Griff seiner Finger löste, er erschöpft zur Seite kippte und auf den Kissen landete. Sie drehte ihn um und wischte ihm mit den weichen Ärmeln den Schweiß von der Stirn. „Harry! Harry, wach auf! Tu mir das nicht an! Du hast mich doch nicht aus diesem bodenlosen Abgrund zurückgeholt, um mich jetzt allein zu lassen?! Bitte nicht, Harry! Bitte nicht!“, flehte sie und stieß einen Seufzer der Erleichterung aus, als er zu husten begann. „Mine? Oh, Hermine!“, sagte er leise und sah sie an, wie sie sich über ihn beugte und wie fürsorglich sie war. Er schloss die Augen wieder für einen Moment. Es kostete ihn Kraft, nicht zu versinken, doch er musste bleiben. Er musste wach bleiben! Harry blinzelte ein paar Mal in dem Licht. Es war gedämpft und doch schmerzte es in seinen Augen. Es fühlte sich an, als würde jemand mit hellsten Strahlen blendete. „Hermine?“, fragte er. „Ja, was denn? Ich bin ja da. Ich bin bei dir! Es ist alles gut, Harry. Ich bin bei dir.“, sagte sie immer noch erregt und er konnte nicht sagen, woher der Überschwang an Gefühlen kam. So ließ er sie still gewähren und entzog sich ihnen nicht.

Es kam ihm vor, als wenn sie stundenlang schweigend ansehend nebeneinander lagen. Schließlich brach er das Schweigen. Harry hatte Fragen – tausend Fragen. „Weißt du, was passiert ist?“, wollte er wissen und sie nickte ihm zu und legte ihren Finger auf seinen Mund. „Es mag so ausgesehen haben, dass ich komplett weggetreten war, aber ich habe Dinge gesehen und erfahren, die ich nie für möglich gehalten hätte. Ich habe den Ort erblickt, von dem Jonathan kommt. Er hat mich geleitet auf meinem Weg zurück zu dir. Ja, ich weiß alles, auch was du tun musst!“, sagte sie und streichelte ihn wieder, als sie merkte, dass Zorn in ihm aufzuflammen begann. „Harry, ein Teil von mir will, dass alles wieder so wird, wie es war und ein anderer Teil will das nicht. Er will, dass du bleibst und nicht gehst, aber ich fühle, dass du gehen musst. Nicht weil du es nicht mit mir ertragen könntest. Es war einfach falsch.“, sagte sie, während sich wieder Tränen in ihren Augen bildeten. Er zeigte ihr den Zeitumkehrer, den er von Jonathan erhalten hatte.
Sie sprach aus, was er dachte. Es war falsch! Sie hätten ihn niemals nur zu zweit beschwören dürfen. Danach gingen die Dinge nicht so vorwärts, wie es hätte sein sollte. Ihr Leben und alles, wofür sie gekämpft und gelitten hatten, verloren sich im Strudel der Zeit, die unablässig und gnadenlos voranschritt.

„Du hast noch mehr gesehen oder? Was wird geschehen, wenn ich bleibe?“, fragte er mit großen Augen. Harry konnte nicht anders – er musste es wissen! Sie hatte sich vor dieser Frage gefürchtet und doch nahm sie nun seine Hand und ließ ihn an ihrem Ausblick, den sie innerhalb ihres scheinbar so endlosen Wachtraumzaubers hatte, teilhaben:


Er zeigte sie in seinem Büro. Sie waren nicht mehr wirklich sie selbst.

„Wir müssen sie doch gefangen nehmen und in Askaban einsperren!“, versuchte Minerva McGonagall einzulenken, doch beschwor sie damit nur Harrys unbändigen Zorn auf die Todesser.

„Gefangen nehmen? Einsperren? Nein! Wir haben schon zu viele Kompromisse gemacht – zu viele Rückschläge erfahren! Sie haben unsere Leben zerstört und wir sind zurückgewichen. Sie haben unsere Lieben umgebracht und wir sind zurückgewichen. Sie zerstören alles, woran wir glauben und wir weichen immer wieder zurück. Doch jetzt nicht! Hier wird der Schlussstrich gezogen! Bis hierher und nicht weiter! Und ich, ich werde sie bezahlen lassen für ihre Taten!“, sagte Harry.

Snape erwiderte: „Rache ist wie ein Gift! Bevor du dich umsiehst, verwandelt sie dich in etwas Hässliches.“

Die Diskussion mit Potter führte zu nichts. Snape hatte ihn gewarnt. Der Mann hatte seinen eigenen Kopf und war bereit, diesen durchzusetzen – gegen seine Warnung, obgleich er ihn allemal verstehen konnte. Zu frisch waren noch die Erinnerungen an die Frau, die er liebte. Und seinen besten Freund, der noch nicht einmal merkte, was ihn traf. Er hatte vielleicht von allen den besten Abgang, den sich ein Zauberer und erfolgreicher Quidditch-Spieler wünschen konnte. Abtreten im Augenblick des Triumphes. Doch für die Anverwandten, die zurückblieben, war es der blanke Horror und sie wollten keine Gerechtigkeit. Jetzt war es Rache! Dafür waren beide jetzt auch bereit, ihre Hände mit dem Blut der Feinde zu tränken. Er hatte diesen Anblick schon tausend Mal gesehen. Sie spiegelten blanken Hass. Bereit, Leben auszulöschen, um Befriedigung zu erlangen. Sie wollten sie bezahlen lassen für die Lieben, die sie verloren hatten. Für den Schmerz, den sie haben ertragen müssen. Für das Leid, dass den ihren zugefügt wurde. Nur ein kleiner Schritt würde ausreichen. Ein winziger Übertritt reichte, um aus dem Schatten in die Dunkelheit zu treten.

„Wie nah waren wir dran?“, wollte Severus wissen. Jonathan antwortete ihm: „Zu nah, um es zu ignorieren. Sie müssen hier nicht mitgehen.“

„Ich habe vieles getan, worauf ich nicht stolz bin. Es ist Zeit!“, sagte der alte Zaubertrankbrauer und trat mit seinem Zauberstab in der Hand neben Jonathan. „Und wir gehen auch mit!“, sagten Hermine und Harry, die ebenfalls schwer atmend und mit rotunterlaufenen Augen neben die beiden traten.

Snape und Jonathan warfen sich vielsagende Blicke zu, bevor sie sie fast gleichzeitig lähmten, indem sie “PETRIFICUS TOTALUS!“ sagten. Snape fing Hermine auf und setzte sie neben Harry ab. „Diesmal noch nicht!“, sagte Jonathan und legte ihr seinen Sandelholz-Zauberstab in die Hand, bevor er dafür den ihren an sich nahm. „Wir haben schon Blut an unseren Händen. Wird vielleicht ein wenig ungenau, aber darauf kommt es nicht mehr an. Euch ist ein anderer Weg bestimmt als mir! Es gibt kein Wiedersehen in dieser Welt.“

Die Todesser und ihre dunkle Herrin kamen mit Booten über den Schwarzen See und wurden sogleich in Kämpfe mit den restlichen Mitgliedern des Phönixordens verwickelt, doch gegen die Übermacht der von Bellatrix aufgebotenen Schergen konnten sie nicht allzu viel ausrichten. Von der Treppe her setzten sich Snape und Jonathan schnellen Schrittes und fluchschleudernd in Bewegung. Nach einem kurzen Sprint erreichten sie den kämpfenden Mob, der sich seinen Weg in die Schule zu bahnen versuchte. Bellatrix und die anderen versuchten, Snape nach Kräften zu entwaffnen, doch die Todesflüche streckten seine Gegner reihenweise nieder. Jonathans Sectumsempra riss Avery auseinander. Er steckte Hermines Zauberstab weg und nahm stattdessen seinen silbernen zur Hand. Der orangefarbene Blitz teilte Fenrir Greyback der Länge nach in zwei zuckende, verbrannte Fleischteile.

Als McGonagall die Treppe hinunterkam, sah sie, dass Harry und Hermine bewegungslos im Eingang an der großen Treppe lagen und zum Zusehen verdammt waren. Sie versuchte, den Lähmfluch von ihnen zu nehmen, als sie ebenfalls einer von hinten traf. Es war schwer zu sagen, wer diesen Fluch angewendet hatte – ob nun Severus oder Jonathan.

Zaubersprüche halfen da nicht mehr. Jedes Mal, wenn er sprang und mit dem Stab zuschlug, gab es dieses kurze, surrende Geräusch zusammen mit dem orangefarbenen Zucken. Die Todesser fielen mit abgetrennten Extremitäten zu Boden. Von einigen blieb nur noch ein sich in Schmerzen windender Torso übrig. Andere wurde der Länge nach wie mit einem machtvollen Sectumsempra aufgerissen oder einfach in der Mitte durchgeschnitten und aufgeschlitzt. Bellatrix erledigte Snape von hinten mit einem hohlen Lachen, um danach die Wirbelsäule bei lebendigem Leib herausgerissen zu bekommen. Als die orangefarbenen Strahlen viel länger zu sehen waren, als immer nur einen kurzen Augenblick, steigerte sich Jonathan in einen wahren Blutrausch. Es wurde schneller und schneller. Ein schlitzender Derwisch wirbelte durch die Reihen, bis der Boden von zuckenden, wimmernden Fleischklumpen übersät war.

Als es zu Ende war, suchte er Snape in dem Leichenberg, der rücklings in der blutgetunkten Erde lag. Er kniete neben ihm nieder und drehte ihn herum. Jonathans Hand begann bereits, blau zu leuchten, als er versuchte, den Zauberstab aus dessen Brust zu ziehen, doch der Zaubertrankbrauer griff nach seiner Hand, schüttelte den Kopf und drückte sie weg, bis er losließ. „Lass mich gehen und vielleicht einen alten Freund wiedersehen. Bitte! Gib mir Frieden nach einem Leben des Krieges.“

Als letztes wandte er sich Malfoy zu, dessen verbrannter Körper versuchte, dem Unausweichlichen zu entkommen. Jonathan griff nach seinem Kopf und drückte ihn in die weiche, blutgetränkte Erde. Er zwang ihn, seinen Mund zu öffnen. Mit den Fingern griff er nach seiner Zunge und riss diese mit einem Ruck heraus. Danach hob er den zuckenden Fleischbrocken auf und rannte in den Wald. „CRUCIO!“, röchelte Malfoy nur noch. „Rache, mein Freund, hat nichts mit Tod zu tun! Nein, nein, es wird noch nicht gestorben! Damit wollen wir noch etwas warten!“, sagte er. Er setzte ihn noch ein Mal dem Folterfluch aus. „Wir beide werden jetzt eine kleine Reise in machen!“, drohte er. Er warf ihm den Zeitumkehrer um, wirbelte ihn richtig an, so dass sie etwa zweihundert Jahre in die Vergangenheit geschleudert wurden.

Die Zigeuner hatte ihr Nachtlager an einer kleinen Lichtung aufgeschlagen, als sich der fremde Zauberer mit seinem Paket näherte. „Und habt ihr, was ihr versprochen habt?“, fragte eine Stimme aus dem Dunkel und Jonathan nickte. Er warf dem Zigeuner das Bündel vor die Füße und kniete sich anschließend daneben, um ihm ein paar Dinge zuzuflüstern: „Ihr Zauberer werdet sehr alt, hab ich mir sagen lassen. Das ist gut – sehr gut sogar! Du wirst die Kinder gut sehen, die sich bei deinem Anblick erschrecken und ihre Blicke ertragen, während ihre Schreie in deinen perfekten Ohren widerhallen. Das, mein Freund, ist Rache! Du wirst schön weiterleben, während ich mich in die süße Umarmung des baldigen Todes zurückziehen kann.“ Mit diesen Worten überließ er ihn dem Zirkus, die ihn als neuste Jahrmarktsattraktion ausstellen würden. Der Zigeuner warf ihm einen Beutel zu, den der Schatten auffing. „Seid ihr verletzt?“, fragte der Mann und trat einen Schritt an Jonathan heran. „Nein! Nehmt ihn und geht. Jetzt gleich! Und füttert es gut, dann habt ihr und eure Zuschauer lange Freude an der Erwerbung. Geht!“, befahl Jonathan und half mit einem kleinen Stoss Magie nach. Er sah zu, wie der Zigeuner Malfoy an seinem blonden Haarschopf packte und das schreiende, blutige Bündel über den Waldboden schliff.

Anschließend sank er an einem Baum nieder und befühlte seinen Arm, aus dem ein Fleischfetzen herabhing. Sein Rücken fühlte sich ebenfalls seltsam warm und feucht an. Das Atmen fiel ihm schwer. Er konnte nur noch kurze Atemzüge nehmen und auch die schmeckten bereits nach Blut. Er schloss die Augen, nahm den Zeitumkehrer zwischen die Finger und brach das in ihm befindliche, kleine Stundenglas auseinander. Jetzt suchten seine Finger nach seinem Zauberstab. Er öffnete das silberne Ding, entnahm den inliegenden Kristall und vergrub ihn mit den Händen neben sich. Das restliche Innere riss er heraus und verteilte es in der Umgebung, bevor er die Hülle an einer anderen Stelle ebenfalls verscharrte. Mit letzter Kraft zerbrach er Hermines Stab.

Kein Weg zurück.


Hermine stand daneben und konnte nichts weiter tun, als Jonathan beim Sterben zuzusehen.

„Aber Hermine, es nur eine mögliche Zukunft!“, widersprach er ihr, doch sie wollte davon nichts hören. Stattdessen führte sie ihm vor Augen, was bislang alles geschehen war und dass alles darauf hindeutete, dass es sich so oder so ähnlich zutragen würde. Harry wurde ein wenig hektisch, doch sie versuchte, ihn zu beruhigen.

„Wo soll ich anfangen, Mine?“, fragte er, doch die Antwort lag auf der Hand. Er musste in einer Nacht zu ihr gehen, bevor sie nach Padua aufbrachen, ihr die Geschichte der Dinge die, kommen mochten, verraten und hoffen, dass sie ihm glaubte und es nicht als einen wirren Traum abtat.

„Du gehst mit deinen Fähigkeiten zu einem von uns und wirst uns wohl überreden müssen, vernünftig zu sein und zu warten, bis sich die Dinge so erfüllt haben, wie sie sein sollen!“, sagte sie und merkte dabei, dass Harry der Gedanke daran nicht gefiel. Sie konnte spüren, dass er sich verfluchte, so ein sturer Dickkopf zu sein. „Ich werde mir nicht zuhören!“, protestierte er.

„Aber ich werde!“, versicherte sie nun sanft.

„Ja, du wirst. Du warst schon immer die stärkere von uns beiden, Mine!“, meinte er, doch Hermine schüttelte den Kopf. „Es wird nicht reichen, mir nur vorauszusagen, Harry. Es wird mehr brauchen, als das. Du wirst danach zu dem Tag zurückkehren, an dem Fred und George heiraten. Du wirst mir sagen, was passieren wird und dort sein, um das Schlimmste zu verhindern, wenn ich versage. Das bedeutet, du wirst die drei umbringen müssen. Entweder du oder ich! Ron muss dein Angebot annehmen, ja? Vergiss nicht, mir auch das zu sagen. Du musst dich auch hier überzeugen, dass er nicht spielt, sondern ein anderer und wenn er doch spielen wird, musst du den Klatscher ablenken. Was, wenn wir beide zurückgehen, so wie damals?“, fragte Mine und wusste, dass Harry ablehnen würde. So war er eben.

John Xisor
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Beitragvon John Xisor » Mo 03 Mär, 2008 20:31

37. Requiem for a dream



Das Stundenglas begann, sich schneller und schneller zu drehen. Die Momente ihrer Leben flogen in wenigen Sekunden an ihm vorbei, während Harry seine Reise durch die Zeit unternahm. Der Geist arbeitete fieberhaft. Wo sollte er stoppen und wann musste er Hermine treffen, um ihr die Geschichte der Dinge die, da kommen werden, zu verraten? Es konnte nur die Nacht sein, bevor sie nach Padua aufbrechen wollten. Er würde sich ihr in seiner jetzigen Gestalt nähern und zustoßen, wenn sie schliefe. Er würde ihr als Traum erscheinen – so realistisch, wie sie es nie für möglich halten würde. Sie wird ihm zuhören – dessen war sich Harry sicher! Sie musste es einfach. Es hing doch so viel davon ab. Als sich die Bewegungen verlangsamten, kam auch die Umgebung zur Ruhe. Harry war an seinem ersten Ziel angekommen. Der Turm war leer. Wie ein Dieb schlich er sich durch die dunklen Gänge, nur um keiner Seele über den Weg zu laufen. Dumbledores Worte von einst kamen ihm wieder in den Sinn: „Niemand darf euch sehen!“ Jetzt durch die Große Halle hinaus ins Freie und dann schnell weiter zum Tor. Hier wirkten die Schutzzauber nicht mehr und er konnte endlich apparieren.

Harry hatte keine Probleme damit, sich zu ihrem Haus Zutritt zu verschaffen. Er brauchte sich nicht vorzutasten. Er sah durch die Magie. Es war alles ein wenig anders – die Farben waren verschwommener, doch ansonsten war es wie immer. Wieder und wieder erinnerte er sich an ihre Worte – So hast du dich in mein Herz geschlichen und ich ließ dich ein – damals, jetzt für immer. Sie hatten alles besprochen und doch kamen ihm Zweifel an seinem Vorhaben. Sollte er besser doch versuchen, mit sich selbst zu reden? Sich selbst im Traum zu erscheinen, statt Hermine? Harry schob den Gedanken beiseite. Nein, die Entscheidung war gefallen! Jetzt gab es kein zurück mehr. Er schlich sich in eine dunkle Ecke, von wo aus er sie gut sehen konnte. Sie war dicht an Ron gekuschelt und das Gefühl der Eifersucht verlangte, gehört zu werden. Warum sollte er es tun? Hat es sich nicht am Ende so entwickelt, wie sie es beide gebraucht hatten? Sie waren die Liebenden und wenn er jetzt zurückgehen würde, waren sie es noch immer. Nein! Nein! Ron war sein bester Freund! Wie konnte er nur einen solchen Gedanken überhaupt denken? Er hatte die Pflicht, sie zu warnen. Sie durften in Padua nur zu viert erscheinen. Sie durften den Sternenmagier nur zu viert beschwören. Zu viert! Er würde Ginny lieben und Ron Hermine. Wenn er in wenigen Augenblicken zurückkäme, würde es keine Nacht mehr mit ihr geben. Stattdessen hätten sie zwei Kinder in jener magischen Nacht gezeugt. Eines würde seine Ginny zur Welt bringen und das andere Hermine. Seines hätte schwarze Harre und grüne Augen und Mines vielleicht dunkle Augen und rote Haare, so wie die von Ron. Es gäbe keinen Zweifel. Ja, so war es richtig! Alles andere war falsch. Beseelt von diesem Gedanken stieß er zu. Langsam und behutsam drang er in ihren Geist ein und offenbarte sich dort.


Ich bin ein Traum und bin es doch nicht.

Wir sind berufen, etwas zu beschwören, dass man einen Sternenmagier nennt. Er kommt, um die Magie zu entwickeln, aber es darf nur uns vieren zusammen gelingen – nicht nur uns beiden allein. Er wird uns Dinge zeigen, von denen wir nie zu träumen gewagt haben. Hörst du?

Ich weiß, wir werden uns in jener Nacht unsere Liebe gestehen. Wir werden beide zusammen die Macht entfesseln, die der dunkle Lord nicht kannte, aber es ist falsch und alles wird dahingehen.


Hermine stöhnte und rollte sich auf die Seite.

Ja, ich liebe dich. Ich habe es immer getan und es mir nie eingestanden. Es ist immer um mich. Ich werde den Gedanken an dich nie los, Harry.

Wenn wir zusammenkommen, wird es für einige Augenblicke wunderschön, doch es wird fürchterlich enden. Du warst schon immer die Stärkere von uns beiden, deshalb komme ich zu dir und versuche nicht, mich selbst zu überzeugen, denn ich würde mir nicht zuhören.

Ja, das denke ich auch.

Solange du schläfst, kann ich bei dir sein.

Dann werde ich ewig schlafen, bleib bei mir ja? Träumte Hermine.

Ginny und Ron werden sterben und du wirst dem Wahnsinn anheim fallen. Er fuhr unbeirrt fort und seine Zweifel verstärkten sich jetzt nur noch.

Am Tag, wenn George und Fred heiraten, werden wir zusammen am Tisch sitzen und feiern. Ginny wird von hinten angelaufen kommen und sagen, dass sie noch ihrer Mum helfen will. Das ist der Moment, in dem du wachsam sein musst. Sie wird zum Fuchsbau gehen und hinter dem Haus wird sie von Malfoy, Crabbe und Goyle abgeschlachtet. Du darfst es nicht zulassen!
Werd’ ich nicht. Ich werde es nicht zulassen.

Ich werde dafür Sorgen, dass Ron am 1. September bei uns ist. Das darf auch nicht passieren. Ich werde meine Macht benutzen, ihn am spielen zu hindern und er wird sehr zornig auf das sein, was ich getan habe.

Das wäre ich auch, aber ich werde dich stoppen.

Als Wiedergutmachung werde ich ihm Madam Hoochs Posten anbieten. Du musst dafür sorgen, dass ich das dennoch mache. Und auch dafür, dass Ron den Posten annimmt und zwar bevor er im Halbfinale antritt! Denn dort wird ihn ein Klatscher von McLaggen treffen und sein Genick wird brechen. Er wird den Tod finden, bevor er auch nur den Boden berührt. Danach wirst du nicht mehr dieselbe sein.

Sie schluchzte, als der vormals schöne Traum mit ihrem unsterblich Geliebten zu einem Horrortrip mutierte und sie “sah“, wie Ron sterben würde.

Dies ist meine verzweifelste Stunde und nur du kannst uns retten Mine.

Das werde ich Harry, das werde ich. Ich werde uns retten. Das verspreche ich.

Hermine wachte erschrocken auf und hatte ihren Zauberstab in der Hand. „Lumos!“, sagte sie leise. Sie hielt ihn im Raum hoch, jedoch konnte sie nichts Ungewöhnliches entdecken. Alles war so, wie es immer war und doch fühlte sie, dass etwas anders war als sonst.

Ron nahm sie schlaftrunken und ein paar unverständliche Worte murmelnd wieder in den Arm. Sie sagte so etwas wie „schlecht geträumt“ und schmiegte sich wieder an ihn.

Harry hatte sich mit dem Chamäleon-Zauber behaftet in eine Ecke gepresst. Er konnte förmlich fühlen, wie das weiße Licht des Stabes ihn streifte und doch merkte sie nichts. Jedenfalls nichts, was sie sehen konnte. Er war mit seiner Umgebung komplett verschmolzen. Nachdem es wieder dunkel war, huschte er nach draußen und kehrte wieder zurück.




38. Sangreal



Als er wieder im Astronomieturm erschien, war Hermine immer noch da. Sie hatte ihr Gesicht in den Händen vergraben und weinte.

„Warum, warum bist du noch hier?“, fragte Harry, doch er kannte bereits die Antwort. „Du hast nichts getan, nicht wahr? Du hast es gewusst und dennoch alles geschehen lassen.“, sagte er bestürzt.

Seine Blicke versuchten, sie zu strafen, doch sie hielt ihnen stand.

„Und es war richtig. Wir können die Vergangenheit nicht ändern, Harry. Sie ist unauslöschlich! Jedes mal, wenn sich ein Ereignis näherte, was du mir vorausgesagt hast, erinnerte ich mich an meine Gefühle. Ich habe schon damals gewusst, dass ich dich liebe und dass es irgendwann nicht mehr zu verbergen sein wird. Jonathan hat es in meinem Herzen gesehen. Ich wollte mit Ron darüber reden und hätte ihm damit sehr wehgetan, also entschied ich mich dazu, es sein zu lassen. Er ist mit meiner Liebe im Herzen gestorben. Mit dem Wissen, welches du mir gegeben hast, Harry, wusste ich, dass es in dir genauso aussah. Ich habe dich an jenem Tag am Waldesrand beobachtet, wie du mit dir gerungen hast, die drei zu töten und als ich nichts tat, bist du auch unverrichteter Dinge verschwunden. Nein Harry, nur die Zukunft ist es, die wir ändern können. Nichts anderes! Wie du es mir aufgetragen hast, habe ich UNS gerettet.“, erklärte sie ihm.

Hatte er zuvor auf dem Bett gesessen, rutschte er jetzt von ihr weg, doch Hermine ließ ihn nicht gehen. Sie packte seinen Arm, zog ihn wieder zurück und küsste ihn. Er erwiderte ihre Wildheit. Es war eine unselige Liebe und Harry wusste, dass beide daran vermutlich zugrunde gehen würden, doch er wehrte sich nicht. Er ließ es geschehen. So wie bei seiner Beobachtung am Waldesrand, als Malfoy und die anderen, neuen Todesser seine Ginny zerrissen und auch er nur zusah und nichts unternahm.

Sie nahm ihm den Zeitumkehrer ab und bevor er reagieren konnte, warf sie ihn mit voller Wucht gegen die Wand, so dass das kleine Glas in ihm zersprang und der feine Sand auf den Boden rieselte. Harry blickte sie geschockt an. Die Reste seines Verstandes fuhren Achterbahn.

„Ich habe begonnen, die Zukunft zu ändern. Er hat uns EINE Zukunft sehen lassen, in der er in einer Vergangenheit sterben wird, die vielleicht existent sein kann, Harry! Kann! Nun, jetzt nicht mehr. Wenn er schon sterben muss, dann hier. Ich denke, als er gemerkt hat, dass nur wir beide ihn beschworen hatten, wusste er bereits, dass sein Plan scheitern würde. Er hat die menschliche Komponente unterschätzt. Er dachte, jeder Zauberer würde für das, was er anzubieten hatte, alles tun. Ron und Ginny hatte den Ehrgeiz nicht und waren trotzdem glücklich. Die Macht der Gefühle ist sehr gefährlich! Wir waren in der Lage, dieser Gefahr zu trotzen. Das hier war nur ein weiterer Test. Der letzte! Wenn wir etwas aus der Vergangenheit verändert hätten, wäre das blanke Chaos daraus entstanden.“, sagte sie erklärend.

Er begann zu begreifen, was sie meinte. Wer hätte für den dreifachen Mord büßen müssen? Etwa Hermine? Was hätte man mit ihr getan, wenn niemand etwas herausfinden konnte? Welche Verschleppungen hätte sie sich unterstellen lassen müssen, wenn es kein vorzeigbares Ergebnis gegeben hätte? Was würde sie tun müssen, um die Sache zu verschleiern? Am Ende kam er zu dem Schluss, dass sie sie wirklich gerettet hatte und zwar, in dem sie nichts tat. Hermine war sich sicher, dass sie Jonathan nicht mehr sehen sollten und behielt mit dieser Annahme auch recht. Im Moment ihres entgültigen Erwachens, als sie erkannte, dass sie nur die Zukunft ändern könne und auch danach handelte, konnte sie ihn fühlen. Sie fühlte eine nie da gewesene Zufriedenheit, aber auch eine gewisse Traurigkeit. Sie fühlte, wie er Abschied nahm. Seine Mission war erfüllt. Das einzige, was ihn betrübte war, dass ihr Jonathan nicht sagen konnte, was sie war: Seine beste Schülerin! Sie hatte die Fallen erkannt und diese unbarmherzig zerschlagen. Er hatte sich in ihr nicht getäuscht. Hermine würde tun, was erforderlich war. Immer.

Die beiden saßen noch Stunden im Astronomieturm. Die magischen Feuer brannten langsam herunter und tauchten das Turmzimmer in einen unbeschreiblich warmen Farbton. Sie beobachteten den Nachthimmel, als Hermine auf einen Regenbogenschweif am Firmament zeigte, der sich breit gefächert, sehr schnell weiter nach oben bewegte und dann langsam verblasste.

"Schau, glaubst du, das kann..." Doch er verstummte, als Hermine ihre Arme um ihn schlang und ihren Kopf an seine Schulter legte.

"Vielleicht, aber das würde uns niemand glauben. Nicht einmal in unserer Welt.", flüsterte sie, als die orangefarbene, glühende Silhouette von Jonathan neben ihnen auftauchte und nach einem kurzen Erstrahlen verblasste.

„Gut gemacht.“, raunte die Stimme und beide durchzuckte ein kurzes Glühen um ihre Finger, als sie sahen, wie sich um den Ringfinger die rotgoldenen Zauberringe seiner Eltern schlossen. Mine weinte wieder, doch dieses Mal waren es Tränen der Freude.

Harry brauchte sie nicht zu fragen, was als nächstes kam. Was nun zu tun war, wusste Hermine ganz genau. Wenn sie nun kamen, würden sie sich mit allem entgegenstellen, was sie hatten und das war eine ganze Menge. Sie hatten sich weiterentwickelt. Ihre Kinder hatten sich entwickelt. Für die nächsten Generationen Zauberer war gesorgt. Sie besaßen etwas, das weder Bellatrix und ihre Anhänger noch irgendein anderer kannte.

„Er ist nicht allein und war es nie. Eines Tages werden wir bei ihm sein, doch dieser Tag ist noch fern. Es ist Zeit zu handeln und wir werden handeln! Mit den anderen: Mit Neville, Luna und seinen Eltern, mit Tonks und King. Ja, auch mit Moody, Minerva, den Weasleys und den de la Vegas. Es war richtig von dir, die Phönixe zu zerschlagen. Hier in der Wiege der Magie wird es noch etwas anderes geben, wachend zwischen Licht und Dunkelheit. Uns! Die Schatten – Den Orden der Macht.“

Jetzt konnte sich Hermine an das erinnern, was er ihr in dem ersten der Wachtraumzauber anvertraute. Sie entfernte den Desillusionierungszauber und da lagen sie: Glatt und funkelnd im Sternenlicht –

gebettet auf weichen, dunklen Kissen.

Jonathans Feuerschwerter.


ENDE