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[HP] Das schwarze Schaf der Familie

Shiver
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[HP] Das schwarze Schaf der Familie

Beitragvon Shiver » Sa 04 Mär, 2006 00:59

Also, das ist meine erste FF, hab vorher noch keine gelesen oder geschrieben. Ich hab sie auch in einem anderen Forum veröffentlicht (ebenfalls unter diesem Nick) und dort fand sie durchaus positive Resonanz.

Autor: Shiver

Disclaimer: Die Charaktere und Örtlichkeiten dieser Geschichte gehören bis auf wenige Ausnahmen J.K.Rowling und ich verdiene damit kein Geld! Etwaige Ähnlichkeiten mit real existierenden Personen sind nicht beabsichtigt!

Diese Geschicht ruht in meinem Kopf, seit ich den ersten HP-Film gesehen habe. D.h. sie ist eigentlich schon komplett fertig, ich muss sie nur noch zu Papier bringen.

Kurz zum Inhalt: Maia Tennon kommt nach Hogwarts und gegen die Erwartungen ihrer Eltern schickt sie der Hut nach Slytherin. Die Hauptpersonen sind eben Maia und Severus Snape. Die Geschichte wird letztlich vier Jahre umfassen und in dem Schuljahr, bevor Harry nach Hogwarts kommt, enden.
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Shiver
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Kapitel 1

Beitragvon Shiver » Sa 04 Mär, 2006 01:00

Die Ankunft

"Das also ist Hogwarts", dachte sich Maia, als sie mit den anderen Erstklässlern vor dem großen Tor stand. "Die berühmte Schule, in der vor Jahren meine Eltern unterrichtet wurden."

Prof. McGonagall führte die Gruppe durch die Eingangshalle in den großen Saal, vorbei an den langen Tischen zu dem Hocker, auf dem ein alter Hut auf die neuen Schüler wartete.

"Wenn du das erste Mal nach Hogwarts kommst, musst du diesen Hut aufsetzen", hatten Maia Eltern am Tag vor der Abreise erklärt. "Er teilt die Schüler unter den vier Häusern auf. Aber wir sind uns sicher, dass du, genau wie wir damals, nach Ravenclaw kommen wirst!" hatten sie voller Stolz gemeint.

"Tennon, Maia!" Abrupt wurde Maia von Prof. McGonagall's Stimme aus den Gedanken gerissen. Nervös ging sie die wenigen Schritte nach vorne. Erst jetzt fiel ihr auf, dass sie und die anderen Erstklässler dirket vor dem Tisch standen, an dem die ganzen Lehrer saßen. In der Mitte des Tisches saß ein sehr alter Mann mit langem Bart. "Das musste wohl Albus Dumbledore, der Direktor von Hogwarts, sein", dachte Maia. Auch Prof. Flitwick erkannte sie durch die Erzählungen ihrer Eltern. Die anderen Lehrer, die noch am Tisch saßen, schienen zu jung zu sien, als dass ihre Eltern sie gekannt haben könnten.

Schließlich war Maia beim Hocker angekommen. Der kurze Weg war ihr endlos lang vorgekommen. Was, wenn sie nun doch nicht nach Ravenclaw kommen würde? Ihre Eltern würden maßlos enttäuscht sein, wenn Maia nicht klug genug für Ravenclaw wäre.

Da saß sie nun also auf dem Hocker. Prof. McGonagall setzte den Hut auf Maia's Kopf und sie konnte ein unverständliches Murmeln hören. Wieder kam ihr die verstrichene Zeit wie eine kleine Ewigkeit vor, bis der Hut endlich seine Entscheidung verkündete:"Slytherin!"

Maia hörte auf zu atmen. Sie blickte im Saal umher, als wollte sie sagen, dass es sich um einen Irrtum handeln müsste. Der Jubel am Slytherin-Tisch schien aus weiter Ferne zu kommen. Was würden wohl ihre Eltern dazu sagen? Mit Gryffindor wären sie vielleicht noch zurecht gekommen, Hufflepuff wäre auch tragbar gewesen, aber Slytherin? Wie oft hatten ihre Eltern über die Slytherins geschimpft? Und nun war sie selbst eine von davon.

Noch immer völlig abwesend ging Maia zum Slytherin-Tisch und setzte sich zu der jubelnden Menge. Die Einteilung der restlichen Schüler bekam sie nicht mehr mit. Sie war in Slytherin gelandet. Ihre Eltern würden maßlos enttäuscht sein.

* * * * *

Bereits als sich die Tür zum großen Saal öffnete und die neuen Schüler hereinkamen, war sie ihm aufgefallen. Er konnte es sich nicht erklären, aber dieses Mädchen kam ihm bekannt vor. Diese leuchtend blauen Augen, die langen schwarzen Haare, er hatte sie schon einmal gesehen.

Als Prof. McGonagall die neuen Schüler durch den Saal führte, konnte er seinen Blick nicht von dem Mädchen abwenden. Er fixierte sie regelrecht, ständig darüber nachdenkend, woher er sie kannte.

Schließlich begann die übliche Einteilung in die vier Häuser, wie jedes Jahr. Noch immer haftete sein Blick auf ihr.

"Tennon, Maia!" Die Stimme von Minerva McGonagall ließ ihn hochschrecken. Tennon! Natürlich! Er kannte nicht das Mädchen, sondern dessen Eltern. Sie musste die Tochter von William Tennon und Gloria Holder sein! Sie sah aus wie ihre Mutter, deshalb kam sie ihm so bekannt vor. Zum ersten Mal wandte er seinen Blick von ihr ab. "Ravenclaws waren sie", erinnerte er sich. "Drei Jahre über mir und fast so schlimm wie die Gryffindors aus meinem Jahrgang!"

Als er wieder zu ihr hinsah, setzte McGonagall ihr gerade den Hut auf. Er konnte das Murmeln vernehmen, das der Hut von sich gab, war aber trotz aller Konzentration nicht in der Lage, auch nur ein Wort zu verstehen.

"Slytherin!"

Obwohl sie mit dem Rücken zu ihm saß, konnte er ihr Entsetzen erkennen. Sie schien vollkommen verkrampft zu sein, atmete kaum noch. Beinahe hätte er zu grinsen begonnen, als die Schüler von Slytherin zu jubeln begannen. Er sah, wie sie langsam auf den Tisch zu ging und sich zu den jubelnden Schülern setzte.

Die Einteilung der übrigen Neulinge vernahm er nur noch am Rande. Erst, als nach einem schallenden "Gryffindor!" für "Wood, Oliver" der Hut und der Hocker aus dem Saal gebracht wurden und Albus Dumbledore sich für seine jährliche Rede erhob, kamen auch seine Gedanken wieder in den Saal zurück.

Nachdem der Direktor die Schüler willkommen geheißen und alle gegessen hatten, war er einer der ersten, der aufstand und den Saal verließ.

"Slytherin", dachte er, als er in seinem Büro angekommen war. Es war eine Genugtuung für ihn, William Tennon's Tochter in diesem Haus zu sehen, in Slytherin, SEINEM Haus. Selten zuvor war Severus Snape so glücklich eingeschlafen wie an diesem Abend.

* * * * *

Nach dem Essen folgten die Erstklässler den Vertrauensschülern der jeweiligen Häuser. Zusamnmen mit den anderen neuen Slytherins wurde Maia in deren Gemeinschaftsraum geführt.

Auf dem Weg dorthin wurden ihnen die Feinheiten des Gebäudes erklärt: sprechende Bilder, die in der magischen Welt durchaus normal waren; Treppen, die ohne Vorwarnung einfach die Richtung wechselten; Geister, die innerhalb der alten Mauern ihr Unwesen trieben.

Als sie schließlich den Gemeinschaftsraum erreicht hatten, wurden die - zum größten Teil sehr müden - Erstklässler in ihre Schlafräume geführt. Maia teilte sich den Schlafraum mit drei anderen Mädchen, jedoch schien keine von denen Wert darauf zu legen, sich mit ihr zu unterhalten. "Vielleicht liegt es an mir", dachte Maia. Die anderen Mädchen waren stolz darauf, in Slytherin zu sein, für Maia war es eine Schande. Vermutlich strahlte sie diese Haltung auch aus.

Maia ging auf das Bett zu, neben dem sich ihre Sachen befanden, und legte sich hinein. Sie zog die Vorhänge zu, damit sie die anderen nicht sehen musste, und vor allem, um selbst nicht gesehen zuwerden. Sie wollte nicht, dass jemand sie sieht. Sie wollte nicht, dass jemand die Tränen sieht, die lautlos über ihre Wnagen kullerten. Sie musste sich beherrschen, um nicht laut loszuschluchzen.

Slytherin. Was werden wohl ihre enttäuschten Eltern sagen, wenn sie das erste Mal wieder nach Hause kommt? Sie hatte es nicht geschafft, nach Ravenclaw zu kommen, was ihre Eltern so sehr gehofft hatten. Sie war nicht klug genug. Nein, sie war nun in Slytherin, dem Haus, dessen Schüler ihre Eltern immer gehasst hatten.

Maia wusste nicht, wie lange sie noch regungslos wachgelegen hatte, bevor sie, ihren Kopf auf dem von Tränen feuchten Kissen ruhend, eingeschlafen war.
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Kapitel 2

Beitragvon Shiver » Sa 04 Mär, 2006 01:01

Der erste Tag

Nach einer unruhigen Nacht mit wehr wirren Träumen wachte Maia am nächsten Morgen sehr früh auf. Die anderen Mädchen schliefen noch, Maia konnte die ruhigen und gleichmäßigen Atemzüge hören.

Ans Weiterschlafen war für Maia nicht mehr zu denken. Nicht nach diesen Träumen. Alle hatten sie verachtet: ihre Eltern, weil sie es nicht nach Ravenclaw geschafft hatte, weil sie offenbar zu dumm war; die anderen Slytherins, weil sie nicht stolz darauf war eine von ihnen zu sein. Nein, einschlafen wollte sie wirklich nicht mehr. Um in den großen Saal zu gehen, wäre es wohl auch noch zu früh, dachte Maia. Ob sie ihren Eltern einen Brief schreiben sollte? Sie hatten schließlich ein Recht darauf, zu erfahren, ob ihre Tochter gut angekommen war und dass sie gegen alle Hoffnungen in Slytherin war. Nein, es wäre früh genug, wenn sie es ihnen zu Weihnachten sagen würde, wenn sie das erste Mal wieder nach Hause kam. Bis dahin hatte sie noch genug Zeit, sich zu überlegen, wie sie es ihnen am besten sagen sollte. Wieder fühlte sie wie sich ihre Augen mit Flüssigkeit füllten und diecke Tränen über ihre Wangen kullerten.

Langsam begann es draußen zu dämmern und es dauerte nicht lange, bis warmes Sonnenlicht in den Raum strömte. Auch die anderen Mädchen wachten nun auf. Maia konnte hören, wie sie die Vorhänge der Betten beiseite schoben. Sofort begannen sie wieder, sich zu unterhalten. Maia ließ ihre Vorhänge geschlossen. Sie wollte die anderen glauben lassen, dass sie noch schliefe. Erst, als sie hörte, wie die Tür ins Schloss fiel, wagte sie es, einen Blick ins Zimmer zu werfen, um zu sehen, dass sie auch wirklich allein war. Maia wischte sich die Tränen aus dem Gesicht und zog sich an. Sie atmete noch einmal tief durch und ging, wie die anderen Mädchen auch, durch die Tür in den Gemeinschaftsraum. Doch auch dieser war vollkommen leer. SCheinbar waren alle schon in den großen Saal gegangen, um zu frühstücken. Niemand hatte auf sie gewartet. Maia machte sich ebenfalls auf den Weg, auch wenn sie keine große Lust hatte, die anderen Slytherins zu sehen. Aber der Hunger siegte schließlich.

Maia verließ den Gemeinschaftsraum und lief durch unzählige Gänge, bei denen sie sicher war, am Vorabend ebenfalls gewesen zu sein, als sie zum Gemeinschaftsraum geführt wurden. Doch scheinbar sehen alle Gänge gleich aus, dachte Maia. Egal, wie oft sie zurücklief, um eine andere Richtung einzuschlagen, nachdem sie wieder am falschen Ort angekommen war, sie fand den Saal nicht. Vielleicht hätte sie sich doch den anderen anschließen sollen. Verzweifelt lehnte sie sich an eine Wand und wieder kullerten Tränen über ihre Wangen. Der Hut hatte Recht gehabt, sie nicht nach Ravenclaw zu schicken. Sie war einfach zu dumm. Und jetzt würde sie wegen ihrer Dummheit vermutlich Stunden hier ausharren müssen, bis endlich jemand kommen und sie finden würde.

"Haben wir uns etwa verlaufen?"

* * * * *

Es war noch dunkel, als Severus an diesem Morgen aufwachte. Noch immer war sein Herz voller Euphorie darüber, was am Vorabend geschehen war. Die Tochter der ach so stolzen Ravenclaws, Maia Tennon, war in seinem Haus gelandet. Nur allzu gut konnte er sich die Gesichter von Gloria und William vorstellen, wenn sie den ersten Brief ihrer Tochter lesen würden. Aber konnte er wirklich damit rechnen, dass sie ihren Eltern in einem Brief mitteilen würde, dass sie nun eine Slytherin war? Sie schien ja nicht gerade begeistert von der Entscheidung des Hutes zu sein. Also würde sie es wohl möglichst lange hinauszögern. Aber sie hatten doch ein Recht zu erfahren, wie es ihrer Tochter ging. Außerdem sah Severus darin die Gelegenheit, ihnen einen Teil der Grausamkeit zurückzuzahlen, die ihm vor Jahren angetan worden war. Vom ersten Augenblick an, als er mit den anderen Erstklässlern damals durch den großen Saal ging, hatten sie über ihn gelacht. Zusammen mit den anderen Ravenclaws saßen sie am Tisch, flüsterten und zeigten mit dem Finger auf ihn. Ja, er würde es sein, der Maia's Eltern mitteilte, dass sie in Slytherin war, in SEINEM Haus.

Bereits auf dem Weg zu seinem Schreibtisch formulierte er in Gedanken den Brief. Er konnte es kaum erwarten, die Worte zu Papier zu bringen.

Sehr geehrte Mrs. & Mr. Tennon,

Ich vermute, ich liege recht in der Annahme, dass Ihre Tochter Maia noch nicht die Zeit gefunden hat, Ihnen von ihrer Ankunft in Hogwarts und der Entscheidung des Hutes zu berichten. Deshalb wollte ich als ihr Hauslehrer diese Aufgabe übernehmen

Maia ist gestern Abend wohlbehalten hier angekommen.

Was die Auswahl betrifft, wie Sie wissen, ist es üblich, dass junge Hexen und Zauberer in dasselbe Haus wie ihreEltern, in Ihrem Fall Ravenclaw, eingeteilt werden. Wie Sie sicher ebenfalls wissen, gibt es auch manchmal Ausnahmen, Nun, Ihre Tochter ist eine solche Ausnahme. Der Hut war wohl der Meinung, nicht in Ravenclaw, sondern in Slytherin wäre sie am besten aufgehoben.

Ich muss zugeben, ich begrüße diese Entscheidung aufs Herzlichste.

Mit den besten Empfehlungen

Severus Snape
Hauslehrer von Slytherin


Wieder und wieder las er den Brief durch, bevor er sich auf den Weg in die Eulerei machte, um eine der Schuleulen zu den Tennons zu schicken. Selbstzufrieden stieg er die Treppen hinab und begab sich langsam in den großen Saal. Erneut stellte er sich die entsetzten Gesichter von Maia's Eltern vor, wenn sie seinen Brief lasen. Er konnte sich bei dem Gedanken ein Grinsen nicht verkneifen.

Im Saal angekommen, sah er, dass die meisten Schüler und Lehrer schon beinahe mit dem Essen fertig waren. Severus setzte sich an den Tisch und schon erschien ein voller Teller vor ihm. Während des Essens ließ er seinen Blick durch den Saal schweifen. So viele neue Schüler, dachte er sich. An die Namen konnte er sich nicht erinnern, er hatte am Vorabend nur auf Maia geachtet. So viele neue Schüler, die alle nur darauf warteten, etwas zu lernen. Auch er würde heute als erstes Erstklässler unterrichten. Die neuen Gryffindors und Slytherins würden heute in seinen Kerker kommen und vor allem die Gryffindors würden wahrscheinlich wieder alles falsch machen. Es würde ewig dauern, diesen unwissenden Neulingen die wichtigsten Kenntnisse über die Zaubertränke und deren Zutaten zu vermitteln. Und wenn sie es dann endlich begriffen hätten, kämen bereits die neuen Erstklässler, und alles ginge von vorne los.

Severus blickte weiter durch den Saal, von Gesicht zu Gesicht, von Tisch zu Tisch. Am Tisch seines Hauses blieb sein Blick an einem leeren Stuhl haften. Jemand fehlte. Maia! Sie saß nicht am Tisch. Es war schon ziemlich spät, sie würde wohl auch nicht rechtzeitig zum Unterricht erscheinen, wenn sie nicht bald hier wäre. Bereits am ersten Tag würde er die Tochter der ihm so verhassten Tennons bestrafen können. Kurze Zeit amüsierte er sich innerlich über den Gedanken. Aber blitzartig schlug seine Meinung um. Er würde Punkte abziehen müssen, wenn sie zu spät kam. Seinem eigenen Haus. Das konnte er nicht verantworten. Er wollte den Hauspokal nicht für ein paar Minuten Zufriedenheit aufs Spiel setzen. Er musste sie suchen.

Beinahe wäre sein Stuhl umgefallen, als er hastig aufstand und aus dem Saal stürmte. Die verwunderten Blicke der anderen Lehrer beachtete er nicht. In der Eingangshalle blieb er stehen. Wo sollte er nur zu suchen beginnen? Wie sollte er in diesem Gebäude ein kleines Mädchen finden? Er entschied, dass es wohl am klügsten wäre, in den Gängen in unmittelbarer Nähe des Slytherin-Gemeinschaftsraumes nachzusehen.

Einige Zeit und viele Korridore später vernahm er ein leises Schluchzen. Er folgte dem Geräusch, und da stand sie, an die kalte Mauer gelehnt, die Hände vor dem Gesicht.

"Haben wir uns etwa verlaufen?" Er sprach diese Worte mit einer solchen Überheblichkeit, wie sie ihm vor Jahren von Maia's Eltern entgegengebracht worden war.

Erschrocken drehte sich das Mädchen zu ihm um und blickte ihn an. In ihren Augen war nicht mehr viel von dem leuchtenden Blau zu erkennen, das ihm gestern sofort aufgefallen war. "Ich...ähm...ich wollte...ähm...ich war gerade...", stammelte sie leise. "Ja?" Severus versuchte, nicht allzu amüsiert zu klingen.

"Ich habe den großen Saal nicht gefunden", antwortete sie kaum hörbar. Langsam ging Severus auf sie zu und beugte sich zu ihr hinunter. Er sah sie an mit einem Ausdruck im Gesicht, der ihre Vermutung, sie sei zu dumm, zu bestätigen schien.

"Ich werde dich jetzt in den Klassenraum bringen. Und es wäre besser für dich, wenn du dir den Weg merken würdest. Nochmal suche ich dich nicht!" Kaum hatte er die Worte gesprochen, drehte er sich um und ging. Maia musste beinahe laufen, um mit ihm schritthalten zu können.

* * * * *

Seit sie in Hogwarts angekommen war, war Maia in diesem Augenblick das erste Mal froh, jemanden zu sehen. Auch, wenn sie nicht wirklich wusste, wer dieser Mann war. Aber er führte sie aus diesem Labyrinth von Gängen, und dafür war sie ihm sehr danbkbar.

In dem Gang war nichts zu hören außer den Schritten der beiden und das Flatterns des Umhanges des Mannes, der sie gerettet hatte. Plötzlich meldete sich lautstark Maia's leerer Magen und der Mann vor ihr blieb abrupt stehen. Maia konnte gerade nich rechtzeitig anhalten. "Zum Essen hast du keine Zeit mehr!" hörte sie seine kalte, überhebliche Stimme. "Du willst doch nicht zu spät zu meinem Unterricht kommen, oder?" "Nein, Sir", antwortete Maia kleinlaut. Sein Unterricht? Dann musste er wohl ihr Zaubertränke-Lehrer sein. Wie war nochmal sein Name? Snipe? Nein, das war's nicht. Snake? Nein, auch nicht. Aber so ähnlich war er doch. S....S....Sn....Snape, das war's!

Snape war schon einige Schritte weiter gegangen, als Maia noch immer dastand und die Hand gegen ihren knurrenden Magen drückte. Er blieb noch einmal stehen und drehte den Kopf zur Seite, sagte aber nichts. Maia erkannte, dass er damit andeuten wollte, dass er nicht länger auf sie warten würde, und als er weiterging, begann auch sie wieder zu laufen.

Sie waren schon fast beim Klassenraum angekommen, als Maia einfiel, dass sie ihre Schulsachen nicht dabei hatte, schließlich war sie ja eigentlich auf dem Weg in den großen Saal, als sie sich verirrt hatte. "Professor Snape, ich habe..." "Du kannst eines der schuleigenen Bücher verwenden, Viel mehr wirst du heute nicht brauchen!", unterbrach er sie.

Zum Glück waren die anderen Schüler noch nicht im Kerker, so dass niemand sehen konnte, dass Maia von einem Lehrer hergebracht werden musste, weil sie nicht in der Lage war, den Weg alleine zu finden. Kaum hatte sich Maia in der dunkelsten Ecke einen Platz gesucht, hörte sie vom Gang die Stimmen und Schritte der anderen Schüler. Ihre Hoffnung, dass sie allein in ihrer dunklen Ecke sitzen konnte, musste sie aufgeben, als eine andere Slytherin neben ihr Platz nahm, Es war eines der Mädchen, die am Vorabend nicht mit ihr sprechen wollten.

"Hallo, ich bin Sam, also, eigentlich Samantha, aber alle nennen mich Sam, weil Samantha so lang ist und außerdem ist es nicht gerade ein besonders schöner Name und Sam ist eben viel kürzer und hört sich einfach besser an und..." "Hallo, Sam!" Maia schüttelte die Hand, die Sam ihr hinhielt. "Ich bin..." "Maia, ich weiß", unterbrach Sam sie. "Ich habe mir deinen Namen von gestern gemerkt. Das sind Nicole und Melanie!" Sie deutete auf die beiden Mädchen vor ihnen. "Ich wollte ja gestern schon mit dir sprechen, aber Mel und Nicci meinten, dass du irgendwie aussehen würdest, als wolltest du deine Ruhe haben, also habe ich nichts zu dir gesagt. Ich wusste ja nicht, wie du reagieren würdest, wenn ich dich anspreche und du wirklich deine Ruhe haben willst. Also, ich werde ja regelrecht zur Furie, wenn mich jemand anspricht und ich meine Ruhe haben will. Und das wollte ich dann doch nicht riskieren. Warum warst du heute morgen eigentlich nicht beim Frühstück? Wir haben uns alle gefragt, wo du wohl stecken könntest. Aber weil du ja noch geschlafen hast, als wir in den großen Saal gegangen sind, haben wir vermutet, dass du vielleicht verschlafen hast, deshalb haben wir nach dem Frühstück nochmal im Schlafraum nachgesehen, ob du noch schläfst, aber dort warst du nicht mehr. Und dann hat Nicci gemeint, dass du vielleicht direkt hierher gegangen bist, als du gemerkt hast, wie spät es war, und so war es ja dann auch, oder?"

"Wenn die beiden Damen dort hinten vielleicht auch die Freundlichkeit hätten, mit ihre Aufmerksamkeit zu schenken!" Maia konnte nicht sagen, wie froh sie war, Snape's Stimme zu hören. Sie hatte noch nie jemanden so viel in so kurzer Zeit sagen hören wie Sam. Aber dass am Vorabend niemand mit ihr gesprochen hatte, lag zumindest nicht daran, dass die anderen sie nicht leiden konnten. Das wusste sie nun.

Der Zaubertränkeunterricht erwies sich als nicht so langweilig, wie Maia's Eltern immer behauptet hatten. Im Gegenteil, es war sogar richtig interessant. Das war wohl auch der Grund, warum Maia die Doppelstunde viel zu kurz empfunden hatte.

* * * * *

Nach der kutzen Störung durch die Slytherin-Mädchen zu Beginn des Unterrichts und dem bereits vermuteten Unvermögen der Gryffindors (Wood mussten ein paar Punkte abgezogen werden, nachdem er das Buch seines Tischnachbarn - den roten Haaren nach zu unrteilen, musste es sich um einen Weasley handel - beinahe vernichtet hätte), hatte Severus seine erste Doppelstunde mit den Erstklässlern überstanden.

Dei Schüler strömten aus dem Raum und er schloss erleichtert sie Augen. So viel Unwissen in einem Raum hatte er noch nie erlebt. Gerade als Maia und Sam durch die Tür gehen wollten, öffnete Severus seine Augen wieder. Schlagartig erhellte sich seine Stimmung. "Ach, Miss Tennon!", rief er durch den Raum und Maia drehte sich um, wobei sie fast gegen die Wand gelaufen wäre. "Nicht verlaufen!" Wieder schwang in diesen Worten dieselbe Überheblichkeit mit, mit der er ihr vor wenigen Stunden begegnet war. Er konnte sehen, wie ihre Wangen rot wurden. Am liebsten wäre sie wohl im Boden versunken, als sie Sam durch die Tür drängte. Erneut machte sich ein Gefühl von Selbstzufriedenheit in ihm breit.

Ob ihre Eltern den Brief wohl schon gelesen hatten?

* * * * *

"Wie hat er das gemeint mit dem nicht verlaufen? Hast du dich schon einmal verlaufen? Bist du deshalb heute Morgen nicht beim Frühstück gewesen? Die Gänge hier sind aber auch verwirrend. Ich hätte mich bestimmt auch verlaufen, wenn ich nicht Mel und Nicci gefolgt wäre. Die beiden haben sich den Weg viel besser gemerkt als ich." Kaum hatten sie den Raum verlassen, begann Sam wieder zu reden. Maia konnte nicht verstehen, wie man soe schnell sprechen konnte, ohne sich zu verhaspeln. "Aber vorhin, das war doch echt peinlich, wie Snape uns aufgefordert hat, leise zu sein. Naja, wahrscheinlich meinte er hauptsächlich mich, du hast ja kaum was gesagt." Sam schien kaum Luft zu holen. "Ich bin mir sicher, wenn wir in Gryyfindor wären, hätte er uns ein paar Punkte abgezogen. Du hast ja gesehen, wie er bei Oliver reagiert hat. Zum Glück sind wir in seinem Haus und da..." "Ähm, wie meinst du das, in seinem Haus?" "Oh, wusstest du das nicht? Snape ist der Hauslehrer von Slytherin. Und es ist eigentlich allegemein bekannt, dass er bei den Strafen nicht unbedingt unparteiisch ist. Ist natürlich nur ein Vorteil für uns! Was hast du denn? Geht's dir nicht gut?", fragte Sam, als Maia plötzlich stehen blieb. "Er ist unser Hauslehrer?" antwortete Maia fragend. Sam nickte. "Ich glaube, er hasst mich!", sprach Maia weiter und auf dem Weg zum Zaubersprüche-Unterricht erzählte sie, wie sie sich verlaufen und Snape sie gefunden hatte.

Zaubersprüche hatten sie zusammen mit Ravenclaw. Maia erwies sich in diesem Fach als Naturtalent. Der Levitations-Spruch gelang ihr auf Anhieb, im Gegensatz zu den anderen hatte sie keine Probleme damit, die Feder schweben zu lassen. Prof. Flitwick, der wohl kleinste Zauberer, den Maia sich vorstellen konnte, war hellauf begeistert. Obwohl er der Hauslehrer von Ravenclaw war, behandelte er alle Schüler gleich, und so erntete Maia für ihren gelungenen Zauberspruch 10 Punkte für Slytherin. Vielleicht war sie doch nicht so dumm, wie sie gedacht hatte.

Der Unterricht am Nachmittag stellte sich als weit weniger spannend heeraus auls Zaubertränke und Sprüche. Man konnte von einem Geist wohl auch nicht verlangen, dass er einem die Geschichte der Zauberei interessant übermittelte, und nicht nur Maia war froh, als die Doppelstunde zu Ende war.

Der restliche Nachmittag war unterrichtsfrei und als Sam fragte, ob Maia mit ihr, Mel und Nicci in die Bibliothek gehen wollte, um vor dem Abendessen noch Informationen für ihre ersten Hausaufgaben zu suche, stimmte Maia gerne zu. Sie hatte Freunde gefunden. Mittlerweile konnte Maia nicht mehr verstehen, warum ihre Eltern so sehr über die Slytherins geschimpft hatten. Wer weiß, ob sie in Ravenclaw auch so aufgenommen worden wäre.

Ravenclaw. Ihre Eltern hätten sie gerne dort gesehen. Maia's Glücksgefühl verschwand wieder. Auch wenn sie in Slytherin glücklich werden konnte, ihre Eltern würden es nie sein. Mit diesem Gedanken schlief sie an dem Abend ein.

* * * * *

Severus lag noch lange wach, nachdem er sich nach dem Abendessen zurückgezogen hatte. Maia's Eltern hatten den Brief bestimmt schon gelesen. Und vermutlich wäre auch die Antwort schon unterwegs. So, wie er sie kannte, würden sie Maia wohl einen Heuler schicken. Jeder würde mitbekommen, wie enttäuscht sie von ihrer Tochter waren. Und er, Severus Snape, war es gewesen, der ihnen nach all den Jahren dieses Gefühl der Enttäuschung gelehrt hatte.

Mit der ihm mittlerweile so vertrauten Selbstzufriedenheit schlief er schließlich ein.
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Kapitel 3

Beitragvon Shiver » Sa 04 Mär, 2006 01:03

Der Brief

In den nächsten Wochen gab es keine besonderen Vorkommnisse. Die Fächer Zaubertränke und Sprüche verloren nicht an Spannung, leider blieb aber auch Geschuchte der Zauberei ohne Veränderung. Und auf die Flugstunden hätte Maia auch jederzeit verzichten können. Sie war einfach nicht dazu geboren, auf einem Besen zu sitzen. Ganz anders dieser Gryffindor. Wie war sein Name? Genau, Oliver hatte Sam ihn mal genannt. An die Sticheleien von Snape hatte sie sich inzwischen gewöhnt, wenn sie auch den Grund dafür nicht wusste. Aber er fand immer wieder etwas, um es ihr an den Kopf zu werfen. Und wenn es nichts Neues gab, erinnerte er sie wieder daran, wie sie sich an ihrem ersten Tag verlaufen hatte. Dabei hatte Sam doch gemeint, er würde Slytherins bevorzugen. Wenigstens zog er ihr keine Punkte ab und machte sie auch nicht vor allen Schülern nieder, wie er es bei den Gryffindors machte.

Im Großen und Ganzen waren die ersten sechs Wochen doch um einiges schöner als Maia nach dem ersten Abend vermutet hatte. Nur, dass sie noch keinen Brief von ihren Eltern bekommen hatte, betrübte sie etwas. Allen anderen brachten die Eulen fast täglich Briefe, Päckchen mit Süßigkeiten oder andere Dinge, die sie zu Hause vergessen hatten. Nur zu Maia war noch keine Eule gekommen. Kein Paket, keine Nachricht darüber, was zu Hause los war, nichts. Aber heute würde sie bestimmt Post bekommen, dachte sie, als sie an diesem Morgen aufstand.

Voller Vorfreude ging sie mit Sam in den großen Saal. An das schnelle Sprechen des Mädchens hatte sich Maia inzwischen gewöhnt und sie hatte gelernt, das Wichtigste aus dem Redefluss herauszufiltern. Sam war inzwischen ihre beste Freundin geworden und sie waren nur selten allein anzutreffen.

Nicci und Mel saßen schon am Slytherin-Tisch, als Maia und Sam den Saal betraten. Sie setzten sich auf die freigehaltenen Plätze. Maia aß kaum etwas, ständig blickte sie Richtung Fenster, um nach den Eulen Ausschau zu halten. "Wartest du auf etwas Bestimmtes? Glaubst du, dass du heute Post bekommst?", fragte Sam, der Maia's nervöses Verhalten aufgefallen war. "Ich habe heute Geburtstag, und den können meine Eltern nicht einfach ignorieren!" "Warum hast du das nicht füher gesagt? Dann hätte ich dir ein Geschenk besorgen können. Und ich bin sicher, Mel und Nicci hätten dir auch etwas geschenkt, nicht wahr, Mädels? Ich hätte einfach meiner Mutter geschrieben und sie..." Das Geflatter unzähliger Eulen übertönte schließlich Sam's Stimme. Sofort richtete sie ihren Blick wieder nach oben. Und tatsächlich, da war Barny, die Schleiereule der Familie Tennon. Maia strahlte über das ganze Gesicht, als er dicht über ihrem Kopf flog und einen Brief fallen ließ. Sie öffnete ihn und begann zu lesen. Schlagartig verfinsterte sich ihre Miene und ihre Augen füllten sich mit Tränen. "Was ist denn los?", fragte Sam. "Ist irgendetwas passiert? Ist jemand gestorben? Was schreiben deine..." Nicci deutete Sam, sie solle leise sein. Maia ließ den Brief fallen und begann zu weinen.

* * * * *

Sechs Wochen waren nun vergangen, seit Severus den Brief an Maia's Eltern geschickte hatte. Aber sie hatten bisher noch nicht darauf reagiert. Sie konnten es doch nicht einfach so hingenommen haben, dass ihre Tochter in Slytherin und er ihr Hauslehrer war, dass sie offensichtlich zu dumm für Ravenclaw war. Nein, sie konnten es nicht einfach akzeptieren. Sie durften es nicht akzeptieren!

Vielleicht hatte sie ja schon einen Brief erhalten und er hatte es übersehen? Aber er war doch immer im großen Saal, wenn die Eulen kamen. Und er hatte immer auf Maia geachtet. Er hätte es sehen müssen. Wahrscheinlich würde heute der Brief kommen. Ja, er hatte so ein Gefühl. Heute würde Maia den Brief bekommen, auf den er seit sechs Wochen wartete.

Schon als er die Tür zum großen Saal öffnete, konnte er das unverkennbare und vor allem unaufhörliche Schnattern von Samantha Adams hören. Wie konnte ein einzelner Mensch nur so viel reden? Wäre sie nicht in seinem Haus, hätte er ihr schon längst Punkte dafür abgezogen. Noch weniger verstehen konnte er, dass die anderen Schülerinnen sich freiwillig zu ihr setzten und das Geschnatter aushielten. Er würde wohl wahnsinnig werden, wenn ständig jemand in seiner Nähe so viel und so schnell redete. Langsam ging er auf seinen Platz zu, ohne dabei die Gruppe von Slytherin-Mädchen aus den Augen zu lassen. Maia schien ebenfalls auf die Eulen zu warten. Ständig wandte sie ihren Blick Richtung Fenster. Erwartete sie etwa einen Brief? Vielleicht hatte sie ihren Eltern ja doch mitgeteilt, dass sie ihre Erwartungen zunichte gemacht hatte.

"Sie kann nichts dafür, dass du Probleme mit ihren Eltern hattest, Severus!" Überrascht blickte er zur Seite. Albus Dumbledore musste ihn die ganze Zeit beobachtet. Severus musste bei dem Gedanken an Maia's Eltern einen dermaßen angewiderten Gesichtsausdruck angenommen haben, dass der Schulleiter ihn schließlich ansprach. "Du solltest deinen Hass auf William und Gloria nicht an ihr auslassen. Sie hat sich ihre Eltern nicht ausgesucht!" Severus öffnete gerade den Mund, um Dumbledore zu antworten, wusste aber eigentlich nicht, was er sagen sollte. Deshalb war er sehr dankbar, als der Raum plötzlich vom Geflatter unzähliger Eulen erfüllt wurde. Sein Blick wanderte wieder zu Maia. Er wollte es nicht übersehen, wenn sie einen Brief erhielt. Und tatsächlich, eine Schleiereule ließ etwas in Maia's Hände fallen. Sofort öffnete sie den Brief. Es war kein Heuler, schade. Aber Maia's Reaktion entschädigte ihn für diese kleine Enttäuschung. Er sah, wie sie den Brief fallen ließ und das Gesicht in ihren Händen vergrub. Heute hatte sie den Brief erhalten, auf den Severus so lange gewartet hatte. Für einen Augenblick schloss er die Augen und genoss den Moment, bevor er sich erhob und den Saal verließ.

* * * * *

"Darf ich den Brief lesen?", fragte Mel. Maia nickte wortlos, aber laut schluchzend. Mel begann zu lesen, hatte aber teilweise große Schwierigkeiten, die krakelige Schrift zu entziffern.

Liebe Maia,

Zu allererst möchte ich dir natürlich zu deinem Geburtstag gratulieren. Ich hoffe, du feierst schön!

Mama und Papa meinen ja, dass du schon zu alt für Geburtstagsgeschenke und Karten bist, aber ich habe Barny trotzdem mit einem Brief losgeschickt. Man kann doch nicht zu alt dafür sein!

Mama und Papa sind in letzter Zeit überhaupt etwas komisch, wenn jemand nach dir fragt. Ich glaube ja, dass sie einfach enttäuscht sind, weil du dich noch nicht gemeldet hast.


"Du hast in den sechs Wochen, die du jetzt hier bist, wirklich noch nicht nach Hause beschrieben? Wieso das denn?" Als Antwort erhielt Mel nur ein lautes Schluchzen.

Aber ich habe gesat, dass du wahrscheinlich viel lernen musst, wenn du den Ravenclaw-Ansprüchen gerecht werden willst. Mama und Papa waren ja selbst in Ravenclaw, und sie wissen wohl am besten, wie stressig das ist.

"Ravenclaw? Deine Eltern waren in Ravenclaw? Warum bist du dann nach Slytherin gekommen?" Maia blickte Mel aus geröteten Augen an.

Aber als ich das gesagt habe, waren sie noch komischer.

Wie auch immer. Ich wünsche dir einen schönen Geburtstag. Du fehlst mir!

Liebe Grüße von deinem Bruder Craig


"Ich verstehe nicht, warum du so verzweifelt bist! Gut, deine Familie denkt, du seist in Ravenclaw, aber das ist doch ein netter Brief!" "Mein kleiner Bruder hat ihn geschrieben!", fuh Maia Nicci mit heiserer Stimme an. "Meine Eltern sind enttäuscht von mir, sonst hätten sie mir selbst geschrieben!" Warum sollten sien enttäuscht sein? Du bist doch eine hervorragende Schülerin!" "Und eine Slytherin! Meine Eltern hassen Slytherins! Und nun müssen sie es irgendwie erfahren haben!" "Aber du hast doch bisher noch keinen Brief geschickt, oder?" "Dann hat ihnen eben jemand anderer geschrieben! Ich bin sicher, dass sie es wissen!", schrie Maia, während sie aus dem Saal lief.

Die Schüler an den anderen Tischen drehten sich zu den Slytherins um, als Sam aufstand und ihrer Freundin folgte. "Maia, bleib doch stehen!" Aber Maia blieb nicht stehen. So schnell sie konnte lief sie in den Schlafraum und warf sich auf ihr Bett. Ihr Gesicht vergrub sie im Kissen, wodurch ihre Schluchzer erheblich gedämpft wurden. Sam blieb einige Zeit wortlos im Raum stehen, bevor sie Maia wieder ansprach: "Ich glaube, wir müssen dann bald zum Unterricht. Du willst doch nicht zu spät zu Snape kommen, oder? Ich meine, er hat's ja sowieso auf dich abgesehen, und wenn du nicht in Slytherin wärst..." Sam hörte auf zu sprechen. Zum ersten Mal merkte sie, dass sie zu viel sagte. Jedenfalls im Moment. Langsam richtete Maia sich auf und suchte nach einem Taschentuch, um sich die Nase zu putzen. Nachdem sie sich die Tränen aus dem Gesicht gewischt hatte, nahm sie ihre Bücher und machte sich mit Sam auf den Weg in den Kerker. Nein, zu Snape wollte sie wirklich nicht zu spät kommen.



Mel und Nicci saßen bereits im Raum und hatten ihnen ihre üblichen Plätze in der dunklen Ecke freigehalten. Maia und Sam waren keine Sekunde zu früh angekommen, denn kaum hatten sie Platz genommen, betrat Snape den Raum.

"Schlechte Nachrichten von zu Hause?"

* * * * *

"Sie kann nichts dafür, dass du Probleme mit ihren Eltern hattest!" Ständig musste er an DUmbledore's Worte denken. "Du solltest deinen Hass nicht an ihr auslassen!" Das hatte Severus doch auch gar nicht vor! Er wusste ja, dass Maia nichts für ihre Eltern könnten. Aber sie ähnelte in ihrem Aussehen einfach zu sehr ihrer Mutter Gloria, die ihn damals so schikaniert hatte. Vielleicht hätten ihn die Gryffindors aus seinem Jahrgang auch anders behandelt, wenn sie nicht die Ravenclaws als Vorbild gehabt hätten.

Er konnte einfach nicht anders, als an Gloria zu denken, wenn er Maia sah. Und dann kamen all diese Gefühle in ihm hoch, die er so lange zu verdrängen in der Lage war. Vielleicht würde er sie anders behandeln, wenn diese Ähnlichkeit nicht bestehen würde. Nein, ganz sicher würde er sie anders behandeln. Vermutlich wäre sie sogar seine Lieblingsschülerin. Schließlich war sie klug, sehr klug sogar, das konnte er nicht abstreiten. Sie war die einzige Erstklässlerin, die alles auf Anhieb verstand. Und sie war in Slytherin, was ihr ebenfalls einen Pluspunkt einbrachte. Aber sie sah nun einmal aus wie ihre Mutter, und diese Tatsache machte all ihre positiven Eigenschaften zunichte.

Lautlos betrat Severus den Raum. Sofort suchten seine Augen nach Maia. Eigentlich hatte er nicht erwartet, dass sie zu Unterricht erscheinen würde, nachdem sie beim Frühstück total aufgelöst war. Aber da saß sie, in der dunklen Ecke, wie immer, zusammen mit der schnatternden Sam und den anderen beiden Mädchen, Nicole und Melanie, die vermutlich auch nur durch die Tatsache, dass ihre Familien seit Generationen in Slytherin waren, in dieses Haus gekommen waren.

"Schlechte Nachrichten von zu Hause?" Eigentlich hatte er gar nicht vorgehabt, Maia auf den Brief anzusprechen. Aber als er sie auf ihrem Platz sitzen sah, wie ein Häufchen Elend mit verheulten Augen, kam der Gedanke an ihre Mutter zurück und er hörte, wie die Worte seinen Mund verließen. Erst jetzt schienen Maia und die anderen den Tränkemeister zu bemerken. Alle vier drehten sich zu ihm um und Maia funkelte ihn aus ihren geröteten Augen böse an. Severus musste sich eingestehen, dass sie in diesem Moment nicht viel von ihrer Mutter hatte. Ihre dunklen Haare hingen ihr wirr ins Gesicht, in dem nicht der Ausdruck von Stolz zu sehen war, den er von ihrer Mutter nur allzu gut kannte.

Er löste seinen Blick von Maia und ging auf seinen Schreibtisch zu. "Ihre Eltern haben nur ihren Geburtstag vergessen!" Überrascht, weil er keine Antwort erwartet hatte, blieb Severus stehen und blickte zurück. "miss Adams, ich kann mich nicht daran erinnern, Sie etwas gefragt zu haben!" "Wenn si doch nur nicht in Slytherin wäre", setzte er seine Äußerung in Gedanken fort. Mit einem Blick, der zu sagen schien, dass er kein Wort mehr hören wolle, drehte er sich wieder um und ging zu seinem Tisch.

Der Unterricht verlief ohe weitere besondere Zwischenfälle. Selbst die Gryffindors machten heute ausnahmsweise keine größere Fehler, sodass er ihnen keine Punkte abziehen konnte. Nach der Doppelstunde entließ Severus die Schüler aus dem Kerker, jedoch nicht, ohne ihnen genaue Anweisungen für den Aufsatz zu geben, den sie ihm in der nächsten Stunde abliefern sollten.

Endlich war er wieder alleine. Unweigerlich musst er wieder an Maia denken. Hatten ihre Eltern wirklich nur ihren Geburtstag vergessen? War das der Grund für ihre Tränen? Oder hatten sie ihr doch mitgeteilt, dass sie enttäuscht wären?
"If velvet had a voice, it would sound like Alan Rickman!"

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Beitragvon Krone » So 05 Mär, 2006 11:11

Hey die Story gefällt mir, wenn ich auch denke, dass du den Namen "der große Saal" durch "die große Halle" ersetzen könntest...
"...Und man siehet die im Lichte, die im Dunkeln sieht man nicht!"

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Beitragvon Jean_Riddle » So 05 Mär, 2006 12:03

Ja die Geschichte ist super
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Beitragvon Wuschl » Di 07 Mär, 2006 15:58

Super Geschichte.... ich werd sie weiter hin verfolgen ;)
Tauriel: "Wenn das die Liebe ist, dann will ich sie nicht.
Befreiht mich davon. Bitte! Warum nur schmerzt sie so sehr?"
Thranduil: "Sie war wahrhaftig."

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Kapitel 4

Beitragvon Shiver » Di 14 Mär, 2006 10:12

Weihnachten

Mit dem Aufsatz hatte Maia - im Gegensatz zu manchen anderen - keine Probleme, obwohl sie auch für die anderen Fächer viel zu tun hatten (Binns verlangte eine detailierte Auflistung aller Koboldkriege seit Beginn der Zeitrechnung, McGonagall wollte, dass sie in jeder freien Minute üben, Tasen in Vasen und dann wieder in Tassen zu verwandeln). Vielleicht lag es aber auch daran, dass sie sich ablenken wollte. Sie wollte nicht an ihre Eltern denken müssen. Deshalb kam ihr das erste Quidditch-Spiel in diesem Schukjahr - traditionell Gryffindor gegen Slytherin - gerade recht. Eigentlich hielt sich ihre Begeisterung für diese Sportart in Grenzen, aber es war eine willkommen Abwechslung.

Es regnete an diesem Samstag. Das Quidditch-Feld war gesäumt von roten und grünen Regenschirmen. Alle starrten gebannt nach oben, nur Maia interessierte es relativ wenig, was dort hoch über ihren Köpfen vor sich ging. Sie hatte ja nicht einmal die Regeln richtig verstanden.

Maia war erstaunt, wie viele Personen da waren. Ganz Hogwarts musste sich um das Feld versammelt haben. Selbst Hagrid, der Wildhüter, der sich sonst nie so weit von seiner Hütte am Rand des Verbotenen Waldes entfernte, war gekommen, um das Spiel zu sehen. Mit seiner Körpergröße überragte er alle anderen.

Maia's Blick wanderte weiter zu den Gryffindors. Allzu glücklich waren sie wohl nicht mit dem Spielverlauf. Für einen kurzen AUgenblick blieben Maia's Augen an Oliver Wood haften. Er sah aus, als wäre er am liebsten selbst oben in der Luft, um die Mannschaft zu unterstützen. Ohne Zwischenstopp blickte sie weiter zu McGonagall. Als Hauslehrerin von Gryffindor war das Spiel für diese auch eher eine Qual. Immer wieder schloss sie die Augen, um dann wieder verbissen nach oben zu sehen. Ganz anders Snape, der neben ihr saß. War das tatsächlich ein Lächeln, was Maia in seinem Gesicht sah? Das wird doch nicht etwa ein Gefühlsausbruch sein? Bei diesem Gedanken begann Maia unweigerlich zu lachen.

Während Maia Snape anstarrte, wanderten ihre Gedanken weiter. In letzter Zeit ließ er sie eigentlich in Ruhe. Er hatte schon lange keine Anspielung mehr darauf gemacht, dass sie sich verlaufen hatte. Auch, als sie dieses eine Mal zu spät gekommen war, weil sie ihr Buch im Gemeinschaftsraum vergessen hatte und sie nochmal zurücklaufen musste, hatte er es wortlos hingenommen. Wenn sie genauer überlegte, ließ er sie seit ihrem Geburtstag in Ruhe, seit er sie auf den Brief angesprochen hatte. Woher hatte er eigenltich gewusst, dass sie einen Brief von zu Hause erhalten hatte? Er wird doch nicht... Unsinn, dachte Maia. Wahrscheinlich hatte er Barny gesehen, und als sie dann verheult im Klassenraum gesessen war, hatte er wohl den Brief dafür verantwortlich gemacht.

Ohrenbetäubender Jubel riss Maia aus ihren Gedanken. Alle Slytherins um sie herum sprangen und schrien, auch Snape war aufgestanden und klatschte. Slytherin muss wohl gewonnen haben, folgerte Maia und stimmte in den Jubel mit ein. Wobei sie sich mehr darüber freute, endlich ins Trockene zu kommen, als über die Tatsache, dass Gryffindor unterlegen war.

Im Gemeinschaftsraum ging der Jubel weiter und Maia ließ sich von der Fröhlichkeit anstecken. Sie genoss es, für kurze Zeit nicht an ihre Eltern denken zu müssen. Als sie weit nach Mitternacht allerdings müde in ihr Bett fiel und die Augen schloss, kamen die Bilder zurück, die sie Nacht für Nacht in ihren Träumen gesehen hatte. Und wieder traten Tränen in ihre Augen.

Die nächsten Tage brachten keine besonderen Ereignisse. Flitwick war wie immer von Maia begeistert, auch wenn Maia das inzwischen eher auf ihren Namen zurückführte ("In Ihnen steckt ja doch eine Ravenclaw!"), die Punkte der Gryffindors verringerten sich stetig in Snape's Unterricht ("Mr. Wood, würden Sie bitte dafür sorgen, dass Ihr Kessel ruhig stehen bleibt und die anderen Schüler, die wirklich etwas lernen wollen, nicht stört?") und Maia's Fertigkeiten auf dem Besen verbesserten sich nur mäßig ("Wenn ein Mensch fliegen können sollte, hätte er Flügel bekommen!"). Aber es gab zumindest genug zu tun, das Maia nicht an ihre Eltern denken ließ.

* * * * *

Langsam wurde es kühl draußen und der Wind brachte den Geruch von Schnee mit sich. Es würde wohl nicht mehr lange dauern, bis das gesamte Gelände mit einer weißen Schicht kalter Flocken bedeckt wäre. Und bald würden auch die meisten Schüler nach Hause fahren, um die Weihnachtsferien bei ihren Eltern zu verbringen.

Severus atmete tief ein, kalte Luft füllte seine Lungen.

Bald würde er für ein paar Tage seine Ruhe haben. Selbst Maia würde zu Weihnachten nicht in Hogwarts bleiben. Maia. Severus wusste noch immer nicht, wie ihre Eltern über die Entscheidung des Hutes dachten. Der Brief, den Maia vor Wochen bekommen hatte, hatte sie zwar zum Weinen gebracht, aber den wirklichen Grund dafür kannte er nicht. Und Sam's Geschichte über Maia's Geburtstag wollte er nicht glauben.

Nein, er würde jetzt nicht an Maia und ihre Eltern denken. Er wollte einfach nur die Stille genießen, die ihn umgab, und sich von allen Gedanken befreien, an nichts denken.

Wieder atmete er die kalte Luft tief ein.

Ein leichter Wind kam auf. Severus schloss die Augen. Da war es wieder, dieses leuchtende Blau.

* * * * *

Als Maia am nächsten Morgen aufwachte, tobte draußen ein heftiger Sturm. Der Wind hatte die ersten Schneeflocken mit sich gebracht und die Landschaft sah aus, als hätte jemand Zucker darüber gestreut.

In wenigen Tagen würde sie im Hogwarts Express sitzen und zu ihren Eltern fahren, wie die meisten anderen Schüler. Sie freute sich nicht besonders darauf, ihre Eltern zu sehen. "Hast du eigentlich schon gepackt?", hörte sie plötzlich Sam's Stimme. "Ich weiß gar nicht, was ich hierlassen und was mitnehmen soll. Ich meine, so lang sind wir ja gar nicht weg, da zahlt es sich doch nicht aus, alles mitzunehmen. Oder was meinst du, Maia?" "Mhm." Maia blickte gedankenverloren aus dem Fenster und beobachtete die Schneeflocken, die vom Wind durch die Luft gewirbelt wurden.

"Ich gehe jetzt frühstücken. Kommst du mit?", fragte Sam, bekam aber keine Antwort. "Maia?" Mit leicht verwirrtem Gesichtsausdruck drehte sich Maia zu ihrer Freundin um. "Hast du was gesagt?" "Frühstück! Kommst du mit?", fragte Sam erneut. Maia nickte und ging mit Sam in die große Halle. Die Tische waren fast leer, die meisten Schüler schliefen wohl noch, schließlich war Sonntag. Auch am Tisch der Lehrer waren die meisten Plätze unbesetzt.

"Freust du dich auch schon so auf Weihnachten?", fragte Sam, als die beiden ihr Frühstück zu sich nahmen. "Also, ich kann's ja kaum noch erwarten, endlich wieder ein paar Tage mit meiner Familei zu verbringen. Meine Eltern werden bestimmt wissen wollen, wie es mir hier gefällt und ob ich auch Freunde gefunden habe. Ich meine, ich habe ihnen schon Briefe geschickt, aber sie wollen es wahrscheinlich aus meinem Mund hören. Und außerdem freue ich mich schon wahnsinnig auf die Weihnachtsgeschenke. Ich bin ja gespannt, ob ich das bekomme, was ich mir gewünscht habe. Aber wenn nicht, ist es auch nicht so schlimm. Ich bekomme eigentlich immer etwas, das mir gefällt. Hast du dir auch was Bestimmtes gewünscht? Und glaubst du, dass du es bekommst?" Maia's Augen füllten sich mit Tränen, als sie aufstand und aus der Halle rannte. Sie würde bestimmt nicht das bekommen, worüber sie sich am meisten gefreut hätte.

Maia achtete nicht darauf, wohin sie lief. Dass sich die Tür öffnete und jemand die große Halle betrat, merkte sie erst, als es bereit szu spät war. Von Unmengen schwarzen Stoffs umgeben, fühlte Maia, wie ihr Gesicht rot anlief, als ihr bewusst wurde, dass sie gerade gegen Severus Snape gelaufen war. "Ich...ähm...es...ich wollte...", stammelte sie, als Snape sie mit hochgezogenen Augenbrauen ansah.

Einige Sekunden starrte sie ihn aus geröteten Augen an, bevor sie wieder in der Lage war, klare Worte zu formulieren. "Es tut mir leid", sagte sie leise, "Ich habe nicht gesehen, wohin ich laufe!" "Nicht das erste Mal!", antwortete Snape und erinnerte Maia an ihre erste peinliche Begenung. Dieselbe Überheblichkeit wie damals lag in seiner Stimme.

In den letzten Tagen vor Weihnachten versuchte Maia, Snape so gut es ging aus dem Weg zu gehen. Und wenn sie sich doch begegneten, trat Snape demonstrativ zur Seite und sah Maia mit demselben Blick an, wie an diesem Sonntag.

Schließlich war der Tag der Heimreise gekommen. Maia hatte in der Nacht kaum geschlafen, immer wieder überlegte sie, was sie ihren Eltern wohl sagen könnte, um sie davon zu überzeugen, dass Slytherin gar nicht so schlecht war. Selbst, als sie zusammen mit Sam, Mel und Nicci im Zug saß, dachte sie noch darüber nach. Sie kam erst auf andere Gedanken, als Oliver Wood fragte, ob in ihrem Abteil noch ein Platz frei wäre.

Während der restlichen Zugfahrt schaffte sie es, nicht an ihre Eltern zu denken. Zu sehr wurde sie durch die Albernheiten von Oliver abgelenkt. Sam, Mel und Nicci schienen nicht besonders begeistert davon zu sein, dass er bei ihnen saß, wobei Maia vermutete, dass es nicht an ihm persönlich lag, sondern an der Tatsache, dass er ein Gryffindor war. Maia konnte diese Rivalität einfach nciht verstehen. Schließlich waren sie doch alle Schüler in Hogwarts, ganz egal, in welches Haus sie eingeteilt wurden, sie lernten alle das gleiche. Vielleicht lag es aber auch daran, dass die anderen "echte" Slytherins waren, dachte Maia. Sie mochte Oliver, und was die anderen darüber dachten, war ihr egal.

Viel zu schnell waren sie in London, zu früh musste Maia an ihre Eltern denken. Nachdem sie sich von ihren Freunden verabschiedet hatte, suchte sie in der Menschenmenge nach bekannten Gesichtern, als ein dunkelhaariger Junge von etwa zehn Jahren auf sei zugestürmt kam. "Maaaaiaaaaa!" Mehrere Leute drehten sich zu ihm um, als Craig Maia in die Arme sprang und sie beinahe hingefallen wären. "Wo sind Mama und Papa?", fragte Maia lachend. "Oh, die hatten keine Zeit, deshalb bin ich mit Onkel Jacob hergekommen, um dich abzuholen", antwortete Craig fröhlich. Maia atmete tief durch, um die Tränen zu unterdrücken, die sich wieder in ihre Augen schleichen wollten, und verscuhte zu lächeln. Eigentlich mochte sie ihren Onkel, aber es wäre ihr lieber gewesen, von ihren Eltern abgeholt zu werden.

Craig nahm seine Schwester bei der Hand und zog sie Richtung Ausgang, wo ein junger Mann mitte 20 auf sie wartete. Jacob war der jüngere Bruder ihrer Mutter Gloria, und wie jeder in deren Familie hatte auch Jacob diese leuchtend blauen Augen. Maia und Craig mochten ihn vor allem deshalb so gern, weil er das Leben nicht ganz so ernst nahm wie die übrigen Erwachsenen. Mit einem breiten Grinsen, ohne das Maia ihn noch nie gesehen hatte, begrüßte er seine Nichte. "Und? Wie geht's unserer frischgebackenen Ravenclaw?", fragte Jacob, als sie im Auto saßen und sich auf den Weg machten. "Ich, ähm, bin nicht...in...Ravenclaw", antwortete sie leise. "Hast du es etwa nach Gryffindor geschafft? Das wäre ja fast noch besser! Dann wärst du ja nich tnur klug, sondern auch mutig!" Jacob's Grinsen wurde noch breiter. "Ich bin auch nicht in Gryffindor. Ich bin in Slytherin." Maia's Antwort war kaum zu hören. Für eine kurzen Augenblick verschwand das Grinsen aus dem Gesicht ihres Onkels und Maia wusste, dass selbst er von ihr enttäuscht war. Wie sollten es ihre Eltern dann nicht sein?

Nach einer scheinbar endlos langen Fahrt waren sie schließlich bei Maia's Elternhaus angekommen.

Craig sprang aus dem Auto und lief ins Haus. "Mama, wir sind wieder daaa!" "Das ist ja nicht zu überhören. Und jetzt geh und wasch dir die Hände, das Essen ist fertig. Du bleibst doch auch noch zum Abendessen, oder, Jacob?" Jacob nickte.

"Ich bringe noch schnell meinen Koffer rauf, dass komme ich auch zum Essen." Maia versuchte, unbekümmert zu klingen. Ihre Mutter antwortete nicht, sie drehte sich um und ging zurück in die Küche. Maia überlegte kurz, ob sie vielleicht in ihrem Zimmer bleiben sollte, wenn ihre Mutter sie sowieso nicht sehen wollte, aber schließlich siegte der Hunger. Langsam stieg sie die Treppe hinab und ging in die Küche. Ihre Mutter, Jacob und Craig aßen bereits. Sie hatten nicht auf sie gewartet.

"Wann kommt Papa?", schallte Craig's Stimme durch den Raum, als Maia sich an den Tisch setzte. "Du weißt doch, dass er in letzter Zeit immer länger arbeitet. Er wird schon noch rechtzeitig kommen", antwortete Gloria. Sie schienen Maia vollkommen zu ignorieren. Niemand sagte auch nur ein Wort zu ihr, nur Jacob grinste sie ab und zu an.

Nachdem sie den ärgsten Hunger gestillt hatte, ging Maia in ihr Zimmer. Wie so oft in den vergangenen Monaten legte sie sich aufs Bett und weinte. Nach nur einer Stunde zu Hause bereute sie ihre Entscheidung, nicht in Hogwarts geblieben zu sein.

Ein Klopfen an der Tür ließ Maia hochschrecken. "Schläfst du schon?", hörte sie die Stimme ihres Vaters. "Nein, ich bin noch wach", antwortete Maia, erleichtert, dass sie doch nicht von allen gemieden wurde. "Wann bist du gekommen?", fragte ihr Vater, als er sich zu ihr aufs Bett setzte. "Vor etwa eineinhalb Stunden", sagte Maia mit heiserer Stimme. "Mama ist sehr enttäuscht, oder?" "Sie wird sich schon wieder beruhigen", meinte ihr Vater. "Sie war zwar nicht gerade begeistert davon, ausgerechnet von Severus Snape zu erfahren, dass du nicht in Ravenclaw bist, aber..." Den Rest des Satzes hörte Maia nicht mehr. Snape. Es war also doch Snape, der ihren Eltern den Brief geschickt hatte. Und beim Quidditch-Spiel hatte sie diesen Gedanken noch verworfen, weil er ihr zu absurd vorgekommen war. Aber warum hatte er das getan? Was hatte er davon?

"Hörst du mir überhaupt zu? Oder bist du schon zu müde?", hörte sie plötzlich die Stimme ihres Vaters wieder. "Ich lasse dich jetzt schlafen und du erzählst mir einfach morgen alles über die Schule und deine Freunde. Gute Nacht, maine Engel!" "Gute Nacht, Papa!"

* * * * *

Endlich Ruhe, dachte Severus, als er an diesem Morgen aufwachte. Auch, wenn Weihnachten nicht unbedingt sein Lieblingsfest war, liebte er immer die Stille im Schloss, die die Schüler hinterließen, wenn sie nach Hause fuhren. Aber so sehr er diese wenigen Tage auch genoss, sie erinnerten ihn mehr als alles andere daran, dass er ein sehr einsamer Mann war. Die Schüler feierten mit ihren Eltern, und auch ein Großteil der Lehrer waren bei ihren Familien. Er hatte niemanden, mit dem er die Feiertage hätte verbringen können.

Und dabei hätte alles so schön sein können, wenn damals... Nein, er würde sich nur noch einsamer fühlen, wenn er jetzt darüber nachdachte, was vor Jahren geschehen war. Er hatte niemandem etwas davon erzählt. Nicht einmal Dumbledore, der ihm trotz seiner Vergangenheit so viel Vertrauen entgegenbrachte, wusste davon.

Aufsätze. Ja, er hatte noch Aufsätze durchzulesen. Das würde ihn auf andere Gedanken bringen. Severus setzte sich an seinen Schreibtisch, nahm die erste Rolle Pergament und begann zu lesen. Bereits nach wenigen Worten war ihm klar, dass dieses Elaborat nur von einem Gryffindor stammen konnte. Die Arbeiten der Slytherins waren um Längen besser. Vielleicht war das ja ein Auswahlkriterium für den Hut, überlegte Severus. Wer von Zaubertränken keine Ahnung hat, kommt nach Gryffindor. Er schmunzelte bei diesem Gedanken und griff nach der nächsten Rolle. Es war Maia's Aufsatz. Selbst die Schrift ähnelte der ihrer Mutter. "Sie kann nichts für ihre Eltern", rief er sich Dumbledore's Worte ins Gedächtnis zurück, als er sich dabei ertappte, ihren Aufsatz strenger zu bewerten als die übrigen.

Er legte das Stück Pergament zur Seite. Selbst die Ablenkung erinnerte ihn an damals. Severus stand auf und verließ den Raum. Die Wände schienen ihn zu erdrücken. Nie zuvor hatte er die Einsamkeit als so grausam empfunden.

* * * * *

"Maia, aufwachen! Es ist Weihnachten! Wir müssen die Geschenke auspacken!" Unsanft wurde Maia von ihrem Bruder geweckt, als dieser lauthals schreiend durch das Haus lief. Langsam öffnete sie die Augen. Es war Weihnachten. Maia erwartete keine Geschenke. Nicht dieses Jahr. Sie hoffte nur, dass ihre Mutter wenigstens heute mit ihr sprach.

Maia setzte sich auf. Ihr Kopf fühlte sich an, als würde er jeden Moment platzen. Sie würde alles dafür geben, mit ihren Freunden in Hogwarts sein zu können. Sie wollte nicht ins Wohnzimmer gehen. "Maia, komm endlich!", hörte sie erneut ihren Bruder rufen. Wieder durchfuhr ein stechender Schmerz ihren Kopf. Maia stand schließlich auf und ging Richtung Treppe. Sie konnte es ja doch nicht vermeiden, nach unten zu gehen. Also wozu noch länger warten?

Stufe für Stufe stieg sie hinab. Sie wusste nicht, was sie unten erwarten würde. Ihr Herz klopfte so heftig, dass sie das Gefühl hatte, jeder im Haus müsste es hören. Als sie das Wohnzimmer betrat, traf sie sofort der kalte Blick ihrer Mutter, während ihr Vater ihr freundlich zulächelte und Craig und Jacob breit grinsten. "Na endlich", meinte Craig und stürzte sich auf seine Geschenke. Zu Maia's Überraschung lagen auch für sie Geschenke unter dem Baum. Eines davon sah verdächtig nach dem beinahe schon traditionellen Süßigkeitenpaket von Jacob aus, über das sich ihre Eltern nie wirklich gefreut hatten. In dem Päckchen, das Craig ihr überreichte, fand sie - wie jedes Jahr - eine Ansammlung von Haarbändern in allen möglichen und unmöglichen Farben. In dieser Beziehung war ihr Bruder nicht gerade einfallsreich.

Von ihrem Vater bekam Maia einen eigenen Besen. "Auch, wenn du als Erstklässler in Hogwarts keinen haben darfst!" Sie lächelte und umarmte ihren Vater. Irgendwann würde sie ihm sagen, das das Fliegen nicht wirklich ihre Stärke war.

Wortlos überreichte ihr schließlich auch ihre Mutter ein Geschenk. Überrascht nahm Maia es und befreite es vom Papier. "Eine Tasche", sagte sie verwundert. "Mit einem Vogel drauf?!" "Das ist nicht irgendein Vogel", erklärte ihre Mutter, "sondern ein Adler, das Wappentier von Ravenclaw!" Maia wusste einen Moment lang nicht, wie sie reagieren sollte. "Ravenclaw", sagte sie leise, Tränen traten in ihre Augen. "Du schenkst mir eine Tasche mit dem Ravenclaw-Adler." Sie atmete tief ein. "Ich dachte, du freust dich, dass wir in dir noch immer die Ravenclaw sehen, die du sein solltest", meinte ihre Mutter, wobei sie einen Unterton in ihre Stimme legte, der Maia klar machte, wie dieser Satz gemeint war. "Ich bin aber keine Ravenclaw!", platzte es aus ihr heraus. "Ich bin und bleibe eine Slytherin! Und aj, ich bin stolz darauf! Und selbst du wirst damit leben müssen!" Maia lief aus dem Zimmer. Ihre Mutter blickte ihr wütend hinterhe. Jacob verließ mit Craig ebenfalls den Raum, als William versuchte, seine Frau zu beruhigen.

Craig verzog sich mit seinen Geschenken in seinem Zimmer und Jacob wollte gerade nach Hause fahren, als er hörte, wie jemand die Treppe herunterkam. "Onkel Jacob?" Er drehte sich um und sah Maia fragend an. "Kann ich die restlichen Ferien bei dir bleiben?" Jacob nickte
"If velvet had a voice, it would sound like Alan Rickman!"

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Beitragvon Wuschl » Sa 18 Mär, 2006 14:54

jap weiter.......
Tauriel: "Wenn das die Liebe ist, dann will ich sie nicht.
Befreiht mich davon. Bitte! Warum nur schmerzt sie so sehr?"
Thranduil: "Sie war wahrhaftig."

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Beitragvon Killthebeast » Sa 18 Mär, 2006 18:58

Schreib doch bitte weiter!
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Beitragvon *Fox* » Sa 18 Mär, 2006 19:01

genau *bettel*
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:D Danke nochmal :D

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Beitragvon Schattenwesen » Mi 22 Mär, 2006 20:46

wow, coole Story!
ja bitte schreib schnell weiter!
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Kapitel 5

Beitragvon Shiver » So 26 Mär, 2006 03:22

Zurück


Nie zuvor hatte Maia das Ende der Ferien so herbeigesehnt. Obwohl sie die letzten Tage bei ihrem Onkel verbracht hatte, hatte es sich nicht vermeiden lassen, ihrer Mutter zu begegnen. Deshalb war sie froh, als sie endlich im Hogwarts-Express saß und darauf wartete, dass ihre Freundinnen sich zu ihr gesellten.

Gedankenverloren blickte sie aus dem Fenster. Es war also tatsächlich Snape gewesen, der ihren Eltern geschrieben hatte. Aber welchen Grund hatte er dafür gehabt? Was hatte er davon? „Sie war nicht begeistert, es ausgerechnet von Severus Snape zu erfahren“, hatte Maia‘s Vater gesagt. Kannten ihr Eltern etwa Snape? Aber woher? Er war bestimmt jünger als ihre Eltern, eher in Jacob‘s Alter, und der war als Squib nicht in Hogwarts.

„Und natürlich schon wieder träumen!“ Maia hatte nicht bemerkt, dass Sam, Mel und Nicci inzwischen eingestiegen und zu ihr ins Abteil gekommen waren. Langsam setzte sich der Zug in Bewegung. In wenigen Stunden würde Maia wieder in der Schule und somit weit weg von ihrer Mutter sein.

„Erde an Maia, bitte melden!“ Erschrocken blickte Maia in die großen braunen Augen von Mel. „Wie waren deine Ferien?“, fragte Mel erneut. Maia lächelte gequält. „nicht so besonders“, meinte sie nach einigen Augenblicken und erzählte von ihrem ersten Treffen mit ihren Eltern, seit sie nach Slytherin gekommen war.

„Ich glaube, wir sind bald da“, wechselte Sam das Thema, als sie erkannte, wie schlecht ihre Freundin sich fühlte. Maia war darüber sichtlich erleichtert.

* * * * *

Der letzte Ferientag. Heute Abend würden unzählige Schüler wieder durch das Tor in die Eingangshalle strömen, um anschließend lautstark ihr Plätze in der großen Halle einzunehmen. Dann wäre es endgültig wieder vorbei mit der Stille im Schloss. Und morgen würde er sich wieder mit all den Idioten herumschlagen müssen, die die Kunst des Zaubertränkebrauens nicht zu schätzen wussten. Die letzten Stunden voll Ruhe wollte Severus noch genießen.

Diesen Turm hatte er seit seiner Schulzeit nicht mehr betreten. Damals hatte er sehr viel Zeit hier verbracht, zusammen mit ihr. Er schloss die Augen. Wieder sah er dieses leuchtende Blau. Eine einzelne, glitzernde Träne fiel auf den Boden. Es hätte alles anders kommen können. Der Gedanke an damals schmerzte ihn. So lange hatte er seine Gefühle verdrängen können. Severus öffnete die Augen wieder. Die Sonne blendete ihn. Erst jetzt fiel ihm auf, was für ein wunderschöner Wintertag es war. Die Landschaft war unter einer dicken Schneedecke begraben, die im Sonnenlicht eine zarte gelbe Färbung annahm.

Er atmete noch einmal tief durch, bevor er wieder in seinen Kerker ging.

* * * * *

Endlich zurück, dachte Maia, als sie zusammen mit den anderen Schülern, die die Ferien bei ihren Familien verbracht hatten, die Eingangshalle betrat. Für Maia waren die vergangenen Tage eine schlimme Erinnerung, die ein unangenehmes Gefühl in der Magengegend verursachte. Aber bald würde sie bestimmt nicht mehr daran denken.

Maia‘s leerer Magen meldete sich zu Wort, schließlich hatte sie den ganzen Tag noch nichts gegessen. Und scheinbar war sie nicht die einzige, die Hunger hatte, denn auch die meisten anderen stürmten auf die große Halle zu. Nach nur vier Monaten in dieser Schule waren Maia die vier langen Tische schon so vertraut, als hätte sich noch nie woanders gesessen um zu essen. Nicci hatte bereits vier freie Plätze am Slytherin-Tisch gefunden und winkte die anderen zu sich. Kaum hatten sich alle hingesetzt, erschienen auch schon - wie immer - die herrlichsten Speisen vor ihnen. Zufrieden atmete Maia noch einmal tief durch, bevor sie zu essen begann.

Die Geschehnisse der vergangenen Tage waren schon beinahe vergessen. Maia‘s Blick schweifte durch die Halle. Die verzauberte Decke, die Dekoration - alles war herrlich. Als sie durch die Reihen der Schüler blickte, blieben ihre Augen an Oliver haften. Ob er wohl schöne Ferien hatte? Vielleicht sollte sie nach dem Essen zu ihm gehen und ihn fragen. Sie könnte ihm ja von dem tollen Besen erzählen, den sie bekommen hatte, davon wäre er sicher begeistert.

„Wovon träumst du denn jetzt schon wieder?“, fragte Sam und holte Maia‘s Gedanken in die Halle zurück. „Wir sollten bald schlafen gehen, schließlich haben wir morgen früh gleich eine Doppelstunde bei Snape“, sprach Sam weiter.

Snape. Seit einigen Stunden hatte Maia jetzt nicht an ihn gedacht, doch kaum sprach Sam seinen Namen aus, quälte sie wieder die Frage nach dem Warum. Ohne es zu wollen, drehte sie sich zu dem Lehrertisch um. Da saß er. Mit seinem kalten Blick schien er jeden einzelnen Schüler voll Verachtung zu mustern.

„Maia, kommst du?“ Die anderen drei Mädchen waren bereits aufgestanden. „Ja, ich komme schon“, antwortete Maia und zusammen verließen sie die Halle.

* * * * *

Die Halle war noch fast leer, als Severus sie betrat. Aber es würde nur noch wenige Minuten dauern, bis die Schüler in die Halle strömen und sich Geschichten über ihre großartigen Ferien erzählen würden.

Severus hatte nie schöne Ferien gehabt. Seine Eltern hatten sich die meiste Zeit gestritten. Er hatte sich dann immer in seinem Zimmer verkrochen und auf das Ende der Ferien gewartet. Nur ihre Briefe hatten ihn aufgemuntert.

Die Tür öffnete sich und das Stimmengewirr der Schüler riss Severus aus den Gedanken. Sofort suchte sein Blick nach Maia. Doch seine Hoffnung, ein verzweifeltes Häufchen Elend mit vom Weinen geröteten Augen zu sehen, wurde enttäuscht. Maia hatte sich in den Ferien verändert, auch wenn er nicht genau sagen konnte, was es war. Irgendwie schien sie ihre Mutter noch ähnlicher geworden zu sein.

Gloria. Niemals könnte er vergessen, was sie ihm vor Jahren angetan hatte. Niemals würde er in der Lage sein, ihr zu verzeihen. Es war ihre Schuld gewesen, dass sein Herz zu Stein geworden war und er seit jenem Tag keine Liebe mehr empfinden konnte, keine Liebe mehr empfinden wollte. Ein Gefühl von Hass überkam ihn bei dem Gedanken, ein Ausdruck von Verachtung zeigte sich in seinem Blick, als er durch die Reihen der Schüler schaute.

* * * * *

Beinahe hätte Maia verschlafen, wenn Sam sie nicht energisch geweckt hätte. Erschrocken sprang sie aus dem Bett, zog sich an und bändigte ihre wirren Haare mit einem der Haarbänder, die sie von Craig bekommen hatte. Dann packte sie ihre Bücher und lief in die große Halle, schließlich wollte sie vor dem Unterricht noch etwas essen. Die Halle war schon fast leer, die meisten Schüler bereits unterwegs in die Klassenräume. Hastig schlang Maia einige Bissen hinunter, um anschließend in den Kerker zu eilen. Völlig außer Atem, aber noch rechtzeitig ließ sie sich auf den Stuhl in ihrer dunklen Ecke fallen.

Maia und Mel waren gerade in ein Gespräch vertieft, als Snape lautlos den Raum betrat. Die Mädchen hätten ihn wohl auch nicht bemerkt, wenn er nicht für einen kurzen Augenblick bei ihnen stehen geblieben wäre und sich geräuspert hätte. Peinlich berührt richteten sie den Blick nach vorne.

Ein Stapel Pergamentrollen lag auf dem Tisch. Das waren wohl die Aufsätze, die sie vor den Ferien abgegeben hatten. Und Snape hatte wieder einen Grund, jeden einzelnen Schüler niederzumachen. Maia hatte schon jetzt Mitleid mit Oliver.

„Einen Aufsatz zu schreiben, ist für manche Menschen scheinbar schwieriger als das Brauen eines Trankes!“, hallte Snape‘s kalte Stimme durch den Raum. „Obwohl bei Mr. Wood wohl das Talent für beides fehlt!“

Maia blickte zu Oliver, der sich am liebsten unter dem Tisch versteckt hätte, als die Slytherins lauthals zu lachen begannen. Aber nicht nur Oliver, sondern auch die meisten anderen Gryffindors durften sich eine verächtliche Bemerkung anhören, und sogar zwei Slytherins blieben nicht verschont. Alle waren froh, als sie endlich aus dem Kerker flüchten konnten.

* * * * *

Im Gegensatz zu Maia war Severus am ersten Morgen nach den Ferien sehr früh aufgewacht. Seine Träume hatten ihn zu sehr gequält. Er war einer der ersten, der sich in der großen Halle an den Lehrertisch setzte, allerdings aß er kaum etwas, stocherte in seinem Essen herum.

„Fühlst du dich nicht wohl?“ Dumbledore war inzwischen in die Halle gekommen und hatte Severus‘ gequälten Gesichtsausdruck sofort bemerkt.
„Nein, es ist alles in Ordnung“, antwortete Severus, wobei dies wohl nicht gerade überzeugend klang, denn der Schulleiter zog skeptisch die Augenbrauen hoch. „Ich habe nur schlecht geschlafen“, ergänzte Severus rasch. Dumbledore nickte und setzte sich an seinen Platz. Überzeugt war er allerdings nicht, das bemerkte auch Severus.

Nach und nach kamen immer mehr Schüler in die Halle. Sich angeregt unterhaltend, verteilten sie sich auf die vier Tische, um zu frühstücken. Severus blickte zu der leeren Stelle am Slytherin-Tisch. Maia war noch nicht da.

Langsam stand er auf und verließ die Halle. Er wollte Maia jetzt noch nicht begegnen, die Bilder aus seinen Träumen waren noch zu deutlich vor seinen Augen. Und wenn Maia auch nur einen Teil des Charakters ihrer Mutter geerbt hatte, würde sie ihn wohl bei der ersten Begegnung auf den Brief ansprechen und fragen, warum er ihn geschrieben hatte. Dann würde er ihr die ganze Geschichte von damals erzählen müssen, auch wenn er nicht wollte. Er würde ihr - stellvertretend für ihre Mutter - alles an den Kopf werfen, was ihn im Moment beschäftigte.

Nein, der Traum war noch zu präsent, um Maia jetzt schon zu begegnen. Es wäre früh genug, sie im Unterricht zu sehen. Bis dahin hatte er noch Zeit um sich zu sammeln und die Bilder in seinem Kopf zu verdrängen.

Lautlos betrat er den Klassenraum. Beinahe reflexartig blickte er zu den Plätzen auf der rechten Seite der Tür, wo die vier Slytherin-Mädchen immer saßen. Für einen Augenblick blieb er stehen und räusperte sich, um ihnen zu verstehen zu geben, dass er ihr Schwätzen nicht duldete. Langsam ging er auf den Tisch zu und griff nach der ersten Pergamentrolle. „Einen Aufsatz zu schreiben, ist für manche Menschen scheinbar schwieriger als das Brauen eines Trankes!“ Sein Blick glitt durch die Reihen und blieb an Oliver Wood haften. „Obwohl bei Mr. Wood wohl das Talent für beides fehlt.“ Schallendes Gelächter war von Seiten der Slytherins zu hören. Ein amüsierter Ausdruck schlich sich in Severus‘ Gesicht, als er Oliver‘s Reaktion bemerkte.

„Und Miss Adams, wenn Sie soviel schreiben würden wie Sie reden, dann hätten Sie wohl das fünffache der vorgegebenen Länge erreicht, nicht nur die Hälfte.“ Selbst in der dunklen Ecke konnte man sehen, wie Sam‘s Gesicht rot wurde.

Nicht nur die Schüler, auch Severus war froh, als der Unterricht zu Ende war. Als auch die letzten den Raum verlassen hatten, setzte er sich auf seinen Stuhl, lehnte sich zurück und schloss die Augen. Dadurch bemerkte er nicht, dass Maia nochmal zurück gekommen war.

„Professor Snape?“ Sichtlich erschrocken riss er die Augen auf und blickte Maia fragend an. „Darf ich Ihnen eine Frage stellen?“ Er nickte. Jetzt war es also soweit. Er würde sich nun für den Brief rechtfertigen müssen.

„Warum?“, hörte er Maia‘s Stimme. Er hatte sich nichts überlegt, was er ihr hätte erzählen können. Er konnte an nichts anderes denken als an die Geschehnisse von damals, die er letzte Nacht im Traum wieder erlebt hatte. Er atmete noch einmal tief durch. Nun würde es sich nicht mehr vermeiden lassen, die Geschichte zu erzählen. Doch gerade als er zu sprechen beginnen wollte, wiederholte Maia ihre Frage: „Warum?“ Doch diesmal ergänzte sie: „Warum bin ich in Slytherin?“

„Ich weiß es nicht!“ Erleichtert sank Severus in seinen Stuhl zurück, als Maia sich umdrehte und den Raum verließ.
"If velvet had a voice, it would sound like Alan Rickman!"

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Beitragvon Krone » So 26 Mär, 2006 15:23

Schöner neuer Teil und da hatte Snape wohl Glück, wie er sich aus der "Schlinge" ziehen konnte ;) Nun ja, bin gespannt wie's weitergeht
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Beitragvon Shiver » So 02 Apr, 2006 10:36

Also, im Prinzip ist sie fertig, sie muss nur noch in richtige Worte gefasst werden.
Und hier kommt Kapitel 6!
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Kapitel 6

Der Turm


Maia hätte sich ohrfeigen können. Warum hatte sie ihn nicht das gefragt, was sie wirklich wissen wollte? Es war doch klar, dass Snape nicht wissen konnte, warum sie in Slytherin war. Den ganzen Tag ärgerte sie sich über sich selbst. Was hatte sie nur davon abgehalten, ihm die Frage zu stellen, warum er den Brief geschrieben hatte? Maia sprach auch sonst mit niemandem über den Brief. Nicht einmal Sam hatte sie davon erzählt.

Langsam begann der Schnee zu schmelzen, die Sonne zeigte sich immer öfter und wärmte das Land mit ihren Strahlen. Die Schüler verbrachten immer mehr Zeit im Freien. An den Brief dachte Maia kaum noch. Sie wollte auch nicht mehr daran denken, sie konnte es ja doch nicht ändern. Irgendwann würde sie den Grund schon noch erfahren. Und wer weiß, ob ihre Mutter wirklich anders reagiert hätte, wenn Maia es ihr selbst gesagt hätte. Nein, sie wollte sich keine Gedanken mehr darüber machen, was andere davon hielten.

Die Unterrichtsstunden schienen immer länger zu werden, wenn die Schüler an das schöne Wetter dachten, das sie draußen erwarten würde. Verträumt blickte Maia aus dem Fenster und beobachtete die Vögel, die ihren Frühlingsgefühlen freien Lauf ließen und im warmen Sonnenschein durch die Luft tanzten. Zum ersten Mal freute sie sich auf die Flugstunden am Nachmittag bei Madam Hooch, dann könnte auch sie die Sonne genießen und wie die Vögel durch die Luft tanzen - wenn auch nicht so elegant. Außerdem hatten sie den Flugunterricht zusammen mit Gryffindor, und auch, wenn sie die anderen Gryffindors nicht besonders leiden konnte, mit Oliver hatte sie immer Spaß.

Aber vorher musste sie noch eine Stunde Verteidigung gegen die dunklen Künste überstehen. Das war nicht gerade einfach. Spannend und interessant waren nicht unbedingt Wörter, die man verwendete, um den Unterricht bei Professor Gorham zu beschreiben. Aber nicht nur, dass es langweilig war, Maia hilet dieses Fach für vollkommen nutzlos. Was brachte es, wenn sie wusste, wie man sich gegen Sheeries zur Wehr setzte, sie aber diese Wesen selbst dann nicht erkannt hätte, wenn sie sie in die Nase gebissen hätten? Als Maia durch den Klassenraum blickte, stellte sie fest, dass nicht nur sie sich langweilte. Sam, die neben ihr saß, malte kleine Bildchen, und diese Ravenclaw, Penelope, schien sogar zu schlafen. Maia hätte beinahe gejubelt, als Gorham sie endlich aus dem Klassenzimmer entließ.

Unmittelbar nach dem Mittagessen lief Maia mit ihren Freundinnen nach draußen. Sie wollten die Sonne noch ein wenig genießen, bevor sie sich mit den Besen herumärgerten. Sie legten sich in die Wiese, schlossen die Augen und genossen die warmen Strahlen. Viel zu wenig Zeit war vergangen, als das schrille Pfeifen das Vogelgezwitscher durchbrach und den Mädchen klar machte, dass es Zeit war, sich für den Unterricht bereit zu machen. Widerwillig stand Maia auf, blinzelte noch einmal in die Sonne und ging dann zu den anderen Schülern, die sich bereits um die Besen versammelt hatten.

„Ich kann das einfach nicht“, murmelte Maia, als sie auf den Besen kletterte und sie zaghaft vom Boden abzustoßen versuchte. “Entspann dich! Du bist viel zu verkrampft!“ Ruckartig dreht Maia sich um und fiel auf die Erde, als sie in Oliver‘s Gesicht blickte. „Komm, ich helfe dir!“ Auffordernd hielt Oliver ihr seine Hand entgegen. „So, und jetzt nochmal. Ganz locker bleiben!“ Maia versuchte, Oliver‘s Ratschlag so gut wie möglich folge zu leisten. Und tatsächlich, es klappte. Sie flog! Nie hätte sie gedacht, dass es ein so herrliches Gefühl wäre. Sie schloss die Augen und genoss den Wind, der ihre Haare und den Umhang nach hinten flattern ließ. Sie fühlte sich zum ersten Mal in ihrem Leben richtig frei.

Plötzlich fühlte sie, dass sie beobachtet wurde. Sie konnte die Blicke direkt spüren, und sie wusste, dass diese nicht von den Schülern am Boden stammten. Maia wandte sich zum Schloss um und schaute in diese kalten schwarzen Augen. Schlagartig verkrampfte sie sich wieder.

* * * * *

Es war nicht zu übersehen, dass der Frühling gekommen war. Kaum ein Schüler konzentrierte sich noch auf den Unterricht, alle waren mit ihren Gedanken ganz woanders. Auch Severus hatte den Frühling einmal sehr gemocht. Damals, als er selbst noch als Schüler in Hogwarts gewohnt hatte, hatte er immer das Ende des Winters herbeigesehnt, sich gefreut, wenn die Sonne ihre ersten warmen Strahlen zur Erde sandte und sich die ersten Blumen hervorwagten. Er hatte damals viele Tage, und auch so manche Nacht, auf diesem Turm verbracht. Und immer hatte sie schon auf ihn gewartet. Ja, er hatte den Frühling geliebt, bevor...

Lautes Gekicher und Sam‘s unaufhörliches Schnattern holten Severus wieder zurück. Wenn dieses Mädchen doch nur nicht in Slytherin wäre! Er hoffte, dass die Schülerinnen bald wieder zum Unterricht ins Schloss gehen würden, doch als er das schrille Geräusch der Trillerpfeife hörte, wusste er, dass die Ruhe vorbei war.

Severus wollte Maia eigentlich nicht beobachten, aber er konnte sich nicht davon abhalten. Wie unbeholfen sie mit dem Besen war, dachte er. Das Talent zum Fliegen hatte sie scheinbar nicht von ihrer Mutter geerbt. Überhaupt erinnerte sie ihn in ihrer Art immer weniger an Gloria. Wenn sie nur nicht genauso aussehen würde!

Wie hatte Maia es nur geschafft, so schnell in die Luft zu kommen? Er hatte sie noch nie so gesehen. Sie wirkte in diesem Moment so unbekümmert und frei. Nein, wie Gloria kam sie ihm jetzt überhaupt nicht vor. Sie hatte viel mehr Ähnlichkeit mit...

Lania hatte ihn damals auch immer dazu animiert, sich mehr mit dem Besen zu beschäftigen. Im Gegensatz zu ihm war sie eine begnadete Fliegerin und er hatte ihr immer gern zugesehen, wenn sie ihm ihre Kunststücke vorgeführt hatte. Lania. Der Gedanke an sie verursachte noch immer heftige Schmerzen. Und doch wollte er sie nicht vergessen.

* * * * *

„Maia, ist alles in Ordnung?“ Langsam öffnete Maia die Augen. Sie lag im Krankenflügel des Schlosses. „Was ist denn passiert?“, fragte sie mit leiser Stimme. „Du hast die Kontrolle über den Besen verloren und bist abgestürzt“, erzählt Sam. Maia erinnerte sich. Sie war richtig geflogen. Dann hatte sie Snape auf diesem Turm gesehen, mit diesem kalten, arroganten Blick. Aber das behielt sie lieber für sich.

Nachdem ihre Freundinnen gegangen waren, dachte Maia noch einmal über Snape nach. Waren es wirklich Kälte und Arroganz, die sie in seinem Blick gesehen hatte? Sie war sich nicht mehr so sicher. Vielmehr schien es ein Ausdruck von tiefer Trauer gewesen zu sein. Aber war Snape tatsächlich in der Lage, ein solches Gefühl zu empfinden?

Maia musste die Nacht im Krankenflügel verbringen und war froh, als sie am nächsten Morgen in die große Halle gehen und mit ihren Freundinnen frühstücken konnte. Als sie sich an den Tisch gesetzt hatte, wandte sie ihren Blick sofort zum Lehrertisch. Der Gedanke an Snape ließ sie nicht los. Doch er war nirgends zu sehen. Sam‘s Frage, was denn los sei, ignorierte Maia. Stattdessen begann sie zu essen.

Schließlich machten sie sich auf den Weg in Binns‘ Klassenraum, um eine Doppelstunde Geschichte der Zauberei hinter sich zu bringen. Bereits nach wenigen Minuten fielen Maia beinahe die Augen zu. Um sich wach zu halten, dachte sie wieder über Snape nach. Inzwischen war sie sich sicher, dass es Traurigkeit war, die sie in seinem Gesicht sah.

Ihr Blick wanderte durch das Fenster. Es würde wieder ein wunderschöner Tag werden, kein Wölkchen war am Himmel zu sehen. Plötzlich fiel Maia der Turm ins Blickfeld, auf dem sie am Vortag Snape hatte stehen sehen. Der Turm! Sie verspürte den Drang, dort hinauf zu gehen. Und zwar jetzt! Sie ließ sich für Binns eine Ausrede einfallen, um den Klassenraum verlassen zu können. Da kam es ihr gerade recht, dass sie diesen Unfall hatte.

Maia hätte nicht gedacht, dass der Turm so viele Stufen hat. Völlig außer Atem kam sie oben an. Der Ausblick war herrlich, sie konnte fast bis nach Hogsmaede sehen. Aber sie wusste, dass es wohl nicht der Ausblick war, der Snape auf diesen Turm führte. Sie wollte herausfinden, was es war. Und sie hatte das Gefühl, dass sie hier oben irgendwo einen Hinweis finden könnte, wenn sie nur gut genug suchte. Doch so sehr sie sich auch bemühte, sie fand nichts.

Maia wollte schon aufgeben und wieder nach unten gehen, als sie es plötzlich sah. Ein Stück schwarzen Stoffes schaute hinter einem Stein in der Mauer hervor. Vorsichtig begann sie, dass Stück herauszuziehen. Nach wenigen Minuten hatte sie es schließlich geschafft. Sie entfaltete den schmutzigen Fetzen und erkannte schließlich einen alten Slytherin-Umhang. Warum sollte jemand hier oben einen Umhang verstecken? Sie blickte in die kleine Nische, in der der Umhang gesteckt hatte, fand aber keinen weiteren Hinweis. Was hatte das nur zu bedeuten?

„Soweit ich weiß, ist jetzt keine unterrichtsfreie Zeit für die Erstklässler, oder?“
"If velvet had a voice, it would sound like Alan Rickman!"

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