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[HP] Harry Potter und der Schatz der Geheimniswahrer (51)

Denkarius
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[HP] Harry Potter und der Schatz der Geheimniswahrer (51)

Beitragvon Denkarius » Do 21 Dez, 2006 03:13

So, nach langem hin- und herüberlegen habe ich nun auch den Schritt zu einer eigenen FF gewagt. Ich hoffe Ihr habt ein wenig Freude daran und schreibt mir, ob es euch gefällt.

Die Handlung schließt unmittelbar an das Ende von Band 6 an. Alle Figuren aus den HP-Büchern gehören selbstverständlich allein der von uns allen so sehr geschätzten Frau J.K. Rowling.



Harry Potter und der Schatz der Geheimniswahrer


Bild
(Cover-Art by Severa Snape)


Kapitel 1: Ein fataler Fehler

Die Nacht hing über der finsteren Landschaft und ein naßkalter, stürmischer Wind pfiff durch die Bäume. Es waren nur noch wenige Stunden bis zum Morgengrauen und es war still in den Wäldern geworden, weil sich die meisten Tiere irgendwo verkrochen hatten, um Ruhe zu finden. Im Mondlicht einer Lichtung erschien plötzlich eine einzelne Ratte und rannte mit einer so hohen Geschwindigkeit über den Boden, dass man meinen mußte, sie würde von einem übermächtigen Feind verfolgt werden. Je weiter sie lief, desto dichter wurde der Nebel und desto kälter war die Luft.

Wurmschwanz war spät dran. Sein Herr hatte vor einer Stunde alle seine Todesser zusammengerufen. Der Treffpunkt war wie immer seit der Rückkehr des dunklen Lords der kleine Friedhof von Little Hangleton. Das dunkle Mal auf seinem Unterarm brannte noch immer höllisch und Wurmschwanz überlegte, welchen Anlass es für diese plötzliche Zusammenkunft der Todesser geben mochte und was wohl passiert war. Als er auf dem Friedhof eintraf hatten sich bereits die meisten Todesser versammelt, und bildeten wie immer einen großen Kreis. Es war ein lautes Stimmengewirr zu hören, alle waren in ausgiebige Gespräche vertieft. In der Mitte neben dem dunklen Lord erkannte er Severus Snape, Fenrir Greyback und den jungen Malfoy. Vor allem Greyback und Draco machten einen sehr erschöpften Eindruck.

In einiger Entfernung konnte Wurmschwanz eine Schar Dementoren erkennen, die die Versammlung mit großem Interesse zu beobachten schienen. Bei diesem Anblick lief es selbst dem Todesser eiskalt den Rücken hinunter und er dachte kurz an Sirius Black, der in Askaban echte Qualen durchlitten haben mußte. Kurz nach der Ankunft von Wurmschwanz hob der dunkle Lord die Hand und augenblicklich waren alle verstummt.

„Meine treuen Diener, danke, dass ihr alle so schnell meinem Ruf gefolgt seid. Heute Nacht darf ich euch eine frohe Kunde überbringen, heute Nacht sind wir auf dem Weg zu unseren großen Zielen einen weiteren, entscheidenden Schritt voran gekommen!“

Voldemort ließ den Blick durch die Runde fragender Gesichter kreisen.

„Heute Nacht ist mein tollkühner Plan eines Angriffs auf die Zaubererschule Hogwarts voll aufgegangen. Und dank meines treuen Dieners Severus Snape hier ist es gelungen, den Gründer des Phönixordens und Schulleiter von Hogwarts, Professor Albus Dumbledore aus dem Weg zu räumen und unseren Feinden damit ihren mächtigen Anführer zu nehmen.“

Augenblicklich brach unter den Todessern ein Raunen und Gemurmel aus. Ungläubige Blicke wurden ausgetauscht. Dann begann Bellatrix Lestrange, laut zu applaudieren und alle anderen stimmten nach und nach mit Begeisterung ein. Wieder hob Voldemort die Hand.

„Für alle, die bislang Zweifel daran hatten, dass Severus voll und ganz auf unserer Seite steht, dürfte nunmehr der Beweis für seine Integrität und Loyalität mit unserer Sache erbracht worden sein.“ Er wandte sich Snape zu und ergänzte: „Severus, falls du irgend jemanden hier und heute für sein Mißtrauen dir gegenüber in besonderer Weise bestrafen willst, sei dir jetzt die Gelegenheit dazu gegeben.“

Snape deutete kurz eine leichte Verbeugung an und sagte: „Ich danke Euch für Eure Großzügigkeit, mein Herr und Meister. Aber ich denke, es genügt mir fürs erste die Würdigung und Anerkennung meiner Leistungen durch Eure Lordschaft und Eure Diener.“

Plötzlich unterbrach ihn Fenrir Greyback und trat vor. „Und was ist mit uns? Haben wir nicht auch unseren Beitrag zu Dumbledores Tod geleistet? Am Ende hätte es jeder von uns tun können, er lag völlig wehrlos am Boden!“

„Euer Beitrag?“ Snape wandte sich um und zog herablassend seine rechte Augenbraue nach oben. „Fast hättet Ihr noch alles vermasselt und am Ende den jungen Potter umgebracht, obwohl seine Lordschaft eindeutig befohlen hatte, dass wir die Finger von ihm lassen sollen, bis er sich zu gegebener Zeit persönlich um ihn kümmern wird.“

„Das lasse ich mir von dir nicht länger bieten, du schleimiger, arroganter ...!“ rief Greyback und setzte dazu an, auf Snape loszustürmen, als ihn von der Seite ein Fluch traf.

„Crucio!“ ertönte es von Voldemort. Er sprach nicht besonders laut, doch glühten seine kalten Augen intensiver als zuvor. Ein roter Lichtblitz aus seinem Zauberstab hatte den Werwolf getroffen.

Greyback stürzte augenblicklich zu Boden und wälzte sich schreiend vor Schmerzen auf seinem krummen Rücken. Man konnte seine gelben Zähne nun deutlich sehen, sein Gesicht wirkte entstellt. Als Voldemort den Zauberstab sinken ließ, blieb er am Boden liegen.

Einige Todesser lachten verächtlich bei diesem Anblick, doch hatten die meisten zu viel Respekt vor Greyback und hielten sich besser mit Hohn und Spott zurück.

„Ich dulde es nicht, dass du Severus heute beleidigst und schon gar nicht, dass du ihn angreifst. Wir haben allen Grund ihm dankbar zu sein und ihn zu feiern, aber bevor wir zum festlichen Teil übergehen können, muss ich noch ein weiteres Thema abhandeln, meine lieben Todesser“, fuhr Voldemort fort.

Sein Blick wandte sich nun Draco Malfoy zu, der augenblicklich zusammenzuckte.

„Eigentlich hatte ja nicht mein getreuer Severus, sondern ein anderer meiner Todesser den Auftrag gehabt, Dumbledore zu erledigen, nicht wahr?“

Seine kalten roten Augen schienen sich in Malfoys Kopf zu bohren.

„J-j-ja, Herr, d-das war ich...“ stammelte Draco.

„Und warum hast du meinen Auftrag dann nicht ausgeführt, mein Junge? Hast du dich nicht vorher förmlich um diese Aufgabe gerissen, um mir zu beweisen, dass du schon ein fähig bist, deinem Herrn als würdiger Todesser zu dienen? Wolltest du nicht die Schmach, die dein Vater über uns gebracht hat, durch deine Aufgabe ausmerzen?“

„Ich- ich weiß nicht, Herr, ich konnte es nicht tun.“

„Hör auf mit diesem abscheulichen, schwächlichen Gejammer, du Wurm!“ Voldemorts Augen schienen Draco haßerfüllt anzufunkeln. Er richtete den Zauberstab direkt auf ihn und zischte „Crucio!“

Als Draco von dem roten Lichtblitz getroffen wurde und sich unter unglaublichen Schmerzen auf dem Boden wälzte, trat eine Gestalt aus der Runde vor und schrie: „Nein, Herr, bitte nicht! Er ist doch noch ein Kind!“

Voldemort reagierte nicht auf den Zwischenruf und quälte Draco weiter mit unverminderter Härte.

Narzissa Malfoy stürzte auf den dunklen Lord zu packte verzweifelt nach seiner Hand, die Draco mit dem Zauberstab folterte. Voldemort wich dem Angriff geschickt aus, so dass Narzissa ins Leere fiel. Am Boden liegend sah sie entsetzt zum dunklen Lord auf.

„Wie kannst Du es wagen, die Hand gegen Deinen Herrn zu erheben?“

Narzissa schwieg. Tränen traten in ihre Augen. Voller Entsetzen starrten sie alle aus der Runde an, keiner wagte es, einen Laut von sich zu geben. Auch Snapes Gesicht war jetzt kreidebleich und wie versteinert, denn auch er hatte den Ernst der Lage erkannt.

Voldemorts Augen verengten sich zu kleinen roten Schlitzen. „ Du miese, kleine Verräterin!“ Er richtete voller Hass seinen Zauberstab auf Narzissa: „Avada...“

„Herr, verzeiht, wenn ich ‚Euch unterbreche, aber darf ich kurz noch eine Anmerkung machen?“ Snape hatte das Wort ergriffen. Wütend schnellte Voldemorts Kopf herum und starrte ihm geradewegs bohrend durch die Augen in den Kopf hinein.

„Ich weiß, dass das, was sie getan hat, als Verrat nach unseren Regeln nur mit dem Tode bestraft werden kann. Aber es wäre doch ein Jammer, wenn unsere Feierlichkeiten anläßlich des heutigen Tages durch diesen so unerfreulichen Zwischenfall in den Hintergrund gedrängt werden würden. Herr, ihr würdet dieser kleinen Verräterin einen viel zu hohen Stellenwert einräumen, wenn ihr Tod auf ewig mit diesem ruhmreichen Sieg, den wir heute errungen haben, verbunden bliebe. Und vielleicht ist es unserem Nachwuchs...“ Snape hielt kurz inne und deutete auf den am Boden liegenden Draco.

„...ja eine Lehre, seine künftigen Aufgaben mit mehr Konzentration und persönlichem Einsatz anzugehen. Vielleicht ist es ihm ja ein zusätzlicher Ansporn, Euch bei seiner nächsten Aufgabe von seinen Fähigkeiten besonders zu überzeugen, wenn er damit das Leben seiner Mutter retten könnte.“

Voldemort sah Snape einen Augenblick lang verdutzt an. Normalerweise hätte er es nie geduldet, dass jemand sich in seine Entscheidung über die Bestrafung eines Todessers einmischte. Doch der Vorschlag von Snape gefiel ihm irgendwie.

„Severus, du hast heute Nacht großes geleistet und hast dafür zweifelsohne etwas gut bei mir. Und deshalb - und auch nur deshalb – will ich in dieser Frage ausnahmsweise nachgiebig sein und deinem Vorschlag folgen.“

Er deutete mit seinem Zauberstab wieder auf Narzissa, die noch immer schluchzend am Boden lag: „Petrificus totalus!“

Narzissa erstarrte. „Incarcerus!“ Seile wanden sich aus der Spitze von Voldemorts Zauberstab und fesselten Narzissas Körper. „Wurmschwanz, Greyback: Tragt sie weg und bringt sie in das Verlies!“

Wurmschwanz und Greyback traten vor und packten Narzissa an Händen und Füßen, um sie fort zu schaffen. Bellatrix biß sich auf die Lippen. Sie hatte vor wenigen Sekunden noch mit dem Schlimmsten gerechnet. Und das alles nur, weil ihr unfähiger Neffe seine Aufgabe nicht hatte zu Ende bringen können und ihre Schwester die Nerven verlor.

„Wir werden sie gefangen halten, bis unser junger Freund uns bewiesen hat,“ sprach Voldemort mit kalter Stimme weiter, „dass die beiden erbärmlichen Geschöpfe, die er seine Eltern nennt, wenigstens bei seiner Erziehung und Ausbildung nicht völlig versagt haben!“

Einige der umstehenden Todesser lachten, nicht jedoch Bellatrix und Snape, die einander mit ernstem Blick in die Augen sahen. Draco saß auf dem Boden und zitterte.

„Ich gebe dir einen Monat Zeit, um mir den jungen Potter unversehrt hierher zu bringen! Rühr ihn ja nicht an, er gehört immer noch mir! Dann kannst du ihn hier gegen deine Mutter eintauschen.“

Draco starrte Voldemort mit offenem Mund an. „Aber, Herr, man weiß, dass ich heute in Hogwarts für euch gekämpft habe. Man wird nach mir suchen, ich kann doch jetzt nicht einfach so...“

„Sei still und hör auf, mir zu widersprechen. Du hast mich heute schon einmal enttäuscht! Wenn du meinen Befehl ein weiteres Mal nicht befolgen wirst, wird deine Mutter dafür büßen müssen und tot sein und ich werde meine Diener anweisen, dich dann ebenfalls wie einen Verräter zu jagen und zu bestrafen! Und jetzt geh mir aus den Augen!“

„Herr, das ist doch unmöglich!“ stammelte Draco völlig fassungslos.

„Habe ich nicht gesagt, dass ich keine Widerrede dulde?“ Voldemort richtete genüßlich seinen Zauberstab auf Draco und schrie „Crucio!“

Draco spürte Schmerzen, wie er sie noch nie in seinem Leben gespürt hatte. Die umstehenden Todesser beobachteten gespannt, wie er - sich am Boden windend um sich schlug und schrie. Als es vorbei war, wandten sich Voldemort und alle anderen Todesser von ihm ab und disapparierten.

Draco lag noch eine lange Zeit lang allein auf der Erde. Langsam begann er irgendwann wieder, durch die nachlassenden Schmerzen die dicken Regentropfen zu spüren, die ihn trafen.

Sein Blick fiel auf die umliegenden Grabsteine und er wünschte sich in diesem Augenblick nichts sehnlicher, als tot unter einem dieser Gräber liegen zu können.

Als er später von einer dunklen Gestalt weggetragen wurde, bemerkte er das schon nicht mehr, weil er vor lauter Erschöpfung bewußtlos geworden war.



Kapitel 2: Zwei Eulen im Ligusterweg

Harry Potter hatte seit seiner Rückkehr aus Hogwarts nicht eine einzige Nacht ruhig durchschlafen können. Immer wieder war er schweißgebadet aufgewacht, immer wieder durchlebte er im Traum die Ereignisse jener Nacht, in der er mit Albus Dumbledore aufgebrochen war, um nach diesem Horcrux zu suchen. Immer wieder wachte er an der selben Stelle auf, als Snapes tödlicher Fluch Dumbledore traf und er selbst dies – zur Tatenlosigkeit verdammt - nicht hatte verhindern können.

Zweimal hatte Onkel Vernon dann schon schnaubend in seinem Zimmer gestanden und ihm angedroht, in der Gartenhütte schlafen zu müssen, wenn er weiter die Nachtruhe störte. Aber das hatte Harry nicht beeindruckt. Er wusste längst, dass dies sein letzter längerer Aufenthalt bei seinen Verwandten sein würde und er war ohnehin nur hierher zurückgekehrt, weil es Dumbledores ausdrücklicher Wunsch gewesen war.

Anfangs hatte er noch Zweifel, ob der Schutzzauber über dem Ligusterweg nach Dumbledores Tod überhaupt noch wirksam sein würde. Doch nachdem Mad-Eye Moody ihm versicherte, dass dies unabhängig davon noch immer der sicherste Ort für Harry war, ist er schließlich einverstanden gewesen.

Wohin hätte er auch gehen sollen? Anfangs wollte er an den Ort zurückkehren, an dem seine Eltern gelebt hatten, doch das Haus in Godric’s Hollow war bei dem Angriff von Lord Voldemort vor 16 Jahren völlig zerstört worden. Deshalb würde er dort nur die Gräber seiner Eltern finden.

Im Grimmauldplatz Nummer 12 würden ihn dagegen zu viele Erinnerungen an Sirius belasten. Er hatte sich dort nie wirklich zu Hause gefühlt und da Snape das ehemalige Hauptquartier des Phönixordens kannte, erschien es ihm nun ohnehin nicht wirklich sicher zu sein, sich dort dauerhaft aufzuhalten.

Sicher würden ihn die Weasleys im Fuchsbau aufnehmen, wenn er sie darum bitten würde, aber angesichts der Ereignisse dieses Sommers wollte Harry doch lieber erst einmal allein sein und sich darüber klar werden, wie er die anstehenden Aufgaben angehen könnte. Außerdem würde ihm im Fuchsbau Ginny ständig über den Weg laufen und er wusste, dass er das nicht ertragen könnte. Es hatte ihn schon genug Überwindung gekostet, sich von ihr zu trennen und sich immer wieder vor Augen zu führen, dass er sie nicht in Gefahr bringen durfte. Aber nun ständig der Versuchung widerstehen zu müssen, sie tröstend in den Arm nehmen zu wollen, das würde er wohl nicht aushalten.

Immer wenn er an Ginny dachte, zog sich in seinem Bauch alles zusammen und sein Herz wollte ihm aus der Brust springen. Dann merkte er, wie sehr sie ihm fehlte. Gerne hätte er dem Drängen seines Herzens nachgegeben, ihr geschrieben, ihr seine wahren Gefühle mitgeteilt, doch am Ende siegte immer sein Verstand, der ihm sagte, dass sie Abstand zueinander gewinnen müssten, um den Todessern keinerlei Angriffsflächen zu bieten. So landeten alle Briefe an Ginny, die Harry begonnen hatte, kurz darauf immer in seinem Papierkorb.

Doch dann kam ihm plötzlich ein anderer Gedanke: Was wäre, wenn er sowieso bald von Voldemort erledigt werden würde? Sollte er dann nicht wenigstens die Zeit, die ihm noch bleiben würde mit dem Mädchen genießen dürfen, das er liebte? Durfte er denn in seinem kurzen Leben nicht einmal so richtig glücklich sein?

Doch Harry schob diese Gedanken beiseite, denn er wusste, dass er es sich nie verzeihen würde, wenn Ginny etwas zustoßen würde, nur weil sie mit ihm zusammen gewesen ist. An das schlechte Gewissen, das er dann gegenüber Ron und seinen Eltern hätte, mochte er erst gar nicht denken. Oft dachte er daran, dass die Todesser Ginny benutzen könnten, um an Harry heranzukommen, sie foltern oder sogar umbringen könnten. Nein, das durfte er nicht zulassen. Lieber sollte sie mit einem anderen Jungen glücklich werden, als seinetwegen so früh sterben zu müssen.

Die Morgensonne schien hell zu Harrys Fenster herein und traf ihn jetzt im Gesicht. Vom Licht geblendet kniff er die Augen zusammen und richtete sich auf seinem Bett auf. Sein Blick fiel auf den Kalender, der den 27. Juli anzeigte. Gähnend reckte und streckte er sich.

Sein Blick fiel auf Hedwigs Käfig. Seine Eule war in der Nacht auf der Jagd gewesen und schlief nun. Auf seinem Tisch lagen noch die Briefe von Hermine und von Ron. Sie hatten versucht, ihn zu überreden, doch wieder mit ihnen am 1. September nach Hogwarts zurückzukehren, doch für Harry war die Zaubererschule nach dem Tod von Dumbledore nicht mehr derselbe Ort. Nachdem der Angriff der Todesser allen klar gemacht hatte, dass die Schule kein Ort war, an dem man sicherer sein konnte, als anderswo, hatte es in der Zaubererwelt wildeste Diskussionen um die Sicherheitsvorkehrungen für die Schule gegeben.

Nachdem das Ministerium sich gegen eine Schließung der Schule ausgesprochen hatte, wurden noch deutlich höhere Sicherheitsvorkehrungen vom Ministerium für die Schule angeordnet. Das war für viele Eltern auch die Bedingung dafür gewesen, dass sie ihre Kinder überhaupt wieder nach Hogwarts schicken würden.

Professor McGonagall hatte in ihrer Eigenschaft als neue Schulleiterin im Tagespropheten vom 20. Juli einen eindringlichen Appell an alle Eltern und Schüler gerichtet, dass die Kinder im neuen Schuljahr wieder nach Hogwarts fahren müssten. Sie erklärte, dass man Lord Voldemort und seinen Todessern nicht den Triumph gönnen dürfe, dass wegen ihres gemeinen und hinterlistigen Angriffs die Schule geschlossen und damit die Ausbildung des kompletten Zauberernachwuchses gefährdet werden würde.

Das Ministerium und der Orden des Phönix würden so lange für eine gute Ausbildung des Zauberernachwuchses eintreten, wie dies möglich sei. Es sei ganz im Sinne des verstorbenen Schulleiters Albus Dumbledore, wenn der Unterrichtsbetrieb so schnell wie möglich wieder aufgenommen und fortgesetzt werden würde. Auch Rufus Scrimgeour, der Zaubereiminister, hatte diesen Appell unterzeichnet.

Es klopfte an Harrys Tür. Onkel Vernon steckte den Kopf herein und sagte: „Na? Bist du auch schon aufgestanden, du Faulpelz? Wir fahren jetzt in die Stadt, um für Dudley eine neue Playstation zu kaufen. Glaub ja nicht, dass du eine Chance hättest, die alte zu bekommen, die wird unter Verschluss aufbewahrt, falls die neue Playstation mal kaputt ist. Wenn wir wieder zurück sind, dann erwarten wir, dass unser Rasen frisch gemäht, ist das klar?“

„Ja, ist gut.“ sagte Harry, immer noch gähnend. Er hatte es schon lange aufgegeben, gegen die ständige Schikanierung durch seine Verwandten anzukämpfen. Am ehesten ließen sie ihn in Ruhe, wenn er das tat, was sie wollten. Als die Tür wieder zu war, zog er sich an und blickte aus dem Fenster in den Garten. Der Rasen stand wirklich schon recht hoch, das würde ihn sicher den ganzen Vormittag beschäftigen. Aber er hatte im Augenblick ja ohnehin nichts Wichtiges zu tun, dachte er sich.

Draußen hörte er Dudley die Treppe hinunterstampfen und kurz danach vernahm er, wie die Haustür zugeschlagen wurde.

Harry ging hinunter in die Küche, aß etwas Müsli zum Frühstück und ging dann in den Garten an die Arbeit.

Einige Zeit verging, Harry hatte bereits eine beträchtliche Fläche gemäht und die Sonne stand schon recht hoch am Himmel, als er zwei Eulen am Horizont bemerkte.

Harry beschloss, sich eine Pause zu gönnen, schaltete den Rasenmäher ab und machte es sich in einem Liegestuhl bequem. Die erste Eule stammte aus Hogwarts, die zweite erkannte Harry sofort. Es war Pigwidgeon, Rons kleine Eule. Er stellte den Eulen etwas Wasser hin und gab ihnen jeweils einen Eulenkeks aus seiner Hosentasche. Dann öffnete er zunächst Rons Brief und las:

Lieber Harry,

nachdem Du meinen letzten Brief nicht beantwortet hast, denke ich, steht Dein Entschluss wohl fest. Du willst tatsächlich nicht nach Hogwarts zurückgehen. Wenn Du es willst, werde ich es dann auch nicht tun, um Dir bei Deiner Aufgabe helfen zu können. Unmöglich kann ich Dich jetzt allein mit Deinen Problemen lassen, auch wenn Mum mir deswegen wohl einen Riesenaufstand bescheren wird, nachdem schon Fred und George die Schule nicht zu Ende gemacht haben.

Mein Brief hat aber noch einen anderen Anlass. Bill und Fleur haben mich gebeten, Dir ihre Einladung zu ihrer Hochzeitsfeier am 26. August zu übermitteln. Die Feier soll hier im Fuchsbau stattfinden und alle sind schon in heller Aufregung, vor allem meine Mutter, wie Du Dir denken kannst. Mum und Dad haben beim Ministerium eine Sondergenehmigung beantragt, um die Unterkünfte für Fleurs Verwandtschaft in unseren Garten zu zaubern. Dad sagt, das wäre so ein ähnlicher Zauber, wie er ihn bei den Zeltunterkünften während der Quidditch-Weltmeisterschaft eingesetzt hat.

Mum hat angeboten, dass Du nach der Hochzeit gleich hier bei uns bleiben könntest, um dann mit uns gemeinsam nach Hogwarts zu fahren. Ich habe mich noch nicht getraut, ihr und Ginny von Deinen Plänen zu berichten.

Hermine ist zur Zeit mit ihren Eltern nach Irland in den Urlaub gefahren, aber ich denke, sie wird zur Hochzeit kommen und dann gleich von hier aus nach Hogwarts aufbrechen.

Hoffentlich geht es Dir gut und Deine Verwandten lassen Dich in Ruhe, wie es Moody ihnen eingetrichtert hat..

Bis bald, Dein Ron.


Über Harrys Gesicht machte sich ein Lächeln breit. Na klar, die Hochzeit. Die hatte er ja ganz vergessen. Vielleicht würde ihm die Ablenkung gut tun. Aber wie sollte er Mrs. Weasley klarmachen, dass er nicht zurück nach Hogwarts fahren konnte? Er musste irgendeinen Vorwand finden, damit sie ihn nicht ausfragen würde. Pigwidgeon zwickte ihn kräftig. Offenbar hatte Ron ihm aufgetragen, nicht ohne Harrys Antwort zurückzukehren.

„Ganz ruhig. Ich gebe Dir gleich einen Brief mit zurück. Du kannst so lange zu Hedwig fliegen. Das Fenster ist offen.“ Mit einem zufriedenen Glucksen verschwand Pigwidgeon im Fenster zu Harrys Zimmer.

Harry wandte sich nun dem zweiten Brief zu. Er kam von Professor McGonagall, die nun, wie früher Dumbledore das Siegel des Schulleiters von Hogwarts verwendete.

Lieber Mr. Potter,

vor wenigen Tagen wurde der Nachlass von Albus Dumbledore eröffnet. Er hat mich in seiner letztwilligen Verfügung zur Testamentsvollstreckerin ernannt. Von den Gegenständen seines Nachlasses hat er auch Ihnen etwas zugedacht und mich angewiesen, Ihnen diese Dinge möglichst bald nach seinem Tode zu übergeben. Deshalb denke ich, dass es nicht ausreichend wäre, bis zum Beginn des neuen Schuljahres zu warten. Bitte senden Sie mir eulenwendend einen Vorschlag für einen persönliche Übergabetermin hier in Hogwarts zu. Ich werde Sie dann im Ligusterweg durch einige Auroren oder Ordensmitlieder abholen lassen. Bitte behandeln Sie diese Angelegenheit höchst vertraulich und erzählen Sie bitte niemandem etwas davon.

Hochachtungsvoll,
Ihre Minerva McGonagall
Schulleiterin von Hogwarts.


Harry starrte den Brief mit offenen Augen an. Dumbledore hatte ihm etwas vererbt? Hatte er ihm noch nicht alles über die Horcruxe und über Voldemort erzählt? Worum konnte es sich dabei handeln? Er hatte nicht gedacht, dass er jemals wieder nach Hogwarts zurückkehren würde, schon gar nicht in diesem Sommer. Aber wenn es Dumbledore so gewollt hatte, musste es wohl sehr wichtig sein und Harry würde dafür natürlich eine Ausnahme machen.

Ein Geräusch ließ Harry aus seinen Gedanken aufschrecken. Es war das Quietschen des Gartentores.

„Sieh an, unser Herr Faulpelz sonnt sich hier im Liegestuhl, anstatt sich seiner Arbeit zu widmen? Weitermachen, aber wird’s bald!?“ Harry bemerkte, wie sehr es Onkel Vernon genoss, ihn herum zu kommandieren. Dudley grinste breit und hielt einen großen und bunten Karton in der Hand.

Harry kritzelte schnell auf einen kleinen Zettel die Worte: „Prof. McGonagall, ich schicke Ihnen heute abend Hedwig wegen dem Terminvorschlag“ und band ihn am Fuß der Schleiereule fest. Zur Bestätigung biss sie Harry liebevoll in den Finger und flog davon.

Während er den Rasenmäher wieder anließ, war Harry mit seinen Gedanken wieder bei dem Inhalt von McGonagalls Brief.
Zuletzt geändert von Denkarius am Mi 17 Jun, 2009 23:41, insgesamt 31-mal geändert.

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Beitragvon Wuschl » Do 21 Dez, 2006 07:35

Wow Denki,
Ich sags gleich das wird einer sehr wunderschöne spannende und ach was weiß ich für eine Geschichte, ich kann dir jetzt schon sagen sie ist einfach toll.
Echt gut geschrieben totall flüssig, und ein Spannungsfaktor ist auch drinne ;D

Und das mti den Todessern fand ich echt klasse beschrieben die arme Narcissa, na ja.... mal sehen obs Draco schafft, Harry tatsächlich zum Voldemort zu bringen.
Wer weiß was Dumbledore für Harry hat *überleg*
Das wird sich wohl erst in den nächsten Kapiteln zeigen
Und ich werd hunderprozentig weiter lesen. Weil sie wirklich echt gut geschirben ist also *hut ab*
Tauriel: "Wenn das die Liebe ist, dann will ich sie nicht.
Befreiht mich davon. Bitte! Warum nur schmerzt sie so sehr?"
Thranduil: "Sie war wahrhaftig."

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Beitragvon Denkarius » Do 21 Dez, 2006 09:13

Mir steigt ja die Schamesröte ins Gesicht :oops: bei Euren lieben Kommis. Nun ist die Story erst wenige Stunden im Forum und schon drei Reaktionen... *überwältigt bin*

Wenn das so weiter geht, werde ich mir wohl über Weihnachten einen Laptop mitnehmen müssen und so schnell wie möglich weiterschreiben müssen... :wink:

Ich bin sehr froh, dass es euch bis hierhin gefallen hat. Tja und die Malfoys sind nun nicht wirklich in einer glücklichen Lage...
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Beitragvon Paradise » Do 21 Dez, 2006 11:44

Also ich muss sagen ich liebe diese FF ich bin jetzt auch dein Fan *sich in die fanliste eintrag* *lol* Aber voll gut geschrieben. Ich muss wirklich loben!

Para
*Schattenkind*

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Beitragvon kleinermagier » Do 21 Dez, 2006 11:49

dann werd ich auch mal meinen sempf dazugeben :D
eigentlich halte ich nicht so viel von "buch 7" ff´s, weil die meisten auf wilde fantastereien, neue charaktere und anderen quatsch hinauslaufen , der kaum noch was mit der ursprünglichen geschichte zu tun hat..
du allerdings baust es bisher ähnlich auf wie j.k ...erst little hangleton, dann der sprung in den ligusterweg( wie in buch 4 ^^)
dazu kommt n schöner stil und ein perfekter "voldislang" :lol:
machen das ganze sehr lesenswert..so in etwa könnte der anfang von buch 7 für mich aussehen
wenn du so weiter schreibst, bleib ich auf jeden fall dran :wink:
lg

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Beitragvon Queen of Shadow » Do 21 Dez, 2006 23:33

Ich kann mich den Komplimenten von meinen Vorrednern nur anschließen *Dickes Lob* :wink:

Bin auch schon sehr gespannt was Dumbledore ihm vererbt hat....
*bettel* Nimm deinen Laptop mit *gg*
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Beitragvon Denkarius » Fr 22 Dez, 2006 00:12

Und schon wieder drei liebe Kommis... vielen Dank. Das ermutigt in der Tat zum Weiterschreiben.

Hier also nochmal zwei Kapitel für die Weihnachtsfeiertage:





Kapitel 3: Hermines Geheimnis

Ein wenig nervös war Hermine schon. Erst hatte sie ihren Eltern erklären müssen, warum sie mit ihnen unbedingt ausgerechnet nach Irland in den Urlaub wollte, wo sie doch im Süden viel besseres Wetter gehabt hätten und dann musste sie noch die Erlaubnis bekommen, zwei Tage nach Dublin fahren zu dürfen, allein und ohne ihre Eltern.

Aber irgendwie hatte sie es geschafft sie davon zu überzeugen, ihr zu vertrauen. Natürlich musste sie dafür ein wenig lügen, sie konnte ihnen ja schlecht erzählen, dass dies die einzige Möglichkeit war, heimlich einen ausländischen Zauberer zu treffen, der ihr durch einen langen Briefwechsel zu einem sehr wichtigen Freund geworden war.

Nun lief sie im irischen Regen zusammen mit den Zauberern Dublins auf ein großes Quidditch-Stadion zu. Nicht, dass sie das Spiel unbedingt hätte sehen müssen. Wenn Ron je erfahren sollte, dass sie heute leibhaftig hier war, wird er ihr wohl nie verzeihen, dass sie ihn nicht mitgenommen hatte. Es war ein Freundschaftsspiel zwischen Irland und Bulgarien, das erste Aufeinandertreffen beider Mannschaften seit dem Endspiel der Quidditch-Weltmeisterschaft vor zwei Jahren. Hermine konnte sich noch gut an die feindselige Stimmung bei diesem Spiel erinnern, welches unter den Zauberern weltweit für große Diskussionen gesorgt hatte. Die Bemühungen des internationalen Quidditchverbandes, die Wogen zwischen den beiden Ländern zu glätten, hatten schließlich zu diesem Freundschaftspiel in Dublin geführt.

Kurz nachdem der Termin für das Spiel bekannt war, hatte Victor ihr eine Freikarte mit VIP-Legitimation für das Hotel der bulgarischen Nationalmannschaft durch Eugeniev, seinen kapartischen Waldkauz geschickt. Victor hatte ihr vorgeschlagen, sie nach dem Spiel im Hotel zu treffen.

Hermine freute sich auf das Wiedersehen nach dem Spiel und wollte Victor so viel erzählen, was in den letzten beiden Jahren alles passiert war und was sie ihm aus Sicherheitsgründen nicht hatte schreiben können. Viele Dinge ließ sie in ihren Briefen weg aus Angst, dass sie von Todessern oder deren Spionen abgefangen werden könnten.

Als sie ihren Platz auf der Ehrentribüne eingenommen hatte, war die Präsentation der Mannschaften bereits abgeschlossen. Als sie die Veela hinter dem bulgarischen Feld sah, musste sie an Harry und Ron denken, die sich bei der Quidditch-Weltmeisterschaft von ihnen hatten beeindrucken lassen.

Das Spiel war sehr spannend und zu Hermines Freude war die Stimmung im Stadion dieses Mal sehr fair und freundschaftlich. Das Dubliner Publikum feuerte natürlich überwiegend die irische Mannschaft an und Hermine beobachtete die meiste Zeit voller Bewunderung den bulgarischen Kapitän Victor Krum.

Er war noch etwas größer und kräftiger geworden und war nun vom Talent zum Kopf der Mannschaft gereift. Hätte die bulgarische Mannschaft nicht so schnell sehr hoch zurückgelegen, dann hätten sie dieses Spiel vielleicht noch gewinnen können. Zu dem Zeitpunkt, als Victor Krum schließlich den Schnatz gefangen hatte, führten die Iren aber bereits uneinholbar. Am Ende hieß es 190:180 für Irland und der Jubel des Publikums kannte keine Grenzen, obwohl der irische Sucher gegen Krum chancenlos geblieben war.

Hermine musste schmunzeln und an die Zwillinge Fred und George Weasley denken, die vor zwei Jahren durch ihre geschickt plazierte Wette viel Geld gewonnen hatten.

Als das Spiel beendet war, ging Hermine wie verabredet zum Bus der bulgarischen Nationalmannschaft, um dort Victor zu treffen.

Während sie wartete, beobachtete sie die vielen Zauberer, die friedlich das Stadion verließen. Unwillkürlich musste sie an die Ausschreitungen nach der Quidditch-Weltmeisterschaft denken.

„Hallo Herrrminne“
Hermine fuhr herum. Victor Krum stand frisch geduscht hinter ihr und musterte sie. Aus der Nähe sah er nun noch erwachsener aus. Sie umarmten sich kurz und Victor zog sie ein wenig aus dem Gedränge heraus.

„Du bist in den letzten zwei Jahren noch hübscher und bezaubernder geworden, Herrmine.“

Hermine wusste, dass Victors Gefühle für sie damals über eine normale Freundschaft hinaus gegangen waren. Sie hatte ihm aber schon vor zwei Jahren klar gemacht, dass sie in Ron verliebt ist und aus ihr und Victor deswegen nie ein Paar werden würde.

Mit dem Hinweis darauf, dass Ron ein Mädchen wie Hermine nicht verdient habe, hatte Victor Hermines Entscheidung respektiert und sie dennoch darum gebeten mit ihm in freundschaftlichem Kontakt zu bleiben, weil er noch nie eine zugleich bezaubernde und so intelligente junge Frau kennen gelernt hätte. Inzwischen wusste Hermine aus seinen Briefen aber, dass er in Durmstrang seit letztem Jahr eine feste Freundin gefunden hat.

„Victor, schön, dich endlich einmal wiederzusehen. Gratuliere zu deinem Fang vorhin. Schade dass es nicht zum Sieg für euch gereicht hat.“
„Ja, schade. Beim nächsten Mal werden wir es diesen irischen Hampelmännern aber zeigen. Lass uns gehen.“

Er packte sie leicht am Arm und schob sie in den Bus der bulgarischen Nationalmannschaft. Nach einer kurzen Fahrt saßen sie im Foyer eines großen Dubliner Hotels und unterhielten sich.

Hermine schilderte Victor alles, was in den letzten beiden Jahren in Hogwarts passiert war, von Sirius’ und Dumbledores Tod, von Harry und der Prophezeihung, den Kämpfen im Ministerium und in Hogwarts und auch davon, dass Snape Dumbledore umgebracht haben soll.

Als der Name Snape fiel, verfinsterte sich die Miene von Victor Krum.

„Euer Professor Snape hat nicht nur Schuld am Tod des Direktors Eurer Schulde, sondern auch am Tod des Direktors meiner Schule!“

Hermine blickte Victor ungläubig an. „Wie meinst du das?“, fragte sie ihn.

„Igor Karkaroff hatte dem dunklen Lord vor langer Zeit abgeschworen, nicht nur, weil er ihn für tot hielt. Professor Dumbledore wusste davon. Nach Voldemorts Rückkehr vor zwei Jahren gingen wir zunächst zurück nach Durmstrang. Karkaroff zog sich in ein Versteck zurück. Eine Berghütte in den Kaparten. Er wusste, dass Voldemort ihn als Verräter jagen würde. Ich habe ihn dort regelmäßig besucht und mit den wichtigsten Sachen versorgt. Von dem Versteck wusste außer mir und Snape niemand.“

„Snape wusste davon?“, fragte Hermine verdutzt.

„Karkaroff erzählte mir, dass er in Hogwarts Snape seine Fluchtpläne anvertraut hätte, weil Dumbledore ihm versichert hatte, dass man Snape vertrauen und er ihm vielleicht helfen könne. Igor hat bis zu seinem Tode auf eine Nachricht von Snape gewartet. Er dachte offenbar, in ihm einen Verbündeten mit ähnlichen Interessen gefunden zu haben. Snape hat sich jedoch nicht mehr bei ihm gemeldet, statt dessen hat der ihn offenbar an die Todesser verraten. Ich habe ihn eines Tages in seiner Hütte gefunden. Sie müssen ihn qualvoll gefoltert und dann grausam hingerichtet haben.“

Hermine starrte Victor Krum mit offenem Mund an. Sie erinnerte sich, dass sie im Tagespropheten von der Ermordung Karkaroffs gelesen hatte, darüber aber nie weiter nachgedacht hatte. Und dass Snape etwas damit zu tun haben könnte, war ihr nie und nimmer in den Sinn gekommen.

Victor erzählte ihr noch, dass er in Bulgarien zum Auror ausgebildet werden würde und bestimmt bald nach England zurückkehren würde, wenn der dunkle Lord seine Machtposition hier weiter ausbauen würde.

Hermine überlegte, ob sie Victor auch von den Horcruxen und Harrys schwerer Aufgabe erzählen sollte, ließ es für diesen Abend aber dabei bewenden und berichtete ihm noch davon, wie sie im vorletzten Jahr Dumbledores Armee gegründet haben, um Widerstand gegen Professor Umbridge und den Einfluss des Ministeriums zu leisten. Victor lauschte beeindruckt ihren Worten.

„Ich bin müde.“ sagte sie schließlich.

„Klar“, erwiderte Victor. „Es ist spät geworden. Wir haben für dich ein Einzelzimmer reserviert, auf der anderen Seite des Hotels. Wir werden morgen sehr früh aufbrechen und zurück nach Bulgarien reisen. Ich denke, wir werden uns dann nicht mehr sehen.“

„Gut, Victor. Dann wünsche ich Euch eine sichere Heimreise und danke für alles.“

„Gern geschehen. Es wäre schön, dich bald einmal wieder zu sehen.“

Dann faßte er sie mit leichtem Druck an ihrem Oberarm an und nahm sie beiseite. Im Flüsterton sprach er weiter:

„Ich weiss, dass du mir heute nicht alles erzählt hast, was dich bedrückt. Ich lerne grade sehr viel über Legilimentik und Okklumentik. Deshalb nur eines: Wenn du Hilfe brauchst, will ich immer für dich und deine Freunde da sein, auch wenn sie mich nicht sehr zu mögen scheinen. Wenn ihr in Not seid, schickt mir einfach einen Patronus. Ich habe davon gehört, dass im Orden des Phönix mit dem Patronus Nachrichten übermittelt wurden und bei meiner Ausbildung in Durmstrang habe ich das auch gelernt. Ich bringe dann ein paar sehr talentierte Kollegen mit und wir werden an eurer Seite kämpfen, wenn es sein muss.“

„Danke, Victor, das ist sehr lieb. Ich hoffe, dass ich dein Angebot niemals in Anspruch nehmen muss.“ Mit einer kurzen Umarmung verabschiedete sie sich von ihm und begab sich auf ihr Zimmer. Sie war aufrichtig gerührt von diesem Angebot und merkte nun, wie viel sie ihm noch immer bedeuten musste.

Hermine lag an diesem Abend trotz ihrer Müdigkeit noch lange wach in ihrem Bett und dachte über das nach, was sie gerade über Karkaroff und Snape erfahren hatte.


Kapitel 4: Ein ungemütlicher Abend

Harry lag am Abend auf seinem Bett und dachte angestrengt nach. Er hatte gerade den Brief an Ron zu Ende geschrieben und las ihn nun noch einmal durch.

Lieber Ron,

mir geht es gut, hier ist alles wie immer. Nach Hogwarts werde ich auf keinen Fall als Schüler zurückkehren, daran wird sich wohl auch nichts mehr ändern.

Zur Hochzeit Deines Bruder Bill werde ich aber gerne kommen. Hast Du eine Idee, was man den beiden schenken könnte?

Ich freue mich, Dich und Hermine dann wieder zu sehen. Ich werde jedoch am Tag nach der Hochzeit wieder abreisen und wie gesagt nicht mit Euch nach Hogwarts fahren. Aber bitte sag Ginny vorerst nichts von meinem Brief, es ist ohnehin schon schwer genug für sie, denke ich.

Ich will auch nicht, dass du oder Hermine wegen mir die Schule abbrecht. Alles Weitere besprechen wir am 26. August. Ich freue mich darauf.

Harry.


Er faltete den Brief zusammen und band ihn Pigwidgeon ans Bein, was gar nicht so leicht war, weil dieser vor Aufregung wie wild umher hüpfte.

Dann schrieb Harry noch einen zweiten Brief.

Hallo Professor.

Ich könnte den von Ihnen gewünschten Termin am Montag oder Dienstag der kommenden Woche wahrnehmen. Ich werde meinen jetzigen Aufenthaltsort nicht verlassen, bis ich von Ihnen Nachricht erhalten habe, wann und von wem ich abgeholt werde.

Harry Potter.


Er faltete auch diesen Brief zusammen und rief Hedwig zu sich. „Bring den zum Schulleiterbüro von Hogwarts und überbring ihn Professor McGonagall bitte nur persönlich!“, sagte Harry. Mit einem selbstbewussten Glucksen streckte sie ihr rechtes Bein aus und machte sich kurz darauf auf den Weg in den dunklen Nachthimmel.

Während er ihr nachblickte, dachte er noch darüber nach, wie nun alles weiter gehen sollte. Er wusste es in diesem Moment selbst noch nicht. Er wusste weder, wie er Ginny bei der Hochzeit gegenübertreten sollte, noch wusste er, wo er nach der Hochzeit hingehen sollte.

Davon, wie er die Rätsel um die Horcruxe lösen sollte oder wer sich hinter der Abkürzung RAB verbergen könnte, hatte er schon gar keine Ahnung.

Nachdem ihm im Kopf schon etwas schwindelig geworden war, schlief er schließlich ein.

„Harry Potter! Aufwachen!“
Harry hörte weit weg die Stimme seines Onkels Vernon und spürte, wie etwas an ihm rüttelte..

„Was? Wie? Was ist passiert?“, stammelte Harry und griff unwillkürlich nach seinem Zauberstab.

„Das Frage ich dich! Seit Stunden stöhnst, jammerst und schreist du hier irgendein wirres Zeug durcheinander. Da kann doch kein normaler Mensch auch nur halbwegs seine Nachtruhe finden.“

Harry blickte ihn mit verschlafender Miene völlig entgeistert an. Er begriff nicht, worauf sein Onkel hinauswollte. „Was habe ich denn gesagt?“

„Was weiß denn ich von diesen Hirngespinsten. Fantasieworte wie Hornkruckspokus, Infernien, und etwas von giftigen Tränken bei einem dunklen Mahl. Irgendeiner soll Abrakadabra gerufen haben, oder so ähnlich. Ich denke, du bist jetzt endgültig dem Wahnsinn verfallen und völlig übergeschnappt!“

„Onkel Vernon, ich...“ Harry starrte ihn entsetzt an. Er hatte keinen Zweifel, dass er tatsächlich im Schlaf gesprochen haben musste, denn auch, wenn Onkel Vernon der Sinn der Begriffe verschlossen geblieben war, so muss er sie doch wohl tatsächlich aus seinem Munde gehört haben und das machte Harry ein wenig Angst.

„Wahrscheinlich hast du zu viel in deinen kranken und abnormalen Büchern gelesen, so dass du jetzt langsam den Verstand verlierst. Ich weiß nur, dass dies die letzte Nacht ist, in der wir wegen dir aus dem Schlaf gerissen werden. Morgen früh packst du auf der Stelle deine Sachen und machst, dass du - ein für alle mal - von hier verschwindest. Und dann will ich dich in diesem Haus nie wieder sehen, verstehst du?“

„Aber ich...“ stammelte Harry verstört.

„Das war alles. Mehr habe ich dir nicht mehr zu sagen. Leb wohl.“ Vernon drehte sich um, ging hinaus und knallte die Tür hinter sich zu.

Obwohl Harry das Verhältnis zu seinen einzigen verbliebenen Verwandten inzwischen eigentlich gleichgültig geworden war, so starrte er nun doch mit Tränen in den Augen auf die Tür. Morgen würde sein 17. Geburtstag sein und obwohl er nicht erwartet hatte, dass dem irgendjemand von den Dursleys Beachtung schenken würde, so hätte er ihn doch irgendwie gerne wie jedes Jahr in deren Haus verbracht.


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Beitragvon Wuschl » Sa 23 Dez, 2006 14:51

Super schöne Fortsetzung :)
Veron wie er leibt und lebt..... tzz

Armer Harry...^^

Freu mich auf die Fortsetzung :)
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Beitragvon Paradise » Sa 23 Dez, 2006 14:58

Wunderbare Fortsetzung! Das dritte Kapitel hat mir toatl gut gefallen!
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Beitragvon Zilla » So 24 Dez, 2006 00:04

Also, spannend ist deine FF wirklich! *Fingernägelknabber*
Vicky wieder auftauchen zu lassen liest sich sehr interessant an. Mal sehen, was für eine Rolle der noch spielt.
Das Snape-Schnuckischatzi böse sein soll, gefällt mir natürlich gar nicht, aber vielleicht ist ja auch wieder alles anders als man denkt... :-)

Ich bin ebenfalls schon sehr gespannt auf Dracos weiteres Vorgehen und natürlich darauf, was Harry, Ron und Hermine so erleben.

Legst du eigentlich Wert darauf, auf Fehler hingewiesen zu werden? Ich habe nur ganz kleine gefunden, deshalb wollte ich da jetzt nicht Korinthen kacken, aber falls es dich interessiert...

Auf jeden Fall freue ich mich schon sehr auf das nächste Kapitel.

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Beitragvon Denkarius » Mo 25 Dez, 2006 16:51

Vielen lieben Dank für Eure Kommis, ich schreibe grade im bayerischen Exil fleissig weiter und werde morgen abend gleich mal wieder was reinsetzen...



Tja und kann nur versprechen... spannend wird es wohl bleiben...

... und bei Snape weiss man ja nie!



Für Hinweise auf Fehler bin ich selbstverständlich immer sehr dankbar. Werde mir dann ggf. erlauben, sie per EDIT zu berichtigen.
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Beitragvon Queen of Shadow » Mo 25 Dez, 2006 22:37

Bayrisches Exil? :lol:

Hach war das wieder spannend....
Aber Harry einfach an seinem 17. Geburtstag vor die Türe setzen *mir grad überlege ob ich Vernon beißen soll :twisted:* Aber lieber nicht der schmeckt bestimmt nicht *gg*
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Beitragvon Paradise » Mo 25 Dez, 2006 22:55

Ich freue mich schon auf neue Kaptiel von dir! *es gar nciht mehr erwarten kann*
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Beitragvon Nimbus Zweitausend » Di 26 Dez, 2006 00:51

ich weiß das ist ne scheiß frage,aber was heißt ff ??? lol.........finds trotzdem gut ;)

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Beitragvon Denkarius » Di 26 Dez, 2006 22:27

So, also nun hier: frisch aus Bayern mitgebracht... 8) (obwohl diese Kapitel schon vor meiner Abreise also noch in Berlin entstanden sind): Viel Spaß!

Kapitel 5: Ein böses Erwachen

Draco Malfoy wurde von einem Ziehen in der Magengegend geweckt. Er wusste nicht, wie lange er geschlafen hatte und was seit der Nacht auf dem Friedhof passiert war.

Er öffnete vorsichtig die Augen und schaute sich um. Er lag auf einem großen Bett in einem ihm bekannten Zimmer, in dem er jedoch schon lange nicht mehr gewesen war.

Als er sich bewegte, spürte er noch in allen Gliedern die Schmerzen und langsam holte ihn die Erinnerung an die auf dem Friedhof erlittenen Qualen wieder ein.

Plötzlich schreckte er hoch. War das alles nur ein Traum gewesen? Er blickte auf seinen Arm und sah das rötlich leuchtende Todessersymbol. Nein, es war kein Traum. Draco hatte versagt, er hatte Dumbledore einfach nicht töten können.

Dieser alte Schwätzer hat ihn mit allen psychologischen Tricks abzulenken versucht, dachte er. Aber wenn er ehrlich war, mußte er zugeben, dass Dumbledore sehr überzeugend gewesen ist. Irgendwann waren Draco keine Gegenargumente mehr eingefallen und wahrscheinlich wäre er sogar noch auf Dumbledores Angebot eingegangen, wären in dem Augenblick nicht die anderen Todesser erschienen.

Nun hatte er aber ungleich mehr Probleme als zuvor. Seine Mutter, die ihn nur schützen wollte, ist um ein Haar von Voldemort umgebracht worden und er musste Snape noch dankbar sein, dass dieser die Hinrichtung seiner Mutter zunächst verhinderte. Warum hatte er dies wohl getan? Draco wusste keine rechte Antwort darauf, er konnte Snape aber nicht glauben, dass es ihm wirklich darum gegangen wäre die Bedeutung des Festtages nicht durch einen einfachen Mord zu schmälern. Genauso wenig wustte Draco, wie er Voldemorts neuen Befehl ausführen sollte.

Potter lebend zu Voldemort bringen, wie sollte das gehen? Potter wird in wenigen Wochen wieder in Hogwarts sein und dort konnte Draco nun wirklich nicht mehr aufkreuzen. Also musste er irgendwie vorher handeln.

Die Tür sprang auf und in der Tür stand seine Tante Bellatrix Lestrange. „Na junger Mann, ausgeschlafen?“

„Tante Bellatrix, hast Du mich hierher gebracht?“ wollte Draco wissen.

„Na, wer denn sonst?“ fragte Bellatrix. „Hätte ich Dich da im Dreck liegen lassen sollen und zusehen sollen, bis Nagini Dich frißt?“

Draco sagte nichts.

„Du hast jetzt 7 Tage und 7 Nächte durchgeschlafen. Ich habe dir einen Beruhigungstrank verabreicht, damit die Wunden der Flüche richtig verheilen können.“

„Was sagst du da? 7 Tage? Bist Du verrückt geworden, mich so lange lahm zu legen? Was ist seit dem alles passiert?“

„Ein wenig mehr Dankbarkeit könntest Du aber schon zeigen. Du hast nicht viel verpasst. Nachdem sich Deine Mutter so überaus dämlich selbst in Gefahr bringen musste, blieb mir ja nichts anderes übrig, als mich um dich kleinen Versager zu kümmern. Ich weiss zwar nicht, ob deine Mutter noch Gelegenheit dazu erhalten wird, mir auf Knien rutschend dafür zu danken, dass ich deine Haut gerettet habe, aber immerhin sind wir ja verwandt, auch wenn ich nicht gedacht hätte, dass unsere reinblütige Familie jemals einen solchen Feigling und Versager hervorbringen würde. Aber das musst du wohl von deinem Vater geerbt haben, denn der hat sich ja genauso dumm angestellt.“

„Beleidige meinen Vater nicht und pass auf, was du sagst, du falsche Schlange“ zischte Malfoy.

„Du willst mir drohen? Glaubst du etwa, ich zittere vor dir, wenn du es nicht einmal fertig bringst, einen geschwächten und am Boden liegenden alten Mann aus dem Weg zu räumen?“

Draco spürte, wie ihm die Tränen in die Augen schossen. „Lass mich in Ruhe!“ sagte er barsch und drehte sich im Bett um.

„Du bist eine Schande für unsere ganze Familie, Draco! So ein Weichei wie du war noch nicht einmal mein Cousin Sirius! Sieh zu, dass du wenigstens deinen neuen Auftrag nicht auch vermasselt und damit noch Deine eigene Mutter umbringst!“

Draco schloss die Augen. Ihm war nun klar, welch ein fataler Fehler es gewesen war, sich den Todessern anzuschließen. Von der früheren Bewunderung, die er für die dunklen Künste empfunden hatte, spürte er nun nichts mehr. Nur noch die Angst um seine Mutter und um sein eigenes Leben waren ihm gegenwärtig. Was als kindliche Schwärmerei für die dunkle Seite der Magie begonnen hatte, drohte nun in einem Fiasko zu enden.

Er wäre am liebsten am nächsten Tag nach Askaban aufgebrochen, um dort seinen Vater zu besuchen und um Rat zu fragen. Doch er wusste, dass man ihn überall suchen würde und er sich in den nächsten Monaten wohl nicht mehr frei in der Welt würde bewegen können.


Kapitel 6: Neuigkeiten aus Askaban

Hedwig war noch nicht wieder zurückgekehrt, als Harry am nächsten Morgen mit zwei Koffern und seinem Eulenkäfig beladen vor das Reihenhaus im Lingusterweg trat.

Onkel Vernon und Tante Petunia hatten sich beim Frühstück noch wegen ihm gestritten. Tante Petunia hatte versucht, ihren Mann, was Harry angeht, doch noch einmal umzustimmen, obwohl sie durchaus auf Harrys Gegenwart verzichten konnte, aber vergeblich. Onkel Vernon ließ nicht mehr mit sich darüber reden, sein Entschluss stand fest. Petunia hatte dabei kein gutes Gefühl, nicht etwa, um Harry zu schützen oder ihm etwas Gutes zu tun, sondern aus reiner Angst vor den Worten, die Mad-Eye Moody am Bahnhof Kings Cross vor ein paar Tagen gewählt hatte. Das schien Onkel Vernon allerdings inzwischen auch gleichgültig zu sein. Er wollte Harry einfach endlich loswerden, weil der in seinen Augen das Unglück nur so anzog. Deshalb rückte er nicht mehr von seiner Entscheidung ab.

Schließlich standen Vernon und Petunia in der Tür vor ihrem Haus und schauten Harry hinterher. Dudley hatte sich nicht einmal mehr von Harry verabschiedet, er war seit gestern Mittag ununterbrochen mit seiner neuen Playstation beschäftigt gewesen. Dass er nun ein neues Zimmer dazu bekommen würde, hatte er offenbar noch gar nicht wahrgenommen.

Kaum hatten sich Vernon und Petunia umgedreht, um ins Haus zurückzukehren, tauchte er wie aus dem Nichts auf. Der Fahrende Ritter. Vor Harrys Nase war plötzlich die Tür, die sich augenblicklich öffnete. Harrys Miene erhellte sich sofort, denn er erkannte ein vertrautes Gesicht wieder. Es war Stan Shunpike, der ihn vor genau fünf Jahren schon einmal an dieser Stelle aufgelesen hatte.

„Guten Morgen, Harry Potter! Wo wollen wir denn hin, heute morgen?“

„Nach Hogwarts.“ antwortete Harry.

„Sie sollten nicht alleine auf der Straße unterwegs sein. Es sind gefährliche Zeiten angebrochen.“ sagte Stan und schaute sich stirnrunzelnd um.

„Ich dachte, sie wären...“ begann Harry den Satz.

„Schhht!“ machte Shunpike, „nicht hier! Suchen Sie sich oben ein Bett aus, ich komme später zu ihnen“

Die Tür schloss sich.
„Festhalten“ rief Ernie Prang, der Busfahrer.

Harry fiel fast vornüber auf seinen Koffer, konnte sich aber noch im letzten Moment an einer Stange festhalten. Er spähte aus dem Fenster, aber das Haus der Dursleys war nicht mehr zu sehen.

Als er im Obergeschoss angekommen war, fiel ihm auf, dass hier außer ihm niemand war. Er ruhte sich ein wenig auf seinem Bett aus und dachte über die Situation nach.

Professor McGonagall würde sicher erst am nächsten Tag mit ihm rechnen und die Ordensmitglieder würden wohl auch alles andere als begeistert sein, dass er hier allein unterwegs war, ohne irgend jemanden darüber zu informieren.

„Also Harry, wie geht’s ihnen?“ Shunpike stand plötzlich neben Harrys Bett.

„Stan. Also ich hatte mir schon Sorgen gemacht, weil sie sie für einen Todesser gehalten und verhaftet haben.“

Harry rutschte fast vom Bett hinunter, als der Bus im Slalom durch die Londoner Straßen raste.

„Ja, sie brauchten wohl einen Verhaftungserfolg. War nicht sehr angenehm für mich, in Askaban fest zu sitzen“ sagte Stan.

„Wann haben sie sie freigelassen?“ wollte Harry wissen.

„Vor wenigen Tagen erst. Nachdem Dumbledore ermordet wurde und selbst die Todesser in Askaban sich von mir deutlich distanziert haben, hatten sie wohl keine Argumente mehr. Die Anweisung soll wohl vom Minister persönlich gekommen sein.“

Harry musste grinsen. Augenblicklich erinnerte er sich daran, wie er noch am Tag von Dumbledores Begräbnis beim Zaubereiminister Rufus Scrimgeour persönlich Stan Shunpikes Freilassung gefordert hatte. War offenbar doch nicht ganz ohne Wirkung geblieben, dachte er sich.

„Lucius Malfoy hat in der Zelle neben mir gesessen. Er hat jedes Mal gerufen: ‚Dieser unnütze, kleine Busschaffner hier ist doch kein Diener des dunklen Lords’ und ‚Glaubt ihr, der dunkle Lord interessiert sich für euer Sammeltaxi?’ In den letzten Tagen sagte er nur, dass wir den Namen Malfoy noch fürchten würden und das, obwohl er selbst in Askaban fest sitzt. Fing wohl so langsam schon zu phantasieren an, der Gute.“

„Das hat Lucius Malfoy tatsächlich gesagt? War das vor dem Mord an Dumbledore?“ unterbrach ihn Harry aufgeregt.

„Keine Ahnung. Ja doch, ich glaube schon. Danach haben sie mich ja rausgelassen. Das konnten sie mir ja nun wirklich nicht anhängen, da müssen sie sich schon einen anderen Schuldigen suchen.“ sagte Stan.

„Also wusste Lucius Malfoy über die Pläne von Draco Bescheid!“

„Was für Pläne?“ fragte Stan beiläufig.

„Ach nichts!“ sagte Harry schnell. Er hielt es für besser, jetzt nicht zu sehr ins Detail zu gehen. „Auf jeden Fall schön, dass Du wieder frei bist!“

„Ja, das meine ich auch. Was willst Du eigentlich jetzt in Hogwarts? Es sind doch noch Ferien, oder?“ fragte Stan neugierig.

„Och, ich habe dort in der Aufregung ein wichtiges Schulbuch vergessen, das muss ich über die Ferien noch durcharbeiten“ log Harry.

Die Fahrt dauerte noch einige Zeit an. Sie hielten in London noch an ein paar Stellen an, verschiedene Zauberer stiegen ein und aus und irgendwann hatten sie das Stadtgebiet verlassen und rasten über das Land. Im Bus waren nun nur noch wenige Zauberer und Hexen. Es war ein trüber Tag und es regnete sehr stark. ‚Toller Geburtstag!’ dachte sich Harry und blickte aus dem Fenster.

Als der fahrende Ritter in Hogsmeade plötzlich anhielt, fiel Harry wieder einmal fast durch den halben Bus. Er verabschiedete sich von Stan und machte sich auf den Weg hinauf zum Schloss. Über dem See lag noch ein recht dichter Nebel durch tief hängende Wolken. Als Harry die Stufen zum Schloss hinaufstieg, konnte er im Augenwinkel kurz das riesige Denkmal auf Professor Dumbledores Grab zwischen den Wolken erkennen. Er mußte unwillkürlich an die Trauerfeier, die hier noch wenige Wochen zuvor stattgefunden hatte, denken. Harry betrat die Eingangshalle und Professor McGonagall kam ihm schon entgegen.

„Potter, warten Sie. Sie setzen ja die halbe Halle unter Wasser!“, sagte sie. „Kommen Sie mit, ich gebe ihnen trockene Kleidung und werde dafür sorgen, dass ihre nassen Sachen über dem Kamin im Gryffindor-Gemeinschaftsraum aufgehängt werden können.

„Danke“ erwiderte Harry.

„Warum im Namen des Merlin, sind sie heute schon hier, Potter? Hatten wir nicht ausdrücklich vereinbart, dass sie ihren Aufenthaltsort nicht verlassen, bis sie dort abgeholt werden?“

„Ja, Professor“, erwiderte Harry kleinlaut, „aber meine Verwandten haben mich heute morgen auf die Straße gesetzt und da blieb mir keine andere Wahl, als mit dem fahrenden Ritter direkt hierher zu kommen.“

Professor McGonagall starrte Harry ungläubig mit offenem Mund an. „Was sagen sie da? Das haben die Dursleys gewagt, sie einfach vor die Tür zu setzen?“

„Ja, ich...“, begann Harry, doch McGonagall sagte: „Genug, jetzt gehen sie erst einmal in ihren Gemeinschaftsraum, ziehen sich trockene Sachen an und ruhen sich für eine Stunde aus. Dann sehen wir uns im Büro des Schulleiters.“

„In Ordnung“, antwortete Harry, drehte sich um und sah im Augenwinkel noch, wie McGonagall schweigend in die noch offen stehende Eingangstür trat, ihren Zauberstab hervorholte und eine Zauberformel murmelte. Harry bemerkte eine silbrige durchsichtige Wolke, aus der rasend schnell ein Patronus in der Form einer Katze hervorsprang und eilig davon rannte.
Zuletzt geändert von Denkarius am Mi 27 Dez, 2006 01:31, insgesamt 1-mal geändert.
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